Ausgabe 
18.4.1904
 
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stellte sich heraus, daß James Shippec nicht nur zwei Frauen hatte, sondern noch mehrere andere. Eine wurde in San Francisko ernütteli, eine andere in Chicago, eine dritte in Washington u. s. w. Der Richter konstatierte darauf, daß Shippee mindestens siebenmal verheiratet sein müsse.Mir ist schon alles gleich," sagte darauf Herr James Shippee, und so will ich denn gestehen, daß ich nicht siebenmal ver­heiratet bin, sondern siebenundvierzigmal." Im nächsten Augenblick waren die beiden Klägerinnen in Ohnmacht ge­fallen, unb der Kadi starrte den unheimlichen Angeklagten mit offenen« Munde an. Shippee wurde den Geschworenen überiviesen; man sollte ihn aber nicht verurteilen, sondern ihm zu Ehren eine besondere Denkmünze prägen lassen, mit der Inschrift:Dem mutigsten Manne der Welt!"

* Die Feuersbrunst von Baltimore und die Wolkenkratzer. Die wenigen himmelhohen Geschäfts­gebäude, die Baltimore hat oder hatte, lagen alle innerhalb des abgebrannten Bezirks, das der Continental Trust Co. mit 16 Stockwerken, das Union Trust - Gebäude mit 11 Stockwerken, das 13 stückige Calvert Building, das Maryland Trust-Gebäude und ein halbes Dutzend andere. Da das Baltimorer Feuer der erste Riesenbrand seit Einführung dieser neuen amerikanischen Bauten war, die als schlechthin feuerfest ausgegeben werden, so war es von besonderem Interesse, Genaues zu erfahren, welchen Widerstand sie der Wut des Elementes entgegensetzen konnten. Anfangs hieß es, sie seien mit den anderen Gebäuden ein Raub der Flammen ge­worden. Dann sah man aber, daß sie tatsächlich nicht wie die übrigen Häuser eingestürzt sind, wenn auch manche Wände herausfielen. Wenn dann aber weiterhin auf Grund besonderer Prüfungen behauptet wurde, diese Wolkenkratzer seien nur wenig beschädigt worden, so ist auch dies keines­wegs den Tatsachen gemäß. Einer der Bauinspektoren Washingtons wurde von seiner Behörde zum Studium der Brandverhältnisse nach Baltimore geschickt und hat über den Befund berichtet, .mir gegenüber seine Eindrücke auch etwas erweitert. Zunächst hält er die hohen Gebände für eine sehr große Feuersgefahr. Bricht ein Feuer hoch oben aus, so reicht der Druck der Spritzen nicht kräftig genug hinauf; entsteht es unten und wird nicht sofort entdeckt, so erzeugt es in dem als Kamin wirkenden Treppenhaus und den Aufzugsschächten einen so gewaltigen heißen Luftzug, daß es nicht mehr bewältigt werden kann. Ein solches Feuer muß eine viel größere Hitze erregen, die brennenden Teile werden hoch in die Luft gewirbelt und gefährden einen weiten Um» ifteis, und falls brennende Stücke herunterfallen, so schlagen sie mit Leichtigkeit durch benachbarte Dächer und verbreiten die Feuersbrunst. Was den Brandschaden betrifft, den die Baltimorer Wolkenkratzer aufweisen, so berechnet ihn . der Bauinspektor auf 60 vom Hundert ihres Wertes. Sie sind zwar in der Hauptsache stehen geblieben, denn sie sind ja Stahlskelette, die von schlechten Wärmeleitern eingehüllt sind, und zwar ist das Stahlgerüst so aufgeführt, daß der ganze Bau ein Zellensystem bildet, innerhalb dessen der Einsturz einer Wand oder einer Decke die übrigen Räume nicht ge­fährdet. Solcher Einstürze kamen eine Reihe vor; häufig fiel auch die äußere Verkleidung ab, die Stahlschienen wurden blosgelegt und bogen sich unter der Hitze, sodaß auch auf diese Weise Wand- und Deckenstürze vorkamen. Wo immer das Eisen ungeschützt dalag, wie an den Dächern, schmolz cs oder bog sich und verursachte großen Schaden. Im Innern der Ge­bäude brannte jedes Stücken Holz vollständig aus. Von allen Gesteinsarten widerstand nur der Backstein, während Granitblöcke zu Sand wurden und Kalksteine wie Marmor­platten sich in weiche Massen verwandelten. Wenn der Bauinspektor den Schaden so hoch berechnet 60 vom Hundert so ist eben zu bedenken, daß die kostspieligsten Teile dieser Gebäude die prächtigen Hallen und die feinen, aus bestem Material hergestellten Innenausstattungen sind, die natürlich einer Erneuerung bedürfen.

