Ausgabe 
18.7.1904
 
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rege gewesen zu fein. Kaum siebzehn Jahre alt, holte er sich aus dem Lande südlich des Vaal die Jungfrau Maria du Plessies zur Ehesrau. Maria mag ihm in jenen Tagen sehr teuer gewesen feilt. Denn bei einer Reise zu seiner Braut findet der junge Krüger das reihende Wasser des Vaal hoch angeschwollen. Aber die Sehnsucht ist größer als die Gefahr mtb seine Kraft stärker als die Gewalt des Stromes. So trieb er denn, ohne seine Kleider abzulegen, seine Pferde in die Flut und durchschwamm den Vaal unter Umständen, die eine fast sichere Todesgefahr bedeu­teten. Der alte Wärter, der an diesem Tage mit seiner Fähre nicht über den Fluß zu sehen wagte, las ihm gehörig den Text. Doch wohlgemut zog der Verliebte seines Weges weiter.

Der Bund mit Maria du Plessis sollte nicht lange währen. Vier Jahre später, im Januar 1846, trifft Krüger das Unglück, daß er seine Frau und das Kindchen, dem sie das Leben gegeben hatte, verlor. Er klagt darüber nicht. Wohl aber erzählt er, daß Gott ihm eine neue Lebensgefährtin in der Jungfrau Gesiiia Susanna Friederike Wilhelmine du Plessis geschenkt habe. Also eine zweite du Plessis und eine zweite Frau. Ans dieser Ehe erwuchsen dem Vater Krüger nenn Söhne und sieben Töchter. Drei Söhne und fünf Töchter sind noch am Leben.

EinAnhang" der Krügerschen Lebenserinnerungen bringt den Wortlaut der Reden nnd Erlasse des Präsidenten. Dem merk- würdigsten Armeebefehl, den die Kriegsgeschichte kennt, dem Zir- kulartelegramm des Staatspräsidenten an die Kriegsosfiziere, aus Machadodorp, 24. Juli 1900, seien hier einige Stellen entnommen. In dem theologisch-militärischen Aktenstück heißt es:

Aus Ihrem Bericht und verschiedenen änderen Berichten sehe ich, daß der Geist des Unglaubens überall austritt wie ein brüllen­der Löwe, um unsere Menschen wankelmütig zu machen. Brüder, Ihr begreift doch, wenn Ihr den Feind an Euch laßt Vorbei­gehen und fangt an zu zweifeln, ob Ihr ihn angreifen sollt oder nicht, treibt Ihr die anderen, die noch zurück sind, im ganzen Lande, wo sie das hören, auch zum Wankel­mut und zum Unglauben; aber wenn Ihr Eure Pflicht tut und den Feind anpackt, wo er kommt, so macht Ihr den Unsrigen, die A'uf den Farmen in der Republik zurückgeblieben sind nnd das hören, Mut, um auch kämpsen zu helfen, mögen sie und wir auch nur wenige fein. Denn der Sieg ist nicht in der Hand der Uebermacht, sondern in der Hand des Herrn, und der Herr gibt ihn denen, die in seinem Namen streiten, wenn wir auch noch so wenige sind. . . . Wer feststeht in dem Herrn, kann mit dem Apostel Paulus und mit Timotheus sagen:Werde nicht mutlos, wenn Du Abtrünnige siehst, denn es muh ein Abfall kommen." Und der Herr Jesus sagt selbst im Matthäus 24, daß Kriege und Gerüchte von Kriegen kommen werden, aber:Er­schreckt nicht, sondern bleibt getreu, denn diese Dinge müssen ge­schehen."

Halte also Mut, du gottesfürchtige Schar, in deiner Schwach­heit wird der Herr seine Kraft beweisen . . . Seht Psalm 83, daß der böse Geist der Lust gesagt hat, der wahre Kämpfer, Israel genannt, dürste nicht bestehen, und der Herr sagt:Er wird be­stehen." Und seht in der Erklärung, die wir an Salisbury ge­schrieben haben, daß wir nur unsere Unabhängigkeit erhalten wollten. Da antwortete er auch demselben Geist, daß dieses Volk nicht bestehen dürfe, oder um seine eigenen Worte zu gebrauchen: «Ich werde nie zugeben, daß Ihr Volk als Volk bestehen mag." Liebe Brüder, auf Grund von Gottes Wort bin ich dessen sicher, daß der Sieg uns gehört. Doch laßt uns treu bleiben und streiten im Namen des Herrn auf seine Verheißung hin, und ich ersuche, haß die Offiziere diese Kundgebung den Bürgern immer wieder vorlesen . . ."

vermischte».

*F r a u e n b e fr e i u n g". Eine fleißige Schriftstellerin auf dem Gebiete derFrauenbefreiung" ist Ellen Key. Ihr neuestes, von Francis Maro übersetztes, Werk heißtU e b e r Liebe und Ehe" (Berlin, S. Fischer). Das Ziel von Ellen Key ist nickst das Ziel, dessen Erreichung auf Frauenkongressen usw. erstrebt wird, und in Erreichung aller männlichen Aemter und Würden nur mit Ausschluß der Militärdienstzeit gipfelt; die beredte Fürsprecherin ihres Geschlechts beschäftigt sich init der Aufbesserung der Frauenstellung gegenüber dem Manne im kurz gesagt Eheleben. Die heutige Gesellschaftsordnung ist ihr nach dieser Richtung eine Summe von Ungerechtigkeiten, da die Ehefrau immer die Untergebene des Mannes sei. Nach den neuesten Gesetzgebungen ist dieseUntergebenheit" aller­dings stark eingeschränkt und es ist ein Rahmen geschaffen wor­den, innerhalb dessen die Kongruenz der beiderseitigen Neigungs­gebiete, die sogenannte Liebe, das Weitere ordnen tarnt. Aber die Verfasserin will weiter gehen, sie will dem beiderseitigen Willen des Zusammen- und des Voneinandergehens größere Frei­heit zuerkannt wissen. Was man bisher als eine Haupterrungen­schaft der heutigen Jahrtausende alten Menschenkultur angesehen hat, will Ellen Key nicht mehr gelten lassen:Auf Grund des Wilms des Jnd vidnums zu persönlicher Wahl bei seinen persön­lichen bedeutungsvollen Handlungen muß die Weiterführnng der Ehe wie ihre Schließung von jedem der Ehegatten ab­

