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Weise mißlungen und daneben geraten ist Momberger mit einem Stockgriff, bett er auf Bestellung für einen ehemaligen West- ialengänger unserer Gegend angesertigt hat. Tie Schnitzerei stellt frei nach einem Bilde, das der Besteller noch ans seiner West- sälingerzeit im Gedächtnis trug, einen Mann dar, her ein großes Kreuz hinter sich her schleppt, auf welchem eine vermutliche Frauengestalt vermutlich sitzen soll. Beide Figuren sind gründlich mißlungen. .Keine Spur von Humor! Ter ganze „Witz" ist bei der Sache — „in die Binsen gegangen", und nur die Schrift des auf der Rückseite beigefügten Versleins:
„Tas große Kreuz wär' halb so schwer, Wenn bloß das böse Weib nicht ivär'." ist zum Ansehen und einigermaßen genießbar. Nicht übel dagegen ist der dem hiesigen Arresthausverwalter gehörige Stock, der mir gleichfalls zu Gesicht kam. Tas auf einem Sessel sitzende Männlein mit dem Schlüssel ist recht behaglich und gemütlich anzusehen und hat jedenfalls nichts Grausiges an sich. Gleichfalls hübsch, wenn auch nicht gerade eine hervorragende Leistung, .ist eilt nach dem Fest auf dem Hoherods- kopf stehen gebliebener Stock. Er zeigt am Griff einen sauber und sicher geschnitzten ruhenden Löwen von augenscheinlicher Porträtähnlichkeit mit demjenigen im Besitz des Rechners Meiski befindlichen Nußknackers. Ter Fuchs an einem anderen Stockgrifs, den ich sah, und auf welchem neben diesem Fuchs eine mächtige Schlange in schöner Windung angeordnet war, zeigt Aehnlichkeit mit einem Katzenmali. Ter Hals ist viel zu lang pnd der Kopf gegen den übrigen Körper viel zu klein. Doch ist das Stück durch seinen Kopf interessant.
Von den von Becker in Stumpertenrod ausgestellten und verkäuflichen Stöcken sind zwei gelegentlich der Ausstellung verkauft worden. Tie Schnitzerei des einen stellt einen Hirsch, die des anderen den Kamps eines Löwen mit einer Schlange dar. Besonders der letztere, wenn auch die Darstellung an sich nicht besonders gewandt und flott genannt werden kamt, und etwas an Metzers Panther- oder Löwenjagd, doch ohne deren sorgfältige und minutiöse Durchführung, erinnert, stellt ebenfalls durch seinen Stoff ein recht interessantes Stück dar.
Von der Sektton Schotten, um nun wieder auf ihre Sachen zurückzukommen, waren noch vier Schnitzereien und außerdem eine hübsche „Bosseln" und „Liebhaberarbeit" ansgestellt. Tie letztere ein Tabakskasten, einen Holzstoß, wie sie im Wald ge- schichtet zu werden pflegen, en miniature imitierend, .ist vom Klubwirt Stein, vor Jahren zusammengetüftelt und wirkt nett und reizend. Dergleichen Sachen könnten und sollten etwa von den jungen Burschen in unseren Dörfern zum Zeitvertreib an den langen Winterabenden wohl mehr zusammengebosselt werden. Das näre doch einmal etwas anderes und viel weniger langweilig als die ewigen gekerbten Bilderrahinen ans Zigarrenbrettchen, die, uniform und reizlos, gar nicht unserer Gegend entsprossen, sondern aus den Garnisonen eingeschleppt sind. Ta ließe sich mit Geschmack und Sinn und einigem Geschick wohl Manches machen, das erfreulich wäre. So habe ich ein aus zwei hölzernen „Zwackeln" imitiertes Rehgeweih gesehen, das zwar nicht „einfach täuschend" war, aber doch, wie es auf dem herzförmig ausgeschnittenen Brettchenfuß, so „echt" wirkte, daß es eine Freude war und wie ein Stück „aus Wald und Haide" jn