Ausgabe 
18.4.1904
 
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1904

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(Nachdruck verboten.)

Im Fakak der Flajah.

Roman von 9$. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.

(Fortsetzung.)

11.

Lily war glücklich durch ihr Examen gekommen und rüstete sich zur Abreise. Fritz Man hatte sich endlich herbeigelassen, eine Stellung für dreißig Rupien anzu- nehmen, und selbst Mr. John war fortgegangen, um sich mit dem Sammeln und Verkaufen alter Oelflaschen vielleicht einen Verdienst zu verschaffen. Ich wäre somit die einzige Unbeschäftigte in diesem Hause gewesen, wenn ich nicht das Anerbieten angenommen hatte. Es dauerte nicht lange, bis ich in das Hauswesen eingelebt war. Wie die sprichwörtlichenneuen Besen" glaubte auch ich allerlei Verbesserungen einführen zu müsfen. Vor allem versuchte ich, die unbezahlten Rechnungen zu begleichen und die täglichen Ausgaben möglichst bar zu entrichten. Ich sorgte für reine Tischtücher und Blumenschmuck, hielt auf Pünktlichkeit und überwachte den Koch. Auch unter­richtete ich Mardie in Englisch und Musik. Meine Zeit war durch das alles sehr ausgefüllt, allein je mehr ich zu tun hatte, desto leichter wurde mir ums Herz.

Allmählich kam ich dahinter, daß Lily von den ver­schiedenen Lieferanten kleine, aber regelmäßige Geschenke angenommen und sich damit und durch den Verkauf von altem Papier, Flaschen und Knochen eine hübsche kleine Summe beiseite gebracht hatte, die sie jetzt mit nach Kalkutta nahm. Wähl konnte ich, was Handeln und Feilschen anbelangt, Lily das Wasser nicht halten, dafür machte ich aber auch keinen Nebengewinn, und fo gelang es mir schon nach kurzer Zeit mit neun zahlenden Gästen das Soll und Haben in Einklang zu bringen. Bald ver­breitete es sich, daß bei Rosarios eine englische Dame als Haushälterin angestellt fei, das Kosthaus kam in Mode, und die Anfragen mehrten sich.

Wohl hatte ich jetzt ein kleines Zimmer für mich allein, aber ich mußte, wenn ich mich nach den An­forderungen des Tages todmüde aus mein hartes schmales Lager ausstreckte, stets auf einen Ueberfall des lustigen Trios: Rosamunde, Gwendoline und Eulalie gefaßt sein. So oft sie irgend eine Neuigkeit mitzuteilen oder ein ^eues Kleid zu zeigen hatten oder auf einen Tanz zu gehen beabsichtigten, wurden mein Rat, meine Bewunderung, oder aber meine Dienste als Kammerjungfer beansprucht. Es machte mir auch Spaß, die Mädchen in ihrem Staat zu betrachten, besonders Eulalie sah ivahrhaft bezaubernd aus rn ihrem natürlich unbezahlten Rosa-Atlaskleid.

So war ich denn durchaus iiicyt erstaunt, als Gwen- doline eines Abends, nachdem ich mich soeben in mein

Zimmer zurückgezogen hatte, zu mir hereingestürzt kam und ganz aufgeregt rief:

Nun hat Eulalie endlich eine kolossale Eroberung gemacht!"

Das klingt allerdings vielversprechend."

z/ö ja; ich sah es schon neulich bei oer Strandmusik, daß er ein Auge auf sie geworfen hatte und ihr immer wieder zu begegnen trachtete. Eulalie ist aber auch das hübscheste Mädchen von ganz Vepery."

Von ganz Madras", verbesserte ich aus voller Ueber- zeugung.

Da mögen Sie wohl recht haben. Mr. Ibrahim ließ sich ihr auf dem Ball vorzustellen und ist allem Anschein nach bis über die Ohren in sie verliebt. Fortgesetzt schickt er ihr Blumen, Bonbons und Parfüm mit den reizendsten Briefchen. Eulalie ist aber ein wunderliches Ding und gar nicht stolz aus ihre Triumphe; im Gegenteil behauptet sie, sie mache sich nichts aus dem Herrn. Sie wird Ihnen Wohl selbst davon erzählen, jedenfalls aber erfahren Sie es von Jocasta, denn diese abscheuliche Range weiß natür­lich schon wieder alles. Er betreibt seine Kurmacherei freilich auch sehr auffallend und hat bereits davon ge­sprochen, hier in die Kost gehen zu wollen. Eulalie hält sich aber immer noch zurück; ihr ist der schwarzlockige Sergeant weit lieber. . . eine solche Närrin!"

Wie sieht denn dieser Mr. Ibrahim aus?" fragte ich ziemlich gleichgiltig.

Dunkel, aber sehr hübsch, etwas klein, mit spitzer Nase und kohlschwarzen, durchdringenden Augen. Er hat Geschäfte in Madras und reist häufig nach Bombay und Delhi und sogar nach Europa. Nun hat er Eulalie an­geboten, sie in seinem Wagen spazieren zu führen, und das will sie, glaube ich, auch annehmen, aber nur um die Mädchen in Vepery neidisch zu machen; heiraten wird sie ihn, wie ich fürchte, nicht."

In diesem Augenblick kam Eulalie strahlend von Schön­heit in ihrem hübschen Kleid und weißen, mit großen Rosaschleifen geschmückten Hut hereingestürmt.

Hier bist Du also!" rief sie ihrer Freundin zu. Wahrscheinlich hat Gwendoline über mich gescholten?" Sie wandte sich mir zu.Sie will nämlich durchaus, daß ich eine reiche Heirat machen soll, aber ich will nicht, ich will nicht!" Fröhlich klatschte sie in die kleinen Hände. Nein, ich will nicht, ich will nicht!"

Warum denn aber nrcht? Du bist bettelarm und wirst auch nicht immer hübsch bleiben. Mit fünfund­zwanzig hast Du ein dreifaches Kinn!" lautete Gwendo- lines düstere Voraussagung.

Jedenfalls gehöre ich jetzt noch nicht zu den Fetten!" entgegnete sie empört.

Du kannst dann Deine Schulden bezahlen", drang die Freundin in sie.

Und die Deinigen dazu, wenn Du artig bist. Mer ich gehöre nicht zu den Leuten, die ums Geld heiratens