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bett vier Wänden. .Zuvörderst arbeite ich den ganzen Roman bis in alle Einzelheiten im Kopfe aus bis zum letzten Dialog, und wenn ich mich zum Schreiben uiedevsetze, schreibe ich so richtig, daß in meinem Manuskript keine einzige Korrektur vorkommt. Ich habe die ganze Masse meiner Werke eigenhändig geschrieben (nach der Berechnung eines Dauerzählers 72 Millionen Buch-
iwi/t-ny.
Sein Privatleben bezeichnete Jokai als das glücklichste. ES würbe erst im hohen Alter infolge seiner zweiten Verheiratung, durch den Konflikt mit der Tochter getrübt. Wein kannte Jokai Äs zum 20. Jahre nicht, und das Weib erst in seiner Ehe: „Meine Gattin erhielt mein ganzes Herz. Sie war eine Künstlerin erftett Ranges am Nationaltheater, welche die Lady Macbeth, Klcopatra und Volumina spielte; ihre Gestalt eine Statue, ihr Antlitz von klassischer Schönheit, ihre Augen groß und von wundersamer Beredsamkeit; ihre Stimme war tief, weich und mächtig, jedes Gentütsausdrucks fähig; ihre Deklamation war rein rind empfindungsreich. Mit dem anglo-amerikauischen Roscius, mit Ira Aldridge spielte sie auf der Osenpester Bühne, er den Macbeth und sie die Lady; in Gegenwart der Rachel spielte sie die Adrienne Lecoitvreur alternierend mit der großen Tragödin. Und neben ihrer Künstlerschast ioar sie die allereiitfachste Hausfrau. Sie war von hoher Bildung und bewandert in der vaterländischen wie in der Literatur des Auslandes. Sie war rein und gut, voll Barmherzigkeit gegen die Armen, unabhängig irnd stolz im Verkehr mit den Großen und Reichen. , Mir gegenüber war sie nur gegen den Dichter streng: sie kritisierte meine Werke, und ihre Bemerkungen waren für mich ein Orakel. 38 Jahre lebte ich mit meiner Gattin (der Tragödin Rosa Laborfalvi) in ungestörtem Familienfrieden. Nunmehr umgeben mich nur ihre Bildnisse, sie selbst erscheint mir nur im Traume. Aber sie erscheint mir oft und ist immer die gleiche... .Gleichwohl stehe ich nicht allein. Ihr Wohl- wollen für mich vererbte sich auf unsere Kinder, eine Tochter, einen Schwiegersohn, ein kleines plauderndes Enkelkind . . ,
vermischtes.
* Gegen d i e E h e s ch e i d u tt g. Das netteste Werk von Paul Bourget ist ein Thesenroman, in welchem der geistvolle französische Erzähler für die Unzertrennlichkeit der Ebe eine Lanze bricht. Tie Tendenz des Romartes, weiche bett Geschmack des heutigen französischen Publikums direkt zuwiderläuft, kündigt sich schott in dem Titel „Un divorce" mt. Die Heldin Gabriele wurde zunächst als junges Mädchen an einen gewissen de Cham- bault verheiratet, welcher den Typtts des schlechten Ehemattnes repräsentieren soll. Er ist Hpicler, Trittker uttd Libertin uitb mißhandelt feine Frau. Bort uttüberwindlichem Ekel erfaßt, läßt sich Gabriele von ihm scheiden. In der ersehnten Freiheit aber lernt sie die Unannehmlichkeiten der Einsamkeit und des Mangels eines männli^n Beschützers kennen; schon keimt in ihr die Einsicht, daß die unzertrennliche Ehe doch auch ihre guten Seiten habe. Ter Zufall führt ihren Jugendfreund Tarras in ihren Lebensweg; sie reicht ihm ihre Hand; doch die Kirche versagt dieser Ehe ihre Sanktion. .Im ersten Augenblick empfindet cs Gabriele kaum, daß sie nun tvieder in einem leicht löslichen Verhältnisse lebe, da sie unter dem Einfluß des freidenkerischen Tarras sich von allen Glaubensdogmett