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Krüger, mit dem werde ich inir schott durchhelfen." —, „Nein", sagte Auguste darauf, „den sollen Sie diesmal nicht nötig haben, denn wir alle verlassen Sie nicht, wenn Sie in Gefahr kommen." Welch kraftvoll männlicher Sinn wohnte doch in ber Brust dieses Mädchens, das übrigens bei ihren Vorgesetzten wie auch bei allen Soldaten in höchster Achtung stand." Nur 4. November 1813 marschierte Leutnant v. Wentzel mit einem Rekonvaleszententrans- port von Berlin zum Regiment nach .Holland. Unter den Mannschaften befand sich auch Auguste Krüger. Am 9. Dezember wurde das Regiment in Bühren erreicht. Ter Oberst v. Zastrow war über das Wiedersehen des Leutnants v. Wentzel und der Auguste Krüger hocherfreut: er lobte das Verhalten der letzteren in den Schlachten bei Groß-Beern: und Tennetvitz und ernannte sie zum Unteroffizier, indem er sie zur Leibkompagnie versetzte und sie dem Schutze des Leutnants v. Wentzel empfahl. Als Auguste Krüger sich verheiratete, erliest der Generalleutnant v. Borstell in Königsberg einen öffentlichen Ausruf zu einer Geldsammlung. In der „Haude- und spenerschen Zeitung" vom 1. Oktober 1816 lesen wir folgendes: „In Verfolg meiner Anzeige im 43. Stück des laufenden Jahrgangs dieser Blätter, von den für den vormaligen Unteroffizier im Kolbergschen Infanterie-Regiment, Auguste Krüger, jetzt verehelichte Köhler, cingelaufencn Beisteuern gereicht es mir zur Freude, hierdurch die ferneren Beiträge bekannt zu machen, welche zu dem gleichen, wohltätigen Zweck an den .Herrn Oberkonsistorialrat und Probst D. Haustein und mich ein- gcgangen sind." — ES folgen die Namen und dann heißt es weiter: „Turch diese bedeutenden Beiträge hat sich der Betrag der ganzen Sammlung noch auf 559 Taler 12 Groschen Gold und 886 Taler 17 Groschen Kurant vermehrt. Tie Besitzerin hat somit ein Kapital von 1100 Tälern und das bleibende Einkommen von 44 Talern jährlicher Zinsen — außer den von landesväterlicher Hand ihr verliehenen jährlichen Zahlungen von 72 Talern und 50 Talern — gesichert. Möge den Gebern das Bewußtsein lohnen, auf solche Weise das häusliche Glück des kräftigen dcut- schen Mädchens begründet zu haben, welches jetzt als Hausfrau die Pflichten ihres Standes ebenso wacker und treu erfüllt, als es in der Zeit der Gefahr mutig und kühn die Waffen gegen den Feind des Vaterlandes geführt hat! Königsberg, den 17. Sept. 1816. v. Borstell, Generalleutnant und kommandierender General in Preußen und Litauen." Am 31. Mai 1848 starb die Frau Ober-Stcuerkontrolleur Auguste Köhler, geb. Krüger, zu Templin bei Zehdenick in der Mark, im 58. Jahre ihres vielbewegten, ruhmreichen Lebens.
Vermochte*.
— Als alkoholfreie Geiränke werden gegenwärtig viele Erzeugnisse einer mit der wachsenden Enthaltsamkeitsbewegung rechnenden Industrie bezeichnet, bei denen man nach näherer Untersuchung nicht unbeträchtliche Prozentsätze Alkohol fand. Ter „Allgemeine Teutsche Zentralverband zur Bekämpfung des Alko- holismus" V.rsitz nder Schriftsteller Franzi ks Hähnel-Brem m, Geschäftsführer Tr. R. Kraut-Hamburg 19) hat deshalb die Kontrolle der sog. Ersatzgetränke energisch In die Hand genommen und eine Einrichtung unter der Leitung eines hervorragenden Nahrungsmittelchemikers geschaffen, die von allen reellen Firmen aufs wärmste begrüßt wird Ter Zentralverband will einmal dadurch das Publikum schützen und zum andern zur Hebung der alkoholfreien Industrie beitragen. Tie ihm angeschlossenen 11 Zeitschriften z. B. werden in Zukunft keine Anzeige einer Firma aufnehmen, auf deren Erzeugnisse die Bezeichnung „alkoholfrei" nicht anwendbar ist.
