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Großherzog den solchergestalt zu ihm redenden Theologen: Meinen Sie denn, daß der Mann das Zeug, das er vor­trägt, wirklich glaubt?" Ter andre bejahte natürliche Da sagte Karl Alexander:Ja, dann tut er aber bloß des- fie&e, was Sie auch tun."

Ernst Haeckel erblickte das Licht der Welt am 16. Fe­bruar 1834 in Potsdam, wo sein Vater Regierungsrat war. Seine Jugend verlebte er jedoch in Merseburg, wohin der alte Haeckel noch im gleichen Jahre versetzt wurde. Schon früh offenbarte sich seine Liebe zur Natur, er freute sich vn Blumen und Schmetterlingen und begann schon damals wißbegierig Blumen und Blätter zu untersuchen. Sein Vater lehrte ihn durch Beispiel und Lob die Notwendig­keit steter Beschäftigung, seine Mutter pflegte liebevoll seinen Natursinn. Seinen Unterricht empfing er auf dem Gym­nasium in Merseburg; neben seinen Studien trieb er eifrig Tier- und Pflanzenkunde. Eifrig sammelte er Pflanzen und besorgte das in einem Doppelfenster des elterlichen Hauses eingerichtete Terrarium. Wie Bölsche in seiner Biographie Haeckels mitteilt, wären dem verständigen Kna­ben schon damals bei der wissenschaftlichen Bestimmung der gesammelten Pflanzenexemplare Zweifel an der Rich­tigkeit der damaligen Arten-Festlegung aufgestiegen. Im übrigen war schon Goethe der Lieblingsautor des Heran­wachsenden Gymnasiasten, von ihm empfing auch der Jüng­ling und Mann seine Weltanschauung, und noch sein in jüngster Zeit erschienenes Buch:Melträtsel" klingt in Worten des Dichterfürsten von Weimar ein und aus.

Freudig war, seit vielen Fahren, Giftig so der Geist bestrebt, Zu erforschen, zu erfahren, Wie Natur im Schaffen lebt. Und es ist das ewig Mne Tas sich vielfach offenbart: Klein das Große, groß das Kleine, Alles nach der eignen Art.

Immer wechselnd, fest sich- haltend, Nah und fern, und fern und nah; So gestaltend, umgestaltend Zum Erstaunen bin ich- da!"

Tarin liegt gewissermaßen das Lebensprogramm des Jenaer Forschers. Seine Schuld war es nicht, daß nicht auch schon der Student, wie später der Professor, seine Laufbahn in Jena begann: Ostern 1852 gedachte er an die Universität Jena abzugehen, die Wohnung war bereits gemietet da zog sich der angehende Naturforscher beim Suchen einer seltenen Pflanze auf der Saalwiese bei Weißen­fels einen heftigen Gelenkrheumatismus zu und sah sich dadurch genötigt, das Heim der Eltern in Berlin auf­zusuchen. Natürliche begann er nun gleich an Ort und Stelle seine Studien, doch begab er fich schon im Herbst desselben Jahres zur Fortsetzung derselben nach Würz­burg, wo er drei Semester eifrig medizinische und natur­wissenschaftliche Kenntnisse zu erwerben suchte. 1858 machte er sein Staatsexamen und bereits im nächsten Jahre trat er seine erste große wissenschaftliche Reise durch Italien und Sizilien an. Als Fruckt derselben erschien das Pracht­werk:Tie Radiolarien", das nebst anderen Berichten des jungen Reisenden über seine Reise und deren Ergebnisse großes Aufsehen erregte. Jur Jahre 1861 habilitierte er sich in Jena, wo bis dahin weder eine Professur für Zoologie noch ein zoologiscknes Institut bestand. Zuerst las er über vergleichende Anatomie, welches Fach er je­doch bald mit der Zoologie vertauschte. 1862 schuf man für ihn eine außerordentliche Professur der Zoologie, 1865 ward er ordentlicher Professor und wirkte seitdem mit einigen, durch seine Reisen bedingten Unterbrechungen an der Universität der alten Saalestadt als allgemein beliebter akademischer Lehrer auf den Gebieten der Zoologie, Ent- wicklungsgeschichte, Anatomie, Paläontologie und Histo­logie.

Seine Hauptbedeutung jedoch lag auf dem Gebiete der Forschung. Auf seinen Reisen nach den Küstengebieten der Nordsee und des Mittelmeers, den Kanarischen Inseln und dem Indischen Ozean sammelte er das Material zu seinen bedeutsamen fachwissenschaftlichen Spezialuntersuch­ungen, durch welche er Licht verbreitete über die dunkelsten und bisher unbekanntester Organismen der niederen Tier- welt; die betreffenden Werke, von ihm selbst prachtvoll illustriert, würden schon allein genügen, ihm dauernden Ruhm in den Annalen der Wissenschaft zu begriinden.

Auch seine Reiseschilderungen verdienen gelesen zu wer­den und zeigen ihn als liebenswürdigen Menschen und Schilderer zugleich, der die Zanberwelt der Tropen in glühenden Farben vor unser geistiges Auge zu zaubern vermag.

