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und auch! jetzt ließ sie sich nur herbei, Dich eine Mochte lang zu beherbergen. Wohin willst Du dann gehen, wenn Tu Dich sträubst, Mrs. Walter zu werden? Noch einmal: sei vernünftig; ich verspreche, daß ich ein guter Gatte sein will. Ich schwöre Dir, mich zu bessern."

Bessern?"

Er wurde rot.Aha, die Alte hat geschwiegen! Ei, wie Tu aussiehst mit diesem Blick! Wie eine Königin, sage ich Tir. Aber ich merke schon, ich muß Tir lieber gleich die Wahrheit sagen, denn wenn ich es nicht tue, so besorgt es irgend ein guter Freund. Nun also: ich bin nämlich nicht immer ganz nüchtern gewesen."

Er betrachtete mich dabei mit einem halb beschämten, halb verschlagenen Blicke. Da ich jedoch schwieg, was ihn übrigens durchaus nicht aus der Fassung brachte, fuhr er fort:

Es ist ein verwünscht durstiges Land, dieses Indien, und da fand die Alte, daß ich unbedingt eine Frau haben müsse." (Fortsetzung folgt.)

Plaudereien aus der KaifMM-

(Nachdruck verboten.)

Maeterlink als Heiligen-Manager. Rezept ä la Maggi. Die bedrohte Ruhestätte eines Freiheitsdichters.

Maeterlinck, den die Berliner immer noch Mäterlinck statt Mäterlinck sprechen, hat nach der guten Aufnahme seinerSchwester Beatrix" mit Agnes Sorma imNeuen Theater" nicht Ruhe gelassen, bis auch seine zweite Legen- den-Tichtung auf einer Berliner Bühne zur Aufführung kam, obwohl ihm kritische Geister und wohlwollende Freunde ernstlich davon abgeraten haben. Ter fabelhafte Erfolg seiner innerlich verlogenenMonna Vanna" in Berlin, die seinerzeit in Paris glatt abgelehnt wurde, mochte ihn vom geschäftlichen Standpunkt aus sehr wohl dazu berechtigen. Tas Berliner Theaterpublikum geht mit Tir durch Dick und Dünn! sagte er sich stolz und ließ sich den Durchfall seinesheiligen Antonius" an anderen Orten nicht weiter zu Herzen gehn. Tie Berliner würden es schon schaffen. Und sie hatten zweifellos auch den besten Millen dazu. Aber Herr Maeterlinck, der sonst immer seine Geistermäuschen unter der Schwelle des Bewußtseins rascheln ließ und mit weise verteiltem, frisch aufgebügeltem alten Urväterspuk so gruselig angenehme Theaterwirkungen zu erzielen wußte, ist sich nicht ganz treu geblieben. Sein heiliger Antonius, der nach Gent kommt, um eine eben ge­storbene Erbtante wieder von den Toten aufzuerwecken, imponiert ihm trotz des aufleuchtenden Heiligenscheines selber nicht. Man sieht das ironische Lächeln um des Tichters Lippen allzu deutlich und glaubt ihm daher nicht, weder auf Seite der Frommen noch auf der Bank der Spötter. Schwester Beatrix, die von der Sünde verlockte und von der Mutter Gottes in ihren Aemtern vertretene Nonne aus der mittelalterlichen Klosterlegende ist mit diesem in der elektrisch beleuchteten Gegenwart umher­gespensternden heiligen Antonins, den die Schutzleute schließlich zur Polizeiwache abführen, gar nicht zu ver­gleichen. Und trotz aller Mühe der Regie und der Höhe der Tarstellung machte dasDeutsche Theater" mit diesem neuesten Maeterlinck das vorhergesagte Fiasko. Sanft ruhe die Asche des heiligen Antonius und aller übrigen Heiligen; denn Maeterlinck wird eingesehen haben, daß Spuk ein Tramenzusatz ist, von dem wie bei Maggi's oft angepriese- ner Suppenwürzewenige Tropfen genügen", währendzu­viel dem Geschmack schadet."

Weniger Glück im Leben als der längst zum Grandseig­neur gewordene Pariser Dichter hatte in Berlin ein deut­scher Poet, der nun selbst im Tode nicht Ruhe finden kann. Heinrich von Kleist, der noch keine hundert Jahre am hügeligen Ufer des Mannsee's mit seiner geliebten Freundin Henriette Vogel zusammen schlunimert, mit der er dort vereint in den Tod gegangen, hatte am Seeabhang in­mitten hochstämmiger Ahorne, Kiefern und Akazien, deren melancholisches Rauschen wie eine Totenklage um den an sich selbst verzweifelten Sänger klang, seine Grabstätte erhalten. Ein einfaches Gitter umschließt den Hügel mit dem Steinblock, dessen Inschrift lautet.:

Heinrich von Klei st, geboren am 10. Oktober 1776 gestorben am 11. November 1811..

