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Weitern lassen.. Indessen da die ganze Veranstaltung von vornherein nur als Versuch und Anregung gedacht war und es dementsprechend nicht so sehr daraus ankam, ein wirklich vollständiges und erschöpfendes, als vielmehr ein charakteristisches Bild von der Sache zu geben, so konnte, was vorhanden war, genügen. Tie Ausstellung bot für den aufmerksamen Betrachter nicht nur im Einzelnen manch' Hochinteressantes, sie gewährte auch als Ganzes ein zienilich harmonisches und abgerundetes Bild von oberhessischer Volkskunst. Neben der Schnitzerei, die wohl doch den bedeutsamsten Teil der kleinen Ausstellung repräsentierte, war diesmal auch die Malerei (in den höchst re- spektabeleu Leistungen des Bürgermeisters Konrad Töring von Dirlammen) vertreten und neben sehr interessanten Arbeiten der Häfnerei oder Töpferei fehlte nicht die mit einigen Exemplaren ihrer Erzeugnisse vertretene Flechterei. Vielleicht, wenn nicht der Raum zu eng, .und wenn nicht doch hauptsächlich die Möglichkeit des Verkaufs der Sachen im Touristenverkehr für die Auswahl maßgebend gewesen wäre, hätte auch ein buntes Brautspinnrad und ein paar bunte, geschnitzte und bemalte Brautrechen und ähnliche Erzeugnisse der Drechslerei und Holzbearbeitung nicht fehlen sollen. Auch hätte sich, wenn Eifer für die Sache in den verschiedenen Sektionen gewesen wäre, (— außer Ulrichstein und Schotten war auch diesmal keine einzige Sektion aktiv beteiligt —) wohl noch manch Erzeugnis des ein.n oder anderen Handwerkskünstlers herzubringen lassen, wie auch etwa ein paar besonders hübsche Exemplare der interessanten und reizvollen „Oberwaldschwämme" in der in unserer Gegend üblichen Verwendung und Herrichtung für den Gebrauch hätten zur Au- schauung gebracht , werden mögen. Doch lassen wir aus dem Spiel, was allenfalls noch hätte sein mögen, und betrachten wir, was tatsächlich vorhanden war. Es ist schon einer Betrachtung wert. Im Ganzen waren es 61 Schnitzereien und verwandte Sachen, en. 120—150 Töpferei-Artikel und 30 Zeichnungen und Bilder.
Von der Volkskunstschnitzerei im Vogelsberg find ztmächst erwähnenswert einige von der Sektion Schotten ausgestellte Gegenstände. Unter ihnen befanden sich
noch zwei Sachen von Klemm, ein Schwarzdornstock mit einem hübsch eingravierten Hirsch am aufgesetzten Griff und ein sehr hübsches Tintengeschirr oder Schreibzeug, das wieder zu den besten Arbeiten des Mannes zu rechnen ist. Es ist aus einem interessanten Wurzelstück gearbeitet und stellt eine Bergkuppe dar, auf deren Gipfel sich zwei Gemsen (in Ganzplastik geschnitzt aber leider etwas beschädigt) befinden, während weiter unten: links ein Jagdhund, rechts ein Häschen und noch tiefer, etwas nach der Seite bin, ein Fuchs in der bereits bekannten Weise eingeschnitten sind. Das Ganze ist ein liebliches Naturstück und spiegelt ganz .die kindlich fabulierende Frohnatur Klemm's wieder, die mit dem Leben der Kreatur in Feld und Wald vertraut ist und diese Kreatur — man kann's nicht besser sagen — „lib hat" wie kaum ein anderer, auch Momberger nicht ausgenommen. Während Momberger mehr nur ein scharfer und kühler Beobachter des Charakteristischen bleibt, .der sich in seinen Schöpfungen leicht wieder von dem konkreten in der Natur erschauten Leben löst und entfernt, so ist es für Klemm charakteristisch, daß aus seinen Arbeiten direkt die Liebe zur Kreatur hervorleuchtet, wie sie denn auch dein Försterssohn — als
ein solcher ist .Klemm zu Busenborn geboren — naturgemäß von Kindheit auf eigen sein mochte.
