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lösung nicht mehr so häufig erforderlich ist, afö die Besprengung mit Wasser allein, da die Straßen länger feucht blechen. Erfolgt die Straßenbesprengung vom Hydranten aus, so durste die Nach- besprengnng mit Chlorcalciumlösung — und würde sie auch mit der Gießkanne erfolgen — dieselbe Wirkung zeigen.
Bei Landstraßen dürfte es zweckmäßig sein, schon tut Frühjahr und zwar nach einem ausgiebigen Regen die Besprengungen mit Chloreälciumlösung vorzunehmen.
Ter kommende Sommer wird dann zeigen, ob dre Besprechung ausreichend ivar, um der Straße hygroskopischen Charakter zu geben und sie staubfrei zu erhalten. Irgend welche Nachteile des Verfahrens sind mir bis jetzt unbekannt.
Vermischtes.
* Kaulbach, König Ludwig .Lola Montez und der Hund. Den in den „Süddeutschen Monatsheften" verösfentlichten Erinnerungen der Frarl Josepha Dürck entnehmen wir folgende hübsche Anektode: „Als im sichre 1849" — so berichtet die Tochter Kaulbachs — „der Vater zum Tirektor der Akademie ernannt wurde, konnte er endlich seine feuchte ungesunde Werkstatt' in der Tattenbachstraße im ,Lehel' gegen ein für damalige Begriffe sehr schönes Atelier in der Akademie umtauschen. Tiefen ersten Raum hatte ihm Kömg Ludwig I. im Jahre 1836 zur Verfügung gestellt. Es toar- ein hoher unheizbarer Raum, den er sogar in den ersten Jahren mit einem Bildhauer Leeb teilen mußte. Tas Haus war an einem großen Wiesenplatz, (später Hofküchengarten) gelegen, den der Vater wegen seines weiten Ausblicks und einiger schöner Baum- gruppen sehr liebte. In diesem Garten wurden alle möglichen Tiere gehalten —: Füchse, Rehe, Hirsche, Hasen, weiße Pfauen usw., — die Modelle für den Reinecke Fuchs. — König Ludwig war fleißiger Besucher des tiersteundlichen Menschenfeindes und auch Königin Therese kam gerne, versäumte aber nie, ihr Kommen durch ein wohlgefüllte^ Frühstückskörbchen, das ein Tiener vorher brachte, anzuzeigen. — Hier war es auch, wo in den Jahren 1847—48 Lola Montez porträtiert ivurde, nicht ohne einige originelle Hindernisse, die genommen werden mußten. Lola hatte einen keinen weißen Schoßhund, der aber eine Art Idiosynkrasie gegen die weißen Pfauen, die besonderen Lieblinge des Vaters hatte. Bei einer der ersten Sitzungen nun (welcher auch König Ludwig immer beiwohnte, indem er der Tänzerin die Toilette, die nach Kaulbachs Älngabe aus Paris verschrieben worden war, ordnete, ihr die Füße mit dem Kohlenbecken erwärmte und die Stellung usw. begutachtete) entwischte das kleine Hündchen in beit Garten und begann sofort mit der Jagd auf die sechs weißen Pfauen. Tiefe fliegen kreischend und lärmend hin und her, verfolgt von dem klaffenden Hunde. Lola hört den Spektakel, glaubt ihren Liebling in Lebensgefahr, vergißt Kohlenbecken und König, und stürzt, den Hund rufend, hinaus. Ter Vater aber zittert für seine schönen Pfauen und rennt hinter Lola her, die aber, dank ihrem Berufe, flinkere Beine hat. Nun erscheint auch der König im Garten; er will nicht müßig stehen und beteiligt sich an der wilden Jagd, die in rasendem Tempo durch den Garten geht, voraus die Pfauen, dann der Hund, Lola, Kaulbach, und der König. — Endlich erscheint der Tiener als Retter, faßt den Hund ab, sperrt die Pfauen ein und der Friede ist wieder hergestellt. Wer noch viele Jahre nachher erzählte der Vater gerne bies Zwischenspiel und hatte großen Spaß, wenn er die Situation recht drastisch ausmalen konnte, dabei sich selbst nicht weniger ironisierend als die anderen Beteiligten. Tas große Porträt wurde nach manchen stürmischen Szenen, die aber nicht alle so harmloser Natur waren, wie die eben geschilderte, fertig gemalt, fiel jedoch nicht zur Zufriedenheit des Bestellers ans, denn der Künstler hatte die Tänzerin mit der Peitsche in der Hand, mit Schlangen umgürtet und mit entblößtem Halse das Schafott besteigend dargestellt. Solche Auffassung war dem Besteller nicht genehm. Er drang darauf, daß diese fatalen Kleinigkeiten entfernt würden. Zu weiteren Konzessionen wollte der Vater sich aber nicht herbeilassen und schließlich blieb das Bild, das sich jetzt in Privatbesitz in Paris befindet, im Atelier und wurde nie abgeliefert.
