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vortreffliche Sachen machen, — als eben gerade Etling. Damit soll nicht etivfl der eine Mann persönlich vor den Zunstgenossen, die sich im gleichen Sinne betätigen, herausgehoben sein, sondern was ich sagte, das soll zur Charakterisierung der Arbeiten selber dienen und es gilt, wie ich auch schon angedeutet habe, von jedem anderen in derselben Weise, sofern er eben Aehnliches, wenngleich von gänzlich anderer Eigenart, hervorbringt. Recht interessant war, gerade von diesem Gesichtspunkt aus, eine Vergleichung .ber drei in der Ausstellung vorhandenen (verschiedenen Werkstätten entstammenden) „Gäulchen"-Typen. (Für andere Gegenüberstellungen fehlte das Vergleichsmaterial aus Lauterbach) Dem samt dem Pferde gelbglasierten „Reiter" aus der Hand und Werkstatt Etlings mit seinem ganz außerordentlich primitiven Reitpferd stand ein buntgescheckter, an Kopf, Brust und Mähne, ja man kann sogar sagen: überhaupt, wenngleich plump, so doch mit einer gewissen Sorgfalt und fast möcht'ich sagen: Liebe modellierter „Jll-Gull" von Konrad Bauer und weiter xin kleineres braunrot glasiertes an Mähne und Schwanz allerliebst weiß angemaltes, jm übrigen aber auch wieder außerordentlich primitiv gehaltenes „Gäulchen" von Friedrich Schiebelhuth aus Lauterbach gegenüber. Ich möchte im Ernst nicht zu entscheiden wagen, welche von den dreien die bessere und beste Arbeit sei. Sie geben halt je nach der Individualität des Urhebers, aber mit gleicher Vortrefslichkeit, ganz Verschiedenes wieder. Ter eine zeigt das temperamentvolle, her andere mehr das „treue" und „liebe", der dritte gar das neckische, lustige Pferd, und jeder zeigt das seine in aller Primitivität so charakteristisch, lebensvoll und wahr wie drollig und echt kindlich zugleich. Ja wirklich, drollig sind die Sachen und dabei echt kindlich. — Wie man auf den Bildern unserer Maler Architektur- und Möbelstücke von einer vornehmen und edlen Einfachheit anzutreffen gewohnt ist, nach denen man sich freilich dann in der uns heute umgebenden Welt vergeblich umsieht, so findet man wohl auch zuweilen in guten Bilderbüchern und Kinderbuch-Illustrationen noch Spielsachen von einer edlen Einfachheit und von einer bezaubernden, gemütvollen und drolligen Naivität und Primitivität abgebildet. , Wenn man sich freilich dann im Leben für seine Kinder etwa wirklich nach dergleichen Sachen umsehen möchte, — wo sind sie denn zu finden?! In unseren großen Spielwarenläden jedenfalls nicht. Da trifft man nur die bis zum i-Tüpfelchen fertigen, ost raffiniert vollendeten und ausgeklügelten Blech-, Celluloid- und Holzsachen an, mit denen das Kind und die im Spiel so glückliche Kinderphantasie nichts mehr zu tun hat. Spielsachen sür die Alten und Altklugen sind das eher. Ter ganze „Witz" ist meist, haß man sie richtig aufzuziehen versteht, und bis das Kind den Kunstgriff weg hat, mit dem sich ja die Alten wirklich eine zeitlang hübsch ergötzen mögen, dann sind die Sachen in der Regel kaput oder — langweilig geworden. Ein wirkliches Kinderspielzeug ist das nicht, was man so im Großen und Ganzen unter der Firma segelnd anzutreffen pflegt, sondern sür unsere Kinder wertloses, höchst unkindliches Zeug. ,Ta haben sich die „Alten" im allgemeinen auf solche Sachen besser verstanden als unser höchst unkindliches Zeitalter, dem die „Technik" bis in die Spielsachen hineingeraten ist. Nur hie und da gebeugt es einem vielleicht durch Zufall einmal — mir ist's im Ganzen etwa drei- oder viermal geglückt — in irgend einem kleineren Laden einen alten und vergessenen Ladenhüter aufzutreiben, der nock köstliche und der Kindcsnatur entsprechende Sachen in sich birgt, Drechslerarbeiten oder hvlz- geschnitzten Sachen mit feiner bunter Bemalung aus irgeiid einens altväterischen Winkel der Thüringer Hausindustrie oder eine Schachtel Bleisoldaten, die noch aufs Pfund verkauft werden, und die statt mit einer ausgewalzten vollplastischen Form vielmehr durch ihre stattliche Größe imponieren. Unter diese Sachen etwa. wurden auch die irdenen Tierfigürchen und sonstigen Kinder pielsachen Etlings und seiner Zunstgenossen einzureihen sein. Tie^ beste Probe auf die Sachen bildet das Verhalten der Kinder selbst. Ganz kleine Kinder, die noch nicht sprechen können, sieht man vor den Sachen lebhaft werden und nach ihnen greifen, und auch schon ziemlich große Jungen von acht und zehn Jahren sieht man nach ihnen verlangen und mit ihnen spielen.