der Stube „putzte". Auch ein Schreibzeug, aus kleinen Baumschwämmen zusammengebosselt, wie ich's gelegentlich in einem Gasthaus antraf, war von hübscher Wirkung. Dergleichen Sachen, falls sie feit fein sollten und nicht lediglich zum eigenen Vergnügen angefertigt wurden, was ja gewiß kein Fehler, sondern im Gegenteil zu wünschen wäre, die wurden sicherlich, .tote sie von Sinn und Liebe zur Natur, von Freude an unserer Berg- und Wald-Welt Zeugnis geben, auch unter den unsere Gegend durchwandernden Touristen immer wieder ihre Abnehmer finden und gern gekauft und mitgenommen werden, ebenso wie auch die „Sichenhäuser Wännchen", .besonders wenn sie noch etwas kleiner und zierlicher und leichter als die auf der Ausstellung vertretenen Exemplare, in „Weiß" und „Bunt" geflochten wurden, an Liebhabern nicht Mangel haben würden. Vielleicht mag, was ich sagte, nach der einen oder anderen Richtung hin zur Anregung dienen. — Die vier noch übrigen von der Sektion Schotten ausgestellten Schnitzereien können zwar alle mit einander nicht eigentlich zur Volkskunst in unserem Sinne gerechnet werden. Sie stellen vielmehr gewerbliche oder Kunstschnitzereien int eigentlichen Sinne dar. Ganz besonders gilt dies von einem im Besitze des Rechners Glock in Schotten befindlichen Spazierstock (kein Torn- stock von der üblichen Art, sondern ein polierter Stab). Tie Schnitzerei am Griff, ein wunderhübsches Bacchantenfigürchen (Putte) zwischen Weinlaub und Reben, ist konventionell, aber ganz außerordentlich fein und vortrefflich ausgeführt, und das Stück stellt. eine, sehr gute und wertvolle Arbeit dar, die als Vergleichsobiekt immerhin auch für unsere Volkskunstausstell- ung von Interesse war. Gleichfalls kunstgewerbliche Arbeiten im n ®t”ne waren die drei weiteren von Scholten zur Ausstellung gebrachten Schnitzereien, eine auf einer Halbkugel sitzende Eule von Th. Grandhomme-Schotten (1860), eine Zi
garrenspitze von Bildschnitzer Peppler-Schotten (1860), das bekannte Motiv zweier einander begegnender (mit eineander spielender [?]) Pferde darstellend, und ein Klaulbecher von P. Stein- Michelbach (1856), .alles saubere Arbeiten, aber ohne Individualität, schulmäßig hergestellt. Am meisten sympathisch berührt und erwärmt die zuletzt erwähnte Arbeit von P. Stein in Michelbach. Tas in seiner Gesamtform zierliche und feine Stück schließt ab mit einem Teckel, auf dem ein Alpenjäger zwischen den Stümpfen zweier Tannen sitzend zur Darstellung gebracht ist. (Tie vor ihm an den einen Stamm gelehnte Flinte ist teilweise abgebrochen). Ist die Arbeit auch nicht „original", d. h. nicht selbst erdacht und ersimden, so ist sie doch mit Liebe ausgeführt und trägt die Spur von einer Innigkeit an sich, die sie vor den beiden anderen Arbeiten .auszeichnet. Was aber alle drei Sachen, .obwohl sie selber keine Volkskunst-, sondern Schularbeiten sind, .für unsere Volkskunstausstellung .besonders interessant erf dienten läßt, das ist der Umstand, daß sie mit ihrem bloßen Vorhandensein neue Aufschlüsse über den Ursprung unserer Volkskunstschnitzerei im Vogelsberg zu geben geeignet sind. Tie Sachen entstammen nämlich offenbar alle drei, .wie auch auf dem Kaulbecher wenigstens ausdrücklich vermerkt war, der sog. „Industrieschule Schotten". Und in dieser „Industrieschule Scholten" scheint in Wirklichkeit die Wiege unserer jetzigen Vogelsberger