Dem Block vorgelagert ist eine Platte, die die fast er­loschene Widmung trägt:

Er lebte, sang und litt In trüber, schwerer Zett; Er suchte hier den Tod Und sand Unsterblichkeit!

Ten Namen der unglücklichen Frau, die dem an sich selbst irregewordenen Dichter die Waffe in die Hand drückte, damit er ihrem und seinem Dasein ein Ende machen sollte, nennt keine Inschrift, aber eine deutsche ELche reckt ihren Stamm aus dem Toppelgrabe, als wäre sie ein Symbol für die unauflösliche Gemeinschaft der unter ihr Schlum­mernden. Und so mancher Verehrer des Poeten, der hin­auspilgerte, die einsame Stätte zu grüßen, empfand mit wehmütiger Lust die stille Weihe und den hehren Frieden dieses Grabes im grünen Walde, das seitab vom lärmen­den Verkehr des Tages durch Jahrhunderte erhalten bleiben mußte zum Gedächtnis des edlen Toten! Da kommt die Kunde, daß der neue Teltowkanal den Hügel mit seiner Grabstätte beseitigen wird. Fahrt Wohl denn, ihr rau­schenden, brausenden Jöhrenwipfel, die der lebenweckende Märzfturm zum letztenmal mit seinen wehenden Fittigen streift; du tröstliche Eiche, die aus der Asche der Entschwun­denen ihre Kraft empfangen, du heiliger Waldesfrieden, den ich manchmal bei verglühender Sonne mit wonnigen Schauern empfunden! Es wird nichts übrig bleiben, als die sterblichen Reste Heinrich von Kleift's, dem Waldboden, der dem Untergang geweiht ist, zu entführen und sie an­derswo einzubetten. Wohl hat Ernst von Wildenbruch den Versuch gemacht, diese Profanierung vielleW noch zu ver­hindern; aber ich glaube nicht, daß er Erfolg haben wird wie kürzlich bei Goethes Gartenmauer in Weimar. Alan wird wahrscheinlich das Angebot der Kolonie Wannsee annehmen und dem Dichter auf dem Gcmeindekirchhos daselbst eine neue Gruft bereiten. Aus wie lange? .... Ach, das werden unsere Nachkomme:: in wahrscheinlich nicht allzu ferner Zeit erfahren! ... A. R.

Vermischtes.

* Bestrafung gewalttätiger Eh efraueu im Mittelalter. Tie Strafrechtspflege des deutschen Mittelalters, so hart sie im allgemeinen auch war, hat doch auch so manchen humoristischen Zug aufzuweisen. So findet sich z. B. in manchen uns noch aus jener Zeit enthaltenen Folterkammern ein wunderliches Gerät vor, das etwa wie eine Tonne aussieht, außen mit bunten Bildern bemalt und auf der oberen Seite mit einem Loche versehen ist, groß genug, um einen menschlichen Kopf hindurch zu stecken. Dieses Instrument hieß der Schand­mantel und war vorzugsweise bestimmt, bösen Weibern, die sich an ihren Echeherren vergriffen hatten, zur Strafe um Hals und Schulter gelegt zu werden. Sonntags mußten die Unglücklichen, mit dem 'Holzkleide angetan, zum Gespött der ganzen Gemeinde an der Kirchentür stehen. Uebrigens galt dieser Schandmantel noch als eine verhältnismäßig geringe Strafe; häufig ahndete man körperliche Mißhand­lungen, mit denen sich eineböse Sieben" gegen ihren Ehemann vergangen hatte, ungleich schimpflicher. Eine solche härtere Bestrafung gewalttätiger Eheweiber bildete zum Beispiel der Eselsritt, ein sehr weit verbreiteter Brauch, der noch bis zum Jahre 1604 in St. Goar am Rhein in Uebung war. Hier erhielt der Besitzer der Gröndelbacher Mühle alljährlich zwei Klafter Holz gegen die Verpflicht­ung, den Esel zu stellen, auf dem die Weiber,so ihren Mann geschlagen", rücklings durch die Stadt reiten mußten, während der Amtsdiener auf öffentlicher Straße das Urteil verlas, nachdem der Tambour mit seiner Trommel dem Manne des Gesetzes Gehör verschafft hatte. Tann zog die Menge johlend und schreiend, von den Stadtknechten nur mit Mühe von Angriffen auf die ohnedies hart Bestrafte zurückgehalten, durch alle Gassen des Ortes bis zum Ge­fängnis zurück. Auch in Darmstadt und den umliegenden Ortschaften begegnet uns die Sitte desEselsrittes" noch bis in das 17. Jahrhundert.

* Tas Aufwachen aus dem Schlafe zu einer bestimmten Stunde kann man durch Uebung er­lernen und es soweit bringen, daß das Gehirn den besten Mecker ersetzt. TieMedizinische Woche" teilt Beobacht­ungen mit, die Professor Vaschide an sich und anderen gemacht hat und die beweisen, daß es durch intensive Vorstellung der gewünschten Stunde wirklich möglich ist.