Ausgabe 
17.9.1904
 
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Menschen ihm den Krieg «erklärt und bereits mit der Ausrottung begonnen hätten.Laßt Dauz und Schmaus, für uns ist das Ende der Welt hereingebrochen! Lasset uns würdig sterben!"

Damit war aber unser leichtlebiges Jüsektenvölkchen durchaus nicht einverstanden. Zuerst jammerte es und schrie nach Rettung; einige schlanke Schnakendämchen fielen tn Ohnmacht oder rangen die dünnen Mrmchen. Dann aber drängten sich die Gefaßtesten herbei, und nachdem die Ordnung wieder ziemlich« hergestellt w«ar, begann man mit vernünftigen Vorschlägen. Mr den nächsten Tag wurde eine große Sitzung anberaumt, und die Gesellsch«nft slog hierauf einigermaßen beruhigt auseinander. Bis zum folgenden Tage sollte ein jeder der Untertanen schgrf nacht- oenken über einen etwaigen Ausweg aus d«er fatalen Situa­tion. Einige verbrecherische Individuen, deren Leben ohne­dies verwrvkt war, sollten mit Gras und Sand gefüttert werden, um zu sehen, ob inan im Notfälle ohne Menschen leben, weitab der Heimstt existieren könne.

Daß änderen Tages sich« unsere Schiraken wieder in Sch«aren einstellten, bedarf keiner Erwähnung galt es doch Sein oder Nichtsein!

Zrrerst wurden die Abgesandten vernommen, die erirst herzutraten, da sie nichts Gutes zrr melden hatten.Meilen­weit", so berichteten sie,fanden wir alle Tümpel vergiftet. Wohin wir uns auch wandten, überall stehen Bütten mit Wasser angefüllt, aber nur scheinbar; denn sobald wir herbeifloaen, stießen wir auf Petroleünß eine fürchterliche Flüssigkeit, welche die armen nachtblinden Menschen bisher nur zum Beleuchten benutzt hatten. Wir waren überall: in der Bergstraße, in Bad Nauheim« überall, überall sind wir gewesen, in den beliebtesten Sommerfrischen der Menschen und der Schinaken ; denn wir lieben ja die Men­schen, aber vergebens. Ueberall ist der Herr Schnaken- koinmissarius eingedrungen, die brennende Fackel in der mörderischen Faust, ist in die Keller hinabgestiegen und hat die eingesessenen Generationen vernichtet. Die ganze Erstgeburt ist getötet! Wehe uns Armen! Uns winkt kein Auszug ins gelobte Land!"

Hierauf fragte das Oberhaupt nach dem Befinden der gestern zu der ungewohnten Kost Verurteilten sie waren tot, hatten die neue Nahrung nicht vertragen! Ratlos standen alle, und aufs neue wollte sich große Nieder­geschlagenheit der Versammlung bemächjtigen, als ein Schnakenjüngling artgeflogen kam, sich eilig den S®eg durch die Menge in der Luft bahnendeBrüder, Schwestern! Hurra!" ries er,verzagt nicht, wir sind gerettet! Ich sand eine Stadt, an der Lahn liegt sie! Famos, sage ich euch, großartig! Dort wird's euch gefallen! Hört! Eine schöne Stadt, hat Volksbad, Marktlauben und beinahe einen Festsaal! Dort duldet man uns, ich garantiere dafür! Dort weiß man nichts von dem schnöden Sengen und Brennen! Dort hat man ein warmes Herz, für uns und weiß, daß wir ebensogut Geschöpfe Gottes sind wie die Menschen, und. einen Magen haben, der Nahrung braucht, wie »er ihre. Die Einwohner sind gar nicht heikel bei ihren Spazier­gängen und nicht im geringsten geizig, wenn wir vorsprechen und uns ein Tröpfchen Blut holen wollen; denn erstens haben die Leute dort keine Zett, sich um uns zu kümmern, sie haben mit erheblichen TerrainschMexigkeiten zu kämpfen bei ihren Ausgängen; zweitens können sie ihre Ausmerk- famkeit durchaus nicht aus das Gefühl konzentrieren, da andere Sinne auch noch bedeutend in Anspruch genommen sind, und schließlich« sind die Guten dort an Abgaben gewöhnt. Dort finden wir Genossen zu Millionen, denen es sehr gut geht. Kommt, folgt mir!"