emanzipiert zu haben dünkt. Obwohl Atheist, ja ein extremer Gegner der Kirche, ist Tarras doch ein Ehrenmann und ein äußerst zärtlicher Gatte — unter den von Bourget gezeichneten Freidenkern also, ein weißer Rabe. ,Als jedoch dem Bunde eine Tochter entsprießt, wünscht Gabriele sie dennoch kirchlich zu erziehen. DarraS gestattet es. Während sie sich nun mit der Erziehung der Kleinen befaßt, wird in Gabriele selbst der alte Glaube wach, und damit entsteht ein Riß zwischen ihr und ihrem Gatten. Gleichzeitig lernt Gabrielens Sohn auS erster Ehe, Lucian, den Darras in freigeistigster Meise erzogen hat, eine Studentin kennen und will sich mit ihr nicht nur ohne kirchliche, sondern sogar ohne standesamtliche Trauung vereinigen. Das geht dem Bourgeois Darrns denn doch über den Strich; eine solche Ueber- trnmpfung seiner eigenen Richtung erscheint ihm für die Laufbahn Lucians gefährlich. .Ein tiefer Konflikt zerklüftet die Familie, und als den einzigen heilbringenden Ausweg aus diesen Ehewirrungen schildert Bourget die unlösliche Ehe. Ob dieser doktrinäre Roman Bourgets Namen bt Frankreich populärer machen wird, läßt sich bezweifeln.
Die Toilettenverfchwendung amerikanischer Millionärinnen. Man schreibt der „Köln. Volksztg." auS Newyork: Der raffinierte LuxuS, der die Toilette der vornehmen Amerikanerin auszeichnet, hat Dimensionen angenommen, die eS selbst mancher schwerreichen Dame nicht leicht machen, mitzukommen. Nachfolgend einige Angaben über das diesbezügliche Budget, welche eine in den betreffenden Kreisen eingeführte Kleidermacherin gegeben hat, wobei ausdrücklich bemerkt fei, daß eS sich hierbei nur um das „Allernotwendigste" handelt, um das, was jede repräsentative Amerikanerin zu Hause bestellt und bezieht, wobei ihre oft nach Zehntausenden von Mark betragenden Einkäufe in den europäischen Modeorten, kurz: die individuelle
Note, welche ja keine der in Betracht kommenden Modedame« der fünften Avenue vermissen möchte, nicht berücksichtigt erscheinen. Eine richtige Newyorker Modedame (in den übrigen großen Städten ist es nicht viel anders) muß im Jahre mindestens 60 Kostüme haben, und zwar: 5 Straßenkostüme, 15 Abendtoiletten, 10 Diner-Kleider, 6 sogenannte „Little dresses" von weicher Wolle oder Seide für zwanglose Nachmittagsgesellschaft, 15 Sommertoiletten von leichtem Musselin mit reichem Spitzenbesatz und Stickereischmuck, und etwa ein halbes Dutzend Leinen- Kostüme, gleichfalls für die heißeste Witterung. Ein Straßenkostüm kostet zwischen 400 und 1500 Mark; diese Toiletten sind gewöhnlich von einfachem Schnitt, aber das Erfordernis, daß sie „angegossen" wie Handschuhe passen müssen, bedingt —i wie i.a auch anderwärts — den hohen Preis. Gerade für die einfachen Toiletten wird die sorgfältigste Schneiderarbeit gefordert, daher kommen selbst Leinwandanzüge aus 300 bis 400 Mark kommen. Der Bestand an „Tea Gowns", in denen Mylady nur gelegentlich ihre besten Freundinnen empfängt, soll ungefähr drei oder vier Stück fein; sie kosten je 250. bis 1200 Mark und sind reichlich mit Spitzen und gelegentlich Pelzbesatz geschmückt. Dazu kommen noch ebenso viele „Wraggers", aus weicher Seide oder Battist .verfertigte Negligees, die ebenso teuer und mit Va- lenciemtespitzen besetzt sind. Tie Manie für echte Spitzen und Handstickerei ist eine der Hauptursachen, welche die Kosten der der Tamengarderobe so bom