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die bei der ausgeschriebenen Konkurrenz den Preis gewonnen haben, werden sehr bald hinzukommen. Bis der Truppen­transport im großen beginnen kann, muß ja erst der Seekrieg entschieden sein. Es bleibt also Zeit genug, nach Feierabend in kleinen Trupps marschierend, die für die neue Situation passenden Strophen fest einzuprägen. Die Japaner singen zwar nicht sehr schön; aber sie haben ein vorzügliches Ge­dächtnis für den genauen Wortlaut.

Seitdem die Japaner im Februar 1889 die allgemeine Wehrpflicht mit den uns früher so geläufigen Zahlen, drei Jahre in der Linie, vier Jahre Reserve, fünf Jahre Landwehr, angenommen haben, so ist häufig eine Vermehrung der Kadres vorgenommen worden, daß die Zahl der Eximierten und sich freilosenden immer geringer wurde. Die Friedensstärke des japanischen Heeres wird streng geheim gehalten. Aber die Schätzung, daß seit 1900 jährlich etwa 55 000 Mann ein- geftctlt werden und daß jetzt zu einer stehenden Armee von 160 bis 170 Tausend Mann noch 170 Tausend Reservisten imb 150 000 Landivehrleute hinzukommem (im ganzen also 480 bis 490 Tausend) wird der Wahrheit sehr nahe kommen. Es sind kleine, salopp gekleidete und außer Dienst in dem ungewohnten ledernen Schuhzeug recht lässig wandelnde Ge­stalten, aber wohlgemute, sich als etwas Besonderes fühlende frische Kerls, die eine sonst den Japanern ganz fremde Vor­liebe dafür haben, angefaßt zu Zweien und selbst Dreien durch die Straßen zu trollen. In die große, der preußischen nach geformte Schirmmütze sind sie besonders verliebt. Extra- mülien ist der einzige Luxus, den sie sich erlauben. Von dem m anderen Ländern den Mannschafteil eigenenHang zum K: : vcrsonal" ist den japanischen Soldaten nichts eigen; meist halten sie sich auf ihren Vergnügungsgängen ganz nistrr sich. Allerdings sieht man vor Speise- und Tee- häuscrn häufig die hohen Schäftstiefel und Gamaschen-Schnür- stiefel flehen, die dem Kundigen verraten, daß drinnen Sol­daten auf den Matten hocken imb ihren inneren Menschen restaurieren. Namentlich die Erzählerbuden haben an ihnen eine gute Kundschaft.

Das Leben in der Kaserne ist den japanischen jungen Männern aller Stände etwas Gewohnteres und Anheimeln­deres als uns. Die große Gleichmäßigkeit der Lebensgewohn­heiten, die allgeineine Liebe zur Sauberkeit, die gefügigen Umgangsformen, die schon das Gasthausleben in Japan so vollkommen regulieren, wiederholen sich eigentlich nur in den großen Stein- und Holzbauten, die der Staat ihnen ange- wiesen hat. Auch die Einjährigen empfinden in dein Viertel­jahr, das sie in der Kaserne zubringen müssen, wie mir meine dienenden Studenten ost versicherten, keine Beschrän­kung des gewohnten Komforts. Besonders erfreulich war mir als Historiker und Preußen die Tatsache, daß die japanischen Einjährig-Freiwilligen ebenfalls schwarz-weiße Achselschnüre statt der den Landesfarben entsprechenden rot-weißen tragen. Dadurch dokruuentieren sie auf den ersten Blick, woher Japan und alle Länder der Kulturivelt dieses Institut des Ein­jährigen Dienstes übernomnien haben. Militär-Musikkapellen gibt es nur beim ersten Garderegiment, an der Toyama- Schule für Unteroffiziere und bei der ersten Marine-Division in Yokosuka. Auch diese spielen nur bei Festlichkeiten und Paraden. Auch Trommler und Flötisten sind bei der japa­nischen Armee unbekannt. Beiin Marschieren lösen sich nur zwei Gruppen von Hornbläsern ab, die immer wieder die­selbe, kurze Weise wiederholen. Da erklärt es sich denn auch, warum in der japanischen Kompagnie das Singen von Marsch­liedern ebenso eifrig geübt wird wie das Banzai l (Hurra!)- Schreien.

