Ausgabe 
18.11.1904
 
Einzelbild herunterladen

KS7

artigen, kraftvollen politischen Charakter zu. Taß der Präsident der Vereinigten Staaten auch als Schriftsteller tätig und fruchtbar ist, weiß man ja. Ta fällt uns eben zu rechter Stunde ein Buch in die Hand, in dem wir nicht den Volkserzieher, nicht den Poli­tiker Roosevelt hören, sondern den feinen Naturschilderer, den leidenschaftlichen Jäger.Jagdstreifzüge", so heißt in der deutschen Uebertraguug das bei Albert Langen in München er­schienene, überaus fesselnde und lebensvolle Buch. Tie Ueber- jetzerin, Life Landau, entwirft in ihrem Geleitwort von dem Präsidenten Roosevelt ein Charakterbild, das hier wiedergegeben sei:

Staatsoberhäupter, die sich schriftstellerisch betätigen, sind für uns keine Ausnahmeerscheinungen, daß aber ein Schriftsteller zum Staatsoberhaupt berufen wird, ist sicherlich etwas Ungewöhn­liches. Theodore Roosevelt, der jetzige Präsident derBereinigten Staaten", ist aus einer administrativen und schriftstellerischen Tätigkeit heraus dazu berufen worden, die Zügel der Regierung in die Hand zu nehmen; eine ähnliche Erscheinung war nur noch Louis Adolphe Thiers, der nach einer publizistischen Laufbahn zum Präsidenten der französischen Republik gewählt wurde. Roosevelt sowohl wie Thiers, die beide zur höchsten Würde in ihren Ländern gelangten, hatten den gleichen Weg zurückgelegt; beide hatten sich dem Studium der Rechte gewidmet, haben dieses aber bald aufgegeben, weil ihre Kämpfernatur danach verlangte, sich lebendiger zu betätigen. Während Thiers aber stets mehr der Mann der Feder geblieben war, der Polemiker, der Historiker, der Geschichte schrieb, ist Theodore Roosevelt der praktische Sozial­politiker geiuorben, ein Mann der Tat, der Geschichte macht.

Tatkraft, verbunden mit einem scharfen Rechtsgefühl, tritt in den verschiedensten Phasen seines Lebens stets am bemerkens­wertesten hervor. Zu welchem Amt immer sein Land ihn auch berief, an jeder neuen Stelle suchte er sofort mit alten Mißbräuchen aufzuräumen und unerschrocken für das einzutreten, was er als das Notwendige und Richtige erachtete.

Theodore Roosevelt ist am 27. Oktober 1858 in der Stadt Newyork geboren. Väterlicherseits entstammt er einer holländischen Emigrantenfamilie, die Mutter seines Vaters war von irischer Abkunft. Seine eigene Mutter war eine Tochter von James Tun- woodie Bullock aus dem Staate Georgia, dessen Familie im Süden eine ebenso hervorragende Stellung einnahm, wie die Familie Roosevelts in Newyork.

Theodore Roosevelt war in der Jugend von zarter Gesund­heit ; erst der spätere Aufenthalt in den Prärien des Westens stählte seinen Körper, gab ihm jene Widerstandsfähigkeit, mit der er jetzt alle Anstrengungen ertrügt. Er erhielt seinen Unterricht in den Privetschulen Newyorks, kam im Jahre 1876 auf die Harvard-Universität, wo er nach 'vier Jahren das abschließende Examen machte. Am liebsten wäre er jetzt ganz seinen literarischen Neigungen gefolgt, aber die Stadtverivnltung von Newyork wählte ihn zu ihrem Mitgliede, und nun begann er sofort mit all dem Eifer, den er in jedem neuen Amte immer wieder bewies, mit dein alten Schlendrian aufzuräumen, die städtische Verfassung resormieren zu helfen und eine langgeduldete Korruption zu be­seitigen. die unerträgliche Mißstände gezeitigt hatte. In diesem Amte hat er denn auch tatsächlich mehr gutes zuwege gebracht als irgend einer seiner Vorgänger. Nebenbei fand er noch Zeit, sich schriftstellerisch zu betätigen, indem er die Geschichte des Naval war of 1812" schrieb, die nicht wenig dazu beitrug, das sehr gesunkene Interesse der Amerikaner für ihre Flotte neu zu beleben und zu steigern.

