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fcr uns Sei der Abfahrt mit der Hand noch einen Gruß zu.

Von dem Geschnatter und Geschwätz öfter, das jetzt in unserem Gharry losging, macht man sich keinen Begriff. Eine Schar Elstern und Papageien war nichts im Vergleich zu diesen vier Mädchen, die alle zu gleicher Zeit und in den höchsten Tönen zusammenschrieen.

O Pamela, Sie sahen wirklich großartig aus", sagte Eulalie,und Ihr Spiel ging mir bis ins Herz und in die Zehenspitzen. Noch niemals habe ich mich so gut unter­halten 1"

Ich auch nicht!" rief Lola.Ich tanzte alle Tanze, und jedermann fragte mich, woher Sie kämen, Pamela, und wenn ich sagte: Bon Rosarios, da glaubten sie, ich scherze. Und bei Ibrahim haben Sie Eulalie ausgestochen! Er tanzte schließlich fast gar nicht mehr, sondern sah nur immer Sie an, und ein ganzes Heer von Fragen hat er an mich gerichtet, wann und woher Sie gekommen seien, und ob Sie Herrenbekanntschaften in Madras hätten. Fernandez fagt, er sei furchtbar reich und reise oft nach London und Amsterdam."

Meinetwegen kann er ins Pfefferland reisen", warf Eulalie dazwifchen.Mir ist er unausstehlich . . . Ach, und was ich Schlaf habe, und doch will ich noch gar nicht schlafen, ich bin ja so glückliche

Rasch wandte sich Gwendvline um.Ja, das glaube ich, ich sah wohl, wie viel Du mit Melville tanztest und wie ihr dann eine Ewigkeit draußen bliebet. -Eulalie, ge­steh' es nur, er hat Dich geküßt!"

Und ich sage, Du bist eine dumme Gans!" Eulalie brach in etwas gezwungenes Lachen aus.Ich glaube wahrhaftig, ich habe meine Schuhe durchgetanzt, und hier ist auch ein Kafseefleck auf meinem schönen Kleide.... Seht nur, da dämmert schon der Morgen" sie zeigte auf einen schwachen, zwischen den Palmen hindurchschim­mernden Lichtstreisenheute werde ich wohl sehr spät aufstehen."

Nun langten wir an und fuhren auf dem holperigen Wege vor den Bungalow. Kaum waren wir dann aus­gestiegen, so floh Eulalie, die doch vor lauter Glück nicht zu schlafen gewünscht hatte, uns voraus in ihr Zimmer.

Ich für meine Person war zwar nicht glücklich, schlief aber doch bald tief und ruhig.

12.

Cs mag auffallend erscheinen, daß ich mich so rasch und fast ohne Kampf in diesen neuen Kreis fand, sozusagen darin unterging, als sei ich von einem Morast ver­schlungen worden. Und doch hielt ich mich noch immer kampfesmutig über Wasser: mein Ehrgeiz war durchaus nicht tot, er schlummerte nur. Wer was kann ein mittel­loses, alleinstehendes junges Mädchen, das zu stolz ist, um eine Unterstützung zu bitten, in Indien anfangen? Sie ist wie eine Gefangene, der man die Hände gebunden hat, und die vergebens gegen die sich vor ihr auftürmenden Hindernisse ankämpft.

Meine Tante war gestorben, eines raschen Todes, so schrieb mir Linda in einem kurzen, förmlichen Briefe, der mich erst erreichte, nachdem er nach Lohara, dann zurück zu Mr. Evans nach England und ein zweites Mal nach den: Osten geschickt worden war, und den ein herzliches Schreiben Mr. Evans sowie ein glänzendes Zeugnis be­gleitete. Meine Dante hatte mir vergeben, wie Linda ver­sicherte, allein ich fühlt» aus dieser steifen Anzeige deutlich heraus, daß Linda sich durch diese Nachsicht ihrer Mutter zu nichts weiter verpflichtet fühlte. Diese Türe war mir also für immer verschlossen, und die der Dregar hatte ich mir mit eigener Hand versperrt.

Dem ersten Briefe Mr. Evans' war bald ein zweiter gefolgt, worin er mich dringend Sät, das Haus in der Crundallstraße sofort zu verlassen, da er einen währen Abscheu vor allen Eurasiern habe. Wenn ich nun aber wirklich. meine gutherzige Frau Rosario, die mir den Lohn für drei Monate schuldete, im Stiche ließ, so würden mir diese hundert Rupien auch nicht weit geholfen haben. Mr. Evans hätte mir ja wohl auch Geld geliehen, aber ich kannte seine Vermögensverhältnisse zu gut, als daß ich mich an seine Großmut hätte wenden mögen.

