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Mir ist'4, als säh' ich manchmal in den Spitzen Ter Lettern ihre klaren Augen fröhlich blitzen Wie Sonnenschein im Lanzenwalde der Ulanen, Sie reiten aus dem Dor, es flattern ihre Fahnen. Ten einen Zug verhüllt mir ihre Schrift allein, Ter mir ihr Bild verklärt als weicher Glorienschein, Ten innig rein in meinen schönsten Lebensstunden In ihrem Herzen ich voll Seligkeit gefunden: Hingebung, Liebeweichheit zeigt kein Zug der Schrift, Ten tiefsten Seelenlaut vertraut sie nicht dem Stift.
VerMijehrss«
* Der Kur für ft von Köln gegen das D u e l l. Schon 1685 schritt die kurfürstliche Regierung scharf gegen „die zunehmenden Tnelle, Raufereien, Balgereien und Kugelwechselungen ein." Es wurde nicht nur der Zweikampf, sondern auch das Sekundieren, Anwohnung sowie unterlassene Anzeige, mit schweren Leibes- und Lebensstrafen bedroht. 1699 muffte das Edikt erneuert werden und so iroch öfter im Laufe der Zeit. Im Jahre 1742 heißt es: Obivohl in allen göttlichen, natürlichen, geistlichen und tveltlichen Rechten das Raufen und Duellieren nicht allein als ein der allerhöchsten göttlichen Majestät und der höchsten landesherrlichen Hoheit usto. unverantwortlicher Eingriff, sondern auch als eine mutwillige Rauferei zu betrachten sei, so hätten die Untertanen immer noch nicht den nötigen Abscheu gegen das abscheuliche Laster des Duellierens. Im Gegenteil werde die tolle und rasende Duellsucht als eine ganz verkehrte Ehrerrrettung bei den Untertanen des Zivilund Mtlitärfrarrdes betrachtet. Daher werde das Duellieren, auch! ivenn keiner getötet werden, mit dem Tode, und zwar die Rittermäßigen durch das Schwer-, die übrigen aber durch den Strang, ferner mit Beschlagnahme des Vermögens und bei denen von Adel muh mit Zerbrechung des adligen Wappens gestraft. Der im Duell Gefallene soll kein ehrliches Begräbnis erhalten, sondern am Galgen aufgehangen werden, jedem zum abscheulichen Exempel. Gegen die Entflohenen soll in contumaciam verfahren und das Urteil in esfigie vollzogen werden. Diese so scharfe Androhung scheint aber doch nicht geholfen zu haben, denn sonst würde man sie nicht immer wieder erneuert haben von 1685 an. Allerdings war damals in der guten alten Zeit die Rechtspflege so willkürlich und der Einfluß des Adels, der ja mehr oder weniger alle hervorragenden geistlichen und weltlichen Aemter bekleidete, so groß, daß sich immer wieder Wege gaben, auf denen man entschlüpfen konnte. Um den Raufereien und Duellen entgegenzuarbeiten, wurden zu verschiedenen Zeiten das Tragen von Degen und Seitengewehren beschränkt. So heißt es 1751, daß alle Advokaten, die nicht den Grad eines Doktors oder Lizentiaten erlangt haben, sowie alle Schreiber, Kaufmannssöhne und Diener, Apotheker, Barbiere und Handwerksgesellen keine Degen tragen dürfen. Zuwiderhandelnde sollen mit Beschlagnahme des Degens und willkürlichen Brüchten und Leibi sftrafen belegt werden. (Brüch«e in diesem Falle eine Geldstrafe.) In dem „willkürliche liegt auch ein Bild der Justizpflege damaliger Zeit.
* Die Kinder am M argen ! Frühen Vögeln beißt die Katz' den Kopf ab! So sagt ein Sprichwort, und es hat die Bedeutung gehabt, daß mau Kinder morgens beim Aufstehen und Ankleiden anhalte, recht wenig unt) nur das notwendigste zu reden. Kindergeschwätz früh morgens, besonders das eifrige, endet auch erfahrungsgemäß nur zu leicht in Herzeleid. Das Kinderlachen in der Tagesfrühe läßt meist bald Kindertränen folgen. Es scheint daher zu kommen, weil der Gedankenausdruck, wenn er mit Eifer betrieben tvird, das Nervensystem erregt und weil einer besonders starken Erregung bei dem geringfügigsten Anstoß oft eine Erschlaffung rasch- folgt, welche Unlust, Müdigkeit und üble Laune bei Kindern zuwege bringt. Der wohlgefällige Reiz, welcher das Kino zum Scherzen und Lachen verleitet, hält nicht lange an: er hält nicht, was er verspricht! Ein Rückschlag folgt jetzt, der Mißbehagen im Kinde erzeugt, daher seine Ausbrüche und Ungezogenheit. Ebenso wie man an Kindern die Erregung durch vieles Reden in der Morgenfrühe nicht unterstützen darf, ebenso sollte man sie auch nicht geflissentlich reizen. Uebelgelaunte Eltern, Anverwandte und das Dienstpersonal namentlich versündigen sich oftmals ungemein an Kindern. Ruhiger
Ernst räumt mit Vorbedacht alle Hindernisse aus dem Wege, welche ein Kind reizen und verstimmen müssen, damit es sich morgens lieber mehr schweigsam als schwatzhaft verhalte.
