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—1 „Aber unentbehrlich '—" „Ja. Es ist unverantwortlich, daß eine Frau so gar nichts vom Haushalt versteht", fuhr er in dem Bewußtsein, hier einmal das Recht auf feiner Seite zu haben, in gehobenem Tone fort. „Meine Mutter —" „Frau von Greditz kann auch nicht kochen", fiel Jutta ein, die sich, obwohl sehr gutmütig, doch keineswegs zu der Rolle eines Lammes verstand, das sich, ohne zu blöken, zur Schlachtbank führen läßt: „Frau von Greditz kann auch nicht kochen." Instinktiv kam die junge Frau wie in ihrem Groll, so auch in ihrer Verteidigung auf Ellinor zurück. „Laß doch endlich die Vergleiche, die ganz unpassend find", schnitt ihr nun Harro heftig das Wort ab.
(Fortsetzung folgt.)
Aas neue Kaiser Ariedrich-Musenm in Werkin.
Tas . Kaiser-Friedrich-Museum wurde am Dienstag nach Enthüllung des Kaiser-Friedrich-TkUkmals feierlich und mit Aufbietung fürstlichen Glanzes eröffnet. Tie weiten Räume wirken wahrhaft überraschend. Es sind Durchblicke geschaffen durch lange Reihen von. Sälen, und gerade sie bringen eine ganze Anzahl von Werken zu einer bisher ungeahnten künstlerischen Wirkung. Die Portale stannnen größtenteils aus alten italienischen Palästen und Kirchen des Mittelalters und der Renaissance. Auch die prunkvollen Marmorkamine aus italienischen Palästen hat man in Nord- und Süditalien erworben. Eine schöne Abwechslung inmitten der langen Bilderreihen! Ueberhaupt ist hier mit der sonst in unseren Galerien üblichen Eintönigkeit der Aufstellung gebrochen. Zwischen den Gemälden ist hie und da eine schöne Truhe, ein reiches Kirchengestühl, ausgestellt. Auch die Bilder hängen nicht mehr wie früher in mehreren Reihen übereinander. Tie Perlen der Galerie sind so tief wie möglich gehängt, damit das Auge die ganze Feinheit der Malerei genießen kann. Um indessen auch den oberen Teil der Wände dekorativ zu beleben, sind über den Bildern vielfach altflanderische und burgundische Gobeline aufgehängt.
, Nicht ganz so prächtig als man sich gedacht hat, wirkt die „Basilika", eine durch beide Stockwerke gehende Halle, der Verbindungsraum zwischen den drei Seiten des .Hauses. Tie Wände sind mit Kapellen besetzt. In diesen Kapellen sind die Majolika-Altäre eines Luca della Robbia und manches herrliche Altarbild der italienischen Renaissance ausgestellt.
Eine neue Auserstehung haben die Raffaelschen Gobeline erfahren, die früher nicht günstig in der Rotunde des alten Museums hingen. Für diese kostbaren Gewebe ist ein besonderer langer Saal geschaffen; er liegt im oberen Geschoß neben der Apsis der Basilika. An den Wänden steht ein hohes Kirchengestühl aus dunklem Holze. Darüber hängen die Gobeline, also in ganz ähnlicher Weise wie Raffael sie für die Siptinischp Kapelle des Vatikans bestimmt hatte. Alle die vielen Schäden, die Löcher, welche die Motten int Laufe der Jahrhunderte gefressen hatten, sind ausgebessert. Hier, haben die kunstgeübten Töchter des Museumsdirektors Brinckmann aus Hamburg eine Meisterleistung alter Gewebe fertiggebracht.
Unter den Kunstwerken, die das Publikum bei der Eröffnung zum ersten Male sehen wird, befindet sich namentlich die Palastarchitektur aus Mschatta in der Wüste «ahara, ein Geschenk des Sultans. Tie Fassade eines reichen maurischen Palastes ist im Original hier aufgebaut.
