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Moment mit der Antwort, mußte aber dann doch gestehen, daß Erna weder auf ihrem Zimmer, uoch sonst irgendwo zu finden sei.
Herr von Höchstfeld sah mit drohend zusammengezogenen Brauen in die Höhe.
„Sie kann doch nun nachgerade wissen, daß ich keine Unpünktlichkeiten Aulde", schalt er, „zur Strafe wird sie eine Woche lang aus ihrem Zimmer essen!"
Frau von Höchstfeld hatte ihr ganz dasselbe zugedacht und pflichtete ihm lebhaft bei.
Als aber der dritte Gang aufgetragen wurde und Erna noch immer nicht erschien, da; fing sie sich doch ernstlich zu beunruhigen an.
„Wenn ihr nur nicht am Ende ein Unglück zugestoßen ist", meinte sie besorgt, „sonst Müßte sie doch jetzt schon da sein."
Erich lachte sie aus.
„Mer, liebe Mama, kennst Du denn Erna so wenig", scherzte er, „wer weiß, welch' neuen Unsinn sie wieder ausgeheckt und dabei Zeit und Raum vergessen hat."
„Sie hat dies aber nicht zu vergessen", brummte der Major.
„Sobald sie hungrig ist, wird sie schon auf der Bildfläche erscheinen", sagte Erich!, „und daß dies nun nicht mehr zu lauge dauern wird, davon bin ich überzeugt."
Liber Stunde um Stunde verraun, und Erna kam nicht zum Vorschein.
Es war nahe au vier Uhr, als Frau von Höchstfeld mit besorgter Miene das Arbeitszimmer ihres Garten betrat.
„Ist sie da?" fragte er.
„Rein, noch immer nicht", entgegnete sie, „ich muß Dir offen bekennen, daß ich jetzt an ein zufälliges Ausbleiben nicht mehr glauben kann."
Trotz aller zur Schau getragene« Bärbeißigkeit war Herr von Höchstfeld doch die Gutmütigkeit selbst, und die Angst um sein Kind, dessen rätselhaftes Verschwinden ihn mm nicht minder als seine Frau beunruhigte, ließ für den Augenblick alle anderen Sorgen in den Hintergrund treten. Ohne viel Worte zu verlieren, traf er seine Anordnungen. Einige der Leute schickte er an den Fluß hinab, andere in den Wald, er selbst fuhr nach Stepenavze, um! dort Nachfrage zu halten, und Erich ritt zum Pfarrer nach! Mariance, bei diesem .Erkundigungen einzuziehen.
Mama Höchstfeld durchstöberte indes das Haus bon oben bis unten, fand aber nirgends einen Anhalt und verging fast vor .Unruhe.
Ms Erjch, der den Pfarrer nicht angetroffen hatte, zurückkehrte, nahm sie ihn zur Seite und flüsterte ihm ganz erregt zu: „Wenn das nur nicht mit der dummen, heimlichen Verlobung in Zusammenhang steht."
Ev sah sie vollkommen verständnislos an.
,Mie meinst Du das?" fragte er.
„Großer Gott, es ist ja freilich, kaum anszudenken", jammerte sie, aber wie Erna nuu einmal ist, halte ich es gar nicht für ausgeschlossen, daß sie zu Leutnant Vladoj auSgerticEt ist."
„Nimm es mir nicht übel, liebe Mama", entgegnete Erich kopfschüttelnd, „aber Du läßt Dich doch durch Deine Besorgnis zu gewagten Schlüssen verleiten!"
„Wie soll ich mir aber sonst ihr Ausbleiben erklären?" tagte sie fiebernd, und ihn plötzlich, bei der Hand nehmend, bat sie mit vor Auflegung zitternder Stimme, „reite zu meiner Beruhigung tn die Stadt und ziehe Erkundigungen ein/'
„Aber, liebe Mama, tote soll ich denn das tun, ohne Auffeyen zu erregen'', sträubte er sich „schon das W ständnis, ihren Aufenthalt nicht zu kennen, müßte auf sie und uns ein ganz eigentümliches Licht Werfen, und ich möchte nidj|t gern böswilligen Menschen, vor denen man doch schließlich nie sicher ist, Gelegenheit zu verletzeuden Mutmaßungeu geben."
Sie sah ein, daß er recht hatte und drang nicht Weiter in ihn. Als aber auch ihr Gatte resultatlos heimkehrte, da kam sie doch, wieder darauf zurück.
„Du kannst ja vorgeben, in der Stadt zu tun gehabt Bhaben, und nur im Vorüberretten bei ihm vorzusprechssnf'i, lug der Major zur Beruhigung seiner Frau vor, setzte er gleich hinzu, daß er selbst an .die Möglichkeit eines solchen unsinnigen Schrittes nicht im entferntesten dächte,
„Das nabe ich ja auch schon Mama auseinandergesetzt".
erklärte ihm Erich etwas ungeduldig, „denn, obgleich Erna eitt Schusselkopf ist, so mute ich ihr doch nicht etwas direkt Unschickliches zu, und auch von Leutnant Vladoj halte ich ich es für völlig ausgeschlossen, daß er nnser Vertrauen auf derartige Weise . .."