Auch die Sektion Ulrichstein hatte noch eine weitere Arbeit Klemms herzubringen können, .ein SchMselschränkchen, das vom Besitzer Poftverwalter Philippi in Mücke, .zur Verfügung gestellt war. Das Stück ist, .ebenso wie noch ein anderes, nachher zu erwähnendes, von besonderem Interesse dadurch, daß es uns neben seinen Vorzügen deutlich die Schranken von Klemm's Persönlichkeit und Kunst vor Augen führt. Tie tisch- lerische und auch schnitzerische Ausgestaltung eines Möbels ist nicht seine Sache. Zwar wirkt der Aufsatz auf dem Schränkchen — er zeigt zwei nach den beiden Seiten hin einander gegenüber gelagerte Löwen, .über denen ein Adler mit gespreizten Flügeln mehr „hockt", als sitzt oder etwa gar schwebt, .(ein Spaßvogel könnte sagen: es fei ein Adler, der Löwen ausbrüten wolle) — trotz aller Plumpheit der Figuren noch ganz vorzüglich. Tas Schränkchen selber aber ist eine schwache Leistung. Ursprünglich zum Aufstellen und erst nachträglich Wohl zum Aufhängen eingerichtet ist es oben und unten mit einem gesimsartigen Blattstab abgeschlossen. Tie Tür ist von zwei kräftigen gewundenen Säulchen flankiert. Wirken nun diese selber auch echt, wie an irgend einem alten guten Stück, so wollen doch die dünnen, glatten Flächen der Seitenwände und der Tür, die nach Art der in den Läden der „Tapeziere und Möbelhändler" käuflichen, schnitzerischen Dutzendaröeiten durch Einkerbungen und Einritzungen etwas belebt sein sollen, nicht recht dazu stimmen. Eine Lösung, .die zu dem sonstigen Schnitzwerke paßte, stellen sie nicht dar. Die zu finden, das war ihm eben nicht gegeben. So ist glich die Farbenwirkung. Ter Aufsatz ist in gelbem Ton gehalten. Tas pflegt bei den Schnitzereien der meisten geschilderten Arbeiten der Fall zu sein, die dadurch in der Regel wirkungsvoll gegen den meist braun gehaltenen Untergrund hervorgehoben werden, wiewohl gerade Klemm in der Abstimmung der beiden Töne zu einander gewöhnlich eine feine Zurückhaltung bekundet. Hier aber wirkt der gelbe Aufsatz im Kontrast zu dem Dunkel
braun, fast schwarz, .gebeizten Schränkchen — „bäurisch", und das umsomehr, weil das Schränkchen selbst, wie ich's schon charakterisierte, nicht „bäurisch" wirken soll. Tie Löwen an dem Aufsatz, zwei äußerst freundlich blickende Gesellen sind nicht einmal schlecht geschnitzt, aber an die geschmeidige Naturwahrheit eines von Klemm geschnitzten Füchsleins oder Häsleins reichen sie nicht entfernt heran. Auch der Adler — der ganze Hm ter körper samt dem Schwanz ist in eigentümlicher Weiie auf die Seite gezogen — ist keineswegs naturwahr. Tas Ganze aber wirst dennoch nicht bloß „drollig", es nimmt sich vielmehr dekorativ sehr hübsch aus und erfüllt^, seinen Zweck als Bekrönung in ausgezeichneter Weise.
