Mittwoch de« 17. Zugust.
1904.
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Gin angenehmes Erbe.
Humoristischer Roman.
Von Victor von ReiSner.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Frau von Höchstfeld stand ganz niedergeschmettert da. Daß sie sich ruhig bestehlen lassen sollte, war wieder einmal so etwas, was sie absolut nicht begreifen tonnte, und nur um aus ein anderes Thema zu kommen, erkundigte sie sich, warum sie denn die gleichgesinnten Brüder nicht mitgebracht hätte?
„Ja, wissen S', die Jungen krieg ich jetzt kaum noch selbst mehr zu sehen", entgegnete die Gräfin, „seit ihnen ihr Vater ein' photographischen Apparat g'schenkt hat, klappern st die ganze Umgegend nach dankbaren Süjets ab. Heute sind s' ans Ufer hinunter, um sogar 's Wasser zu photographieren."
„Das müßte Erna wissen", meinte Erich, „sie würbe ihnen gewiß reichlich Beschäftigung geben."
„Wo ist sie denn?" erkundigte sich Ljubiza.
„Drinnen", erklärte Frau von Höchstseld, „sie übt am Klavier."
Die anderen schauten sich verständnisinnig an, entgegneten aber keine Silbe.
Als man auf dem Rückweg an der Wirtschastskanzlet vornberkam, fragte Erich Ljubiza, ob sie schon eine Schreibmaschine gesehen habe und ob sie diese interessieren würde?
Die Mama streifte ihn mit verweisendem Blick.
„Erft hättest Du doch die Frau Gräfin dazu auffordern müssen", tadelte sie.
„I, was denn nit noch; i hab dafür nit das g'ringste Verständnis", meinte diese lachend, „aber die Kleine, das ist ganz etwas anderes, die kann sich die G'schicht immerhin anschaun."
„Also darf ich gehend, fragte Ljubiza.
„Aber natürlich, mein Kind, warum denn nicht?" entgegnete ihr die Mutter, „Du wirst Dich doch hoffentlich vor Herrn von Höchstfeld nicht fürchten", und als sie Frau von Höchstfelds eigentümlichen Seitenblick bemerkte, fragte sie diese scherzend, „oder glauben Sie vielleicht, daß man Ihrem Sohn ein junges Mädchen nit anvertrauen darf?"
„Das will ich nicht gesagt haben", verwahrte sich diese im Weitergehen, „aber Jugend ist Jugend, und ein altes Sprichwort behauptet nun einmal, Jugend hat keine Tugend."
„Na, dann hab i von Ihrem Jungen eine bessere Meinung", erklärte die Gräfin zuversichtlich, „und wenn das auch nit der Fall wär, so weiß i, daß ich mich auf meine Kleine verlassen kann. Was die yit will, da tut f nit, und was st will, daran kann i sie ja doch nit hindern. Darüber mach t mir keine Flausen vor,"
Erich war mittlerweile mit Ljubiza in die Kanzlei getreten und hatte mit seinen Erklärungen begonnen.
„Also sehen Sie, Komtesse", sagte er, „dies ist die berühmte Schreibmaschine. Sie ist nach einer ursprünglichen Idee des Dänen Malling Hansen konstruiert, der sie 1725 erfand. Man hatte aber lange darauf vergessen, bis — Warum sehen Sie mich denn so starr an?" unterbrach er sich verwundert.
„Weil ich gar nicht begreife, woher Sie zu diesen außerordentlichen Kenntnissen kommen, gestand sie freimütig, „bet uns wenigstens wird schwerlich ein Leutnant etwas von derartigen Dingen wissen."
„Bei uns auch nicht", meinte er lächelnd.
„Sie haben mir aber doch eben das Gegenteil bewiesen."
„Ich sehe schon, ich muß aufrichtig sein", raffte er sich zu einem Geständnis auf. „Mir kam nämlich gestern zufälligerweise der Band S des Konversationslexikons in die Hand, und weil ich gerade nichts Besseres vorhatte, so las ich den Artikel „Schreibmaschine" durch — daher mein verblüffendes Wissen."
Ljubiza sah ihn prüfend von der Seite an.
„Sie scheinen sich absichtlich immer kleiner zu machen"-, sagte sie endlich, „das soll man auch nicht tun."
„Wie meinen Sie das?" fragte er verwirrt.
„Wie ich das meine? Nun, ich denke, daß es ganz gleichgiltig ist, woraus und wann man sich sein Wissen erworben'hat, die Hauptsache ist, daß man dafür Interesse hatte."
„Ich danke Ihnen für dieses Kompliment, Komtesse."
„Ach, ich bitte Sie, nennen Sie mich doch nicht immer Komtesse", sagte sie etwas ungeduldig, „für meine Freunde will ich nur Fräulein Ljubiza sein oder auch nur—" Sie brach jäh ab und wandte sich verlegen errötend zur Seite-
„Oder auch nur —" drängte er, ganz nahe an sie herantretend, und als sie mit der Antwort zögerte, da faßte er sich ein Herz und fragte leise nnd emdringlichr „Wären Sie mir nicht böse gewesen, wenn ich sie einfach —■ Ljubiza genannt hätte?"
Sie sah ihn verstohlen lächelnd an.
„Wie soll ich denn das wissen?" flüsterte sie, „Sie haben es ja nicht getan."
„Wenn ich es aber jetzt tun würde?"
,„Halt, halt, Herr von Höchstseld, die Erlaubnis dazu werde ich Ihnen nicht geben", setzte sie seinem Ungestüm einen Dämpfer auf, und mit völlig verändertem Ton bat sie: „Wollen Sie mir jetzt nicht die Schreibmaschine weiter erklären?"
„Wie Sie befehlen", sagte er enttäuscht, und begann von neuem, „Die Schreibmaschine, nach einer Idee des Dänen Mafling Hansen 17 . .
„Aber das haben Sie mir ja schon erzählt", mrterbraA sie ihn mutwillig.