Ich habe nun schon gesagt, daß die Sachen Etlings auf der Ausstellung weniger vollständig als reich an Stüchahl vertreten gewesen seien. Tie Sach« lag auch hier ganz ähnlich wie bei den Lauterbacher Häfnermeistern. Tie besten Stücke, nach denen unter den Salzschlirser Badegästen, sofern sie auch Als- feld zu besuchen pflegen, eine ziemlich starke Nachfrage herrschen soll, waren nahezu ausverkauft. Immerhin hatte sich mit einiger Ergänzung aus Privatbesitz eilt hübsches Bild zusammenstellen lassen. .Man sah die ziemlich große gelb-glasierte und primitiv geformte wie bemalte oder „gezeichnete" trdene „Lerche", zum Pfeifen eingerichtet, ein Stück von köstlicher naiver Urwüchsiges!. wan sah daneben, in verschiedenen Größen, grün, braun, gelb glasierte Hündchen, -ie letzteren — auch 'wieder mit leichter Zeichnung — besonders hübsch und drollig, man sah in aller semer rrdenen und gelbglasierten Majestät den Löwen mit leicht hinmodellierter Mähne dazu äußerst gelungene braun oder gelb glasierte Hirsche, lustige ZiegenUicke mit mächtig geschwungeneu Hörnern, auch wenigstens zwei der wohlgelungenen „Reiter zu Pferd" und einen köstlichen schwarzbraun glasierten kleinen Teufel, .der mit .seinen kräftigen Hörnern und dem behaglich
über das Bein geschlagenen Schwanz dasitzt wie der Herr der Welt und sich vergnüglich seinen Bart streicht, daneben Kuckuckspfeifen und Sparbüchsen einfachster Art und andere Sachen mehr. Ein ganz besonders hübsches Stück ist der Reiter zu Pferd. Tie Haltung von Pferd und Mann (in Paradestellung mit gezogenem Säbel; über das Pferd habe ich schon gesprochen) ist ganz vorzüglich charakterisiert. Tie Ausrüstung, namentlich die Kopfbedeckung (eine Art Jakobinermütze), ist etwas phantasievoller Art, doch fehlt nicht Mantelsack und Satteltasche, noch Brotbeutel und Patronentasche. Das Stück ist gelb glasiert, ein ganz klein wenig Zeichnung primitivster Art erhöht, wie bei den meisten Sachen, hübsch die Wirkung. Nicht weniger ergötzlich sind aber Ziegenbock und Hirsch gestaltet und ganz besonders auch das braune Teufelchen. Ein kleines, gelb und braun geschecktes Schweinchen, .eilt munter dasitzendes Aesfchen mit spitzem breitgekrempten Hütchen aus dem Kopf, gind ein gutmütiges, .aufrecht sitzendes Häschen mit einem hoch gestellten und „gespitzten" und einem heruntergeschlagenen Ohr hätten noch dabei sein mögen, um die Sammlung .wenigstens der kleineren Sachen einigermaßen vollständig zu machen. Was alle diese Sachen so köstlich erscheinen läßt, das ist gerade ihre unsagbar primitive Art, in der doch das Charakteristische mit ganz kleinen unterscheidenden Merkmalen äußerst geschickt festgehalten und zum Ausdruck gebracht ist. Hund, Pferd, Löwe, Hirsch, Ziegenbock und selbst das Schweinchen, dem nur die Beine etwas kürzer abgeschnitten sind, sie haben eigentlich im Grund genau die nämliche auf vier „bolzenstracken" Beinen stehende Figur, .und nur die Art, wie das Schwänzchen an gesetzt und wie der Kops gedreht und ausgestaltet ist, .macht aus ihnen „unterschiedliche Kreaturen", so genau, scharf und sicher unterschiedene Kreaturen, daß man sich selbst an den Schatten freuen kann, die die Dinger auf die Wand werfen. Und auch diefe Unterschiede sind selber wieder mit den allereinfachsten Mitteln erreicht und dargestellt. Interessant ist auch in dieser Hinsicht der Vergleich der verschiedenen „Gäulchen"-Typeu. An dem von dem Lauterbacher Häfner