Bei dieser Gelegenheit sei schließlich der Vollständigkeit wegen noch zweier weiteren und größeren Arbeiten Klemms Erwähnung getan, die zwar ungünstiger Umstände halber nicht zur Ausstellung auf den Hohervdskopf verbracht werden konnten, die sich aber noch in nuferer Gegend befinden und mir inzwischen zu Gesicht gekommen sind. Es sind zwei Blumentische, im Besitze des Bürgermeisters Schmidt und des Pfarrers Muhl zu Bcbenhauseu, beides interessante, .einander ähnliche und doch wieder .von einander recht verschiedene Arbeiten. Fast gleich ist an beiden Stücken die eigentliche Tischplatte gestaltet, eine kreisrunde am Rande mit einfachem Blattstab gezierte Platte, die mit gedrechselten Stäbchen nach Art der in der Gegend üblichen „Christgärten" eingefaßt ist. Einander ähnlich sind die beiden Stücke auch darin, daß .der „Fuß" jedesmal in der Hauptsache wieder von einer (kleineren) Rundplatte gebildet wird, die im einen Falle auf drei kleinen eichet- oder eiförmigen, auch etwa eigroßen Knöpfen auffitzt, während sie am anderen, im Besitze des Pfarrers Muhl befindlichen Stück von drei ca. 15 bis 20 Zentimeter hohen als Tierpfoten ausgestalteten Füßen getragen wird. Wirkt schon diese zuletzt erwähnte Gestaltung des tragenden Untergestells, besonders durch die Art wie die Füße eingesetzt und angeordnet sind, ich möchte sagen: untischlcrisch und nicht recht handwerksmäßig und darum unharmonisch und weniger gut, so liegt doch der Hauptunterschied in der Gestaltung und Anordnung der tragenden Stützen zwischen Tisch- und Fußplatte. Während hier das ganz außerordentlich prachtvolle und reiche Wurzelwerk an dem Blumentisch des Bürgermeisters Schmidt stark genug erschien, um für sich allein als Träger der Last in Betracht kommen zu können, und darum Stemm Gelegenheit bot, feinen in der Verwendung und Bearbeitung solcher Wurzelstücke feinen und gefchickten Geschmack zur Geltung zu bringen, so nötigten ihn die dünneren und feineren und für den geplanten Zweck statisch zu schwach erscheinenden Bildungen am anderen Stück zur tischlermäßigen Ausgestaltung des ganzen Möbels, der er eben doch nicht gewachsen war. Tie schwarzpolierte, wellig .oder perlenstabartig gedrehte Säule, die nun die eigentliche Trag stütze bildet, und um die die dünnen ast- ober steckenähnlichen Bildungen mit ihren Auswüchsen mehr bloß „dekorativ" angeordnet sind, wirkt mit dem Fußaufbau zusammen hart und unharmonisch, .auch wieder — im weniger guten Sinne — „bäuerisch". Während darum das erstere Stück unzweiselhaft zu den besten Arbeiten Klemms zu zählen ist, gehört das letztere ebenso unstreitig zu seinen schwächeren Sachen. Ecu Schreiner war Klemm nickst, er war ein Drechsler und ein Schnitzer, und wo etwas über diesen, feinen Bereich hinausgeht, da versagt seine Kraft. Tie Schnitzereien freilich sind wieder an beiden Stücken gleich fein und von bekannter Art. Ter Tisch des Pfarrers Muhl zeigt auf der einen Seite einen zierlich geschnitzten Fuchs, auf der anderen einen äußerst behaglich gestalteten Jagdhund auf der Lauer. Ein kleiner Zacken ist zu einem Vöglein ausgestaltet, das seinen Hals weit aus dem Nest zu recken scheint. Tas andere Stück trägt auf der einen Seite einen Hirsch in ruhender Haltung, .der ganz besonders fein wirkt und als eine vorzügliche Illustration angesehen werden mag zu dem, was ich früher schon von Klemm's Kunst gesagt habe, daß sie nämlich nicht mehr sein will, als ein Reiz, hin- eingelegt in die Naturgebilde, um ihre größeren, gottgeschaffenen Reize wirksam hervorzuheben und zu betonen. Aus der anderen Seite des in Rede stehenden Blumentisches sind hinter einer natürlich gegebenen Höhlung im Wurzelwerk zwei Füchse — sie scheinen aus der Höhle herauszustreben — so köstlich angeordnet, daß man den Eindruck hat: Ein Loch voller Füchse! In einiger Entfernung davon lagert — offenbar im Konvex mit der Situation — behaglich lauernd ein Jagdhund. Tie ganze Arbeit ist ein Prachtstück.
Auch von Momberger sind mir einige Sachen, wenn auch nur Kleinigkeiten zu Gesicht gekommen, gute und weniger gute, auch gänzlich mißlungene Arbeiten. Eine Puppe, die er als Kinderspielzeug geschnitzt hat, ist, bis auf die. beiden Röschen etwa im Haar und Brustplatz, geradezu unschön und häßlich zu nennen. Ich erwähne sie bloß, weil sie charakteristisch ist für den Sinn unseres Volkes, der am Fremden, Auswärtigen, Großstädtischen immer wieder mehr Geschmack und Gefallen findet als an der schlichten heimischen Art. Tie Puppe trägt nämlich — über einem gänzlich verschwollenen und formlosen „Gesicht" — „Simpelfranzen" und städtische Frisur und ebenso auch städtische Tracht und zwar die schauerlich-schöne Tracht der „Ki-de-Barri" ergötzlichen Angedenkens. In ähiilicher


