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Tie Prinzeß ließ mich bitten, mit ihr nach Castell Gandolfo zu reiten: sie wäre so allein und fühlte sich so einsam.
Wiederum das Zauberwort!
Und wiederum wirkte es!
Ich werde also mit ihr reiten.
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Welch ein Tag!
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Wir ritten — nur sie und ich — nach Tusculum hinaus; dann, an den Ruinen des Amphitheaters und der Pineta vorüber, die Gräberstraße hinunter.
Zu beiden Seiten des mit riesigen Basaltblöcken gepflasterten Weges erhoben sich und Cypressen und wilden Blumen die zertrümmerten Denkmale der Toten mit aufgerissenen Grabkammern, noch Ehrfurcht gebietend in ihrer Zerstörung. Im Schritt neben einander hinreitend, zeigte ich ihr die Aschenurnen, die in den Felsenwänden ern- gemauert waren. Die eingesunkenen Grabstellen und zerbrochenen Inschriften, welche die Tugenden der Gestorbenen rührnten; und ein nie empfundenes glühendes brausendes Lebensgefühl durchströmte mich bei dem Anblick der lichter» Gestatt neben mir, von der aller Glanz des strahlenden Sommertags auszugehen schien.
Wir gelangten in das Molaratal, welches den tus- culanischen Höhenzug von den Waldbergen des Cavo scheidet, und lenkten in dre alte Römerstraße, die linker Hand den» Volskergebirge zuführt, und die, von hohen Giusterbüschen umfaßt, für uns in eine goldene via triumphalis verwandelt war.
Die Sonnenstrahlen brannten herab auf die Hügel von Thymian, Lavendel und Menthe. Wohlgerüche durchströmten die Lüfte, als wäre das wilde Tal ein ungeheures Weihrauchbecken zur Feier eines pantheistsichen Gottesdienstes entzündet.
Und wie über unseren Häupten die Lerchen sangen!
Jetzt gab ich meinem Pferde die Sporen. Das ihre folgte.
Wir sprachen kein Wort mehr.
Immer tiefer wurde die Einsamkeit....
In den hohen verbrannten Gräsern lagen Herden von Stieren und reckten aus dem braunen Laubwerk ihre silbergrauen, mächtig gehörnten Häupter empor. Die steilen Tufsfelsen hinan kletterten schwarze Schafe; in den Ruinen der antrken Villen weideten Ziegen, und auf kahlen Hügelrucken malte sich am strahlenden Horizont die Silhouette eines an seinem Stabe lehnenden schlanken Hirtenmaben.
Und fort und fort um uns der Duft; fort urrd fort über uns der Lerchengesang!
Das Tal breitete sich die Felsenpyramiden des Volskergebirges schoben sich vor. In dem Dunst des heißen Tages erschienen die Umrisse der schönen Berge wie von einem göttlichen Finger in die strahlende Luft gezeichnet; und die Städte Corci und Norba hingen an dem leuchtenden Gestein wie glanzvolle Götterburgen.
Immer unweltlicher wurde ringsum die sommerliche Blütenpracht. Rosen durchxankten die Ginstermauern, weiße und blaue Winden umzogen die Schuttwälle der Ruinen, purpurbraune Krauseminze füllte die Gräben.
Wir wichen von der Straße ab und jagten in die Steppe hinein.
Felder mit rotem Mohn. Felder mit mattvio letten Steinnelken und Malven. Felder mit glühenden Feuerlilien, dazwischen hohe Stauden Rittersporns blauten.
Ich sah und ernpfand nichts als die schimmernde Frau an meiner Seite. Und doch sah und fühlte ich die ganze Schöpfung.
Es ward Mittag. Jede Blüte, jeder Halm strahlte.
Ein ungeheuerliches feierliches Schweigen senkte sich mit den Gluten auf die >Erde herab.
Der große Plan schlief!
Und sie immer dicht neben mir....
Wir jagten, wir rasten dahin. Ich« vergaß mein grünes Haar, mein altes Herz, mein verfehltes Leben. Ich vergaß Maria, die ganze Welt. Ein Zauber hatte mich umsponnen und wieder jung gemacht. Ich dachte: ,Mso, so ist es! So fühlt der Mensch; wenn er jung ist.'
Es war etwas wundersames!
Jetzt wußte ich auch genau, daß ich recht gehabt hatte, denn noch niemals hatte ich geliebt.
Weiter, weiter! Nur kein Aufenthalt. Nur keine
dahin.
(Fortsetzung folgt.)
Minute verloren von diesem einzigen Tage des Daseins. Schon morgen waren sie wieder zurückgekrochen, das Alter und der seelische Tod.