Nachdem Roosevelt zwei Jahre in den Ebenen des Westens gelebt, wo e>r sich auch eifrig mit Viehzucht beschäftigt hatte, kehrte er in das politische Getriebe zurück; aber eine starke Vor­liebe für die Prärie ist ihm erhalten geblieben, und immer, wenn er sich von seinen Geschäften für kurze Zeit freimachen. kann, sucht er Erholung in dem frischen, fröhlichen Rancho-Leben. Nach seiner Rückkehr aus dem Westen sah sich Roosevelt vom Präsidenten Harris nach.Washington in den Zivilverwaltungs-Ausschuß be­rufen, zu dessen Präsidenten er bald darauf ernannt wurde. Auch hier trat er mit all seiner lebhaften Tatkraft gegen Mißbräuche auf, die sich bei Wahl der Beamten für die zahllosen niederen Posten eingeschlichen hatten; wurden doch die Stellen nicht nach Verdienst, sondern nach Gunst vergeben. Er durfte mit seinen Erfolgen zufrieden sein, als er im Jahre 1894 vom Mayor der Stadt Newyork wieder in die Verwaltung berufen wurde, und zwar diesmal als Chef der Polizeiabteilung. Zwei Jahre blieb er, wieder eifrig Verbesserungen schaffend, in diesem Amte. Durch sein energisches und zugleich gerechtes Vorgehen gewann er dabei die Sympathien seiner Untergebenen in seltenem Maße.

Als dann im Jahre 1897 Mc Kinley die Präsidentschaft antrat, bot er Theodore Roosevelt ein hervorragendes Amt in der Marine­verwaltung an, das dieser sofort bereitwillig annahm. Mit scharfem Blick erkannte er sehr bald, daß der Krieg zwischen Spanien und Amerika nicht nur unabwendbar, sondern auch wünschenswert ge­worden war, und sofort setzte er alle seine Kräfte daran, bis zum Beginne des Krieges eine kampffähige Seemacht vorzubereiten. Taß seine Bemühungen nicht wenig zu dem für die Vereinigten Staaten so glorreichen Abschluß 'des Krieges beigetragen haben, wird sowohl von den Flottenoffizieren, wie von den Mitgliedern der Marineverwaltung lebhaft anerkannt. Als aber der Krieg herannahte, empfand Roosevelt das rege Verlangen, sich persön­

lich am Kampfe zu beteiligen, und beschloß, aus eigenen Kräften ein Freiwilligen-Reiterregiment zusammenzubringen. Obgleich ihm von allen Seiten dringend geraten wurde, seine Tätigkeit statt dessen in den Tienst der Marineverwaltnug in Washington zu stellen an seine damals leidende Frau und die noch unerzogenen Kinder zu denken ließ er doch von seinem Plane nicht ab. Auf seine lebhaften Vorstellungen gab der Präsident die Einwilligung zur Bildung eines Frciwilligen-Regimentes, an dessen Spitze ein Freund Roosevelts, Tr. Leonard Wood trat, während er selbst den Rang eines Oberstleutnants erhielt. Tiefe Freiwilligen Rough Riders", wie sie genannt wurden setzten sich aus den verschiedensten Gesellschaftsklassen zusammen, von den vornehmen Mitgliedern der fashionablen Newyorker Klubs, Polizeibeamten und Studeilten bis zu den Cowboys aus dem Westen herab alle aber waren gemeinsam beseelt von Abenteuersinu und der Lust am Kampfe. In etwa einem Monat war das ganze Regiment nicht nur beisammen, sondern auch 'eingekleidet, gedrillt und kriegsfertig nach 'Florida cingeschifft. In jedem Hause Nord­amerikas weiß man von den Heldentaten zu erzählen, die das Rough-Rider-Regiment vollbracht, und Rooseelt selbst hat in seinem BucheThe Rough-Riders" den spanisch-amerikanischen Krieg und die tapfere Haltung seines Reiter-Regiments ebenso lebendig wie warmherzig geschildert. Taß so viele Männer aus dem Westen seinem Ruse gefolgt waren, hatte er der Beliebtheit zu danken, deren er sich in jenem Teil seines Vaterlandes be­sonders erfreut. Und er wiederum hegt eine Vorliebe für den Westen, wohl weil er mit richtigem Verständnis empfindet, wie­viel ungenützte Jugendkraft und Lebensfrische in jenem Boden noch aufgespeichert ist, wieviel Quellen einer neuen, reichen Kultur da noch ünerschlossen liegen, die dem ganzen, großen Lande zu gute kommen sollen.

