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Kitt angenehmes Kröe.
Hllneoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Du vergißt, liebe Eveline", entgegnete er ihr, „daß es auch so etwas tote einen kulturellen Stolz gibt! Wahrscheinlich betrachteten sie ihn, infolge seiner geistigen Superiorität, als gemeinsamen Feind, als Eindringling, und da wirb ihnen jede Gelegenheit willkommen gewesen sein, ihir zum Lande hinauszugraulen. Daß ihnen ies nicht gelungen, zeugt nur von seinem eisenfesten Charakter — freilich", setzte er dann düster hinzu, „ist er dabei zum Menschenverächter geworden, und es ist nicht ausge- geschlossen, daß es uns auch so gehen wird!"
„Wenn Du mit solchen Anschauungen hinuntergehst, ist das leicht möglich", meinte sie bedrückt; dann raffte sie sich auf und sagte: „nun möchte ich Dich aber bitten, unserem Jungen ernstlich auf den Zahn zu fühlen. Ich habe Ursache, zu glauben, daß er von der Sache mehr weiß, als wir. Er hat stets, wenn wir von Karls Einsiedlerleben sprachen, eine eigentümlich scheue Zurückhaltung beobachtet, deren Grund nur —"
„Warum erwähnst Du das erst heute?" fragte er mißtrauisch.
,Meil die Sache früher nicht aktuell war und ich als Mutter Bedenken hatte, Erich zu einem Bericht aufzufordern, der uns beiden vielleicht hätte peinlich sein können."
„Na, der Geschichte wollen wir gleich! auf den Grund gehen", meinte er entschlossen, öffnete die Tür und rief mit einer Stimme, die durch das ganze Haus dröhnte: „Erich!"
Dieser war kurz vorher von seinem Oberst zurückgekommen, der dem schmucken und diensteifrigen Leutnant nur ungern einen vierwöchigen Urlaub —• als Vorläufer des gänzlichen Abgangs — bewilligt hatte.
Ihm selbst war recht schwer und doch wieder so eigentümlich froh ums Herz. Einerseits schmerzte es ihn, die Uniform auszuziehen und von den Kameraden und vom Regiment zu scheiden, andererseits reizte ihn der große Wirkungskreis, in dem er sich von nun an würde betätigen können. Und dann — ja, dann erinnerte er sich eines süßen, blauäugigen, von krausen, tiefschwarzen Locken umrahmten Mädchenkopfes, der sich öfter neugierig und ohne jede Scheu nach ihm umgedreht hatte. Und dieser Kopf, der ihm nun schon seit zwei Jahren nicht aus dem Sinn wollte, verfolgte ihn jetzt, wo er wieder in seine Nähe kommen sollte, erst recht, und wo er ging, und wo er stand....
„Erichs dröhnte da des Vater- Stimme an sein Ohr Und zerriß den holden Zauber.
Er stellte rasch den eben ab geschnallten Säbel in die Ecke und eilte zu den Eltern hinüber.
Major von Höchstfeld machte wenig Unrstände und ging direkt aufs Ziel los.
Erich zauderte einen Moment, dann sagte er mit seinem jugendfrischen Organ:
„Mama hat recht, ich habe Euch wirklich etwas verschwiegen, doch hielt ich es für unangebracht. Euch vielleicht ganz müßiges Geschwätz zu hinter'bringen."
„Da hast Du's", wandte sich Herr von Höchstfeld mit siegessicherem Lächeln an seine Frau: „er sagt selbst: müßiges Geschwätz!"
„Er sagte aber auch: vielleicht!" beharrte sie.
Verwundert schaute Erich von einem zum andern und fuhr dann, auf des Vaters Aufforderung hin, fort:
„Ich ritt einmal mit dem damaligen Verwalter auf das Vorwerk, wo wir auf der Grenzgemarkung den Grafen Stepenaz mit Komtesse Ljubiza trafen."
„Warum wirst Du denn plötzlich so rot?" inquirierte ihn der Vater.
„Ich? Ich bin doch gar nicht rot", widersprach Erich und gab sich alle Mühe, seine Verlegenheit zu bemeistern, „warum sollt' ich denn rot werden? Ich habe sie ja nur das eine Mal und dann noch einmal und dann nicht wieder gesehen."
„Hm — hm", räusperte sich Herr von Höchstfeld, „die Geschichte schaut verdächtig aus, doch — weiter."
Froh, so schnell darüber hinwegzukommen, beeilte sich Erich, fortzufahren.
„Ich konnte es natürlich nicht umgehen, mich den Herrschaften vorzustellen, und nachdem ich dem Grafen auf dessen Frage antwortete, daß ich schon den nächsten Tag oBreife, gab er mir die Hand und sagte: Nun, bei Ihrem nächsten Hiersein hoffen wir. Sie zu sehen, und wenn Ihnen Ihr Herr Onkel früher oder später die Herrschaft übergeben sollte, dann stehe ich Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung — ich zweifle nicht, daß wir gute Nachbarschaft halten werden."
„Kerl, Du wirst ja schon wieder rot", unterbrach ihn der Vater.
„Wer, ich weiß nicht, was Du hast", stotterte Erich, „ich sagte Dir doch schon . . ."
„So laß ihn doch ausreden" kam ihm die Muttee zu Hilfe, „das Wichtigste muß ja erst folgen."
„Und mir ist's, als ob ihm diese Begegnung das Wich« tigste wäre", meinte der Major ahnungsvoll.
„Nein, das Wichtigste kommt erst", voltigierte Erich über die heikle Situation mit keckem Satz hinweg. — „Des Grafen Liebenswürdigkeit ließ mich annehmen, daß der Onkel doch nicht alle Beziehungen abgebrochen habe, und so tat ich an den Verwalter die unvorsichtige Frage, ob der Verkehr zwischen den beiden Herrschaften ein reger sei?"
„Und?" fragten Vater und Mutter wie au- eine«! Munde.