* Große Leistung im Essen. Ein Herr ans

Gr.-Schönebeck ttfar in dem Gasthofe eines benachbarten Ortes per Rad eingekehrt und klagte Mer Hunger. (£r verzehrte hierauf tu einem Zeitraum von 27hz Minuten folgende Kleinigkeit: 1. 10 hartgekochte Hühnereier mit Butter und Brot. 2. Eine Portion aufgewärmte Kohlrübe» mit Lungenwurst für drei Personen ausreichend. 3. Ei» halbes Pfund Blutwurst mit Butter und Brot. 4. Zwei Bücklinge. Nach dieser Mahlzeit äußerte er, daß er eigent­lich noch nicht recht satt sei, er müsse Mer wieder zurück nach Gr.-Schönebeck, da sonst sein dortiger Wirt denke» könnte, er habe schon zu Mittag gespeist. Bei dem Wirt gM es Erbsen, Pökelfleisch und Sauerkohl. Auch hierin tat der betreffende Herr seine Schuldigkeit, sodaß ma» von dem vorher genossenen Frühstück ihm nichts anmerkte.

* Marktpre ise für Babies. Eine amerikanische Baby-Händlerin Mrs. Ditsill in Philadelphia, die sich seit Jahren aus dem BMy-Markt ein Gewerbe gemacht hat, weiß zu erzählen, daß die Preise für Kinder zwischen 20. bis 20000 Mk schwanken; dieser höchste Betrag wurde z. B. für einendrallen, rotwangigen Jungen ohne Gebreche» gezahlt. Nach rothaarigen Knaben war, wie sie berichtet, keine Nachfrage, aber kleine Mädchen mitTrzian-rotem" Haar firtden viele Abnehmer. Ein schielendes BMy wird als Unglück bringend angesehen und findet gar keinen Käufer. Im allgemeinen verkaufen sich Knaben leichter als Mädchen. Mrs. Ditsill hat sich bet ihrem Gewerbe ein Vermögen erworben und vertetdigt es dMurch, daß sie, wie sie sagt, gute Heimstätten für Kinder findet, denen es sonst vielleicht schlecht ergehen würde.

* Eine possenhafte Szene spielte sich jüngst in einem kleinen Pariser Wirtshause ab. Dort er­schienen, in Abwesenheit des Wirtes, fünf vornehm ge­kleidete Herren und ließen sich häuslich nieder.Kellner, wir möchten etwas essen", rief einer von ihnen.Bedienen Sie uns gut, auf ein gutes Trinkgeld soll es nicht an­kommen!" Der Kellner, der kurz vorher erst aus der Provinz nach Paris gekommen war, beeilte sich und brachte Vorspeisen, Fisch, Braten, Gemüse, die besten Weine usw. Nach dem Essen entspann sich zwischen den Gästen eine lebhafte Diskussion. Jeder steckte dte Hand in die Tische, denn keiner wollte dulden, daß der andere für ihn zahle. Ich zahle alles", sagte einer der Herren energisch.i Nein, ich zahle. . ."Der Worte sind genug ge­wechselt, sprach ein dritter;ich bin der Aelteste am Tische, und es wird mir eine große Ehre sein, Sie alle bewirtet zu haben". Ein Wort gab das andere, eine Höf­lichkeit forderte die andere heraus, Mer man schien sich nicht einigen zu können. Schließlich nahm ein großer Herr, der bis dahin noch nicht gesprochen hatte, das Wort und sagte:Das ist alles sehr hübsch, Mer wir müssen doch ein Ende machen. Ich mache einen Vorschlag, den ich für gut halte: der Zufall soll entscheiden! Wir verbinden dem Kellner mit seiner Serviette die Augen, und der, den er dann erhascht, soll bezahlen!" Man fand die Idee vor­trefflich und brachte sie sofort zur Ausführung. Der Kellner, der tastend und stolpernd im Zimmer umhergeirrt war, hielt ihn fest uM rief lachend:Sie zahlen alles!" Nanu, was ist Ihnen denn in die Krone gefahren, daß Sie hier am Hellen Tage Blindekuh spielen?" schrie der Wirt. Jetzt klärte sich alles auf, und der verdutzte Kellner eilte selbst zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Diesind«- gen" Zechpreller sucht man aber noch heute.

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Kreuzriitsel.

(Nachdruck verboten.)

12 weiblicher Vorname.

2 34 kleines nützliches Instrument.

---- 24 Kritik.

42 Flußmündung.

3 1 Bezeichnung.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Königszugs in vor: Nr. Liegt dir gestern klar und offen, Wirkst Du heute kräitw frei;

Kannst auch aus ein Morgen hoffen, Das nicht minder glücklich sei.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Lerlag der Lrül,i ju,u. : nunsu.p-tz.nch- und 6 icnlnCtrci. 8i. karge Giesen.