Ausgabe 
20.8.1904
 
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maligen Hopsmannsfelder Kollegen einige den Kindern desselben bescherte Ostereier mit hübsch gezeichneten Osterhäschen, ferner eine Nenjal rsglückwnnschkarte und sonst noch ein oder zwei Blätt­chen von Dörings Hand zu Gesicht bekam. Ich hatte ihn nt Er­innerung hieran noch unmittelbar vor der in Alsfeld in Aussicht genommenen Ausstellung schriftlich um Einsendung etlicher Ar­beiten gebeten. Tie Sache war aber etwas zu kurz anberaumt und die Einsendung ivar deshalb unterblieben. Dagegen war Herr Bürgernleister Döring, als ick ihn in der Woche vor der Hohe- rodskopfausstellung persöiilich aufsuchte, freundlichst bereit, eine Reihe seiner Sachen zur Verfügung zu stellen und er hat denn auch aus seinem reichen Schatz ich schätze die Zahl seiner Skizzen und fertigen Arbeiten, die ich gesehen habe, auf reichlich das Zehnfache dreißig Arbeiten ausgewählt, die als Arbeiten eines vollständig autodidaktisch Gebildeten mit Recht das Staunen und die Bewunderung aller Betrachter erregten. Tenn man muß wirklich erstaunt sein darüber, wie ein Mann aus dem Volke ohne alle schulmäßige Anleitung und Vorbildung zu einer solchen Sicher­heit in jeder Technik hat kommen können, wie sie die ausgestellten Arbeiten verraten. Tie einfache Bleistiftzeichnung, Aquarell und Pastell, Tusch- und Federzeichnung wie auch sogar die Oelmalerci, Stiles gelingt ihm, kann man sagen, mit der gleichen Sicherheit. Man findet kaum irgend einmal eine etwas verzeichnete Linie, und ebenso gewählt und sicher ist die Anwendung und Wahl der Farbe, es mag sich nun um ein Aquarell- oder auch um ein Pastell- oder Oelbildchen handeln. Auch hierbei findet man kaum irgend einmal einen Fall, in dem auch nur um Wenigesda­neben gegriffen" wäre. Für einen Autodidakten alle Hochachtung!

(Fortsetzung folgt.)

Zleisepkaudenien.

In Heidelberg.

Zimmerjagd. Die Schlotzfrage. Schlotzbelenchiung. In Heidelberg'sfröhlichen Gassen".

Die Sonne brannte an diesem Augusttage, als wenn sie der Hölle Konkurrenz zu machen gewillt sei; in den Kupees der Eisenbahn vollzog sich langsam die Metamor­phose vom Menschen zum Fettfleck; auf jedem Gehirn lastete ein Druck, lvie wenn ein Kopfweh erst der jüngsten Nacht entstammt, mit mattem Flügelschlag die Luft durchsäuselte, und nur die junge enthusiastische Ostpreußin, die bislang mit den rotbäckigen Aepseln in den vorüberfliegenden Gärten geliebäugelt und dabei erklärt hatte, daß dieses Jahr diebäste Obstärnte" sei, solange sie denken könne, büßte nicht das mindeste von ihrer Frische ein. Als sie in der Ferne die liebe alte Neckarstadt endlich auftaucheu sah, rief sie vergnügt:Ach, ändlich Heidel- bärg! Aber das ärfle, was ich tue, ich gehe zum Schloß- bärg rauf!" Doch diesen schönen Entschluß warf schnell schnell genug die Frage ihrer älteren Nachbarin um, die sich trocken erkundigte, ob sie schon ein Zimmer im Hotel sicher habe. Das mußte sie verneinen, und so entschied sie sich nach kurzer Belehrung denn seufzend, gleich uns auf die Zimmerjagd zu gehen. Heidelberg ist nämlich alle­mal ausgestopft, wenn eine Schloßbeleuchtung angezeigt wird, was immer nur bei besonderen Veranlassungen ge­schieht, da dieses Vergnügen nicht gerade zu den billigen zählt und der Stadt annähernd 1200 Mk. Kosten ver­ursachen soll. Diesmal waren es die Math ema tiker Deutschlands, die sich in der Stadt zusammengesundeu hatten, wahrscheinlich um zu versuchen, ob man der Qua­dratur des Kreises nicht mit dem Perkeoschen Zirkel nüher- kommen kann, der immer noch neben dem leider schon so lange geleerten Heidelberger Fasse hängt. Eine Ver­sammlung von Fachleuten der Gas- un d Wasser­leitungstechnik tagte gleichzeitig in Heidelberg und außerdem waren etwa 300 Lehrer zur Teilnahme an einem akademischen Kursus dort anwesend. Unsere Rund­reise durch die Hotels war denn auch von dem tröstlichen Erfolge begleitet, daß wir noch eine ganze Weile zusam­menbleiben durften. Endlich aber bröckelte doch einer nach dein andern ab; der erwischte noch ein bescheidenes Hinter- zimrnerchen für gutes Geld; etliche taten sich zusammen, um ein Zimmer mit drei Betten zu erobern; übrig blieb keiner, wenn auch diesem uiid jenem seine Unteruknft etwas kostspieliger wurde, als er gedacht. Auf dem Schloßberge herrschte ein Gewühl und Gewimmel wie auf einem gut besuchten Jahrmarkt: höfliche Franzosen, dummdreiste Eng­länder, behagliches Schwabenvolk und zugeknöpfte Nord­

