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glückseliges, verschämtes Bräutchen zeigte, wär er ein großer, stattlicher blonder Mann, im Besitz eines prächtigen Schnurrbarts, und schien viel auf sein Aeußeres wie auf Haltung und Manieren zu geben.
Mein Mann fragte ihn nach seinen militärischen Ber- hältuissen und erhielt ausführlichste Auskunft, so daß er von 9)iarteg Wahl bald sehr eingenommen war. Ich aber lerntte bange Ahnungen nicht unterdrücket: und sagte, als' ich mit dem Erkorenen, der sich tmter elegantester Ver- beuguug empfahl, allein war: Sie sind doch auch sicher, daß das Geld gut angelegt wird, so daß das Mädchen reinen Verlust haben kann?, meine düstere Besorgnis auf diese Weife so rücksichtsvoll wie möglich einkleidend. Gr aber trat gekränkt einen Schritt zurück, legte die Rechte auf das weißgestärkte Oberhemd uud sprach die denklvürdigeu Morte: Madame, was denken Sie von mir? Ta täte wich das Mädchen ja Ville zu leid!
Ties war das letzte, was ich von Emil Noack vernahm.
Ein Tag nach dem andern ging ins Land, tntb aus Abend und Morgen wurden allmählich vierzehn Tage, ohne daß Marie einen Brief aus R., wo er sein neues Amt antreten wollte, erhielt, und des Geliebten Rückkehr zum „Ausgehsonntag", den sie zusammen verleben wollten, war bereits zu. erwarten, als ich meinte, den jungen Herrn in der Friedrichstraße in fröhlichster Gesellschaft gesehen zu haben.
Ich glaube, Marie, ich bin heut Ihrem Bräutigam begegnet, sagte ich so harmlos- als möglich, als ich nach Hause zurückkehrte. „Och, gneddige Frau", war die zuversichtliche Antwort, was denken Sie! Wenn Emil -in Berlin wär', dann wär' er auch bei mir!"
Aber leider trog diese schöne Hofsnung. Wo Emil verblieben ist, haben wir nicht feststelltzu können, benit weder Marie noch wir haben jemals wieder etwas von ihm gehört. Eine Anzeige auf der Polizei zu machen, wünschte Marie nicht, die wohl immer noch nicht die Hoffnung aufgeben mochte, den Ungetreuen eines Tages reuig zurückkehren zu sehen. Tie Portierfrau leugnete auf ernstes Befragen jegliche Verwandtschaft ab, erklärte Emil Noack für „jauz entfernt anjeheirat" und wußte nichts Näheres; sie und Marie waren ivieder tödlich verfeindet. Doch letztere blieb nicht lange mehr in unserm modernen Babel, sondern ging zum großen Leidwesen meiner Kinder wieder zur „hochgnt'gen Frau Amtmann", wie sie meine Schwiegermutter zu nennen pflegte, zurück, um im stillen Frieden des ostdeutschen Landlebens die Wunde zu heilen, die sie im Treiben der Welt empfangetr hakte.
Tert oben sahen wir sie einige Jahre später gelegentlich eines Heimatbesuchs wieder, älter geworden, aber wie immer arbeitsam und voll rührender Hingabe für unser ganzes Haus. Eines schönen Sonutagsabends besprachen wir auch das Berliner Erlebnis, den einzigen Roman ihres Herzens! Es tut mich abber doch nich leid, gneddige Frau, sagte das alte Mädchen mit nachdenklichem Kopfschütteln und fester Stimme, bin ich doch damals serr glücklich gewesen. Damit senkte sie den Kopf ttnb ging langsam toieber in bie Küche.
Mein Mann aber erwiderte, als ich ihm diesen Ausspruch Maries wieder erzählte: So ein Frauenherz ist eben ein seltsames Ting, mag es nun einer Gräfin gehören oder unsrer alten Marie!
Vermachtes.