Und erfreut folgten sie, und sie kamen alle.

IN früher Morgenstunde hielten sie ihren Einzug. Sie erschienen in SchchärrNen, daß sich der Himmel verdunkelte, und fanden alles zu ihrem Empfang bereit: frifch« be­wässerte Mesen für1 ftiie Wiege der Kleinen, gastlich« ge­öffnete Keller zum Ueb'erwintern; kurz, das neue SchNaken- heim war ganz nach ihrem Geschmack.

Und wenn man sie nicht hat ankommen sehen, so ist der Grund davon der, daß die Bürger zu so früher Stunde noch in süßem Schilummer lagen. Die Zipfelmützen hatten sie über die Ohren gezogen, und als die Schnaken sie um­kreisten und tn ihren hohen Tönen, dem höchstgestrichenen ciitis (in der Schuakenfprache stiiis) ihre Mnkunst mel­deten, da winkten sie energisch ad:Schon gut, schon gut, bitte keine Frühkonzerte!"

Wer aber diese wahre Geschichte nicht glauben will, der zünde, sobald es kalt geworden ist, ein Laternchen an und schaue in seinen Keller da sitzen« sie und freuen sich ihres Lebens! I.

Aas Spiel und die AertigKeiten des Kindes.

In neuerer Zeit ist oft und nachträglich betont worden, daß die leibliche Pflege des Kindes in den ersten Jahren grundlegend ist für das gesamte künftige Leben. Das Gleiche gilt von der Bildung .des Gemütes, des Willens und der Verstandestätigkeit. Einen der bedeutsamsten Faktoren für das Gedeihen des Leibes wie der Seele des Kindes bildet das Spiel, und so ist es begreiflich, wenn Karl Richard Löwe in der socken in neuer, teilweise umge- arbeiteter Auflage fernes trefflichen Werkes:Wie erstehe und belehre ich mein Kind bis zum sechsten Lebensjahre?" (Hannover, Verlag von Karl Meyer (Gustav Prior), Preis 2.50) dem Spiel ein besonderes Kapitel widmet, dem wir folgende Mitteilungen ent­nehmen :

D«er Begriff des Spiels kann recht verschieden aufgefaßt wer- den, wie auch das Wort selbst in mannigfachem Sinne gebraucht wird . Mancher nennt das ganze Denken und Tun des Kindes ein fortwährendes Spielen, und wer nur von letzterem schreibt, hat fast unermeßlichen Stoff. Das Kind offenbart beim sogen. Spiel sehr oft mehr Ernst, Anstrengung , und Ausdauer, als mancher Erwachsene^ bei seinen Obliegenheiten. .«Ob wir ein und dieselbe Tätigkeit Spiel, Beschäftigung oder Arbeit nennen, ob wir vom Gedankenspiel oder kindlichen Denken reden, ist ziemlich glcichgiltig; «die Hauptsache ist, daß wir pem Kinde sein gutes Recht unangetastet lassen. Das geistige Leben entwickelt sich von innen heraus und beansprucht gebührende Freiheit. Drei sehr bedeutsame Eigentümlichkeiten des kindlichen Wesens treten im Spiel hervor, aber nicht allein hier, sondern bei allen Gelegenheiten: erstem der körperliche Trick zur Bewegung, zweitens das Streben der Seele, das Erworbene umzugestalten ober auf neue Weise zu bewegen, sodaß also beim Spiel die ureigene Art des Gedanken- lauss hervortritt, und drittens, zwischen beiden mitten inne stehend, das Streben nach persönlicher Freiheit, also Selbständigkeit zu erlangen und zu behaupten. Diese drei Grundzüge sind jedem ebenmäßig begabten Menschen, klein irrte groß, eigen, sie führen zu Aufgaben der gesamten Erziehung für alle Zeiten.

