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Aus Liköe.
Roman von M. v. Eschstruty.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Zum erstenmal fühlte Ellinor, wie ihr Blut in Wallung geriet, überkam es die sonst so kühl rechnende Frau, ob nicht etwa eine Dummheit eine doch ganz annehmbare Unterbrechung für ihr ödes Leben bedeuten möchte. „Ich verstehe Dich nicht", gab sie schnell gefaßt zurück. „Außerdem, wenn ich mich gern mit einem Herrn unterhalte, bedarf es dafür Deiner Pferde nicht. Mein Rat galt einfach Deinem Interesse. Herr v. Urau ist der beste Reiter im Regiment." Das war richtig. Und da dem Rittmeister seine elegante, weltgewandte Frau sehr gleichgiltig war, der Erfolg des Kommandeurs aber viel mehr am Herzen lag, als etwa ihre Koketterien, so beschloß er, Herrn v. Urau zu bitten, das Pferd für ihn fertig zu ringen und zu reiten.
Ellinor war von dem Tage an voll der liebenswürdigsten Aufmerksamkeiten gegen ihren Gatten, hielt die anmutigsten Biegungen ihres schlanken Nackens, ebenso auch den Taubenblick für ihn bereit Er sollte sobald als möglich gesund werden und darum jetzt doppelt sorgsam sein Ob es der Rittmeister bemerkte, ob er weiter darüber dachte? Zuweilen lächelte er, wie amüsiert, zuweilen blickte er skeptisch drein, summte auch mal unbewußt, wie einem instinktiven Gefühlt gehorchend, die bekannten Werse der Earmen:
„L’amour boh^mien N’a ni droit ni Joi. Si je t’aime bien, Prend garde a toi“
Harro jedoch war rein selig, als er von dem ihm zugedachten Glück erfuhr. Er dachte gar nicht daran, daß er einmal mit seinem Water eine Auseinandersetzung hinsichtlich des Rennens gehabt hatte, oder daß derlei bei ihm vorüber sein könne. Er gelobte lieber seinem Rittnreister und dessen Bollblut Ehre zu machen. Täglich ritt er nun das Pferd in der hier bestimmten Weise. Zuweilen, an besonders milden Tagen, erschien der Rittmeister in den weiten Reitalleen, welche sich die Offiziere in dem Park nahe der Stadt für ihre äquilibristischen Zwecke hatten Herrichten lassen.
Oefter noch stellte sich Harro in der Billa Ellinor ein, UM dem Rittmeister Bericht über feinen Liebling zu erstatten. Immer fand er die weltgewandte Frau als sorgsame Hüterin neben dem Gatten. Immer aber auch fand sie bald, daß sich dieser zwischendurch einmal ausruhen mußte und entführte ihm seinen Leutnant rnit einem girrenden „Wiedersehen" für ein halbes Stündchen nur, bis Hans Joachim wieder frisch geworden sei. Dieses halbe Stündchen dehnte sich meist aus. Es gab gewöhnlich etwas neues) interessantes &u sehen oder zu besprechen. Frau Ellinor.
als praktische Amerikanerin, malte, brannte und ätzte nicht), wie die Mehrzahl unserer unbeschäftigten Damen. Derlei ließ sich ja viel besser kaufen und tue Zeit ließ sich viel vernünftiger anwenden, indem man die bemerkenswerten! Erscheinungen auf künstlerischem und literarischem Gebiet verfolgte. Was entschieden noch den Worteil hatte, bequemer zu sein. Und da Frau v. Greditz über die nötigen Mittel verfügte, so fanden sich bei ihr anstatt wie nur zu oft auch in den besseren Familien dilettanteuhafter Trödel) wirkliche Kunstschätze, Bücher und Broschüren, Blätter, Heliogravüren, Photographien nach Klinger, Stuck, Böcklin, Schneider, Meunier und anderen. Ob die weltgewandte Dame all diese Werke nach ihrer Tiefe, ihrem Inhalt und Gehalt zu schätzen verstand, bleibt eine Frage. Jedenfalls las sie aber d'arüber und verwertete das Gelesene sehr geschickt. Harro war erstaunt über so viel Geist und Kennt-' nisse bet einer Frau. Wie ein Schüler seinem Meister, folgte er ihren Erläuterungen hier. Nur zu gern unter ihrep Führung sah er sich die Dinge an, die er sonst kaum zu sehen bekommen hätte und die ihn so doppelt interessiertem.
Nicht minder, wie aus diesem Gebiete, war Ellinor auch in der modernen Literatur bewandert, darin ja auch Harro) wie bekannt, ziemlich zu Hause war. Ob sich auch Ellinop selbst im Grunde sehr wenig über religiöse oder ssthischk Probleme den Kopf zerbrach, dank ihrem geschultenJntellekt, verstand sie Tolstoi und Zola, die Modernen und Hypermodernen aller Nationen zu nehmen. Und wenn dann die hohe, schlanke Frau, mit der raffiniertesten Eleganz gekleidet, inmitten der gelbseidenen Herrlichkeit ihres kapriziösen! Salons, umflutet von der goldenen Dämmerung der gold- durchwirkten Stores oder dem schmeichelnden Glanz des aus sartigen Blüten erstrahlenden elektrischen Lichtes dem jungen Offizier gegenübersaß, ein Buch besprach, während! ihre langen, brillantgeschmückten Finger mit seinen Blättern spielten, so war auch das für Harro ein nicht gekannter,, bestrickender Genuß. Jetzt erst, vertraulich zu Zweien, schien Ellinor aus sich herauszugehen. Abermals war Harro erstaunt, wie diese Frau die schwierigsten Dinge, Dinge, von denen man so wenig weiß, und die man doch kennen sollte, zu behandeln, angenehm und fesselnd gesellschaftsfähig zu machen verstand. Ein skeptisches Lächeln, ein kleines, perverses chi loo sa? ließ den bitteren Ernst des großen Russen) den man gelesen haben muß, um so viel amüsanter, um so. viel weniger bedrückend erscheinen.
Mit einem anmutigen Zucken der Schultern ging sie bei Zola hinweg über das, wovon man nicht spricht. Doch verführerisch, wie sie die schlanke Gestalt dabei in den kleinen Sessel schmiegte, die schwarzen Augensterne unter den dunklen! Wimpern lockten, traf damit erst recht das Berlangen an einen heran, die Natur, über welche diese Frau in souveräner! Herrschaft zu thronen schien, kennen zu lernen. Leicht, in anregendem Plauderton, ging sie ein andermal über zu den Modernsten, den Mystikern, den Symbolisten und deck Erotikern aller Art. Und wenn sie so, mit einem schmach-