deutsche, alle mit demselben leiser und deutlicher werden­den Zug des Entzückens im Gesicht über dieses herrliche Stück Erde, die

gigantische

Schicksalskundige Burg, nieder bis aus den Grund von den Wettern gerissen. . .",

die im Duft des Sommertags schimmernde» Wälder, und den aufblitzenden Strom zwischen den ziegelgrauen Dächern der prächtigen Neckarstadt. Und unter all diesen vielen grundverschiedenen Menschen an Bildung, Beruf, Tempe­rament und Heimat höre ich keinen, der wenn er sich äußert über die brennende Frage, ob das Schloß Ruin« bleiben oder wieder aufgebaut werden soll, für eine Erneuerung stimmt. Die unsagbare Majestät dieser gewaltigen Trümmer redet eine zu überwältigende Sprache, als daß ein gesund empfindender Mensch den poetischen Reiz dieser von Sage und Geschichte umschleierteu Pracht­ruinen mit täppischer Hand zerstören möchte! Es wird denn auch tvohl nach all dem Hin und Her der letzten Wochen und Monde endlich beim Alten bleiben. . . .

Inzwischen ist der Abend yereingebrochen. Drohenda Wolken haben sich am Horizont getürmt, ein schwüler Wind wirbelt den Staub auf in den heißen Straßen und alle Welt bangt um das großartige Schauspiel, das im strömen­den Regen genossen, zu den ungemischten Freuden des Lebens nicht gezählt werden dürfte. Schon fallen die ersten Tropfen. Aber das hält schließlich doch keinen von den vielen Tausenden ab, die jetzt hinunterströmen zum Neckar, und über die Brücken pilgern, um vom jenseitigen Ufer aus das Märchenwunder einer Schloßbeleuchtung mitzuerleben. Wir wandern über die alte Brücke, von der schon Hölderlin und Brentano gesungen, und steigen drüben auf schmalem Pfad ins Bett des Neckar hinab. Und der Himmel machte es gnädig. Nach ein paar neckenden Ver­suchen, die einen ganzen Wald von schwarzen Seiden- und Baumwollenpilzen haben emporschießen lassen, stellt er den Unfug ein und läßt uns zufrieden. Die Welt liegt jetzt völlig im Abenddunkel. Nur die Lichter aus Heidelbergs' Häuser,: flimmern herüber; die Fenster des ,^Schloßyote!s" und der Molkenkur leuchten aus der geheimnisvollen Wald­finsternis des Burgberges, und bunte Laternchen an den gemütlich vorüberschwebenden Neckarkähnen beleben das seltsame Bild. In der Ferne aber tauchen die Lampions der Schiffchen auf, die mit den Meistern von Winkeln, Polygonen und Steifen aus Schlierbach herangeschwommen kommen. Ein altes Studentenlied wird laut:Stoßt an, Heidelberg lebe!" klingt es jubelnd durch die Abendlusfl Jetzt dröhnt ein Kanonenschuß auf. Und nun noch einer. Da schießen aus den Ecktürmen der Ruine, die man bisher nicht hat sehen können, feurige Raketenbündel auf und im Augenblick erstrahlen die Ruinen, wie biirct). einen mäch­tigen Zauber ausgelöst in schimmernden Rotgluten. Es ist, als ob ein gewaltiger Blitz das Innere der alten Mauern mit einem einzigen großen Flammenmeer erfüllt hätte. Ein Schauer überrieselt mich, wie wenn die Graals- burg da plötzlich vor mir aufgetaucht wäre. Etwas Ueber- irdisches, die Sehnsucht beflügelndes, unsagbar Köstliches spricht aus diesem von der Schönheit geweihten Augen­blick. Wer es nicht gesehen, wird sich vergeblich bemühen, eine Vorstellung davon zu gewinnen. Die Zuschauer alle sind merklich eromffen. Kein ironisches Wort, kein schnodd­riger Vergleich "wird laut, obgleich es unter der dichten Menge nicht an Berlinern fehlt. Und erst in Heidelbergs fröhlichen Gassen", die nach dem nun folgenden prasseln­den Feuerwerk an und hinter der Brücke von einer durstig gewordenen Menge durchpilgert werden, löst sich der Bann, der auf allen gelegen, die diese unbeschreiblich schonen Minuten mit mir haben durchleben dürfen! A. R.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Hat man's dann macht es uns ivohl Pein.

Nie zwischen Freunden tret' es ein.

Ost schwierig wird's dem Schüler sein.

Und ist ein Zeichen draus entschwunden, Verkürzt es lehrreich manche Stunden. (Auflösung in nächster Stummer.)

Auflösung des Rätsels in vor. Nr.t Laute, lauter.

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen,