Montag den 19. Aezemöer

1904.

w

-g ,

Aas TeliamenL des Bankiers.

Kriminalroman von A. M. Barbour.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Ueb err aschungen.

Am nächsten Morgen waren die Herren in Schöneiche schon ungewöhnlich früh auf und hielten gleich nach dem Frühstück eine kurze Beratung. Es wurde beschlossen, für Pie Ergreifung des Mörders eine hohe Belohnung auszusetzen und ebenso eine geringere sür jede Mitteilung, die zur Entdeckung und Habhastwerdung des Täters führen würde.

Nach beendeter Besprechung befahl Ralph die Equipage, um mit Herrn Whitney und dem Sekretär nach dem Bahn­hof zu fahren.

Wenn Sie erlauben, fahre ich mit", sagte Herr Merrick.

Gewiß, Sie haben noch Platz. Wollen Sie in die Stadt?"

Ja, aber nicht in Gesellschaft der Herren. Auf dem Bahnhof trenne ich mich von Ihnen."

Wie steht es denn eigentlich mit Ihren Nachforsch­ungen haben Sie Fortschritte gemachte fragte Herr Thornton.

Vielleicht, vielleicht auch nicht- Unter den gegebenen Umständen läßt sich das schwer beurteilen."

Ich fürchte", bemerkte Ralph kopfschüttelnd,die. Sache wird sich noch sehr verwickeln und lange, hinziehen." ?

Na, nur immer kaltes Blut", scherzte Vetter Thorn­ton;ich kenne drüben bei uns ein paar verdammt gewitzte, feine Jungens von der Kriminalpolizei. Wenn Sie, Herr Merrick, etwa Hilfe wünschen, will ich nach einem kabeln."

Tanke verbindlichst", erwiderte der Detektiv mit ruhiger Würde.Ich glaube nicht, daß mir ein Beistand nötig sein wird; sollte der Fall aber eintreten, dann finde ich auch hier Unterstützung und brauche mich nicht erst nach England zu wenden."

Na, na! Es kommt doch am Ende viel darauf an, wissen Sie, wes Landes Kind der Mörder ist. Sollte der Schurke zufällig englisches Blut in den Adern haben, so werden Sie mit einer Spürnase von drüben gewiß mehr ausrichten ,a ls mit einem Ihrer hiesigen Kollegen."

Vermutlich nach dem Grundsatz", entgegnete Merrick lächelnd:Fange einen Spitzbuben durch einen andern Spitzbuben."

Tie Fortsetzung des Gesprächs wurde durch den Eintritt des Kammerdieners Hardy unterbrochen, der aufgeregt meldete:Ter Kutscher ist nirgends zu finden, wir haben überall vergeblich naed), ihm gesucht er muß fort sein!"

Was denn fort? Wohin denn?" fragte Herr Whit­ney betroffen.

Ja, das weiß niemand. Der Stalljunge sagt, Browlt hätte sich den ganzen Morgen noch nicht blicken lassen." ,

Na, das ist aber doch sonderbar!" stieß Ralph hervor^ Bringen Sie den Jungen her!"

Und dieses Verschwinden ist um so auffälliger"? stimmte Herr Whitney bei,wenn man damit die Unver­schämtheit des Kerls bet dem Verhör sowie seine offenbare Verwirrung und falsche Aussage zusammenhält."

Während hierüber noch gesprochen wurde, kehrte Hardy mit dem Stalljungen zurück, einem Burschen von etwa vierzehn Jahren mit struppigem Haar und einem schlauen, weit über seine Jahre alten Gesicht.

Nun also, was iveißt Tu von dem Kutscher?" frug ihn Herr Mainwaring.

Er hat sich in letzter Zeit herumgetrieben."

Tu meinst, daß er liederlich war?"

Wird vermutlich stimmen."

Wann sahst Tu ihn zuletzt?"

Gestern abend, und dla war er grimmig und sprach nicht viel. Heute früh, als ich kam, war er nicht da; ist überhaupt, schätz' ich, die ganze Nacht nicht dagewesen."

Weshalb denkst Du, daß er liederlich geworden ifi:?"-

Nu, ich hab' nur gehört, daß er sich mitrter schlimmen Bande eingelassen hat, und hab' auch häßliche Kerle um die Stallung herumlungern sehen. Auch am Mittwoch abend, wo der Herr umgebracht wurde, waren wieder welche da, die ihn erwarteten."

Mittwoch abend?" rief Herr Whitney.Um welche. Zeit war das? Kennst Tu den einen oder den andern?"

Gekannt hab' ich keinen, aber so um achte 'rum haben! sie gelauert, daß er mitkommen sollte. Letzhin hat er! auch viel Geld gehabt."

Woher weißt Du das?"

Ich hab's gesehn. Tas kam so: vorgesteru abend geh' ich, um ihm zu sagen, daß ich im Stall fertig wär', unt wie ich da in die Nähe seiner Tür komm', hör' ich mit Geld klimpern. Ich schleiche mich sachte 'ran, horche noch 'ne Weile und mach' dann die Tür schnell auf. Ta sitzt er am Tisch und zählt Goldstücke. Er warf gleich die Arme drüber und schnauzte mich an, ich sollt' mich 'nausscheren; er würd' mich durchivalken, wenn ich noch mal so 'rein­platzte."

Hast Tu ihn an dem Abend noch einmal gesehen?"

Ja. Weil er mir so wunderlich vorkam, versteckte ich mich in der Nähe, um aufzupassen. Als auf dein Hofe alles still war, kam er aus dem Hause und gingchem Wäld­chen zu. Ich heimlich hinter ihm her. Am L>ee blieb er stehn und schaute sich um. Dann zog er schnell ich weiß nicht was unter denk Rock 'vor und schwupp warf er's ins Wasser und rannte schnell nach der Stadt zu."

Fiel der Gegenstand leicht oder schwer aufs Wasser?"

Nu, leicht war er nich, es gab 'nen Schlag, daß das. Wasser aufspritzte."

Hast Tu noch mehr gesehen oder gehört?"