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Harnstag ven 19. Wovemöer
1904. — Wr. 173
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KafchLanka.
Bon Anton Tfch ech o f f.
(Nachdruck verboten.)
m , (Fortsetzung.)
„Was t|t denn hier los?" ertönte eine laute, unwillige Stimme, und herein trat der Fremde im Schlafrock und mit der Zigarre zwischen den Zähnen. „Was soll das bedeuten? An den Platz!"
Er ging aus den Kater zu, knirpste ihn auf den Buckel und sagte:
„Theodor, was ist denn das? Eine Keilerei? Ach, Du alter Schuft! Kusch Dich!" Und sich zum Gänserich wendend rief er: „Herr Iwanow, an den Platz!"
Ter Kater legte sich gehorsanr aufs Kissen und schloß die Augen. Nach dem Ausdruck seiner Schnauze und seines Schnurrbarts erschien er mit sich unzufrieden, daß er sich erregt hatte und in Streit geraten war. Kaschtanka winselte gekränkt, und der Gänserich streckte den Hals aus und begann etwas zu erzählen, aufgeregt, überzeugt und ver- nehmlich, aber äußerst unverständlich. . .
,._„®d)on gut, schon gut!" sagte gähnend der Herr. „Ihr mutzt Euch untereinander vertragen . . ." Er" streichelte Kaschcanka und fuhr fort: „Und Tu, Braunchen, brauchst ^rcch nrcht zu fürchren. . . Das sind alles brave Leute und tun niemand was zu leide. Uebrigens, wie soll man Lcch denn rufen? Ohne Namen darfst Du nicht bleiben, mern Bester."
Ter Fremde dachte einen Augenblick nach und sagte dann:
„So .... Tu wirst also Tante heißen. . . Verstehst Du? Tante!" "
Und das Wort „Tante" mehrere Male wiederholend gmg er hinaus. Kaschtauka setzte sich und begann zu beobachten. Ter Kater lag regungslos auf dem Kissen und tat, als ob er schliefe. Ter Gänserich fuhr fort mit aus- gestrccktem Halse, ununterbrochen von einem Bein aufs andere tretend, schnell und überzeugend von etwas zu erzählen. Es schien ein äußerst kluger Gänserich za sein; nach jeder langen Tirade trat er jedesmal erstaunt zurück, als bewunderte er feine eigene Rede. Nachdem Kaschtanka ihm einige Zeit zu gehört hatte, antwortete er: „Rrrr . . ." und begann, in den Ecken umherzuschnüffeln. In einer Ecke stand eilt kleiner Trog, in welchem Kaschtanka gequollene Erbsen und aufgeweichte Brotrindetl vorfand. Er probierte die Erbsen — sie schmeckten nicht, probierte die Rinden — und begann zu essen. Der Gänserich war durchaus nicht be- lerdtgt, daß der fremde Hund sein Futter verspeiste, sondern rm Gegenteil, er. begann noch überzeugender zu reden und trat, um sein Vertrauen zu bezeugen, an den Trog heran und atz selbst einige Erbsen.
Blaue Wunder.
Einige Zeit später- trat der Fremde wieder ein und brachte ein sonderbares Dina mit, das etwa wie ein Galgen
aussah. An der Ouerstange dieses hölzernen Galgens hing eine Glocke und war eine Pistole befestigt, von denen je eine Schnur herabhing. Der Fremde stellte den Galgen; mitten im Zimmer auf, nestelte lange an den Schnüren herum, blickte dann auf den Gänserich und sagte:
„Herr Iwanow, ich bitte!"
Ter Gänserich kam heran und blieb in erwartunasvoller! Pose stehen.
„Nun", s agte der Fremde, „fangen wir von Anfang an. Verbeugen Sie sich zuerst und machen Sie einen Kratzfuß! Schnell!"
Herr Iwanow streckte den Hals aus, nickte nach allen Seiten und scharrte mit der Pfote.
„So, bravo . . . Jetzt sterben Sie einmal!"
Ter Gänserich legte sich auf den Rücken und hob die Pfoten in die Höhe. Nachdem der Fremde noch einige ähnliche unbedeutende Stückchen vorgenommen hatte, griff er plötzlich nach seinem Kopf, drückte auf seinem Gesicht das furchtbarste Entsetzen aus und rief:
„Hilfe! Feuer! Es brennt!"
Herr Iwanow lief schnell zum Galgen, ergriff mit dem Schnabel eine der Schnüre und begann zu läuten. Ter Fremde war sehr zufrieden. Er streichelte dem Gänserich den Hals und sagte:
„Brav, Herr Iwanow. Jetzt stellen Sie sich vor, daß Ste ein Juwelier sind und mit Gpld und Brillanten handeln. Stellen Sie sich nun weiter vor, daß Sie in Ihren Laden emtreten und dort Diebe vorfinden. Wie würden Sie in diesem Falle handelnd
Ter Gänserich faßte mit dem Schnabel die andere Schnur und zog daran, worauf ein betäubender Schuß ertönte. Kaschtanka gefiel das Läuten sehr gut, und von dem Schuß geriet er in solches Entzücken, daß er um den Galgen zu laufen und zu bellen begann.
„Tante, an den Platz!" rief der Fremde, „'s Maul halten!"
Tie Arbeit Herrn Iwanows war mit dem Schießen noch nicht zu Ende. Eine ganze Stunde noch trieb ihn der Fremde an der Korde in die Runde und knallte mit der Peitsche, wobei der Gänserich über Barrieren und durch Reifen springen, sich bäumen d. h. sich auf den Schwanz setzen und mit den Pfoten zappeln mußte. Kaschtanka wandte von Herrn Iwanow nicht die Augen, winselte vor Vergnügen und lief mehrmals mit lautem Gebell hinter ihm her^ Nachdem Schüler sowohl als Lehrer gründlich müde geworden waren, trocknete der Fremde sich den Schweiß von der Stirn und rief:
„Marie, ruf mal Frau von Grunzner her!"
Gleich darauf ertönte ein Grunzen. Kaschtanka begann zu knurren, nahm eine äußerst mutige Stellung ein, trat aber für alle Fälle näher ztun Fremden heran. Die Tür öffnete sich, ein altes Weib sah ins Zimmer, sagte etwas und ließ dann eine schwarze, häßliche Sau herein. Ohne Kaschtankas Geknurr auch nur zu beachten, hob die Sau ihre