Konrad Bauer herrührenden „Jll-Gull" ist, wie schon gesagt wurde, der Kopf samt Hals und Mähiie wirklich als Pferdekopf zu modellieren versucht. Etling.hat einfach die weiche Thonmafse zn einem Hals verbreitert und vorn zu einer spitzen Nase ausgezogen, .zwei scharf gespitzte Oehrchen aufgesetzt, .mit ein paar Tüpfcheu Farbe die Mähne angedeutet und die Ohren hervorgehoben, und — sein „Gaul" ist nicht weniger „Pferd", als derjenige Bauers auch, wird auch durch die hübschen rotbraunen Figürchen Friedrich Schiebelhuths an Lebendigkeit jeden- salls nicht übertroffen. Ganz ähnlich wie die stehenden sind auch die sitzendeit Figürchen Etlings, das Häschen, Äefschen und das Teufelchen im Grund von einem und demselben Typus und nur durch kleine Unterschiede in der Modellierung gegen einander treffend charakterisiert. Nebenbei gesagt, vielleicht sind gerade diese Sachen nicht ganz auf Etlings „eigenem Boden erwachsen", nicht seine „eigene und ursprüngliche Idee". Zum Wenigsten sind sie nicht int selben Sinne wie die meiestn der zuerst genannten und beschriebenen Sachen — Kinderspielzeug, sondern tragen eher schon etwas von Nippsachencharakter an sich, ein Zug, der wie mir scheinen will, unserem einheimischen Häfnereigewerbe von Haus aus fremd ist. Vielleicht daß Etling „draußen" irgendwo einmal dergleichen Tinge gesehen und sich dann daran gemacht hat, sie ebenfalls zu gestalten, am Ende gar das eine oder andere neu hinzu erdacht hat. .Ein Schade ist das jedenfalls nicht, wenn die „Idee" zn diesen Sachen vielleicht (— mehr läßt sich ja nicht sagen —) wirklich auch von auswärts eingetragen sein sollte. Sie sind darum kaum auch nur weniger original, denn sie bleiben immer Häfnerarbeiten, und ihre Ausgestaltung ist so^ ergötzlich und individuell, daß eben in ihr das Wesen dieser Sächelchen erblickt werden muß. — Ganz fehlten auf der Ausstellung .die etwas größeren häfnerischen Modellierarbeiten Etlings. .Ich sah in seinem Laden (neben töpferischen Kuriositäten wie Vexierkrügen, einem Fäßchen mit drei unterschiedlichen Behältern und entsprechenden Spundlöchern und ähn- lidje Sachen mehr) seinerzeit kleine Postamentchen, von einem Hirschkopf getragen, .ferner originell geformte und bemalte Vögel, (Spielereien, etwa auf einen Gartenbaum zu fetzen und dafür eigens eingerichtet) einen ruhenden Hirsch mit einem kleinen Behälter unter dem abnehmbaren Rückenstück, vielleicht als Schreibzeug verwendbar, (ein kleines bronziertes Tintengeschirr, in das eine Hirschgruppe hineinmodelliert war, schien nur weniger gut) endlich einen leider bronzierten (nicht, wie zu wünschen wäre, buntglasierten) Jokey zu Pferd und ähnliche Sachen mehr. Auch unter diesen Sachen ist vielleicht neben Selbsterdachtem manches der Idee nach EmHeschleppte, immer aber doch frei und selbständig Gestaltete. .Die Sachen werden eben unter dem Formen selber zu eigenen Arbeiten. Es hätte das Vorhandensein wenigstens einiger auch von diesen Arbeiten Etlings wohl erwünscht sein mögen. .Doch war auch so die Sammlung immerhin interessant genug.
Als dritter und letzter Gruppe der ausgestellten Volkskunstarbeiten wäre nun noch der feinen Skizzen, Zeichnungen und Bilder des Bürgermeisters Konrad Döring in Dirlammen zu gedenken jnit denen wieder eine ganz neue Seite volkskünstlerischer Betätigung vertreten war. Ich erfuhr von den Arbeiten Dörings zum ersten Mal vor etwa acht Jahren, als ich im Haufe des da-


