Ausgabe 
18.8.1904
 
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1904.

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Kin angenehmes Kröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Rühren Sie Mich nicht cm", rief Erna entsetzt und wich nur einige Schritte zurück,Ihre Brüder haben diesen Leib entheiligt sie haben mich photographiert."

Daß Du doch nie Deine Narrheiten lassen kannst!" schalt Erich zornig.Wenn sie Dich photographiert haben, so wirst"

Du weißt ja aber noch gar nicht, wie sie mich photo­graphiert haben", rief Erna in tiefster Scham,meuch­lings, aus dem Hinterhalt, und im Badeanzug!"

Ljub'iza verbiß nur schwer ein Lächeln. Erich hingegen benutzte rasch den günstigen Moment, sie los zu werden, und die Stirn in drohende Falten legend, sagte er zu ihr:

Du hast also wieder gegen Mamas ausdrückliches Ver­bot im Freien gebadet. Jetzt gehst Du sofort auf Dein Zimmer später sprechen wir uns!"

Mit gesenktem Köpfchen und ohne ein Wort des Wider­spruchs zu wagen, schlich Erna völlig geknickt hinaus. Die Tür hatte sich aber kaum noch geschlossen, da zog Erich die Geliebte an sich; und holte das Versäumte reichlich nach.

Als sich Ljubrza endlich einen Moment von ihm frei machen konnte, bat sie:

Nicht wahr, jetzt, wo wir so glückliche sind, wirst Du auch gegen die Kleine nicht so streng sein?"

Weil Du für sie bittest, soll ihr für diesmal ver­ziehen sein", versprach er,vor allem müssen aber Deine Brüder die verräterische Platte herausgeben und feierliches Stillschweigen geloben/"

Dafür will ich schon sorgen"", sagte sie ihm zu, und weil er so schnell ihrer Bitte willfahrt, durfte er zum Lohn noch einen Küß verlangen, und als aus dem einen ein Dutzend und noch ein Dutzend wurden, hatte sie auch! nichts dagegen.

8.

Es war einige Tage später, als der Pfarrer die Höchst- feldsche Familie besuchen kam. Da aber Herr von Höchstfeld mit Erich auf den Feldern und die Frau des Hauses wieder einmal unauffindbar war, so erging er sich mittlerweile durch die stellenweise dichten Gänge des Parks, durch den eben die Drähte der neuen Telephonleitung nach dem Vor­werk gezogen wurden.

Heimliches Flüstern, unterbrochest von Seufzern und Küssen, ließ ihn plötzlich aufhorchend stehen bleiben.

Nanu, was hat denn das zu bedeuten?"" fragte er sich, ^sollte sich am Ende gar der Major mit seiner Men ein

Stelldichein gegeben haben genügend verrückt dazu sind sie ja allerdings/"

Wenn er nicht eben von Stepenäz gekommen wäre und bestimmt gewußt hätte, daß Ljubiza zu Hause sei. Laust würde er wahrscheinlich sie und Erich in Verdacht gehabt haben, auf unerlaubten Wegen zu wandeln, aber so . . . Eist lustiges, sofort wieder unterdrücktes. Aufguietschen brachte! ihn plötzlrch auf die richtige Spur.

Also der Grasteufel! Aber mit wem? Die Jungest waren doch auch zu Hause. . .

Na, wollen gleich! sehen"", brummte er und schlich ganz! leise dem verdächtigen Geräusch nach.

I der Donner, das muß ich sagest, das ist ja ganz reizend!" rref er empört, als er Erna hinschmachtend an Leutnant Bladoj gelehnt und zu ihm hinaufhimmelnd, ent­deckte. Wie die Tauben, zwischen die der Habicht hinunter­stieß, stoben sie auseinander, und ehe sich's der Pfarrer! versah, war die Kleine auf Nimmerwiedersehen verschwunden!.

Na warte, Du Krabbe, Dich erwischp ich schon noch !"" rief er ihr drohend nach!, dann kehrte er sich, zu Bladoj ums und stellte diesen zur Rede.

Vladoj hatte sich indes von seiner ersten Ueberraschung erholt, und da er wußte, daß der Pfarrer nicht so böse sei, wie er aussah, sagte er ganz keck:

Fräulein hat mir früher das Telephon erklärt und! jetzt die Drähte da oben gezeigt/"

Die Drähte?" fragte der Pfarrer barschdie Drähte? Den Kopf haben Sie ihr verdreht."

Eher sie ihn mir", meinte Vladoj lachend.

Um den Ihren ist mir nicht bange, der ist so oft verdreht gewesen und kommt schon von selbst wieder in die richtige Lage"", polterte der Alte.Aber die Kleins könnte schließlich an Ernst denken und"

Soll sie auch!"

Soll sie auch !" machte ihm der Pfarrer nach. H Schlagen Sie sich diese Dummheiten aus dem Kopf, denst das Mädel ist ja überhaupt noch kein Mädel!"

Nanu, darauf verstehe ich nrich doch auch"

Reden Sie keinen Unsinn", unterbrach ihn oer Pfarrer zornig.Sie ist noch ein Kind, und Sie werden sie vost nun an in Ruhe lassen haben Sie mich verstanden?"^

Wenn ich sie aber wirklich lieb habe"", wandte Vladoj« ein,und Ernst machen"

Ach, papperlapap", schnitt ihm der Pfarrer das Wort ab,bei einer wirklichen und ernsten Liebe fängt man nicht gleich mit dem Küssen an, sondern"

Wenn wir aber doch schon über die Präliminariest hinaus sind?"" meinte Vladoj luftig,wir können uns doch nicht zeitlebens anschmachten.""

Der Pfarrer mußte, ob er wollte oder nicht, schimunzelst« Ach, gehen Sie, Sie sind ein unverbesserlicher Tollkopf^ versuchte er noch einmal zu räsonnieren, dann aber streckt« er chm die Hand Hin und sagte:Schlagen Sie ein; wenst Sie ein braver Kerl find und mir Ihr Wort geben/ mit?