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(Nachdruck verboten.)
Im Ma lall der Aajah.
Roman von B. M. Croker.
Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.
(Fortsetzung.)
Der Monat August war gekommen. Die meisten Regierungsbeamten, die vornehmen Damen von Madras und wer von den Offizieren irgendwie Urlaub bekommen konnte, war hinauf nach Neilgherries entflohen, während wir armen Tröpfe in der staubigen Ebene mühsam nach Luft schnarchen. Abends kam wohl allerdings eine frische Brise vom Meere herüber, und die Sonnenuntergänge waren unbeschreiblich herrlich — so wunderbar farbenprächtig, tote man sie wohl nur im südlichen Indien zu sehen bekommt.
An einem dieser schönen Abende verfiel Friedrich Augustus plötzlich auf den Einfall, er wolle ein Mondfest rn entern der alten, am Abhang von Palaveram gelegenen Bungalows geben, ein Gedanke, der natürlich mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde.
Da die Stellung des Mondes kein langes Zögern zuließ, soute die^ Sache sogleich vor sich gehen. Es mochte eine Gesellschaft von etwa fünfzig Personen sein, zu der auch rch gehörte, denu mein Versuch, mich zu drücken, war erfolglos geblieben. Frau Rosario blieb fest, ich mußte mrtgehen, weil ich ja doch so wenig Vergnügen habe.
Palaveram war einst eine bedeutende Garnisonstadt gewesen, und noch heute standen die verlassenen und zum größten Teil zerfallenen Kasernen, Baracken und Bungalows an den grasüberwucherten, von Feigenbäumen beschatteten Straßen. Mitten aus der weiten Ebene ragten Pyramiden- glerch zwei eigentümliche, tausend Fuß hohe Bergkegel empor, auf deren Spitze je ein großer Bungalow stand. Unternehmungslustige Einwohner hatten diese Gebäude ohne Zweifel einst in der süßen, aber trügerischen Hoffnung, stch dort oben gewissermaßen im Gebirge zu befinden, erbaut. Bei der großen Entfernung von den Bazaren, der Post und den Masservorräten und bei den steigenden Ar- bettslöhnen waren sie jedoch bald mit ihrer ganzen Emrrchttmg im Stich gelassen worden. Die große Zahl solcher leerstehenden und vollständig eingerichteten Bunga- totoS tst eine der unerklärlichen Eigentümlichkeiten des südlichen Indiens. Angefüllt mit seltsamen alten Möbeln, Bswern, Lampen, Porzellan und Nippsachen stehen sie sich überlassen! d!a und werden nur hin und wieder bei
Prckmcks oder sonstigen ländlichen Festen benützt.
Friedrich, der in Palaveram geboren war, hegte eine
Ehrfurcht vor diesen alten Gebäuden und konnte sich auch tatsächlich noch der Zeit erinnern, da eines davon voxMergehend bewohnt war. Der »a, den wir zu Fuß
nach dem von ihm in Aussicht genommenen Bungalow zu- rucklegen mußten, erwies sich nun allerdings als höchst tnterestant. Zwischen Palmen und Gujavabäumen und von der Sonne versengten kahlen Abhängen kletterten wir hinauf, ms totr endlich bei einem zwischen zwei Anhöhen liegenden, uralten Hindutempel anlangten. Ein ungeheurer Feigenbaum überschattete ihn, und im Mittelpunkt des inneren Hofes stand ein riesiges steinernes Götzenbild, eine scheußliche Gestalt auf einem seltsam geformten Pferde, das übrigens ebenso gut eine Kuh vorstellen konnte. Das ganze Gebäude, obwohl von solider Bauart, machte einen verfallenen Eindruck.
toar hineingetreten, um mich etwas umzusehen. Plötzlich fuhr ich beim Klang einer Stimme neben mir erschrocken zusammen.
„Dies ist der Tempel des Kali. Dort drüben steht der Opferstein. . . Sehen Sie nur, wie abgenützt er ist. Vor vierhundert Jahren war er in täglicher, ja stündlicher Benützung."
Die Stimme und Erklärung kam von dem mir so verhaßten Ibrahim, der Eulalie in seinem Wagen hergeführt hatte. Wie hatte er mich nur so rasch auffinden können? Als ich mich jedoch umschaute, bemerkte ich, zwar in angemessener Entfernung, Jocasta, die Spionin. Ein Erröten war bei ihrer Gesichtsfarbe ausgeschlossen, und Verlegenheit kannte sie überhaupt nicht. Vielleicht tat ich dem Mädchen aber auch Unrecht, Ibrahims Erscheinen konnte ja auch Zufall sein. Ob nun aber Zufall oder nicht — gern wäre ich länger hier geblieben, um die Seltsamketten näher anzusehen, oder mir von hier aus den feuerroten Sonnenball zu betrachten, wie er allmählich in sein purpurnes Bett niedersank und die ganze Ebene, die Spitzen der Palmen und Feigenbäume und das auf dem St. Tho- masberge gelegene weiße Gebäude in rosige Glut tauchte. Allein Mr. Ibrahim befand sich in meiner Nähe, und so eilte ich in atemloser Hast Iveiter, um mich unter die übrige Gesellschaft zu retten, dicht von ihm gefolgt, der stets bereit war, mir auf den unbegangenen, zwischen Gebüsch und Kaktussträuchern hinführenden Wege, den ich emporkletterte, hilfreich beizustehen.
Das Unterhaltungsprogramm des Abends lautete folgendermaßen: kaltes Wendessen im Bungalow, dann Spaziergang nach Belieben im Mondschein, Gesang und Spiele, hierauf Rückkehr in den Bungalow und eine zweite Erfrischung vor dem Nachhausegehen. Zum Glück für mich war kein Klavier vorhanden. Das Essen verlief sehr heiter, jedermann war in bester Stimmung in diesem dumpfen Speisezimmer mit seinen alten Möbeln und Gemälden, die bei niemand außer mir einen Gedanken an verklungene Zeiten weckten. Friedrich Augustus hatte mich zu meiner großen Verwunderung unter seine besondere' Obhut genommen. Jetzt war nicht mehr von Armenhaus und Bettelvolk die Rede — wie ein Ehrengast mußte ich! zu seiner Rechten sitzen. Wie kam ich nur plötzlich zu dieser