Auch die byzantinische Mosaikkunst kommt im Museum zu Ehreu. König Friedrich Wilhelm IV. hatte in den vierziger Jahren für die Friedenskirche bei Sanssouci große Mosaiken angekauft, die aus St. Michaela in Ravenno stammten. Toch damals kam es nicht zur Aufstellung. Wahrscheinlich, weil es in Berlin keine Mosaikkiinstlcr gab, welche die Schäden und Lücken der altberühmten Stücke hätten aussüllen können. Tas etwa zur Hälfte erhaltene Mosaikbild lag dann Jahrzehnte lang verpackt im Keller der Nationalgalerie. Jetzt, seitdem unter der lebhaften Anteilnahme des Kaisers die Mosaikkunst in Berlin sich so glänzend entfaltet hat, ist e§: möglich geworden, auch jene alten Werke ihrer hohen künstlerischen Bedeutung entsprechend würdig auszubessern und zu ergänzen.
Unter den einzelnen Gemäldesälen ist besonders der große Rubenssaal hervorzuheben. Er hat jedenfalls vor deut berühmten Rnbenssaal in der alten Pinakothek zu München das Eine voraus, daß die Gemälde wesentlich künstlerischer und nicht so dicht angeordnet sind. Auch die alten Rahmen, welche die Musenms- verwaltung nach und nach sür diese Gemälde erworben hat, wirken gerade im Rubenssaale vortrefflich. Für die Altargemälde der italienischen Renaissance sind durch italienische Bildschnitzer neue, aber durchaus im alten Stil gefertigte architektonische Umrahmungen geschaffen worden. Tiefe Pilaster mit ihren reichen Bekrönungen erwecken vollkommen die Illusion eines alten Altares. Tie Verglodung ist mit all den kleinen Beschädigungen alter Stücke hergestellt. Tie italienischen Fälscherkünste feiern hier wieder einige glänzende, aber erlaubte Triumphe.
Ueberraschund wirkt ferner in den neuen Räumen die Gold- nnd Farbenpracht der primitiven Meister. Aus Raummangel waren sie im alten Museum nur stiefmütterlich behandelt. Wie
anders kommen dagegen die Meister von Siena und Florenz aus dem 14. und 15. Jahrhundert in den neuen Sälen zur Geltung. .
Ten altdeutschen Kunstwerken sind im Gegensatz dazu mit Recht meist kleine Räume angewiesen. Tie kleinen Gemälde eines Cranach, Tiirer oder Holbein verlangen intime Räume. In einem großen Saal würden sie leicht erdrückt werden. So sind auch die einzelnen Flügel des berühmten Genter« Altars wieder in einem Keinen Zimmer dicht zusammcu- gehängt und wirken hier wahrhaft großartig. Ten Malern diesseits der Alpen standen ja für ihre Bilder vielfach nur kleine Räume zur Verfügung. Tanach hat sich die Museumsverwaltung gerichtet. Auch den kleinen Gemälden Rembrandts kommt die Vereinigung in einem kleinen Zimmer sehr zu statten. Einen intimen Raum des Obergeschosses schmücken Original» freskeu von Tiepolo; es sind dekorative Darstellungen in gri- sailler Manier', eine wundervolle Teckmalerei, Medaillons und drei Wandbilder. In einem besonderen Raum sind die ostasiatischen Kunstwerke untergebracht, z. B. koptische Gewebe, die in ihrer Schönheit au griechische Malerei erinnern.
In der sehr reichhaltigen Skulpturenabteilung tritt die Fülle von schönen altchristlichen Marmorbildwerken ins Auge. Sie stammen zum Teil aus Sanssouci, wo sie an wenig beachteten Stellen der Architektur der Friedenskriche untergebracht waren: Es sind Erwerbungen, die Friedrich Wilhelm IV. in Italien gemacht hat. Tie vielen Keinen plastischen Gegenstände sind in Glasschränken üntergebracht, deren Entivürfe Maler Wilhelm von Cranach gezeichnet hat. Tiefer Künstler ist überhaupt in hervorragendem Maße an der Aufstellung der Skulpturen des Museums beteiligt.
