Ausgabe 
20.7.1904
 
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Tochter zu, wo er am 18. Juli 1374, vom Schlage getroffen, in seiner Bibliothek, über einen Folianten hingebeugt, starb.

Petrarcas literarisches Wirken war ungemein vielseitig. Seine meisten Schriften, und diejenigen Werke, .durch welche er in seiner Zeit den größten Ruhm und die größte Bedeutung gewann, waren, in lateinischer Sprache verfaßt, Epen, seine historischen Schriften, seine moralphilosophischen Abhandlungen, vor allem aber auch seine zahlreichen Briefe.

Für die Nachwelt weit bedeutungsvoller waren seine italieni­schen Gedichte, die er selbst auch nicht einmal sonderlich hoch­hielt, die aber, wie gesagt, für* die italienische Lyrik für alle Zeiten tonangebend waren und überhaupt als poetischer Kanon der Liebesschwärmerei bis in unsere Zeit bekannt geworden sind und der internationalen Weltliteratur angehören. Diese Liebes­gedichte Petrarcas sind in fast alle europäischen Sprachen über­seht worden; zahlreiche ausgezeichnete Dichter haben sie auch ins Detltsche übertragen, so besonders R. Förster, Gries, A. W. Schle­gel ui:d andere.

Was er aber über diese literarische Tätigkeit seiner Zeit hinaus gewesen, läßt sich schwer in Kürze zusammenfassen. In ihm verkörperte sich die höchste Summe aller damaligen Bildung und geistigen Lebensauffassung, ja, er stand über den meisten Vorurteilen feiner Zeit, und seine Ansichten über Reli­gion, über Astrologie, Alchemie usw. waren weit über seine Zeitgenossen voraus, die von Vorurteilen und Aberglauben so stark noch befangen waren.

Und wie er als ragender Gipfel in kommende Jahrhunderte hineinleuchtete, so erschloß auch sein Geist die Vergangenheit, indem er das Studium der Alten in hervorragender Weise för­derte. So umfaßte sein Geist weite Gebiete, und doch, vielleicht würde man ihn heute nicht nennen, wenn er nicht Laura geliebt hätte.

Ale Krau ats Wann.

Die Erinnerung an George Sand macht die Frage, ob die Frauen lieber Männer wären, aktuell. Sie liegt, so paradox es klingt, geradezu in der Lust. Denn, obwohl die Frauenbeweg­ung einen gesünderen Standpunkt eingenommen hat, indem sie die Gleichwertigkeit der Geschlechter betonte, die Gleichwertigkeit aber ausschließt, drängt sie die Frauen zu männlichem Gebühren hin. Jedesmal, wo es der Frau darauf ankommt, mit dem Manne in Konkurrenzkampf gleichen Schritt zu halten, wünschte sie es, lieber Mann zu sein. Und da dieser Wunsch unerfüllt bleiben muß, begnügt sie sich damit, den männlichen Anzug zu imitieren, oder wenn es geht, ihn überhaupt anzunehmen. Er verleiht der Frau das, was sie vermißt, was sie für den Berus zumeist braucht, wonach sie sich sehnt und was sie sich mit allen Mitteln erkämpfen will: die Freiheit! die Freiheit, zu tun und zu lassen, was sie will, die Freiheit der Bewegung.

Die geistig vorgeschrittenen Frauen haben selbstverständlich das stärkue Freiheitsgefühl. Gewöhnlich macht es sich bei ihnen schon in jungen Jahren bemerkbar. Es unterstützt ihren Mut während der langen Zeit des Ringens und Kämpfens, bis schließ­lich das Frauenhafte in der Matrone den Sieg davonträgt.

Nach langen Stunden des einsamen Grübelns durchstreift George Saud, als Knabe verkleidet, die Flinte auf der Schulter, Wald und Flur. .Viele Jahre später trägt sie in Paris Männer- kleidung, um mit ihren Bekannten literarische Cafes besuchen zu können. ,Sie schlendert durch die Straßen, die Hände in den Hosentaschen, angetan mit einem langen Gehrock, dazu eine malerische Krawatte, eine Mütze, unter der die kastanienbraunen Locken hervorquellen. So ist üns in diesen Tagen ihr Bild entworfen worden.