Unteroffizier' Auguste Krüger.

Ter Unteroffizier Auguste Krüger ist eine interessante Persön­lichkeit aus deu Freiheitskriegen, ein leuchtender Beweis, wie hoch die Wogen der Begeisterung in jener großen Zeit der Er­hebung Preußens gingen. Ein tapferes Mädchen kämpft in den Reihen der Krieger gegen den Erbfeind, hochgeachtet von den Kameraden, geehrt von König und Vaterland. In den neuesten Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins gibt Major v. Noela auf Grund der Lebenserinnerungen des Generalleutnants v. Wentzel eine Charakteristik des heldenmütigen Mädchens. Ueber denFreiwilligen Auguste Krüger" leseu wir bereits in der Geschichte des 9. Infanterie-Regiments (Kolberg) von v. Ba- genskh, die 1842 erschien:Vorzugsweise machte sich bei dem Unternehmen auf Herzogenbusch, wie bei jeder anderen Gelegen­heit, durch Unerschrockenheit ein Mädchen (Auguste Krüger) bemerk bar, das, 18 Jahre alt, ans Friedland im Mecklenburgischen gebürtig, beim Ausbruch des Krieges unter dem Namen Lübeck bei der 4. Kompagnie des 3. Bataillons des Majors v. Schmidt freiwillig eingetreten war. Ihr Geschlecht wurde gleich bekannt, weshalb sie bei ihrer untadelhaften Führung stets mit großer Rücksicht behandelt wurde. Unter ihrem wirtlichen Namen ernannte sie der Oberst v. Zastrow zum Unteroffizier bei der Leibkom- pagnie; sie erhielt das Eiserne Kreuz und erfreute sich stets bet besonderen Berücksichtigung des Obersten. Bei Tennewitz war sie durch ein Stück Granate verwundet worden, und in Gent, wo sie bei der Durchreise des Kaisers Alexander deu Ordonnanz- dieust bei Allerhöchstdemselben versah, würdigte sie jener Monarch einer gnädigen Anr.ed- und versprach, für sie sorgen zu wollen. Bei ihrer späteren Verheiratung mit dem Unteroffizier Köhler des früheren Garde-Ulauen-Regiments wurde sie reichlich ausge­stattet und lebt jetzt in Lychen, wo ihr Gatte als Ober-Steuer- kontrolleur angestcllt ist." Generalleutnant v. Wentzel, der 1813 als Leutnant im Kolbergschen Regiment stand, schildert den weib- lichen Soldaten in seinen Erinnerungen wie folgt:Ich habe bereits des Freiwilligen Auguste Krüger Erwähnung getan, die ich vor Tamm bei Stettin kennen lernte. Ich war nun sehr begierig, zu sehen, wie sie sich beim ersten Artilleriefeuer be­nehmen würde, da das Kanonenfieber doch wohl bei jedem Neu­ling einzutreten pflegt. Als >vir nun hier in Kolonnen standen und die Stückkugeln über unsere Köpse fortsausten, beobachtete ich die Krüger unbemerkt ganz grumt und gewahrte, wie sie sich jedesmal beklommen abwandte und die Augen schloß, wenn eine Kugel kant. Ich sagte daher zu ihr:Nicht wahr, Krüger, das ist ein ekliger Ton?"Ja, Herr Leutnant, erwiderte sie, das ist ja ein schrecklicher Ton." Allein trotz des ntehrfachen Untwendens blieb sie doch in Reih und Glied und Überstand das ihr ganz neue, sehr peinvolle Zerreißen der Luft durch die Kugeln mit einer Standhaftigkeit, wie sie sich von einem weiblichen Wesen kaum ahnen ließ." Ueber die Schlacht bei Tennewitz am 6. September 1813 schreibt General v. Wentzel:Ich trug infolge meiner Blessur den linken Arm noch immer in der Binde; als ich nun hier int stärksten Kanonenfeuer vor meinem Zuge auf uttd ab ging, um die Ordnung zn überwachen, die durch das Einschlagen der Geschosse ost gestört wurde, rief mir Auguste Krüger, die im Handgemenge von Groß-Beeren tapfer ihren Mann gestanden hatte, lachend zu:Nun, Herr Leutnant, wie soll cs aber heute mit Ihnen werden? Sie können ja Jhreit Arm nicht gebrattchen." O", erwiderte ich, 'glücklicherweise habe ich noch den rechtest,