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„Nun, dann will ich gleich mit dem Praktischen beginnen."
Ach ja", seufzte sie, „das wird schon besser sein, bei den Erklärungen bleibt man ja doch immer stecken."
Mit einem eigentümlich fragenden Blick sah er sie an; da sie aber dabei das unschuldigste Gesicht von der Welt machte, so traute er sich doch nicht, sie richtig verstanden zu haben.
Er setzte sich also nieder, legte einen Bogen ein und begann ihr anseinanderzusetzen, wie man dabei zu verfahren habe. e
Nachdem sie ihm die längste Zeit zugeschaut hatte, wollte sie sehen, was er geschrieben habe.
Bereitwilligst nahm er den Bogen heraus und reichte ihn ihr hin. Mit leichtem Zögern griff sie darnach, da sie fest überzeugt war, er würde die günstige Gelegenheit benutzt haben, ihr zu schreiben, was er sich nicht zu sagen getraute. Als sie nun aber las: „Die wichtigste Aufgabe der Kavallerie liegt im Aufklärungsdienst und erst in zweiter Linie in der Entfaltung —" da konnte sie nur schwer ihre Enttäuschung verbergen, und mit einem Ton, der ihm gegen ihren Willen ihre wahren Gefühle verriet, sagte sie:
„Oh, das ist sehr schön, aber für uns Frauen doch zu wenig interessant. Kommen Sie, lassen Sie uns wieder hinübergehen."
„Nur noch einen Moment", bat er mit erzwungenem Ernst, „ich möchte Ihnen noch zeigen, welch hübsche Variationen man auf der Schreibmaschine herausbringt, und ohne erst eine Antwort abzuwarten, tippte er mit Feuereifer darauf los.
Dann, als er fertig war, erhob er sich und reichte ihr das Geschriebene.
Mit verletzender Gleichgiltigkeit nahm sie es, doch als sie die erste Zeile gelesen, wurde sie purpurrot, und als 'er nun gar hinter sie trat und mit bebender Stimme vorlas:
,Lm wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen. Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen /' da mußte sie sich gewaltsam zusammennehmen, um nicht laut aufzujubeln.
„Das ist sehr — sehr hübsch", sagte sie endlich stockend, „von Ihnen hätte ich aber eigentlich erwartet, daß Sie Ihre eigenen Gefühle sprechen lassen" — und wieder ganz Lju- beza, setzte sie spöttisch hinzu — „oder haben Sie am Ende gar keine eigenen Gefühle?"
„Oh, doch! — Wenn Sie erlauben, will ich versuchen, sie zu Papier zu bringen", bat er und nach kurzem Ueber- legen schrieb er, laut vor sich skandierend:
„Wart' auf Worte nicht. Wenn der Blick Dir spricht. Denn im Auge nur Liegt der Liebe Schwur!"
Vor Glück errötend und doch nicht recht wissend, ob sie nicht besser täte, davonzugehen, hörte sie ihm zu. Als er dann schwieg und ihr tief, tief in die Augen schaute, da fühlte sie, daß die Stunde geschlagen habe, in der sich ihr Geschick erfüllen mußte, aber noch suchte sie diesen Moment, trotz aller Sehnsucht, hinauszuziehen, und als ob es sich nicht um ein Geständnis handelte, sagte sie mit weicher, traumversunkener Stimme:
„Wie schön Sie dichten können."
Er nahm sie bei der Hand und flüsterte bebend:
".Ich weiß nicht, ob man das dichten nennt, daß es aber nicht erdichtet, sondern aus tiefstem Herzen empfunden ist, das kann ich beschwören. Und nun, Ljubiza, nun lassen Sie mich nicht länger im Zweifel, ob ich auf ein wenig Gegenliebe hoffen darf?"
Im selig-süßen Erschauern schloß sie die Augen und wollte ein ,^Ja" hauchen — im selben Moment packte sie aber wieder der Uebermutsteusel, und auf die Schreibmaschine deutend, fragte sie:
„Wollen Sie mich nicht auch einmal meine Geschicklichkeit versuchen lassen?"
Wie mit einem kalten Strahl übergossen stand er da. Mr sein ehrliches Werben sollte sie wirklich keine Antwort haben? Doch 'nein — durchzuckte es ihn — sie wird mir als rechtes und echtes, für Poesie schwärmendes Weib wahrscheinlich auch mit einem Vers ihre Liebe gestehen
wollen, und rascher, als er es noch vor einer Minute gedacht, schob er ihr den Stuhl zurecht.
