Ausgabe 
21.10.1904
 
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von Jos. Goller, Spielzeuge derDresdener Werkstätten für HmrdwerMuust**, Schülerzeichnungen, Kreuzstich-Mustervorlagen für Kinder von F. Nigg und einen Teil des redenden Bilder- A-B-C von H. Bek-gran, von dem auch der sonstige Leisten- und Vignetten-Schmuck des Heftes stammt. Besonders hervor- gehoben zu werden verdienen die prächtigen Beilagen, foSonn- tags-Kind** von Prof. Franz Hein-Karlsruhe, (dem Zeichner des künstlerischen Wmidkalenders desGieß. Anz." für 1905, den unsere Abonnenten, wie alljährlich, zum diesjährigen Weih­nachtsfeste erhalten werden),Aschenputtel" von Adolf Münzer- München undDer Rattenfänger Von Hameln** von Jos. Goller- Dresden, die den ohnehin reichen Inhalt des Heftes gediegen abrunden. Eine ReiheWettbewerbe" mit recht zeitgemäßen und interessanten Aufgaben soll allen Freunden dieser Bestreb­ungen, Müttern und Kindern Gelegenheit zu direkter Mitarbeit bieten. Mes in allem ein Inhalt von geradezu überraschender Vielseitigkeit und tiefem Gehalt, in der Tat eine Erfüllung des gestellten Programmes, dessen weiterer Durchführung in diesem Sinne man nicht nur mit lebhaftestem Interesse sondern auch mit vollstem Vertrauen entgegensehen kann. Das vorliegende Heft zeigt uns neue Wege für eine harmonische Erziehung unserer Kinder, um sie zu glücklichen, lebensfreudigen Menschen iverden zu lassen.

Tie mittleren Altersklassen der jetzigen Generationen glauben fest an ein solches Aufwärts, ihm strömen Gläubige zu aus allen Lagern, aus allen Religionen, aus allen Volkern. Tas was dadurch geweckt wird, ist neues, frisches Leben; es um­spannt den ganzen Erdball. Und inmitten der Kreisung ist ein Altar errichtet, und auf ihm steht das Reinste, das Göttlichste aller Zeiten das Kind. Ihm gilt das, was da vor sich geht. Ja, »vir kommen nicht davon ab, wir können nicht mehr anders handeln, wenn der gesuchte und zum Teil bereits vorgesteckte Weg begangen tverden soll, um das Ziel zu erreichen, an deni unser Ideal menschlicher Vollkommenheit und Größe und zu­gleich menschlichen Glückes seine Stätte haben soll. Alle können wir diesen Weg nicht mehr beschreiten, denn er muß von Anfang an begangen werden. Aber das was uns als Heiligstes und Größtes geworden ist, oder noch werden wird: unsere Kinder, die können es, denn ihr Leben liegt jetzt am Anfang des Weges. Und überall bereiten Hände diesen Weg, leiten Hände diese ersten Schritte und liebende Herren und klarblickende Augen die Reinen Seelen. Und der Weg ist geschmückt und an seinen Grenzen wacht die Schönheit in ihrer ganzen Reine. Tie Kunst hat in ixtS Leben des Kindes eingegrifsen!

pernrrschtes.

* Dam en hüte im Theater. Ein lustiges Kapitel wid­met Ernst Blum in seinemJournal d'un Bandewilliste** der viel erörterten Hntfrage. Eines Abends saß, so erzählt er u. a., Gil Perez, der amüsante Komiker i>eS' Palais-Royal, in den Varistss hinter einem Hut mit mehreren Etagen, die ihm nicht nur die Bühne, sondern auch noch die Hälfte des Kronleuchters versperrten. (Äl Perez wurde wütend und setzte, um zu pro­testieren, gleichfalls den Hut ans. Tie hinter ihm sitzenden Zu­schauer schimpften natürlichHut! Hut!" schrie man.Recht haben Sie", sagte Gll Perez, indem er aus den turmhohen Hut der Dame zeigte, und schrie gleichfalls:Hut! Hut!"Nein! Ihr Hut! nicht der!"Meiner ist ja kaum halb fo groß, wie der Kopfdeckel der Tarne!**Macht nichts, sie darf. Sie nicht! Hut! Hut!"Schön!" Gil Perez nahm nun zwar den Hut ab, aber er hatte seine Idee. In der Pause ging er zu einer Kollegin, die er in einer Loge bemerkt hatte.Borgen Sie mir doch für einen Augenblick Ihren Hut", sagte er zu ihr,es handelt sich um eine soziale Temvnstration!" Die Kollegin, die hübsches und reich quellendes Haar hatte, borgte dem Komiker gern ihren Hut. Als der Vorhang wieder in die Höhe ging, erschien Gil Perez mit dem Damen Hut auf dem Kopfe im Parkett. Ungeheures Gelächter, aber Gll Perez ver­zog keine Miene und schritt mit dem köstlichen Ernst, den er an­nehmen konnte, ruhig seinem Platze zu. Der Hut war enorm; er konnte sogar siegreich den Höhenkampf mit dem Hute der vor dem Komiker plazierten Dame aufnehmen und versperrte nun seinerseits allen dahinter sitzenden Zuschauern so sehr die Aus­sicht, daß sie wie in einer Bastille saßen. Mer keiner! protestierte; Gil Perez drehte sich um und sagte:Tas darf ich also? Schön, ich werde von jetzt an nur noch mit solchem Hut ins Theater kommen; wenn ich gar nichts auf dem Kopfe habe, erkälte ich mich." Unglücklicherweise befand sich aber auch der diensttuende Polizeileutnant unter den göschMgten Zuschauern; er ließ Gil Perez, der, wie alle Komiker, den größten Respekt vor der Polizei hatte, hinausrufen und sagte zu ihm:Herr Gil Perez, ich muß Sie zur Anzeige bringen, well Sie sich, ob­wohl jetzt nicht Karneval ist, verkleidet haben".Ich wollte ja nur eine bildliche Kundgebung veranstalten und gegen eine schreiende Ungerechtigkeit protestieren!"Tut nichts! ich muß die Zuwiderhandlung feststellen!"iAuch wenn ich ein Glas Mer zum Besten gebe, Gustav?" sagte Gll Perez zu dem

Leutnant der! sein Freurch war. ==Ttrnir ist es etwas anderes^ ich nehme an, und will nichts' gesehen haben! Nur mach* nicht wieder solche Geschichten !" Schon damals war die Behörde streng, aber bestechlich; seftdem. . . aber vermengen wir nicht die Politik nrtt fo ernsten Erörterungen!