Neber Unschädlichmachung des Straßenstaubes.
Vorschlag von Otto Faller.
Da bis jetzt noch kein einwandfreies Verfahren zur Beseitigung ,bezw. Unschädlichmachung des «traßenstaubes bekannt ist, so erlaube ich mir auf einige physikalische Tatsachen hinzuweisen, deren Auswertung wohl geeignet scheinen, den Straßen- staub unschädlich zu machen.
$ier Wind vermag pulverisierte feste Körper von der Erde aufzunehmen und fortzutragen. Wird dem Pulver ein flüssiges Bindemittel, nste z. B. Wasser, zugefügt, so verwandelt der Staub sich in eine breiige Masse, den „Straßendreck". Ter Arzt, die Straßenreiniger und das einsichtsvolle Publikum sind mit dieser Umwandlung wohl zufrieden. Das Besprengen der Straßen im Hochsommer wird daher auch in der ausgiebigsten Weise angewendet und nur die zu großen Kosten einer vollständig ausreichenden Besprengung aller in Betracht kommenden Straßen sind der Grund, weshalb die Straßenbesprengung mit Wasser, die auch sonst noch viele Vorteile gewährt (z. B. die Lust wird feuchter), nicht in so ausreichender Weise vorgenommen werden kann, daß keine Klagen über die Belästigung durch Straßenstaub Vorkommen.
Nun kennen die Physiker und Chemiker schon lange verschiedene Substanzen, die hygroskopisch sind, d. h. welche die Fähigkeit haben, Wasser ans der Luft anzuziehen und sestzu- halteu. Wenn der Straßenstaub selbst diese Fähigkeit hätte, so würde er von selber sich in „Treck" verwandeln und somit für die Gesundheit der ^traßenpassanten unschädlich feilt.
Es liegt nun der Gedanke nahe, dem Sträßenstanb diese Eigenschaft, hygroskopisch zu wirken, mitzuteilen. Einen Fingerzeig nach dieser Richtung gibt uns wohl die Beobachtung des Begründers der Agrilülturchemie, ansers großen Chemikers Justus von Liebig, wonach die Ackererde die Eigenschaft besitzt, aus Salzlösungen in sehr kurzer Zeit die Salze anzuziehen, so daß fast reines Wasser zurückbleibt. Erhält sie hiebei ein hygroskopisches Salz in genügender Menge zum Bestandteil, so nimmt sie selber hygroskopischen Charakter an, bleibt scucht und der Wind vermag ihr keinen Staub mehr zu entlocken. Wird sich der Staub nicht ähnlich wie die Ackererde verhalten?
Tie wenigen Versuche, die ich in den letzten Tagen in diesem Sinne anzustellen vermochte, scheinen nun zu bestätigen, daß dies allerdings der Fall ist. Proben in großem Stile müssen hier volles Licht schassen und Bei der Wichtigkeit der Frage ist es wohl verzeihlich, wenn ich jetzt schon mit einem noch nicht ganz ausgearbeiieten Verfahren an die Oesfentlichkeit trete und die maßgebenden Stellen zn größeren Versuchen ailfznfordern mir erlaube.
Wohl das wirksamste und billigste hygroskopische Salz ist das Chlorcaleinut Ca CI,, welches in geschmolzenem Zustande vom Chemiker und Physiker zum Trocknen von Luftarten benützt wird.
Ein Zusatz von Chlorcalcium zu deut Wasser, welches zum Sprengen der Straßen benützt wird, dürste also den Straßenstaitb unschädlich machen.
Stehen Straßenbesprengwagen zur Verfügung, so braucht man nur das als Nebenprodukt in der Industrie erhaltene Chlorcalcium in noch auszuprobierender Menge dem Wasser derselben znzusetzen, in dem es sich leicht anflöst. Es wird sich zeigen, daß eine Besprengung mit der so erhaltenen verdünnten Chlorcalcium-