Ihn von der Seite anblinzelnd und dann wieder nach den Buchstaben suchend, tastete sie ihre Antwort hin. Sie war damit auffallend schnell fertig, und als sie sich dann erhob und mit den Augen daraus hiewies, da riß er das Blatt ungestüm heraus, um sein Urteil zu empfangen.
Enttäuscht ließ er die Hand sinken.
„Das ist ein grausamer Schmerz", sagte er bitter, „ich hätte nicht geglaubt, daß Sie jemandem absichtlich so wehe tun können."
„Wieso denn das?" fragte sie mit ihrem unschuldigsten Lächeln, während in ihren Augen tausend Kobolde ein übermütiges Spiel trieben.
„Weil ich aus mein ehrliches Geständnis eine aufrichtige Antwort erwarten durfte", entgegnete er niedergeschlagen. „Sie aber setzen nur Ihrer: Namen her."
„Meinen Namen?"
„Ja. Allerdings nicht ganz korrekt, da Sie anstatt Ljubiza — Ljubim-te schrieben."
„Haben Sie denn noch nicht mit dem Studium der kroatischen Sprache begonnen?" fragte sie ihn zu seiner Verwunderung.
„Doch. Aber —"
„Und da wissen Sie noch nicht, daß es auch ein Wort gibt, welches „ljubiti" heißt?"
„Und dieses Wort bedeutet?" fragte er in seligem Ahnen.
Sie zog sich schnell hinter den Stuhl zurück, so eine Weh« zwischen sich herstellend, und nun erst sagte sie mit hellem, glücklichem Lachen:
„Dieses Wort lernen wir in allen Sprachen zu allererst konjugieren. Im Ploetz heißt es, J'aime, tu aimes."
„Ljubiza, also Du liebst mich!" jubelte er auf, und nicht Berg und Tal, geschweige denn ein einfacher Stuhl, hätte ihn länger abhalten können, sie an seine Brust zu ziehen. Im Nn hatte er das Hindernis zur Seite geschoben, doch im selben Augenblick, als er seine Lippen auf die ihren, die ihm aus halbem Wege entgegenkamen, drücken wollte, flog die Tür auf, und erschrocken stoben sie auseinander.
Erna, die sich hier hatte verkriechen wollen, war nicht minder entsetzt, und des Bruders verlegenes „Was suchst Du yrer?" völlig mißdeutend, fragte sie stammelnd:
„Man — sieht es mir also — schon an?!"
Ihm dämmerte sofort, daß sie wieder etwas angestellt haben mochte, und da er sich tatsächlich noch nie über sie so geärgert hatte, wie gerade jetzt über ihr völlig unerwünschtes Erscheinen, so stellte er sie eben nicht sanft zur Rede:
„Heraus mit der Sprache — was hast Du wieder verbrochen ?"
„Ich habe gar nichts verbrochen", verwahrte sich Erna schluchzend, „sondern an mir ist ein Verbrechen begangen worden, und wenn ein einziger Muken ritterlichen Gefühls in Dir schlummert, dann mußt Du sie auf der Stelle fordern!"
„Was ist Ihnen denn geschehen?" fragte-Ljubiza teilnehmend und suchte die Kleine an sich zu ziehen.
(Fortsetzung folgt.)
ZUe WolKskunst-Ausstessung auf dem Koy rodskopf.
Von Ernst Freundlieb, Pfarrer zu Ulrichstein.
Ta die gelegentlich der 20. Hauptversammlung des V. H. K. in Alsfeld in Aussicht genommene „Ausstellung von Erzeugnissen der einheimischen Volksiunst" in verschiedener Hinsicht unter einem Unstern gestanden und jed.nfalls ihren Zweck, ein Bild von der in den Kreisen des schlichten Volks in unserer Gegend noch lebendigen Volkskunst zu geben, nicht erreicht hatte, so war vom Zentralvorstand des V. H. K. die Anregung gegeben worden, die Ausstellung .gelegentlich des Hauptausflugs auf den Hoherods- kopf .am ersten Sonntag im Juli zu wiederholen. Tas ist mit glücklichem Gelingen am Sonntag, .dem 3. Juli d. I. geschehen. Zwar war aus verschiedenen Gründen, absichtlicher und anderer Art, die Ausstellung ihrem Umfang nach 'in recht bescheidenen Grenzen gehalten. Schon der Umstand, daß mit beschränkten Raumverhältnissen gerechnet werden mußte, nötigte dazu. So waren auch nicht allgemeine Aufforderungen ergangen, sondern es waren beispielsweise in der Häfnerei nur einzelne Häfner- meister aus Alsield und Lauterbach zur Einsendung ihrer einschlägigen Erzeugnisse aufgefordert worden, .und es hätte sich vielleicht gerade nach dieser Seite das Bild noch wesentlich er-


