Ausgabe 
20.8.1904
 
Einzelbild herunterladen

'l-famhösK'» C?

liifS

W

1B

Kin angenehmes Erbe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ja, warum denn nicht?" fragten beide mit verwunder­ten Gesichtern.

Weil ich nicht mehr frei bin", entschlüpfte es ihr un­bedacht.

Nicht mehr frei!" rief Dinko empört,das gibt es nicht! Wir haben zuerst um Ihre Gunst geworben, also haben lvir das erste Anrecht auf dieselbe!"

Diese Huldigung verfehlte nicht ihre Wirkung auf Ernas leicht empfängliches Herz und ließ sie ihren Groll ganz vergessen.

Aber, meine Herren", sagte sie mit bedauerndem Achselzucken,Sie hätten mich ja doch nicht beide heiraten können."

Ja, warum denn nicht?" fragte Mirko harmlos.

Der ältere Bruder gab ihm einen, die mündliche Er­klärung vollständig ersetzenden Rippenstoß.

Er meint", wandte er sich, zu Erna,daß Sie einer von uns jedenfalls genommen hätte. Wir würden uns deshalb nicht veruneinigt haben, und wenn es nicht anders gegangen wäre, so hätten wir Sie einfach mit dem Würfel­becher ausgeknobelt."

Ausgeknobelt", quietschte Ern a belustigt auf,ich danke Ihnen für diese Auszeichnung! Doch Scherz bei­seite, meine Herren, Sie kommen zu spät, denn ich/ habe Mich vor einer halben Stunde heimlich,"

Sie hielt stockend inne.

Was haben Sie sich heimlich" drängte Dinko. Puter­rot vor Aufregung streckte ihnen Erna die Hände hin, welche die werbenden Jünglinge schwell ergriffen, und ihnen fest in die Augen schauend, fragte sie feierlich: Können Sie schweigen?"

Wie das Grab!" beteuerten beide dumpf.

Und werden mich mit keiner Silbe verraten?"

Mit keiner Silbe!"

Nun, dann will ich es Ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit anvertrauen. Ich, habe mich vor einer halben Stunde heimlich verlobt!"

Wie von einer Natter gestochen, ließen die beiden ihre Hände los und starrten sie völlig entgeistert an.

Dinko fand zuersst die Sprache wieder.

Dann müssen wir freilich blutenden Herzens ent­sagen", sagte er tonlos,ob wir Ihnen aber gratulieren dürfen, ist eine andere Frage, denn das Glück, das Sie an unserer Seite erwartet hätte, wird Ihnen wohl schwer­lich, ein anderer bieten können."

Er liebt mich aber ebenso heiß wie Sie", stotterts Erna errötend.

Das ist nicht möglich", wandte Dinko wehmütig ein und Mirko bat flehend:

Machen Sie sich nicht unglücklich- Fräulein Erna, nehmen Sie lieber uns, wir werden Sie aus den Händen durchs Leben tragen, wir werden Ihren Weg mit Rosen pflastern. . ."

Bestreuen", verbesserte ihn der Bruder.

Aber, meine Herren, es rst nun doch« einmal zu spät", klagte Erna,vor einer halben Stunde hätte ich mir die Sache noch überlegen können, aber jetzt. . ."

Die beiden verunglückten Werber schauten ganz nieder­geschlagen drein.

Zu spät zu spät!" murmelten sie düster, dann raffte sich Dinko zu der schicksalsschweren Frage auf, wer denn eigentlich ihr bevorzugter Rivale sei?

Erna zögerte mit der Antwort; es war ihr, als ob sie damit den Geliebten seinen Henkern auslieferte, dann aber sagte sie sich- daß er Manns genug sei, sich seiner Haut zu wehren, daß es von ihr sogar ein Verbrechen wäre, an seinem Mut zu zweifeln, und mit dem Stolze der antiekn Römerin, die ihrem Mann lächelnden Antlitzes das Schwert in die Hände drückte, um ihn den Feinden entgegenziehen zu lassen, nannte sie Vladojs Namen.

Was, Vladoj?" rief Dinko voller Empörungdas geben wir nimmermehr zu! Jedem anderen würden wir den Platz freiwillig, wenn auch schweren Herzens, geräumt haben, ihm aber nie!"

Nie!" bekräftigte auch Mrko.

Ja, warum denn nicht?" fragte Erna ganz ber* schüchtert.

Weil er Sie sitzen lassen wird, wie er schon so viele sitzen gelassen hat."

Erna wurde es ganz wirbelig im Kops.

Er hat schon andere sitzen lassen?" stammelte sie im jähen Schreck; dann sich aber Vladojs heißer Schwüre und seiner feurigen Glut erinnernd, wurde sie wieder etwas zuversichtlicher, und ironisch setzte sie hinzu:Das diktiert Ihnen nur Ihre Eifersucht Vladoj hat gewiß noch keiner vor mir Liebe geschworen, geschweige denn sie sitzen gelassen."

Doch, er hat es getan", bekräftigte Mirko.Mit anderen kann er indes machen, was er will, das kümmert uns nichts, aber die Dame, dre wir lieben, die darf er nicht sitzen lassen!"

Nein, das darf er nicht, und das werden wir ihm auch sofort sagen", entschied Dinko, und nach einem Blick des Einverständnisses mit dem Bruder machten sie Kehrt, um ihren Vorsatz möglichst schnell zur Ausführung zu bringen.

Erna fingen die Knie an zu zittern, denn nun mußte es ja entschieden zum Duell kommen ein anderer Aus­gang war gar nicht denkbar! Bisher hatte sie mit solch