*TerentführteBrnutiga m. Eine tragikomische Hochzeitsgeschichte. bei der ein Mitglied einer großen Londoner Rhederfirma eine lächerliche Rolle gespielt hat, trug sich dieser Tage in dem Seebad St. Margaret bei Dover zu. Dort hatte sich eine romantische Liebschaft zwischen einem vornehmen Herrn aus der Hauptstadt, der einige Tage Seeluft geniesten wollte, und dem — Zimmermädchen des Hotels, in dem er abgestiegen war, an» gesponnen. Tie kleine Mart; bezauberte den feinen Londoner so vollständig, daß er sie auf der Stelle zu heiraten beschloß. Er holte sich dazu die spezielle erzbischöfliche Sanktion aus dem nahen Canterbury, die Trauung wurde in der Torfkirche von St. Margaret bestellt und ein opulentes Hochzeitsmahl befohlen. Das Pärchen schwamm in Wonne, vor allem die liebreizende Mary, vor deren trunkenen Augen schon Paläste und Seidentoiletten tanzten. Tas ganze Dorf war in Aufregung geraten und nach der Kirche geströmt. Aber o weh! Man hatte ohne die Sippe des Herrn Bräutigams gerechnet. Sein Bruder und Sozius hatte Wind von dem romantischen Liebesbund erhalten. Er wollte keine Schwägerin mit dem Staubbesen. Während die Orgel des Kirchleins schon süße Hochzeitsmelodien präludierte und der Herr Bicar in der Sakristei eben in sein Ornat schlüpfte, während Mary im Brautkleid vor dem Spiegel den Myrtenkranz aufprobierte, das Volk die Kirchentür belagerte, kam das Fatum in Gestalt einer vierspännigen Postkutsche in St. Margaret angerollt. Darin saß Schön Marys grimmiger Schwager in jpe mit noch zwei Herren, der eine ein verschmitzter Advokat, der andere ein handfester Privatdetektiv. Sie lauerten an der Dorfstraße dem seligen Bräutigam
auf, der eben zu seinem Bräutchen auf dem Wege war. Tie drei sprangen aus dem Wagen und packten den ahnungslosen Freier. Ehe er recht wußte, was vorging, hatten sie ihn zu sich in den Wagen gerissen. Ter Kutscher hieb auf die Pferde, und heidi ging's fort, in die „Tvwns", nach London zu. Erst raste der also entführte Bräutigam, dann nach und nach, unter dem Kreuzfeuer der Vernunftpredigten der drei „Räuber" fing er an, in* sich zu gehen. Ehe Londons Kirchtürme auftauchten, war er reuig und getröstet. Ten Kummer der rasenden, blamierten Braut aber vermag nur die Aussicht auf einen fetten Prozeß gegen t>«$ treulosen Londoner Schiffsrheder zu lindern.
Für die Frauen.
— Tas neueste Heft der „illustrierten Monatszeitschrift für Tilettanten" „Kunstg ewerb e fürs Haus" (herausgegeben von C. v. Sivers; Verlag Berlin W. 50) ist reich an kunstgewerblichen Entwürfen und Motiven, die jeder Technik und Geschmacksrichtung Rechnung zu tragen sitchen. Aus dem Inhalt der mit farbiger Ausstattung bedachten Nummer seien hervor- - I gehoben: zwei Muster für Reformbekleidung, eine Standuhr für Intarsia (eine der geübtesten Liebhabertechniken) ein Kaminschirm „Lilien", zwei graziöse Fächer, eine geklöppelte Decke, zweibuchgewerbliche Entwürfe, eine Schreibmappe, ein Bücherhort in Schrankform für Holzschnitzerei und eine ganz herzige Weihnachtsgabe: „Wandbehang über einem Kinderbett", die jetzt schon publiziert wird, um rechtzeitige Herstellung zum Fest zu ermöglichen. Zwei Musterbogen, die auch dem :Ü. indergeübten das Nacharbeiten ausnahmslos aller mitgeteilten Entwürfe ermöglichen, ergänzen die Nummer im Verein mit literarischen Beiträgen aus ersten Feder::. ________
Aeu? Kircher.
Adelung, Sofie v„ Jugendbühne. Ernste und heitere Theaterstücke. 6. Bdchen.: Tie Hopfenblüten; Und das ist gewiß. (52 S.) Raversburg, Otto Maier, geb. 80 Pfg.
Bode u h e i m, Nelly, Backe backe Kuchen. Kinderreime. (40 S. zahlr. bunten Bildern.) Leipzig, S. L. v. Looy. geb.
Brunn, Giordans, Tie Vertreibung der triumphierenden Bestie. (XII, 280 S.) Berlin SW., Magazin-Verlag. 3 Mk.
Damen -Almanach. Notiz- und Schreibkalender f. 1905, 39. Jahrg. (260 S. m. 1 Jllustr. in Farbendr.) Berlin, Haude & Spener. geb. 2 Mk.
Goethes kleinere Aufsätze. In Auswahl von W. v. Seid- litz. (371 S.) München, F. Brückmann. 2.50 Mk.
Der Kaufmann. Kalender 1905. (70 S. m. zahlr. Jllustr.) Leipzig, Karl Ernst Pöschel. 50 Pfg.
Erinnerung.
O, himmlisch schöner Tag, nun tauchst vor meiner Seel' du wieder auf
Mit alter Macht, wie ost in der verflossene:: Zeiten Lauß Weckst die Erinnerung auf mit selig zarter Hand Und führst mich glückverheißend in ihr paradiesisch Land.
Denkst du rote ich mit Sehnsucht dieser Stunden, Wo Eins des Andern Glück mit Seligkeit empfunden?
Wo uns, die wir glaubten Eins zu sein für immer Die Zukunft lag im goldnen Sonnenschimmer?
Ob heut' getrennt wir sind durch viele, viele Meilen, Wir in Gedanken doch wohl bei einander weiten, Die, eingedenk der schönet: Zeiten, sich verbinden, Und grüßend von Einem fick zum Andern finden.
Nieder-Weisel, im November.
L. B.
Bilderrätsel.
(Nachdruck verboten).
(Auflösung in nächster Nummer.)
By9.
Auflösung des Versteckrätsels in vor. Nr. i Mit fremdem Kalb ist roohlfeil pflügen.
Redaktion: Auaukt Goetn — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buck- und Stemdruckerei. R.Lanae. Gieße«»