„Nun, dann sage mir doch gefälligst, wo sie ist", fiel ihm die Mutter erregt ins Wort, „wenn ich nicht glauben soll, daß sie verunglückt ist, dann kann ich nur noch an so etwas denken!"
„Na ja, liebe Alte, wir wollen alles zu Deiner Beruhigung tim", versprach ihr der Major, und sich zu Erich tuenbenb, sagte er: „Ich bitte Dich, reite sofort hinein — vielleicht erfährst Du dabei irgend etwas, was uns als Fingerzeig zu weiteren Nachforschungen dienen könnte."
„In zwei Stunden kann ich tzurück sein", meinte darauf Erich „ich bin aber fast überzeugt, daß es überflüssig ist, denn Erna wird dann schon hier sein und ihr Fernbleiben sich aus die harmloseste W!eise geklärt haben."
„Au ein Unglück kann ich allerdings auch nicht glauben", sagte der Major, „denn wenn ihr ein solches tatsächlich zugestoßen wäre, so würde die Nachricht davon bis jetzt schon zu uns gebrungen fein. Es kann sich also nur um eine neue Musterung ihres Wahnsinns handeln; aber das sage ich Euch, heute entschlüpft sie mir nicht mit heiler Haut — für die Angst, die ihre Mutter um sie ausgestanden hat, soll ihr eine' exemplarische Strafe zuteil werden!"
Erich verschob die Intervention auf den geeigneten' Zeitpunkt, empfahl sich und sprengte bald daraus zum Top hinaus.
In Nistovce stellte er das schaumbedeckte Pferd im Gasthof zum „Grünen Turban" ein, trug dem Hausknecht auf, das Tier gehörig abzureiben und ging dann zu Leutnant Bielimarinovie, der ihn mit freudiger Verwunderung empfing.
„Nanu, noch zu so später Stunde in unserer Residenz?" fragte er, „ober bleiben Sie vielleicht über Nacht hier? Dann will ich gleich bie Kameraden verständigen, damit wir Ihnen ein solennes . . ."
„Nein, nein, ich bin schon im Begriffe, nach Hause zu retten", entgegnete Erich verlegen, „und wollte nur noch einen Moment bei Ihnen vorsprechen''
„Das ist wirklich sehr liebenswürdig", dankte ihm Vladoj, ließ eine Flasche Samar ob« er auffahren und stieß mit ihm auf eine glückliche Gegenwart unb auf eine noch 'glücklichere Zukunft an.
„A propos, wohin ist denn heute Fräulein Erna mit Szabo gefahren", erkundigte er sich bann, „unser Oberst will sie von der Lanbungsbrücke aus auf dem Schiffe gesehen haben."
Erich flieg bas Blut zu Kopf unb, ber Not gehorchend, log er:
„Ich tour den ganzen Tag nicht zu Hause, weiß also von nichts — wahrscheinlich! wirb sich aber ber1 Herr Oberst getäuscht haben."
(Fortsetzung folgt.)
Ein SchnakenidyK*)
IN einer Schnakengemeinde, innerhalb der rot-weißen! Grenzpfähle gelegen — ber Name tut nichts zur Sache —. herrschte höchste Bestürzung. Noch! vor toienigen Minuten! war alles auf dem höchsten Gipfel irdischjer Freude hier; überall flohes, tolles Leben! Das Schnakenvölkchjen hatte sich zu Hundert- und aber Hunderttausenden singend int Nationaltanz gedreht, glücklich und sorglos. Satt waren sie alle; denn es gab wenige bleichsüchtige Mensch enkindep ainl Ort — gesund auch — die Schnakenkinderchen gediehen, und die Zukunft lag rosig vor ihnen.
Da plötzlich — Man war gerade im schönsten Reigen — kam eilig ein Schnakenoberhaupt herbeigeflogen, eines, das unbedingtes Vertrauen bei feines«! Stamme genoß. Von! weitem schon sah man an feiner Erregung und Verstörtheit, daß es der Träger schlimmer Botschsast war, und schon gebot es Ruhe und bat ums Mort. In kurzem teilte es nun der entsetzt aufhorchenden Menge die niederschmetternde Tatsache mit, daß die Vernichtung des ganzen! Schnakengeschlechtes befchlossene Sachp sei, baß bie bösen
*) Diese humoristische Skizze geht nicht ganz gleichgiltig an bet „Stadt an der Lahn" vorbei, führt aber nichts Böses gegen sie im Schild, weShaW der Leser nicht gleich an ein „Eingesandt" denken darf.