* ll e b e r die Litauer, die den äußersten Nordosteu der Provinz Ostpreußen bewohnen in einet Stärke von ca. 120 000 Köpfen, bringt die letzte Nummer der „Bötker- schau" interessante Einzelheiten. Sie stammen aus dem litauischen Hauptland jenseits der Memel und sind im 16. Jahrhundert eingewandert, als der deutsche Orden, nachdem er 1466 Westpreußeu und Ermland an Polen verloren hatte, daran denken mußte, das ihm verbliebene Gebiet besser zu kolonisieren. Im Gegensatz zu ihren südlichen Nachbarn, den Masuren, haben hei ihnen wenigstens noch die Frauen und Mädchen ihre malerische Nationaltracht bewahrt. Ter bunte Rock, Marginne (von margas •— bunt) ist von koketter Kürze, besteht zumeist aus Wolle und zeigt eine bunte Farbenmischung, besonders am unteren Rande. Tas schmucke Mieder, welches über einem
blendend weißen Hemd sitzt, ist tnnt schwarzer oder grüner Farbe. Dazu kommen noch eine reichgestickte Schürze untz farbige Strümpfe. Tie Hände zieren selbstgenähte Handschuhe mit blumigen Mustern. Die Mädchen schmücken häufig! das Haupt mit einem weißen Aufsatz von Spitzen, und Blumen oder auch- mit einem Rautenkranze. Tie 'Litauer sind freundlich, gesellig und gastfrei. Hervorzuheben ist ihre Gesangeslust. Ihr äußeres und inneres Seelenleben spiegelt sich: in den Tainos (Liedern) wieder, die allenthalben lustig erklingeu, bei feierlichen Zusamwen- künften und g!emeinfamen Arbeiten, beim Spinnen, Fischen, Flachsbrechen usw. Ten Inhalt bilden meistens Wtern- und Geschwisterliebe, Tratter um verlorenes Glück und die Schönheiten der Natur, mit der sie innig verwachsen sind und deren Reize sie glücklich zu genießen verstehen. In den Liebesliedern spielt die Raute eine große Rolle, welche! die Stelle der Myrte und Rose vertritt und Liebe und Unschuld versinnbildlicht. Bei den Festen, welche beim! Mähen und Ernten, Flachsbrechen, Begräbnissen und Hochzeiten gefeiert toerben, spielen Essen und Trinken die Hauptrolle. Taneben wechseln Tänze, darunter einige Na- tionaltänze mit Tainogesang und dem Erzählen von Geschichten abenteuerlichen und gruseligen Inhalts. In denk Volke, leben noch Reste des Heidentums fort. Noch vor 50 Jahren fand ein Mann bet der heidnischen Zeremonie der Boüheiligmtg seinen Tod. Auch die Saunten, Gottheiten niederer Ordnung atts der heidnischen Zeit, sittd noch nicht vergessen. Einem neuen Erdenbürger wird ost bis zur Taufe abends ein Licht neben der Wiege angesteckt, welches die gattze Nacht hindurch brennen muß, damit nicht Lainta oder deren Dienerin Apmaine das Kind forttrage und an seine Stelle einen Wechselbalg lege. Tie Furcht vor bösen Geistern ist groß.
„Wiener Mode", 17. Jahrg., Heft 8, Ausgabe vom 15. Januar 1904 enthält eine größere Auswahl hübscher Maskenkostüme, teils farbig, ausgeführt. Jedes einzelne ist von guter Wirkung. Besondere Anerkennung verdienen! die Kostüme Karo-Dame, Augsburger Patrizierin aus dem 15. Jahrhundert, das dalmatinische Miederkostüm und ein Kostüm aus der Zeit der Marte Antoiuette. Tie diesjährigen Karnevalsmoden weisen vieles Neue auf; die Kunst, sich zu kleiden, stellt nicht nur im täglichen Leben, sondern auch bei festlichen Gelegenheiten höhere Ansprüche ganz dem verfeinerten Geschmack entsprechend, der sich auf jedem Gebiete geltend macht. Das Heft bringt aber auch einfache Toiletten für Promenade, Theater und Haus, uud zwar mit der in dieser Saison wünschenswerten Reichhaltigkeit. Tie umfangreiche Abteilung „Handarbeit" enthält eine Fülle schöner Vorlagen für verschiedene Ausführungen, dann folgt der. Unterhaltungsteil „Im Boudoir", dessen wertvollster Beitrag der Roman „Iw Bruck-, müllerhof" von der leider zu früh verschiedenen Tichterin Antonie Baumberg, ist. Man abonniert bei allen Buchhandlungen sowie direkt beim Verlage ber Wiener Mode in Wien VI/2 zum Preise von 2.50 Mark vierteljährlich.
Magisches Dreieck.
(Nachdruck verboten.)
Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart eilt- zutragen, daß die drei Außenseiten, wie auch die drei wagerechten Jnnenreihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben: 1. Weltstadt ; 2. Mehl; 8, Haustier4. Flur; 5. technisches Hilfsmittel; 6. Gedankeugang.
(Auslösung in nächster Nmnnier.)
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr: Burgunderweine,
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Triihl'schen UniversnätS-Buch- und Cteiudruüerei. R. Lange, Gießen.