*Ein Ministerrätsel. Im „Niederdeutschen Jahrbuch" erzählt Pros. Paul Ascherson einen guten Volkswitz über den preußischen Minister v. Kle tot tz, der unter Friedrich Wilhelm III. wenig beliebt und ohne große Geistesgaben als Finanzminister seines Amtes waltete. Daß man ihn sehr gern dem Spotte preisgab, beweist auch eine bösartige Charade auf seinen Namen, die man dem Kronprinzen, späterem König Friedrich Wilhelm IV., in den Mund legte. Sie lautete:
„Die erste frißt das Vieh, Die zweite hab' iäy nie, Tas ganze ist eine Landplage."
wird erzählt, daß der Minister sich deshalb bei König .Friedrich Wilhelm III. beklagt und dieser den Kronprinzen zur Rede gestellt habe. Der Kronprinz erwiderte: „Die Lösung, die ich im Sinne hatte, als ich das Rätsel aufgab, war — Heuschreck!"
Lstermmsehss.
— Stachd«n vor einigen Wochen als letztes Vermächtnis Julius Lohme Hers an die deutsche Jugend die „50 Kinderlieber mit 50 Bildern" durch den Verlag W. Vobach u. Co. in Berlin, herausgegeben worden ist, erschienen in demselben Berlage die „Gesammelten Dichtungen" dieses Poeten. Tiefes neue Wer? ist ein deut- ches Hausbuch im besten Sinne des Wortes, es find die Lieder eines Optimisten von frischem, lebenbejahendem Sinn, tote sie heute leider so selten zu finden sind. Lohmeyer fragt nicht, gleich unseren Modernen, toas das Leben ihm, sondern toas er deut Leben schuldig sei, und sieht nicht ttt dieser irdischen Welt das Jammertal, sondern die schöne Erde, auf der zu wandeln Lust und Freude ist. Wie reich dieses Tichterherz in seiner Dankbarkeit, wie offen dieses Tichterauge für die Schönheit der Welt ist, zeigt wohl am besten die Abteilung „Ehelieber". Es ist das Zarteste und Innigste was Lohmeyer geschrieben hat; in seinem Heim, im Kreise der Seinen, da liegen die tiefen Wurzeln seiner Kraft, dort erblüht ihm das reinste Gluck, und diese Sonntagsstimmung trägt er hinaus in die weite Welt, die ihm wie ein Eden entgegenblüht, das er heiter-sinnenden Auges durchwandert. Wir möchten wünschen, daß Lohmeyers „Gesammelte Dichtungen", die für 3 Mark in jeder Buchhandlung zu erhalten sind, in keinem echten deutschen Hause fehlen.
Der furchtbare Theaterbrand in Chicago wird wohl endlich dahinfuhren, daß sämtliche Theater ausreichende SicherhZitsvorrichtungeu erhalten; das Interesse des Publikums an dem edelsten aller Vergnügen wird es schwerlich vermindern. Daher ist der hochinteressante Aussatz über „Schauspielkunst" recht zeitgemäß, den die neueste Nummer des Moden- und Familienblattes „Mode und Haus", Verlag von John Henry Schwerin, Berlin W. 35, seinen Lesern darbietet. Uebrigeus bringt dieses Blatt regelmäßig: 8 Seiten Mode, vier Seiten Handarbeiten, 20 Seiten reichillustrierte Belletristik, einen Schnittbogen und ein Kolorit; außerdem die Beilagen: Romanzeitung „Aus besten Federn", „Aerztlicher Ratgeber", illustriertes Witzblatt „Humor", die acht Seiten starke „Illustrierte Kinderwelt", Musikbeilage usw. Man findet hier alles, was Hauswirtschaft und Familie betrifft, Moden, Wäsche, Handarbeiten, Kindererziehung, ärztliche und juristische Ratschläge, geistige Unterhaltung, Aktuelles aus der Zeit wie aus dem Leben der Frau. „Mode, und Haus kostet pro Quartal nur 1 Mark, mit Moden- resp. Handarbeiten-Kolorits 1.25 Mark. Abonnements bei allen Buchhandlungen und Postanstalten.
Buchstabenrätsel.
Nun rat', was ich fehl Mit a im Klee.
Mit tt auf dem Klee.
Mit i in der Höh.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Charade in vor. Nr.t Meerschaum.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der VrLhl'schcn llnirerstlütS-Vuck- und Steiudruckcrci. R. Lange, Gießen.