Volkskunstschnitzerei, d. h. wenigstens derjenigen unserer hiesigen Gegend, .von der bis jetzt allein die Rede gewesen ist, gestanden zu haben oder doch, um es mit einem anderen Bilde zu sagen: zum wenigsten scheint eine ihrer Wurzel hierher zu weisen. .Was ich darüber erfuhr, ist folgendes: In den 1850 er Jahren soll von einem Oberförster in Schotten in den Räumen der jetzigen Kaltenhäuserischen Holzschneiderei ein Schnitzerei-„Geschäft" oder eine „Holzindustrie" eingerichtet worden sein. Er, .der Oberförster selbst, habe sich um die Sach« sehr bemüht, und habe selber den jungen Lehrlingen Anleitungen gegeben, habe sie eben jene Bilder sehen gelernt, wie sie von Klemm erfaßt und festgehalten seien. Tas „Geschäft" habe aber nicht bestehen können und sei nach mehreren Jahren wieder eingegangen. Hier, nicht, wie ich früher an- nahm, bei Grandhomme in Schotten, scheint nun Klemm, der Forstwartssohit aus Busenborn, — es ist mir das auch ausdrücklich versichert worden — seine schnitzerische Lehre durchgemacht zu haben. Von hier aus, d. h. von der Begründung und der Existenz dieser Schnitzerschule aus könnte möglicherweise auch die Anregung zur Schnitzerei an Meyer heran und in Mombergers Familie hineingekommen sein. (Mombergers Vater war Schreiner und hat wohl den einen oder anderen Gesellen gehabt, der sich vorher schon einmal in der „Industrieschule" versucht hatte.) Sind diese Vermutungen richtig, dann hätten wir also in der heute vorliegenden und bisher eingehend beschriebenen Vogelsberger Volkskunstschnitzerei die schöne Ernte jener vor ca. 50 Jahren ausgestreuten geistigen Saat vor Augen. Zwar ist die Sache woh l ganz anders ausgefallen, als der Begründer vermutlich einst sie gedacht haben mag. Aber mich will's bedünken, als sei nicht Schlechteres, sondern Besseres daraus geworden. .Ihm mag einmal in der damals noch sehr armen Gegend eine blühende Schnitzerei-Industrie vor Augen geschwebt haben. Tas zarte Fremdgewächs hat im rauhen Vogelsberg, in den es verpflanzt werden sollte, nicht aufkommen können. Aber aus den Samenkörnern, die der Mann einst ausgestreut hat, ist — vielleicht befruchtet von den Ausläufern der alten Stil- und Handwerkskunst — eine selbständige und bodenharte Volkskunst erblüht, die, eine erfreuliche Erscheinung unserer Gegend, noch viele Jahre dauern und sich glücklich noch weiter entwickeln möge. Sind die Vermutungen richtig, .bann hat es aber auch Klemm wohl kaum, wie ich früher annahm, an ausdrücklicher Anleitung zum Schnitzen von Tierfiguren gefehlt. Wie sehr sein Schaffen trotzdem ein freies, selbständiges, von den Ueberlieferungen der Schule unabhängiges geworden ist, das zeigt ein Blick und Vergleich seiner Arbeiten eben mit den von der Sektion Schotten ausgestellten schulmäßigen Schnitzereien, die dadurch' noch besonders von hohem Interesse waren.
(Fortsetzung folgt.)
Abstrichrätsel.
Nachdruck verboten.
Sturm, Harem, Btuch, Heber, Werter, Falle, Main.
Von jedem Wort ist durch Abstrich eines Buchstabens ein anderes Hauptwort zu bilden. Tie abgestrichenen Buchstaben müssen im Zusammenhang gelesen ein europäisches Königreich benennen, (Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Homogramms in vor. Nr.r GEB GABEL E B E B 8 BERTA
L 8 A
Redaktton: August Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüb l'icken Universttäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen.


