Yr? 188
1964.
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„Allerdings", erwiderte der Sekretär falt.
„So möchte ich mir erlauben. Ihnen meme Karte zu überreichen und ergebenst hinzuzusügen daß Sie es viel- leicht nützlich finden dürsten, mich — falls Sie die Muhe nicht scheuen — aufzusuchen."
Skott blickte von der Karte mit forschendem Äuge auf den vor ihm Stehenden. „Ah, ein ganz unerwarteteA Interesse für meine Person; könnte mir sonst taum einen anderen Beweggrund sür Ihre freundliche Aufforderung
Hobson schien den Sarkasmus zu überhören. „Es tonnte nämlich der Fall sein", fuhr er in unterwürfigem Tone fort, „daß ich im Besitze von Schriftstücken Ware, die kennen! zu lernen möglicherweise von Vorteil fiir Sie sem wurde
„Sollte dies zutreffen, so wurde ich für, die Gestattung einer Durchsicht allerdings sehr dankbar fern, entgegnete Skott ziemlich von oben herab, „setze aber voraus,, daß -ihr Anerbieten ganz ohne Eigennutz, das heißt ohne )eden Gedanken an eine Entschädigung gemacht wurde
5ln Hobsons Augen zuckte es; eine gewiße Unruhe schien ihn erfaßt zu haben. „Augenblicklich kann ich mich nicht weiter erklären", sagte er, „denn ich habe Eile. Ncorgen nachmittag um zwei Uhr bin ich in meinem Bureau zu treffen Vielleicht finden Sie dann, daß ich nicht so eigennützig bin, als Sie zu glauben scheinen; ich denke Sie werden die Ueberzeugung gewinnen, daß ich nicht zu Vuk gesagt habe, sondern Ihnen in der^at von großem Beistand sein kann. Also, wie ich hoffe, aus Wieder ehen Hiermit verneigte er sich in seiner kriechenden Art und setzte schnellen Schrittes seinen Weg fort.
Skott ging in der entgegengesetzten Richtung weiter. Die Begegnung gab ihm zu denken. Neue Gedanken stürmten au ihn ein. Welchen Zweck verfolgte der Kerl? Was,.hatte ihn veranlaßt, seinen Beistand anzubieten? War es möglich daß dieser Mensch etivas über ihn wußte und ihm wirklich dienen konnte, oder vermutete er m ihm einen Mitwisser seines eigenen Geheimnisses und fürchtete, der erhofften! Früchte oeraubt zu werden? Wahrscheinlich war es das, letztere. Indessen, schaden konnte es nicht, ihn aufzusuchen, vielleicht war doch etwas aus ihm herauszulocken.
Es war Essenszeit, als Skott zu §au|e anlangte. Zum erstenmale seit dem Tode des Haus^rrn gestaltete stch das Mahl wieder etwas angenehmer. Einerseits fehlte Herr Merrick, dessen Anwesenheit nnmer einen gewissen Zwang auferlegt hatte, und andererseits zog Frau La Orange es hnI lebt mit ihrem Sohn auf ihrem Zimmer zu essen. S Schwechsamkeift die in letzter Zeit geherrscht hatte, schien nun heute gebrochen zu sein Unter ^r gesamter^ Tischgesellschaft waltete em freierer Ton, nur Ralph .Nam Waring blickte noch immer finster darein.
Selbst Herr Whitney, dem beim Eintritt des Sekretärs eine leichte Röte ins Gesicht geschossen war, wurde bald niiweräumter Skott selbst empfand wohl die ihm iM all gemeinen wieder gewandte Freundlichkeit, blieb aber doch
Das Testament des Kan Kiers.
Kriminalroman von A. M. Barbour.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Hobson war jetzt jedenfalls dicht an der Tür stehen geblieben, denn deutlich vernehmbar klang es zurück: „Da- init werden Sie mich nicht einschüchtern. Sie wissen ganz aenau, daß Sie keinen Beweis gegen mich haben. Wozu denn also eine solche Drohung? Wir kennen uns doch wahrhastig schon zu lange, als daß Sie Luft verspüren sollten, eines Ihrer kleinen Kunststückchen an mir zu versuchen, Sie spielen ein hohes Spiel, Madame, aber noch halte ich die Trümpfe in Händen ks
Pah! Die fürchte ich nicht. Vielleicht habe ich meine Karten besser gemischt, als Sie denken. Geben Sie sich keinen Illusionen hin; Sie dürften eine starke Gegnerin in nui fitiberi f
Sehr schöne Worte, verehrte Frau, sie sichren aber zu keinem Ende. Verstehen wir doch einander: Sie wünschen in eine Dienste in dem bevorstehenden Prozeß und stellen mir Bedingungen. Ich lehne diese entschieden ab und erkläre, nicht anders Ihre Sache zu übernehmen, als wenn Sie sich meinen Forderungen fügen.' Darum allem handelt es sich!"
Tie Erwiderung war unverständlich, offenbar jedoch für Hobsen befriedigend, denn als er die Tür öffnete und vorsichtig, ehe er hinaustrat, den Flur entlanglugte, lag ein triumphierendes Lächeln auf seinem Gesicht. Frau La Grange begleitete ihn bis zur Haustür. Hobson blieb hier noch einmal stehen und zischelte:
Fn zwei oder drei Tagen komme ich wieder zu Ihnen. Sollten Sie mich srüher brauchen, so senden Sie mir emen Boten oder telephonieren Sie in mein Bureau.
Sie nickte und er ging. Auf dem Rückweg «ach ihrem Zimmer murmelte sie mit zornsprühenden Augen : -Schurke ! Wenn nur erst meine Rechte gesichert smd, dann sollst du mich kennen lernen!" ,
Hobson vermied sorgfältig die Vorderfront des Hauses und schlug den Kiesweg ein, der durch den Ham nach dem See und von da nach außen führte. Llls er diesen ziemlich- einsamen Weg entlang eilte, kam ihm plötzlich Skott entgegen. Obgleich persönlich noch einander sremd, hatten fte sich bei der letzten Verhandlung gesehen, und Hobson hatte erfahren, daß dies der Sekretär sei, der den Briefwechsel zwischen ihm und Hugh Mainwaring verraten hatte. Augenblicklich schoß ihm der Gedanke durch den Kopf, daß es seinen Interessen dienen könnte, nähere Bekanntschaft Mit dem jungen Mann zu machen. Rasch, wie der Gedanke tijm gekommen, zog er eine Karte aus der Tasche, und seinen eiligen Gang unterbrechend, sagte er mit tiefer Verbeugung.
„Bitte um Verzeihung! Wenn ich Nicht irre, habe ich die Ehre, Herrn Skott zu begegnen."