Was wir dem Kinde im Spiel gewähren, sollen wir ihm stets' gestatten: möglichst viel Gelegenheit zum Ausleben des Kör­pers und Geistes. Selbst da, wo wir das Kind in der Belehrung auf bestimmter Bahn halten und scheinbar seine Beweglichkeit des Geistes einschränken, sollen toir Zeinen leiblichen wie geistigen Bedürfnissen Rechnung tragen. Wer ein jüngeres Kind belehrt, der nimmt wahr, wie es nach« einer 'kurzen Unterweisung zum spielenden Bewegen der Gedanken übergeht. Das Uebergehen aus der vernünftigen in die leichte phantasiemäßige Verbindung der Gedanken ist in der Natur des kindlichen Geistes begründet, und zwar .ähnlich wie auf dem Gebiete des Leiblichen. Wer die inneren Geschehnisse des körperlichen Lckens kennt, der weiß, daß der Leib in ununterbrochener Neubildung begriffen ist, welche beim Kinde mit größerer Geschwindigkeit sich vollzieht, als beim Er­wachsenen. , Wir brauchen nach anhaltender geistiger Arbeit Er­holung, die gleichfalls im Reiche des bloßen Denkens liegen kann. Während wir aber stunden-, mitunter tagelang geistig uns an- strengen, ehe wir der Erholung bedürfen, wechseln beim Kinde beide Formen in unyleiw kürzeren Zeiträumen, oft innerhalb weniger Minuten. Wir fördern die geistige Entwicklung, indem wir oem Kinde, sobald es danclch strebt, Freiheit lassen im Ver­weben der Vorstellungen. Nach einer kurzen Belehrung will es reden, geht von einem richtig ersaßten Gedanken in märchenhafte Beziehungen hinüber, phantasiert, bildet dabei einen vernünftigen Gedanken, wie wir sagen, und alsdann mehrere, welche der Wirklich­keit widersprechen, aber alles geht leicht und fteudig von statten. Es wäre unzweckmäßig«, mitten in diese bunten Phantasiegebilde eine verständige Betrachtung zu zwängen, höchstens dürfen wir, wenn das kindliche Denken die Wirklichkeit streift, auf eine nahe­liegende Anschauung Bezug nehmen und ihm etwas klar stellen.

Dasselbe leichte, erquickende Kommen und Gehen der Ge­danken maltet Leim wahren Spiel des Kindes. Wie seine Ge­danken freien Lauf haben wollen, so begehrt es auch Freiheit im Hantieren mit dem Spielzeug. .Wir geben ihm die Spielsachen und überlassen es sich s bst. .Und welches Spielzeug«? Tinge, die recht verschiedene Behandln::gsw«eise und somit die Beweglichkeit der Gedanken .zulassen; nicht aber ausschließlich solche Gegenstände, welche etwas Bestimmtes darstellen, wie Pferd, Puppe, Wagen. Dinge, die wenig Veränderung zulassem zwingt das Kind zu solcher, indem es dieselben zerreißt, zerschlägt, zerbricht. .Mit den armseligen Ueberresten spielt es immer wieder und am liebsten. Das find nun die Gegenstände von zweifelhafter Form, denen der Zweck nicht auf «die Stirn geschrieben ist und welche dem will­kürlichen Gedankenfluß sich änbequemen. Wohl jedes Kind hat ein Behältnis mit allerlei Gerümpel, das es ungemein liebt. Mit diesen Bruchstücken setzt es wunderliche Gebilde zusammen. Man wagt das Kind, was das Geschaffne bedeuten solle, wozu es bestinunt sei«. Das Kind weist oft keine Antwort und tragt ebenso-, wenig nach «dem Zweck oder «der Erklärung des Geschaffenen;