Jetzt sprengten wir auf schwarzen Wegen durch die Kastanienwälder von Rocca di Papa. Nach der grellen Helle umfing uns dunkle, schwüle Nacht. Ueber uns wölbten sich die Wipfel wie die Baumkronen eines Urwaldes, dem Auge den Anblick des Himmels verschließend, als wäre eine schwere Decke davorgezogen.
Seltsame, schlanke, blasse Blumen leuchteten in der tiefen Dämmerung, und noch blühten zwischen den finsteren Stämmen die Asphodelen.
Es war, als jagten wir durch ein Schattenreich.
Weiter, weiter! Und wäre es hinein in den Tod!
Plötzlich, lag er vor uns, uns dicht zu Füßen . . . Wer wir rissen die Pferde vom Rande des Abgrundes zurück.
Eine Lichtung, ein Felsenvorsprung, unmrttelbär unter uns tödliche Klippen... Ein weites, tiefes, kreisrundes Becken, teils mit dichter dunkler Waldung bedeckt, teils von grauem Gestein starrend. Im Grunde eine stygisch schwarze, gespenstisch regungslose Flut — der Albaner See.
Am jenseitigen steilen Rande, lang sich hrnstreckend, eine Stadt mit grauem, gekuppelten Palast: die alte Vapst- villa Castell Gandolfo. Darüber hinaus die Campagna mit Rorn, die Küste mit Wildnis und Sümpfen, das Meer hock, und strahlend in den Horizont hinaufsteigend.
Unsere Pferde standen, eng aneinander gedrängt, dicht am Rande des Absturzes. Wir schauten schweigend hinab ... , c, r.
Und schweigend wandten wrr dre Trere, lenkten sre Palazzola zu, dessen Klostermauern mit dem Grabmal aus dem uralten Albalonga im Sonnenschein in solcher Oede sich über dem Rand des Kratersees erhoben, als wäre hcer die Heimat des ewigen Schwergens, des Ausgebens jeglicher Hoffnung. c ,.
Mir trieben die Pferde die steilen Wände hinunter und erreichten, an geheimnisvollen Grotten, an Ruinen und Gräbern vorüber, den stillen Spiegel des Sees, ritten an diesem entlang, unter mächtigen Erlen uiid Eichen
Ernst KaeAel.
Zu seinem 70. Geburtstage. (16. Februar.) Von Tr. Max Iungmann.
„Siebzig Jahr, ein Greis", — sagt der alte Volksspruch. Wer Ernst Haeckel, der berühmte Naturforscher und Tarwinkämpfer, ist noch kein Greis, sondern ein Wann auf der Höhe der Kraft, jugendlich frische und arbeitskräftig, kampsesfreudig, im Vollbesitz aller Ideale seiner Jugend. Noch gar nicht lange ist er erst wieder von einer großen Tropenreise zurückgekehrt. Darwin und Haeckel — die beiden Namen nennt man immer zusammen, und wie Darwins, so schwankt auch Haeckels Charakterbild, „von der Parteien Gunst und Haß verwirrt, m der Geschichte". Doch welchen Standpunkt man auch zur Frage der Ab- stammungs- und Entwickelungslehre oder zu der des Monismus einnehmen mag; die Bedeutung des Trägers des Namens Ernst Haeckel steht historisch! fest, er hat sich in der Kulturgeschichte, in der Geschichte der Entwicklung der Menschheit und des 19. Jahrhunderts, ein dauerndes Monument errichtet!
In Jena, der für die Kulturgeschichte so bedeutungs- reichen Stadt, mit welcher die Namen eines Schiller und Gvethe unzertrennlich verwebt sind, lebt der verdienstvolle Forscher in seinem an der nach ihm benannten Straße gelegenen, traulichen Heim, einer schmucken Villa; seinem Jena ist er treu geblieben von Anfang seiner Universitäts- Laufbahn an, und sein Jena ist ihm treu geblieben, es schätzt und verehrt rhn und trotzt allen Verketzerungsver- suchen seiner Gegner. Und nicht Jena allein: der ganze weimarische Staat ist stolz auf seinen Haeckel, und als vor Jahren zu Leb- und Regierunaszeiten des alten Großherzogs Karl Alexander von orthodoxer Seite Versuche gemacht wurden, den hochsinnigen Fürsten gegen den gegenwärtig berühmtesten Dozenten der Universität Jena einzunehmen und der Antrag gestellt wurde, man möge dem Treiben des Erzketzers ein Ende bereiten, da fragte der