Ein halbes Jähr wohnte ich jetzt in Vepery, und diese Zeit war nicht ohne besondere Ereignisse verflossen, wenn Liefe auch nicht mich persönlich betrafen. Tante (Stent, das

arme alte Wesen, hatte man eines Morgdns tot in ihrem Bett gefunden und sie dann mit viel Aufwand begraben. Gwendvline, deren Vertrag an der Dovetonschule nahezu abgelaufen war, hatte sich mit einem netten jungen Kauf­mann, der zugleich einem Regiment Freiwilliger angehörte, verlobt. Fitz Alan war sterblich verliebt in die Tochter eines Eisenbahnbeamten, und da seine Werbung nicht recht vorangehen wollte, quälte er seine Umgebung nicht wenig durch schlechte Laune. Lola hatte, wie nicht anders an­zunehmen war, ihre Prüfung mit großen Ehren bestanden, und John war, wie ebenfalls zu erwarten war, mit leeren Händen und in gedrückter Stimmung zurückgekehrt, wäh­rend Eulalie noch immer unentschlossen unter der Schar ihrer Verehrer hin und her flatterte.

Ibrahim, der nicht abließ, ihr seine Huldigungen darzubringen, fand sich nun fast täglich als Besucher in Nummer 16 ein. Bald nach dem Balle war er einmal als Gast Friedrichs, der diesen reichen Herrn mit seiner ganz besonderen Gunst auszeichnete, zum Abendessen gekommen, und da hatten wir ihm zu Ehren großartige Vorbereitungen treffen müssen. Auf der Tafel brannten zwei Lampen, und dem Essen wurden Süßigkeiten, Rotwein und sogar ein Salm aus Büchsen hinzugefügt. Dazu entlehnten wir eine Menge Gegenstände von unfern Nachbarn rechts und links. Frau Gardozos Glasschalen und Löffel, Frau Jo- seph's Tischtuch und Gläser, und noch viele andere Dinge mußten zum Glanze des Hauses beitragen.

Das Entlehnen war überhaupt an der Tagesordnung in Vepery und Blacktown. Vom Klavier bis herab zu einer Pastetenschüssel, von einer Fadenrolle bis hinauf zu einem Ballkleid liehen und entlehnten wir. Auch ich lieh fort­während meine Sachen aus. Wie hätte ich mich wohl von den allgemeinen Sitten ausschließen können? Allerdings beschränkte ich mich dabei auf unfern eigenen kleinen Kreis. So schrieb Gwendoline ihre Eroberungen vornehm­lich meiner Federboa und meinem seidengestreifien Rocke zu, Eulalie trug meine Lieblingsbluse, und andere Sachen wurden überhaupt als Gemeingut betrachtet. Dabei muß ich allerdings sagen, daß mir, wenn ich es gewünscht hätte, stets dieselbe Aushilfe zu teil - geworden wäre.

Daß zum Empfang eines so vornehmen Gastes wie Ibrahim auch ganz besonders sorgfältige Toilette ge­macht wurde, läßt sich denken. Frau Rosario fühlte sich so sehr geehrt und gehoben, daß sie sich zu dieser Gelegen­heit sogar mit einem leuchtend grünen Atlaskleid schmückte, wozu sie aber einen Umhang trug, um einen großen Riß in der Taille zu verdecken. Sie streute eine doppelte Lage Puder auf ihr Gesicht, ließ sich von einer entlehnten Ajah das Haar kunstvoll aufstecken, und mit etwas Einbildungs­kraft und gutem Willen konnte man wohl sehen, daß die in Vepery verbreitete Kunde von ihrer einstigen Schön­heit feine bloße Sage war.

Als Mr. Ibrahims Besuche sich dann häufiger folgten, konnten wir uns natürlich nicht immer auf der Höhe dieses ersten Abendessens halten. Es war unvermeidlich, daß der vornehme Gast uns auch so zu sehen bekam, wie wir wirklich waren, das heißt, die andern, denn ich wich ihm sorgfältig aus. Er sah Frau Rosario in ihrem alten, fettigen Hausrock, dem sie den NamenTeekleid" beizulegen be­liebte; er sah Gwendoline und Lola mit ausgewickelten Haaren und Mardie in ihrer allerschmutzigsten Verfassung. Nichtsdestoweniger folgten feine Besuche einander mit un­verminderter Regelmäßigkeit. Er holte Eulalie zu Spazier­fahrten in seinem Wagen ab, und so verhaßt ihr auch seine Gesellschaft war, wie sie uns lavt versicherte, so fuhr sie doch mit, um die Mädchen der Nachbarschaft zu ärgern, vor deren Häusern niemals solch vornehme Privatwagen hielten. Auch Teegefellschaften wurden öfters auf dem dürftigen, mit Steinen übersäeten Rasen vor dem Bungalow abgehalten, wobei Ibrahim niemals fehlte. Er brachte dann Blumen, Bücher, Süßigkeiten und Schmuckgegenstände mit, die er alle Eulalie zu Füßen legte.

Dennoch hatte ich die ganze Zeit über int geheimen das abscheuliche Gefühl, daß der reiche Perser tn Wirk­lichkeit nur meinetwegen kam. Mir galten feine Blicke, mit mir fuchte er zu sprechen, so selten ihm auch Gelegenheit dazu wurde. Ganz allmählich und verstohlen schlängelte er sich unter der Maske als Eulalies Verehrer zu mir herum und so geschickt ging er dabei zu Werke, daß kein Mensch etwas davon merkte, außer Jooasta, die stets auf der Lauer faß, ihre Beobachtungen machte und hinter alles kam,