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empfing, und nun so unerwartet Abschied genommen — spurlos — auf Nimmer-Wiederkehr.
Ein- oder zweimal noch begegnet man wohl dem Namen — in den Blättern solcher ehemaliger Lobpreiset', die ein gewisses Schamgefühl dazu treibt, nicht sofort das Gloeken- geläute, das so brausend erklungen war, abzustellen: dann aber ist auch dieser letzte Nachhall vorüber, und Gotthold Schulze bleibt für ewig int Dunkel — wenn nicht der Zufall ihm aufs neue eine ähnliche Position erschließt, tote die frühere so töricht verscherzte. Daun finden sich auch die Essayisten und Lokalkritiker wieder, die zu erzählen wissen von dem Dufte der „Lotosblätter" und den Reizen der Novelle „Ricinia",
Zur Dienstbotenfrage.
Bei der andauernd herrschenden Dienslootmnot kann es nicht <chlen, daß darüber nachgedacht wird, worin diese begründet sein möge, damit man das Nebel an der Wurzel angreifen, eine Heilung von Grund aus vornehtnen könne. Nun soll in diesen Zeilen nur eine Seite der Sache ins Auge gefaßt werden.
Zweierlei ist es, was im Blick auf die Dienstboten den .Hausfrauen das Leben verbittert: die Quantitäts- und die Qualitäls- frage. Es mangelt seit Jahren mehr und mehr an Dienstboten. Tie Töchter unseres Volkes wollen nicht dienen und bilden sich ein, als Fabrik-, Laden-, Nah- usw. Mädchen dem Dienen ent- gehcit zu können, freilich eine Täuschung, da die freien Abendstunden auch von den Dienstmädchen heute vielfach ohne Zwang und Aufsicht genossen werden können. Welcher unberec^nbare Schaden aber für die Mädchen selbst ans diesem „Freiheitsdrang" erwächst, kann bei der Frage, die uns beschäftigt, nicht weiter aus- gefiihrt werden. Jedenfalls greifen heute wegen des Ticnst- mädchenmangels viele Hausfrauen unbesehen zu, wo sich ein Mädchen bietet. Hieraus folgt ein häufiger Wechsel, der wieder eine ernstliche Verschlechterung der Qualität der Dienstboten zur Folge hat. Ter Wechsel wird von den meisten Mädchen durchaus nicht tief empfunden, er ist ihnen sogar amüsant, oft bringt er einen Profit an Lohn mit sich. Wozu sich da anstrengen? Wozu nach Vervollkommnung, nach einem guten Zeugnis streben? Läßt man sich einmal allzusehr die Zügel schießen und wird weggejagt, so findet sich meistens bald wieder eine Stelle bei einer aus demselben Grund des Dienstmädchens ermangelnden Familie. Welch ein unberechenbarer Schaden, diese Züchtung des Leichtsinns, diese Untergrabung der einst in unserem Volk so hoch gehaltenen ^.rcue gegen den Herrn, dem man sich verpflichtet hat! Andererseits fühlt eine oft wechselnde Herrschaft auch wenig Drang, die Dienstboten ernstlich zum guten anzuhalten, ein näheres Verhältnis zu ihnen, das Einfluß verbürgte, anzubahnen: das Interesse für einander nimmt auf beiden Seiten ab.
Der Dienstbvtenmangel übt aber auch seine unheilvolle Wirkung da aus, wo cs sich um Neulinge im Dienen handelt. Ohne wgllcpe Vorbildung gehen solche Mädchen ab, wie der Weck vom Bäckerläden, denen jede feinere Hausarbeit fremd ist, und man bewilligt ihnen oft noch einen unverhältnismäßig hohen Lohn. Tte einen Lohn zahlende Hausfrau erwartet nun aber auch etwas, will sicy nicht mühen mit deut Lehren, das so unendlich viel Geduld erfordert, durch das aber die jungen Dinger allein zu wirklich brauchbaren Dienstboten herangezogen werden können Ter Eigenen Bequemlichkeit und den Ansprüchen der unreifen Mädchen folgend, behandelt man sie wie erwachsene Personen, überwacht weder die Freistunden, noch die Verwendung des hohen Lohnes, noch die Reinlichkeit und Ordnung an der eigenen Person des Dienstmädchens, zieht womöglich an der Kost ab, was man am Lohn zuviel zu geben immer inehr cinfieht, — kurz, die ersten stellen erfüllen ihren Zweck, die Mädchen tüchtig zu machen, temeswegs und liefern keine der Qualität nach genügenden Dienstboten
Eine Besserung dieser Uebelstände wäre unseres Erachtens durch dm Einrichtung der Dienstboten-Lehrmädchen zu erwarten, wie sie an anderen Orten schon schöne Früchte aufzu- weisen hat, vor allem in München, wo unter dem Protektorat der Prinzessin Arnulf jährlich ca. 200 Mädchen gegen geringen Lohn m sogenannte Lehrstellen gebracht werden, in denen die Hausfrau sie unter Ueberwachung des Vereins gewissenhaft im Haushalt anleitet, das geistige und körperliche Wohl in jeder Weife fördert, und wo dann diejenigen Mädchen, die sich in ihren Lehrstellen bewahrt haben, gegen ein bescheidenes Entgelt im Kochen, Bügeln usw. weiter ausgebildet werben.
m Durch Einführung des Koch Unterrichts in unseren Volksschulen ist der Anfang einer Wendung zum bessern ge- macht: das Interesse an häuslichen Arbeiten und in gewissem Matze auch die Lust zum Dienen haben zugenommen: nun heißt es, dies unterstützen und ausnützen, indem man den Willigen
einer wirklich gründlichen Ausbildung zeigt und er-
Kefusidheitspflege.