schrauben. Die Schuhe werden gewöhnlich im Abonnement geliefert; das spart Schererei und auch Geld. In üblicher Weile eingekauft, würde das Paar aus 50 bis 57 Mark zu stehen kommen, so kosten sie nur 30 bis 50 Mark. .Ter Schuhmacher hat die Leisten von Madame, so daß dan AnprMeren wegfällt, und zweimal int Jahre werden je 6 Paar zierlicher Schuhe geliefert. Natürlich ist das nur der „tägliche Bedarf" während für jede repräsentative Toilette, ja auch zu bett Hauskleidern, Schuhe, bie auch im Material übereinstimmen, gefordert werden. Sehr beliebt sinb Spitzenpantoffeln, für welche gewöhnlich 300 Mark per Paar bezahlt werben. In ähnlicher Weise weichen die Handschuhe auf Bestellung ausgeführt und den Toiletten entsprechend gefärbt. 16- bis 22 knöpsige Handschuhe kosten 40 biS 70 Mark. Für Visiten werden ausschließlich weiße Handschuhe getragen, die aber nie mehr als einmal benutzt werden; dies die Erklärung der Tatsache, daß die Zosen der Millionärhäuser stets in hochfeinen weißen Glaceehandschuhen gesehen werden. Die letzte Mode in Handschuhen sind handgemalte Handschuhe, häufig von bekannten Malern. Für solche werden oft bis 1500 Mark gewährt. Die Schleier kommen auf 50 Mark das Stück und die Sonnenschirme, deren bei zwei Dutzend per Jahr gebraucht werden, wurdett mit 100 bis 800 Mark bezahlt. Enorm ist der Luxus in Strümpfen, welche vielfach auch mit Malereien versehen werden, bie „Watteau" an Strümpfen der Mrs. Goelett sollen nicht weniger als 4000 Mark gekostet haben. .Und alle anderen Toilettebehelfe, bie kein unberufenes Auge zu sehen bekommt! Wenn man noch Parfümerien und sonstige Toilettenbehelfe berücksichtigt, wird man begreifen, daß 100 000 biS 200 000 Mark im Toilettebudget draiifgehen.
Literarisches.
■ Ein Drama in Livland. Von Julius Verne. A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig. In seiner neuesten Arbeit, „Ein.Drama in Livland" genannt (Preis geh. 75 Pfg.s, ist I. Verne, dessen unerschöpflicher Quell interessanter Gedanken und Verwicklungen neben leichtfaßlicher Belehrung ungeschwächt weiter sprudelt, zwar von dem gewohnten Gebiete phantastischer Erzählungen etwas abgewichen, er entrollt aber hier ein so packendes, mit nationalen Farben gesättigtes Bild ans den baltischen Provinzen des Zarenreiches, daß er jeden Leser vom Anfang bis zu. Ende auf den verschlungenen Pfaden der 'Geschichte unwillkürlich mit fortreißt. .Wie immer erweist er sich auch hier alS Meister der feinsinnigen Charaktermalerei, der die Taten feiner handelnden Personen nicht allein schildert, sondern sie aus deren innersten Wesen physiologisch hervorgchen läßt. Das „Drama in Livland gibt einen überzeugenden Einblick in viele Verhältnisse in den russischen Ostfeeprovinzen, der gewiß so manchem Leser eine für ihn neue Welt ausschließt.
Anagramm,
Nachdruck verboten.
AuS beit nachfolgenden 19 Silben:
a bo ea gen list ma me tner na pal raut tau re tieS tu seil ter thor roil
sind 12 Worte zu bilden. Durch Umstellen der Buchstaben gewinnt man alsdann 12 neue Worte, deren Anfangsbuchstaben einen bestimmten Kalendertag nennen.
.Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Anszieh-RäiselS in vor. Nr.:
Gleichheit ist immer das festeste Band der Liebe
Redaktion: Au au st Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der B rüb l'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lanae. Gießen.


