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Aus Lieöe.
Roman von M. v. Eschstruth.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Fran von Greditz hat Millionen '—" Das bedeutete Mieder für Jutta einen wunden Punkt. „Ja, ich weiß, daß ich Dir nichts mehr bin", weinte sie aus. „Unsinn!" Er! war jetzt entschieden sehr ärgerlich: „Ich wollte sagen — Deine Mutter hat Dich leider für Millionen erzogen", lenkte et ein.
In der kleinen Frau aber hatte sich eine bedenkliche Menge Zündstoff angesammelt; nicht unähnlich dem Funken in einem Pulverfaß, schlugen die Worte bei ihr ein und damit die Flammen der Erregung über ihr zusammen. „Na, für Pfennigrechnen bist Du auch gerade nicht", gab sie zurück. „Und wenn ich gewußt hätte, daß Du so wenig hättest, hätte ich Dich gar nicht genommen." „Juttas Sie duckte sich, sie war erschrocken über sich selbst. Ehe sie jedoch ein Wort sagen konnte, hatte Harro das Zimmer verlassen, wenige Sekunden später das Haus. Spät am Wend kam er heim. Die kleine Frau hatte die bösen Worte selbstverständlich nicht so böse gemeint, sie hatte sich im Grund kaum etwas dabei gedacht, sie waren ihr eben so aus dem Munde herausgeflogen. Freundlich, zärtlich wollte sie jetzt dem Gatten entgegenkommen; er aber hatte nur eine abweisende Miene für sie. Da wurde sie denn auch wieder böse. Einem instinktiven Gefühle folgend, meinte sie: „Na, dann fange Du wieder an. Du hast reichlich so viel Schuld als ich", und verhielt sich still.
Mr den andern Tag war Harros Rerse nach Berlin bestimmt. „Eigentlich hättest Du mich mitnehmen sollen", begann Jütta in seine Vorbereitungen hinein, vielleicht nur) um die peinliche Stille, die intimer noch zwischen ihnen Herrschte, zu unterbrechen.
„Tu vergissest, daß ich als Gast gehe", gab er, immer Uoch von seinem Groll und seinem keineswegs ^anz, einwandfreien Gewissen bedrückt, zurück, etwas heftiger, als hier nötig war. „Natürlich." Auch in Jutta regte sich die Leidenschaft wieder: „Natürlich — sie hat Dich eingeladen — Die Einladung war selbstverständlich. Sie war, wie die Bitte, für ihn zu reiten, von dem Rittmeister ausgegangen; doch Ellinor stand dahinter; Harro war zu ehrlich, um sich das zu verheimlichen. Er wollte nicht lügen und schwieg. Nun geriet Jutta erst recht außer sich. Die blonden Wellen ihres Haares mußten für1 das Zittern der kleinen Hand büßen, als sie mit dem Kamme durchfuhr. „Na, denn bte. Vergnügen mit der Petroleumtante!" brach es schließlich über die Lippen der erregten kleinen Frau.
Lichte Lohe flammte über Harros stolzes, schönes Gesicht. Und tu sich selbst gehoben, gab er nun Mit gewollter Beherrschung sehr natürlich kühl zurück: ,Lch denke, haß Mir eine kleine Erholung nach den letzten Erlebnissen pur
dienlich sein kann." Dann erteilte Leutnant v. Uran deut Burschen den Befehl, eine Droschke zu holen, und hatte, als: diese gemeldet war, nur ein flüchtiges „Lebewohl" für fdttjti Frau, so wie es die Anwesenheit Sophiens, die dem Herrp „Adieu" zu sagen hereinkam, und des Burschen, der, die Aände an den Hosennähten, erwartungsvoll fernerer Ae-. ehle harrend, dastand, als anständig erscheinen ließ.
Jutta hatte bereits Tränen in den Augen, da Harro. Mied. Ws das letzte Rasseln der Droschke verhallte, dal Ugelten ihr die Tränen nur so über die Wangen, und sie weinte, weinte über sich, ihren Harro und die ganze Weist So hatte sie vergessen, den Leuten zu sagen, daß sie etwaigen! Besuch Nicht annehmen könne. Rittmeister von! Dörrenbach, der geglaubt hatte, Harro reise erst um Mer, statt um eins, und ihm Lebewohl sagen wollte, folgte dem) Burschen auf dem Fuße, als ihn dieser jetzt seiner Herrml melden wollte. Die vom Weinen geröteten Augen, die gmM Verfassung Juttas ließen sich ebensowenig wie sich selbst verleugnen. „Wer, meine gnädigste Frau, war denn dep Abschied so hart", trat nun Dörrenbach an. „Es sind ja doch nur ein paar Tage."
Jutta zupfte an dem feinen Spitzentuch, das pur nom ein feuchtes Knäulchen schien, schluckte und schluckte, und! brach von neuem in Tränen aus. Tränen in den sammet- braunen Augen, das konnte Dörrenbach nicht ertragen. Er rückte zu Jutta auf das Sofa, schlang den Arm um ihre Gestalt, wie ein Vater seinem Kinde, dem .er einen Halt bieten will. Die kleine Mau aber, tote .das gewöhnlich gehst wenn eine teilnehmende Seele nahe koMmt, weinte nur heftiger noch. Alles vergessend, fassungslos in Kummer und Zorn, legte sie das Köpfchen gegen ferne Schulter.
Dem Rittmeister ward warm, da er die Wirrnis von blonden Locken so dicht vor seinen Blicken sah, ihren Dufst den Hauch von Juttas Munde so nahe seinen Lippen empfand. Ein Gefühl bemächtigte sich seiner, tote er es nie gekannt. Nur einmal hätte er sie küssen mögen, diese schun- mernden, goldigen Wellen, nur einmal! — Sie hatte es nicht bemerkt; sie würde nie darum gewußt haben, und ihm Ware es seines Lebens Seligkeit gewesen! Doch er hätte darum! gewußt, er hätte nicht ihr Mund, Harros Freund bleiben können, tote er es bleiben wollte. Mer er bog fernen Kopf zurück aus der gefährlichen Nähe; er preßte die Lippen aufeiitander itt festem, sich wehrendem Entschluß utrd verhielt sich sttll, ganz sttll in der so süß bestrickenden Nahe.. Zuletzt erst, ganz zuletzt rührte seine Hand an Jutta Arm-, ähnlich wie ein Hund den Kopf an die Kniee fernes Herrn legt, um ihn zu erinnern, daß die Treue wacht. ,Meine gnädige Mau", fragte er freundlich, „hat Sie denn sonst etwas betroffen? — Ist bei Ihnen zu Haus etwas passiert—j kann ich Ihnen mit irgend etwas dienen?" Und da endlich versiegten Juttas Tränen. Sie schnellte in die Höhe: „Mast von Greditz ist eine greuiche Kokette! Das finden Sre doch auch?" Der Ausbruch, obwohl er Dörrenbach etwas über- raschend kamJvar zu sehr seiner Seele entnomuten. „Etnies