* In der Diebsschule. In London gibt es, tote schon Charles Tickens erzählte, richtige Ttebsfchulen, in denen er­fahrene Diebe und Einbrecher Kinder mit der größten Sorgfalt für ihreArbeit** dressieren; in diesen werden die geschicktesten Methoden angewendet, um die gelehrigen Schüler in die Kunst des Einbruchdiebstahls einzuweihen. Da es sehr wichtig ist, daß die Einbrüche geräuschlos gemacht werden, so bringt man den Burschen jetzt bei, roie sie in Häusern mit dem Gesicht nach unten das Geländer hinabzugleiten haben. Zur Uebung werden, wie ein Londoner Blatt erzählt, besondere, spiralförmige Ge­länder gebaut; wenn die Ausbildung des Schülers vollendet muß er verschiedene solcher Geländerwie ein geölter Blitz" hinab- gleiten können. Sehr beliebt bei derEinbrecherzunst" ist auch der Trick, sich von verschiedenen Häuseragenten den Auftrag zu verschaffen, Häuser zu besichtigen. So werden viele Einbrüö^ ausgesührt. Als Landedelmann gekleidet, besucht derMeister** viele Häuseragenten und wird von ihnen angewiesen, bestimmte Häuser zu besichtigen. Am liebsten sucht er Häuserreihen auf, bei denen er, wenn er den Plan des Innern eines Hauses hat/ einenSchlüssel** zu der ganzen Reihe besitzt. Er besichtigt also daS Haus, bekommt einen Plan des Innern und geht. Nach einigen Tagen betreten seine Schüler das ausgewählte Haus; der Weg geht über die Tücher. Jnztoischen bewacht derLandedel­mann**, der wie die verWrperte Achtbarkeit aussieht, das Haus von außen; trenn dieLuft rein** ist, gibt er durch Anstecken von Zündhölzern das Zeichen. Ein Zündholz bedeutet, daß sie sicher mit der Beute herauskommen können, zwei Zündhölzer be­deuten Gefahr. Ein Beamter von Scotland Tard machte auf diese Weise kürzlich einen guten Fang. Er bemerlle, wsie ein Mann! mit der Pfeife im Munde eine Straße im Westen Londons auf- und abging und ständig Streichhölzer anzündete. Ta aber kein Rauch aus der Pfeife kam, wurde er aufmerksam und verbarg sich, um die weitere Entwicklung abznwarten. Bald wurde wieder ein Streichholz angesteckt, und im Nu kam ein zwölfjähriger Knabe aus dem Hause, der einen Sack Holz auf dem Rücken trug. Der Detektiv hielt den Burschen an und fand unter dem Holz Juwelen im Werte von über 80 000 Mark. DerLandedel­mann" wollte flüchten, und der Knabe behauptete, ihn nie ge­sehen zu haben; nachher entdeckte man aber, daß er ein entlassener Sträfling war. In der Regel sind alte Zuchthäusler die Be­gründer solcher Tiebesfchulen. Ta sie wissen, daß sie der Polizei gut bekannt sind .und nur wenig Aussicht haben, mit Erfolg ihre Laufbahn fortzusetzen, müssen sie sich Vertreter suchen. Es hält nicht schwer, Knaben mit bösen Anlagen zu finden; ihre Unter­weisung dauert wochenlang, und der Anfang wird gewöhnlich mit der Kunst des Tafchendiebstahls gemacht.

Werre Wücher.

Dickmann, Tr. Jos., Gicht und Rheumatismus. Ent­stehung, Verhütung und Heilung, gemeinverständlich dargestellt. (48 S.) Berlin SW. 11, Teutscher Verlag. 75 Pfg.

Goetz, Adolf, Sträfling 788. Ein Kapitel Berufsleiden/ 9. Ausl. (200 S.) ' Berlin SW. 11, Magazin-Verlag.

Regener, Tr. Edgar Alfrch, Wilhelm v. Scholz. 2. Ausl. (60 S.) Ebda.

Schott, Sigmund, Kapitalanlage. Anleitung zu zweck­mäßiger und vorteilhafter Bermögensberwaltung für alle Stände. 2. durchg. und ergänzte Aufl. 4.-7. Tausend. (100 S.) Frei­burg i. B., Paul Wätzel. 1 Mk.

8eips Taschenaüas in 36 Haupt- und 70 Nebenkarten.

, und 36 Karten.) Stuttgart, Tatsche Verlagsanstalt. geb«

Magisches Quadrat.

(Nachdruck verboten.)

1. Weideplatz.

2. biblischer Name.

8. Teil des Jahres.

In die Felder vorstehenden Quadrats sind die Buchstaben AAA, E, I, LL, UM derart einzutragen, daß rvagerecht und send» recht gleichlautend drei Wörter von der beigesügten Bedeutung ent­stehen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Zifferblatträtsels in vor. Nr.r i n ni iv v vi vn vm ix x xi xn TALEBINASENA

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lcurge, Gießen.