* Soll man Beim Essen trinken? Es gibt bekanntlich Leute, die keine,selbst n i ch t die kl e in st e M a h l z e i t nehmen, ohne gleichzeitig dazu zu trinken. Tiefe Gewohnheit ist, wie die Blätter für Volksgesundheitspflege in ihrer letzten Nummer ausführen, durchaus nachteilig. Tie Flüssigkeit, welche zu den Speisen oder —■ was noch schädlicher ist — vor den Mahlzeiten getrunken wird, setzt in den meisten Fällen recht erheblich den dlppetit herab. Es ist daher besonders bei Kindern darauf zu achten, daß sie weder vor noch nach der Mahlzeit trinken, damit nicht eine scheinbare Sättigung eintritt, welche das' Kind abhält, die zu seiner Entwicklung notwendigen Nahrungsstoffe aufzunehmen. Ferner ist zu bedenken, daß durch jede Flüssig- keitszustchr der Magensaft verdünnt und dadurch die Verdauung der Speisen erschwert wird. Aus diesem Grunde erscheinen auch die einfachen Wassersuppen, wie sie stüher
Mich waren, als recht unzweckmäßig. Man tut daher! am besten, den Durst durch Trinken zwischen den Mahlzeiten zu löschen. Wer nicht so lange warten kann, mag nach den Mahlzeiten frisches Obst genießen, mit welchem er dem Körper gleichzeitig Stoffe zuführt, die für die Gesundheit don großem Wert sind. Im allgemeinen ist das! Trinken zu den Mahlzeiten nicht zu empfehlen, und man geht wohl nicht fehl, wenn man den verschiedenen Meinen, die bei großen Tiners gereicht werden, mefyt Schuld an den Verdauungsstörungen des folgenden Tages beimißt als der Ueberfüllung des Magens — vorausgesetzt, daß diese nicht allzustark ist.
* Den Vor Hang zum Bielefelder ^otadttheater bringt die Wochenschrift „W eit und Haus" (Leipzig, Heft je 20 Psg.) in einer recht guten Produktion als Kunstbeilage zu Heft 41. Tas Bielefelder Theater erhält mit diesem Vorhänge einen wertvollen dekorativen Schmuck. Ter Vorhang stellt in seiner Mitte Apollo mit zwei weiblichen Gestalten und blumentragenden Putten auf Wolken dar, die etwas eigenartig, kranz- sörmig um das Haupt des Gottes der Kunst herumstilisiert und von der Mitte aus beleuchtet sind. Im Vordergründe, links vom Beschauer, sitzt eine halbnackte Frauengestalt vor einer Orgel, ihr zur Seite steht ein Priester der Kunst. Rechts unten steht eine Gruppe von Arbeitern mit entblößtem Oberkörper^ vor einem Hüttenwerk und hält in der Arbeit inne, um der Sprache der Kunst zu lauschen. Tas Ganze symbolisiert das Walten der Künste in der Industriestadt. Natürlich fehlt in der Reproduktion die Farbenwirkung. In Anordnung, Zeichnung und plastischer Herausbildung der Einzelheiten übt der Vorhang jedoch schon in der Nachbildung eine geschmackvolle dekorative Wirkung.
der
Auflösung in nächster Nummer.
1 — 5
4 — 7"
7 — 10
9 — 1
11 — 3
Münze.
Dichterischer Name einer Insel.
Teil des Gesichts.
Hohe Körperschaft.
Land in Afrika.
Moderne Fabeln.
Der Wind und die Sonne.
Wind und Sonne stritten sich, wer der Stärkere wäre. Sie kamen dahin überein, den als Sieger zu erklären, der es vermöge, den ersten Wanderer zu veranlassen, seinen Rock aus-
Als" sie eine Weile gewartet, kam ein Mann des Weges. Der aber war vierzehn Tage in einem Seebadhotel gewesen' und hatte keinen Rock mehr.
Dankbarkeit eines Löwen.
Ein Löwe hatte sich einen Torn in den Fuß getreten. ET ging zum Schäfer und bat ihn, den schmerzlichen Torn herauszuziehen, was dieser auch tat
Einige Zeit darauf wurde der Schäfer infolge falscher Anklage in die Arena geworfen, woselbst sechs' Löwen sich befanden.
, Halt!" rief der Löwe, der den Schäfer sofort erkannte. „Halt! Ihr habt kein Anrecht auf den Mann. Er hat mir einst einen Torn aus dem Fuße gezogen."
Achtungsvoll zogen sich die fünf Löwen zuruck, wahrend der eine den Schäfer allein auffraß.
Der Heilige.
Ein Heiliger, der durch das Land wanderte, ward von einem Manne überfallen, und ^geprügelt.
„Ich weiß nicht, warum er mich gehauen", sagte der Heilige zum Khadi; „ich habe keine Feinde in der Welt."
„Gerade deshalb tat ich es", sprach der Beklagte
„Laßt den Mann frei!" bestimmte der Khadi. „Ein Mann,- keine Feinde hat, hat auch keine Freunde "
Berthold A. Baer.
Hleue Wücher.
— R. Wagner an Mathilde Wesendonk. Tagebuchblätter und Briefe. Berlin, Alex. Tuncker. Preis: geh. Mk. 5.
Dyroff, Prof. Tr. Adolf, lieber das eeetenteben des Kindes. (60 S.) Bonn, P. Hanstein. 75 Pfg.
H edin, Sven v., Abenteuer in Tibet (X., 414 S. m. 137 Abbildungen, 8 bunten Tafeln und 4 Karten.) Leipzig, F- A. Brockhaus. geb. 6 Mk.
Zifferbl atträtsel.
(Rachdruck verboten.)
I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII
Statt der Ziffern des Ziffernblattes einer Uhr sind die Buchstaben AAA, Esf I, L, NN, B, 8, T derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrer Umdrehung Wörter von folgender Bedeutung berühren: 1 — 3 Geographische Bezeichnung.
Auflösung des Gleichklangs in vor. Nr.: Feder.
Redaktion: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlaa der Brüh l'ichen Universitäts-Buch° und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-