George Sand ist nicht die einzige der arbeitenden Frauen, die als Mann auftreten. Rosa Bonhair, die bekannte Tier­malerin, ging stets in Männerkleidern einher. Sie glaubte, nur so unter ihren Tieren Hausen zu können. In der Redaktion der nun emgcgangenen, von Frauen geleiteten Pariser Tageszeitung ,,La Fronde" war eine Frau tätig, die von der Polizei die Er- laubnis erhalten hatte, ihre politischen Berichterstatterdienste in der Kleidung des Mannes auszuüben. Denn nur mit der Geneh­migung der hohen Polizei darf eine Frau sich öffentlich in Mannertracht zeigen. Man weiß, daß vor noch nicht allzu langer Zeit zwei Führerinnen der Frauenbewegung festgenommen wur­den, weil ihr männlich zugeschnittener Anzug für Männerkleidung angesehen wurde. .Madame Astie de Valsahre hat sich dadurch bekannt gemacht, daß sie beständig um die Freigabe der Männer- klerdung für die Frau petitioniert. Sie verlangt diese Freigabe "ur aus Sicherheitsgründen für die Frau. Bei einem Massen- ungluck sollen regelmäßig die Frauen durch ihre Kleider ver- lpndert fern, sich zu retten.

Warum versagt die Behörde nun die Frauenkleidung dem Manne und die Männerkleidung der Frau? Das Verlangen des Hannes ist m dieser Hinsicht gering. Dankte doch schon Plato

®r,ttegS , Wohltaten, die sie ihm erwiesen hattem Als bfa Wcchltat betrachtete er, daß sie ihn als Freien und nicht als Sklaven geboren sein ließen, die zweite aber war, daß er als

Mann und nicht als Frau geboren wurde. Voraussichtlich denke» alle Männer so. Sie begehren der Frauentracht nicht. Daß aber die Frau das Manneskleid erstrebt, wird zumeist einer perversen Neigung zugeschrieben, die man natürlich mit Recht zu unterdrücken sich bemüht. Sehr häufig

trifft man auf Mitteilungen, daß eine Frau ein ganzes Leben hindurch unerkannt als Mann si chtzab, und erst der Tod das Geheimnis enthüllte. So ist eine Dame mit einer änderen beständig auf Reisen gewesen. Sie trug Männerkleidung und spielte den Gemahl ihrer Begleiterin, und jeder, der die beiden sah, hielt sie für ein Ehepaar. Erst auf dem Totenbette gestand der vermeintliche Mann die Wahrheit. Ein französisches Mädchen, das vergeblich Arbeit g^ucht hatte, entschloß sich,Bergmann" zu werden; sie zog die Tracht eines solchen an, lebte ein ganzes Jahr kameradschaftlich mit ihren Arbeitsgenossen, teilte mit einem die Kammer und wurde nicht erkannt, bis ein Zufall die Sache ruchbar machte.

Es klingt unwahrscheinlich, daß man die Frau im Männer­anzug nicht erkennt. Wie täuschend eine Frau den jungen Mann in Haltung und Allüren nachahmen kann, zeigen die Schau­spielerinnen, welche die sogenannten Hosenrollen übernehmen. Sarah Bernhardt wirkt inL'Aiglon" tatsächlich wie ein Jüng­ling. Und manche Dame, die in Lustspielen einen Leutnant dar­stellt, könnte leicht für einen Mann gehalten werden. Mit einigen künstlichen Hilfsmitteln, an denen in unseren Tagen kein Mangel ist, kann man zu einem Bart gelangen. Die größten Verräter sind vielleicht die Hände. Auch für die Schauspielerinnen scheint es einen prickelnden Reiz zu haben, Männerrollen zu spielen. Die Mehrzahl verspricht .sich davon eine erhöhte Wirkung im! Publikum. Viele verfallen jedoch auf die Idee, Helden zur Darstellung zu bringen, wenn sie sich nicht mehr jung genug fühlen, um schöne Frauen zu verkörpern, aber noch nicht fo alt, um schon in das Mutterfach überzugehen.