Tie Verhütung des frühen Alterns. Mittel und Wege zur Ber längerung des Lebens von Tr. med. G. Weber, Oberarzt am deutschen Hospital zu London. Verlag von Krü g er u. Co. in L eipzi g. Broschiert 1.50 Mk. Wer wünschte nicht lange zu leben und dabei gesund zu sein? Wie dieses zu erreichen ist, lehren uns die Aufsätze des 8ljähr. Verfassers, der nicht nur gute Lehren gibt sondern durch ihre Befolgung an sich selbst auch die Richtigkeit derselben beweist. Ebenso tvaren Kant, Moltke, Kußmaul, Tettweiler, Kneipp u. a. in ihrer Jugend schwächlich und haben dennoch ein hohes Alter erreicht. Fast jeder Mensch besitzt die Vorbedingung zu einem langen Leben, und es liegt oft in feiner Hand, durch Beachtung der einfachsten Gesimdheitsregeln und der von Tr. Weber mitgeteilien Tatsachen das Leben bedeutend zu verlängern. In obigen Ausiützen legt der Verfasser alle Grundsätze dar, welchen er seine Langlebigkeit und Frische verdankt, die ihn im Alter on 80 Jahren noch' zu einer anstrengenden Reise nach Aegypten befähigten.
<4 ter arisch, s.
Drecker, Hans Otto. T i e S ch würg en o ssen. Historische Erzählung aus der Zeit Philipps des Großmütigen. Gießen, Verlag von Emil Roth. Oktav: VIII, 144 S. Preis 1.50 Mk., gebunden in Seinen 2 Mk. — Diese Erzählung, in der Art der Brandschen Romane, doch etwas kräftiger und weniger monoton, ist als kleiner Beitrag zur Landgraf Philipp-Literatur freudig zu begrüßen auf dem wichtigen Gebiete der Volks- und Jugend- schriftcn. — Drei Darmstädter Freunde erleben mit Landgraf Philipp den Sickingenschen Ucberfall von 1518, Landgraf Philipps Einzug in Worms (1521) und die Rache vor Nannstall ljo heißt. eä stets bei Lanze statt Landstuhl!) im Mai 1523. Heinrich Waldinger wird, weil er seinem Eide treu bleibt, der Gemahl Iemcr Margarete, der Schwester Jörg Trantmanns, der selber unbeweibt bleibt wie (bis auf weiteres) der Tritte im Bunde, Albrecht Sterm, der für sich ein Würzburger Rittergut erwirbt. Im Wirbel des Bauernaufstandes totrb Jörg mit in die Bewegung verstrickt und teilte vor Franken hausen dem Henker verfallen, wenn ihn nicht sein Schwager, der ihm nachgereist war, gerettet hätte und die Fürsprache seines Freundes Sturm, der vor Nann- stall einst dem Landgrafen Philipp einen großen Dienst geleistet hatte, Alle drei treten dann mit ihrem Landesherrn gemeinsam zur neuen Lehre der Evangelischen über, aber das Jahr 1534 bringt einen Riß in den Bund der Schwurgenossen, da Sturm zur österreichischen Partei hält, verführt durch eine junge Witwe, die er sehr liebt, während sie ihn verriet. Voll Reue über diesen Treubruch an seinen Freunden, saß er krank an Leib und Seele auf seiner Burg, bis die zwei Genossen ihn aufrüttelten und treu pflegten in alter Liebe und Freundschaft. Ter Schmalkalder Krieg führt uns dann zwölf Jahre später nach Darmstadt, das 1547 vom Grafen Büren erobert wird, aber erst nach tapferster Gegenwehr, und 1552 höreii- wir, nach all der Not der fünfjährigen Gefangenschaft, wobei Sturm bei dem bekannten Mißlingen eines Befreiungsversuches sein Leben gelassen hatte, mit Freude die langersehnte Kunde von kommenden, besseren Zeiten für das Hessenland erklingen.
, Bis auf wenige geschichtliche Unwahrscheinlichkeiten und einige poetische oder stilistische Härten in der Tarstellung ist diese schlichte Erzählung dem Verfasser recht wohl gelungen.
T r. S e elig.
Umwandlungs-Aufgabe,
ad.triicl verboten.)
Ans je 2 Worten soll dnrcb Zusammengehen ein drittes 'C* bildet werden, und zwar in der Weise, daß von a der letzte Bum» stabe und von b der erste gestrichen wird. Die einzelnen Worie haben folgende Bedeulung:
1. a) Häuslerwohmmg. b Wurfspieß.
2. a) Mechanisches Kunstwerk, b) Augenblick.
8. a) Blume, b) Teil eines Hauses.
4. a) Gott, b) Spirlinoses Getränk.
5. a) Tanszeuge. b) Weiblicher Personenname.
f>. a) Gespenstisches Wesen, b) Kleidungsstück.
7. a) Tonstück, b) Münze.
8. a) Männlicher Personenname, b Hasenstadt.
9. k.) Geographische Bezeichnung, b) Geographische Bezeichnung. 10. a) Kalin, b) Blutsverwandte.
Die neuen Worte bedeuten unter:
I. Haustier. 2. Bogel. 3. Deutsche Universität. 4. Bezeichnung für Haß. 5. Hostienteller. 0. Fisch 7. Küchengerät. 8. Asiatischer Volksstamm. 9. Teil einer Zeitung. 10. Badeort im Großherzogium Hessen.
Sind diese Worte nunmehr gefunden und deren Aiifangsbnch- staben aneinandergereiht, so erhält man den Namen eines bedeutenden russischen Heerführers im gegenwärtigen Kriege.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung deS Bilderrätsels in vor. Nr:.
Mensch, ärgere dich nicht.
Redaktion. August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brilbl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