Tie Tätigkeit indessen, welche seinen Namen zum Ge­meingut der ganzen gebildeten Welt gemacht und den fleißigen, rastlosen Forscher zum unerschrockenen, mutvollen Kämpfer gestaltet hat, liegt auf einem andern Gebiete. Er war der tapfere Kämpfer für den Darwinismus, für die Idee der Entwicklungslehre, und er schreckte selbst vor den äußersten Konsequenzen der Theorie nicht zurück, darin selbst dem zaghafteren Engländer vorangehend. Er von allen deutschen Naturforscqern trat zuerst offen und ganz für die Darwinsche Theorie ein, und versuchte schon in seiner Monographie:Tie Kalkschwämme" (1872) das Pro­blem der Artenentstehung zu lösen. Keiner hat so viel wie er, allen Anfeindungen zum Trotz, für die Ausbreitung des Cntwicklungsgedankens getan; in seinerGenerellen Morphologie", die sieben Jahre nach Darwins Hauptwerk erschien, gab er zum erstenmal einen übersichtlichen Grund­riß des neuen Systems.Tas Buch", äußert sich Bölsche, bezeichnet den größten Wendepunkt der Systematik seit Cuvier und Baer, und seine groben Umrisse natürlicher Stammbäume der einzelnen Gruppen sind, trotz aller Wand­lungen . . . zur Grundlage für die ganze gegenwärtige Shstematik geworden. Kein Gebiet der gesamten Biologie existiert aber überhaupt, in dem nicht einzelne glückliche Ideen des Werkes die fruchtbarsten Anregungen gegeben hätten." Seine Ideen vertrat er in gemeinverständlicher Form in der natürlichen Schöpfungsgeschichte undAnthro- pogenie" Beide Werke fanden außerordentliche Verbreit­ung, vor allem die Schöpfungsgeschichte erlebte Auflage nach Auflage und wurde in zwölf Sprachen übersetzt.

Darwin schätzte seinen deutschen Apostel hoch, und als der deutsche Forscher 1866 dem genialen Engländer den ersten Besuch machte, sandte er seinen eigenen Wagen nach der Bahnhofstation, empfing ihn dann in der herzlichsten Weise, und als der jugendlickis-feurige Haeckel seinem ge­rechten Zorne über die mit den unedelsten Waffen kämpfen­den Widersacher .Darwins Ausdruck verlieh, lächelte der alte Gelehrte und beschwichtigte seinen Jünger mit den liebenswürdigen Morten:Mein lieber junger Freund, glauben Sie mir, mit solchen armen Leuten muß man Mit­leid und Nachsicht haben; den Strom der Wahrheit können sie nur vorübergehend aufhalteu, aber niemals dauernd hemmen."

Außer seinen Hauptwerken ließ der unermüdliche For­scher noch zahlreiche Arbeiten erscheinen, auf die hier näher einzugehen zu weit führen würde. Sein eigenes System stützte er durch die von ihm ausgestellte Gastrüatheorte, nach welcher von einer gemeinsamen GrundformGasträa" alle Tiere (mit Ausnahme der Protozoen) abstammen. Ein geradezu glänzendes Resultat seines Fleißes und seiner Gelehrsamkeit lieferte er, als die englische Regierung seine Mithilfe bei der Darlegung der Resultate der Chcckienger- Expedition in Anspruch nahm und ihm sämtliche Horn- schwämme, Radiolarien usw. der Sammlung zur wissen- schaftlichen Bestimmung, Benennung und Zeichnung über­gab. Zehn Jahre widmete der Forscher der Riesenarbeit und vermehrte die Kenntnis z. B. der Radiolarien von 810 Arten in dieser Zeit aus 4318, ohne doch mit dem ganzen Material fertig zu sein.

Haeckel ist übrigens nickt bloß Forscher, sondern auch Philosoph, d. h. Naturphilosoph, und als solcher ist er der Vertreter des Monismus geworden, jener Auffassung, nach welcher den Grundbestandteilen des Wirklichen sowohl Körperlichkeit als auch psychische Tätigkeit innewohnt, sodaß sie zugleich geistig und materiell sind. Schon in der Schrift: Ter Monismus' als Band zwischen Religion und Wissen­schaft hat er sein Glaubensbekenntnis niedergelegt; in seinem 1899 erschienenen, aufsehenerregenden und in zahl­reichen Auflagen verbreitetem WerkDie Welträtsel" führt er seine bezüglichen Gedanken weiter aus, wenn auch, wie er bedauernd tut Vorwort bemerkt, sein alter, viele Jahre hindurch gehegter Plan, eilt ganzesSystem der monisti­schen Philosophie" auf Grund der Entwicklungslehre aus­zubauen, nicht mehr zur Ausführung gelangen kann.Meine Kräfte reichen dazu nicht mehr aus und mancherlei Mahn­ungen des herannahenoen Alters drängen zum Abschluß. Auch bin ich> ganz und gar ein Kind des 19. Jahrhunderts