Für manchen Beruf ist die Männertracht unerläßlich. Sie wird von den Austernsucherinnen, von den Russinnen bei der Kaviarbereitung, von den Sennerinnen auf der Alm, wenn sie bei ihren Kühen sind, von den Belgierinnen, die in den Minen arbeiten und von den friesischen Mädchen bei den Schlittschu'h- länsen getragen. Sind diese Frauen aber im Hause, vertausche» sie das Beinkleid gegen den Rock.

Wenn heute die Frauen die weibliche Tracht vermännlicht sehen wollen, und ihr bereits diesen Zug gegeben haben, s» liegen dieselben Ursachen vor, wie bei den soeben geschilderten Ar­beiterinnen. .Unzählige Frauen müssen sich ihr Brot erwerben,, und sich, um in dem Daseinskampf nicht zu unterliegen, von jedem Ballast, den die Toilette ihnen aufladet, befreien. Sie tragen kurze Haare, um schnell mit ihrer Frisur fertig zu fein, sie achten nicht auf den Schnitt des Kleides, sondern sind nur darauf bedacht, daß eine Tasche darin untergebracht werden kann, was bei einem gutsitzenden Modckleide unmöglich ist. Sie legen bequeme, luftdurchlässige Kleidungsstücke an, .in denen sie stun­denlang auf dem Kontorsesscl unbelästigt sitzen können, die sie im angestrengten Dienst gesund erhalten. Denn könnten sie nicht mehr arbeiten, würden sie verhungern. Selbstverständlich wirken diese männlich gekleideten Frauen seltsam auf uns. Sie werden verspottet und verlacht. Mit Unrecht. Man sollte sie bedauern. Und daß sie gern Männer wären, kann man ihnen nach- ftihlen.Ach, wenn ich doch ein Manu wäre!" hat wohl jede Frau schon ausgerufen in Augenblicken, da sie sich ihrer schwächeren Kraft bewußt ward, oder umgekehrt gerade bann, wenn sie glaubte, die Karre besser zu schieben, als der Mann an ihrer Seite. Die jugendliche Marie Baschkirtsesf schreibt in ihr Tagebuch:Ich schreibe an die Colignon, daß ich ein Mann sein möchte. Ich weiß, ich könnte etwas werden;. aber was soll man machen in Unterröcken? Die Heirat ist die einzige Karriere der Weiber, die Männer haben sechsunddreißig Chancen, das Weib hat nur eine.--Ich verlange nichts, denn

das Weib hat bereits alles, was es haben soll; aber ich grolle darüber, daß ich ein Weib bin, weil ich vom Weibe nur das Aeußere habe." Emma Reichen.

Silbenrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Aus nachstehenden 20 Silben

a, a, der, bi, bin, duld, ei, er, fett, ge, ha, mei, na, ni, ra, re, rem, ro, fon, u,

sind 7 Hauptwärter zu bilden von folgender Bedeutung: 1. soziale Einrichtung in der Türkei; 2. Kampfplatz; 8. viehwirtfchastliche Anlage 4. Pelzwerk; 6. Beiname der Venus; 6. Held einer zumal von Kindern viel gelesene Erzählung; 7. Charaktereigenschaft. Sind die richtigen Wörter gefunden, so bezeichnen die Anfangsbuchstabe» eine deutsche, die Endbuchstaben eine italienische Stadt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nrr

Kassendefraudant.

Redaktion: Ananst «öd. Rotationsdruck und «erlog der Vrül h'scheuUniverütitS-Buch. und tzteindnickerei. R. Lonoe, GiestM.