In seinem Unteroffizier und Feldwebel sieht der japa­nische Soldat in erster Linie den Lehrer, dem er mit dem von Confucius vorgcschriebenen großen Respekt entgegen­kommen muß.

VerMischte».

. * Die Religion der Japaner. Ein Kenner japa­nischer Zustande, Herr Joseph McCabe hielt dieser Tage rn London einen Vortrag über das Thema:Japan eine Nation ohne Gott". Der Vortragende führte aus, Japan habe eigentlich drei Religionen Shintoismus mit Millio­nen Gottheiten, Buddhismus mit einer Anzahl Götter, und- Konfuzianismus, die Hauptreligion, ohne Gottheit und ohne irgend welche Beziehung zu einer Gottheit. Während der letzten 1000 Jahre ist jeder gebildete Mann in Japan An­hänger des Konfuzianismus gewesen. Der Shintoismus die eigentliche einheimische Religion, ist eine Mischung voU Naturanbetung und Ahnenkultus; er will das Volk nicht moralisch inspirieren und ist lediglich ein Kultus der Zere­monien. Der Buddhismus ist eine edle Relgion; moralisch und erhebend in seiner Auffassung ist er leider zum Formen­kram geworden und in theologischen Spekulationen ver­sumpft. Auf die besseren Regungen der Nation übt er keinen Einfluß mehr aus. Der Konfuzianismus war die Quelle aller idealen Bestrebungen in Japan. In den japanischen Schulen wird keine Religion gelehrt, den Kindern werden nur allgemeine ethische Begriffe hergebracht. Gott oder der Himmel werden nie erwähnt. Den Kindern wird nur die einfache menschliche Pflicht, die der Mensch zum Menschen hat, gelehrt. Seit tausend Jahren hat der japanische Natio­nalgeist es sich genügen lassen, eine rein ethische Kultur im Volke zu pflegen. Im Herzen der Nation hat der Konfu­zianismus eine Stätte gefunden, und alle Versuche, das Christentum auszubreiten, sind fehlgeschlagen.

* Japanische Schauerromane. Japan scheint das gelobte Land für den Verfasser von Schauerromanen zu sein. Tic Japaner , sind eifrige Leser und cs wird in reichlichem Maße für die Bedürfnisse des lesenden Publikums gesorgt. Allerdings ist der Lesestoff nicht darnach angetan, europäische Kritiker zu begeistern. Eins der berühmtesten und am meisten

gelesenen Werke der japanischen Literatur ist zum Beispiel Die Geschichte der acht Hunde", ein Roman in 106 Bänden. (1) Zur Entschuldigung desDichters sei bemerkt, daß die Blätter immer nur auf einer Seite gedruckt sind, so daß man eigentlichnur" 53 Bände rechnen kann. Aber trotzdem. . . . Ferner gehört es zu den Eigentümlich­keiten japanischer Schriftsteller, in ihre Romane eine solche Menge von Personen zu drängen, daß weder das Publikum, noch der Verfasser selbst am Ende ein und ausfinden können.

So geschieht es schließlich nur unter dem Druck der eisernen Notwendigkeit wenn der Verfasser einen nach dem anderen von seinen Charakteren durch Gift, Dolch, Kugel, Strick oder irgend eine standesgemäße Todesart ans dem Wege räumt. Und so kommt es, daß die japanischen Romane die europäi­sche Hintertreppen-Literatur weit hinter sich zurücklassen; es ist nur zu verwundern, daß sich noch kein Unternehmer in den sogenannten zivilisierten Ländern dazu bereit gefunden hat, unfern Küchenfeen die Schätze der Literatur im Reiche

der Sonne zugänglich zu machen. Sicher sind da noch Gold­minen verborgen.

Bilderrätsel.

(Nachdruck verboten.)

(Auflösung in nächster Nummer.,

Oh.H.

1*«*- Gut

Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.:

senn. (Arsen, Rasen, Eisen, Sensen, Gassen, Senegal, Grausen, Flausen.)

Redaktion: Auanst Götz. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen UniversitätZ-Bnch- und Steiudruckerei. R. Lang«, Gießen.