hängen, die Scheidung folglich frei werden; ein Zwang auf diesem Gebiet ist Erniedrigung". Hm! Bisher überlegten sich doch vernünftige Leute so etwas vor der Annäherung. Und weiter liest man:Erst wenn ein unbestechlicher Realismus auch in der Familie den Grundsatz aufstellt, daß jeder seinen eigenen Kops für sich behält, erst dann wird der Idealismus der seinen Freiwilligkeit der gegenseitigen Hilfe vollen Spielraum geben. . ." Jeder seinen Kopf für sich! Nun, es käme auf eine Probe für die Menschheit an, .vielleicht auf ein Jahrzehnt. Gerade der Hinblick aufBehalten des eigenen Kopfes für sich" hat die Gesetzgeber immer wieder dazu geführt, die Ehe, unter Schonung individueller Freiheit, fest zu schmieden und gesetzlich zu schützen. Die Verfasserin begeistert sich schließ­lich für den schon in der französischen Revolution vorgeschlagenen Eheparagraphen:Tie, die sich lieben, sind Mann und Fran". An sich ist das gewiß sehr hübsch und in Wirklichkeit auch wohl der Fall, .wenngleich in anderer Teutuny. Nur erschien die allzu große Freiheit für den Zeitpunkt von je gefährlich, von dem der Dichter singt:Zum Schlüsse kommt das Voneinander- geljen!" Ehe bedeutet Gesetz (alth. etoa, eha) und wird es ewig bleiben im Gegensatz zu dem von der Verfasserin angedenteten ubi bene ibi connubium".

Literarisches.

Der Rhapsode. Monatsblätter für Vortragsliteratur. (Verlag von Richard Ruckdeschel in Gera.) Rhapsoden nannte man bekanntlich jene altgriechischen Vortragskünstler, welche die Feste der Hellenen durch Rezitationen verschönern halfen, und sich uM die Verbreitung und Erhaltung dichterischen Edelgutes ein hervor­ragendes Verdienst erwarben. Der letzte Rhapsode war der dahin- gegangene Nibelungen-Dichter Wilh. Jordan. Die vorliegende Zeitschrift will auf die gleiche Werse für unsere zeitgenössischen Schriftsteller und für den auserlesenen Schatz älterer Poesie Ver­mittlerin fein. Der abgeschlossene erste Jahresband, dem Rein­hold Fuchs, her Sänger trefflicher Balladen, einen warmherzigen Geleitsbries mit ta'uf den Weg gegeben hat, enthält in Vers und Prosa, in hochdeutscher und mundartlicher Sprache eine Fülle gediegener ernster und heiterer Auswahlproben, zum Teil von den berühmtesten und gepriesensteu Verfassern. Martin Greif hat das geistige Protektorat für den jetzt taufenden zweiten Jahr­gang übernommen. Das durchaus zeitgemäße und ohne Zweifel sehr Entwicklungsfähige Blatt tierbient die kräftigste und nach­haltigste Förderung. Es sei vor allem den Leitern von Vereins­bibliotheken zur Beachtung empfohlen. Auch der einzelne, still für sich genießende Kunst- und Bücherliebhaber, mehr aber noch jeder, der es liebt, .in geschlosfenem Kreise Dichd- ungen von Wert zum Vortrag zu bringen, wird an dem wechselvollen Inhalt seine Freude finden. Der Verleger tut sein bestes, um die monatlich zur Ausgabe gelangende Zeit­schrift auch äußerlich auf vornehmster Höhe zu halten.

Briefe, die ihn erreichten. .(Verlag Szelinski u. Co., Wien. Oktav. 16 Bogen stark. 5 Mk. So nennt sich ein Roman, der bei Szelinski u. Co. in Wien erschien. Wieder ein anonymes Frauenbuch, aber durch den Titel, der eine gewisse innere Verwandtschaft mit dem bekannten Roman der Baronin Hey- king symbolisiert, deutet das neue Werk an, daß es nicht die Pfckde der leider allzuviel besprochenen krampfhaftmodernen" Jungmädchenliteratur wandelt, sondern sich im stummen Kampfe derRichtungen" auf jene Seite stellt, der die vorerwähnte Ver­fasserin zu einem gleichsam erlösenden Siege verhalfen hat. .Im übrigen verschmäht das neue Werk jede Anlehnung an Fremdes nnd hat fein eigenes Leben. Es schildert den seelischen Werde­gang eines jungen Mädchens, das aus einer unbewußten sröh- lichen Kindheit zu immer größerer Vertiefung geführt wird und zu immer klarerem Einblick in alle Regungen des Lebens.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

(Auflösung tn nächster Nummer.)

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sV

Auflösung des Kapselrätsels in vor. Nr.r Frau, Sena, Igel, Erna, Dank, Eisen, Rübe.

Flieder.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verlag der Vrülh'schenUniversitLtS-Buch- und Cteindruckerei. 81. Sanne. Gießen.