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DaS aller ist heute vorbei. Es ntcig schließlich noch darauf hingewiesen werden, daß die Spinnstuben die Heimstätte aller volkstümlichen Traditionell waren, das; sie in manchem Sinne die Familienstnbe der Gemeinde bildeten, und daß ihneit oitS unserem Volksleben ein reicher und wertvoller Schatz von Ueberlieferungeu zugrunde liegt, deren Fäden tief hineinlaufen in das rechtliche und religiöse Bewußtsein unseres Volkes. Auch von amtlichen Erlassen gegen die Spinnstuben Hatzen wir schon kurz gesprochen. Ter älteste Nürnberger Erlaß dagegen ist vom 23. Oktober 1526; er ist noch milde gehalten, während solche aus den Jahren 1528 und 1548 und 1572 den Besuch auswärtiger Spiunstuben und den Zutritt de- männlichen Geschlechts bei Strafe untersagen. Eine Torfordnung von Nüdlingen aus dem Jahre 1594 unter­sagte bei 1 Gulden Strafe die Spinnstuben gänzlich, und eine Polizeiordnung des Markgrafen Christian von Brandenburg aus dein Jahre 1622 tat dasselbe. Auch die Gräfl. Oetingische Ämts- ordnung vom Jahre 1625 und die Hochfürstl. Eichstädtische Polizei- ordnung vom 8. Dezember 1727 enthalten Verbote gegen die Spiunstuben, während die Hochfürstl. Würzburgische Verordnung vom 13. November 1783 nur die Zusammenkünfte von nahen Blutsverwandten vom Verbote ausschließt.

Was sreilich alle diese Verbote und Verordnungen nicht er­reichten, das hat der Fortschritt unserer Kultur zu Wege ge­bracht. Schon vor fünfzig Jahren hat ein de'utscher Altertums- sorscher festgestellt, daß dasuralte Institut" der Spinnstuben nur noch selten sei. Heute mögen wir die deutschen Gaue lveithin durchwandern, bis wir einmal auf kümmerliche ileberreste dcr- stlben stoßen. Schade drum! Th. Ebner.

Kunst.

Die Madonna della Sedia von Rafael, die sich in der Galerie Pitti in Florenz befindet, hat der Kunstverlag von Jul. Schmidt in. München durch die Herren H. und R. K n v s l e r in Wien als Farbe nholzschnitt reprodu­zieren lassen und zwar in verschiedenen Drucken, Borzugsdruck 20 Mark, gewöhnliche Drucke in derselben Größe 8 Mark (in braunem Palsepartout 12 Mk.) und kleine Ausgaben zu 1 Mk. uud,40 Mk. Tie Bilder sollten in ihrer tadellosen Aus- sührung ein Schmuck jedes kunstsinnigen deutschen Hauses sein. Ter Vorzugsdruck hat hauptsächlich darin einen Wert, daß er der beste, genaueste und schönste Truck ist, weil er gleich zu Anfang hergestellt wird, wo die Platten ganz neu sind. Tiefe Vorzugsdrmcke sind nur in wenigen Exemplaren vorhanden und bieten aus japanischem Papier einen ganz eigenartigen Reiz. Ter Wert hat aber auch dadurch eine andere Bedeutung, daß das Porträt des Künstlers als Remnrgue und die Unterschrift der Gebr. Knöfler mitgedruckt sind. Dieses Blatt bietet jedem Kunstfreund eine Freude, und da die Nachfrage danach 'stark ist, so wäre es zu empfehlen, sich noch bei Zeiten ein Exemplar zu sichern, denn diese Vorzugsdrucke können natürlich nie wieder hergestellt lverden.

Tie d c u t i ch e n W a n d i r i e s e, die der Kunstverlag von Breitkopf u. Härtel in Leipzig herausgibt, sind farbige Künstlersteinzeichnungen in der Größe von 100 mal 40 Zenti­meter, die aneinander anschließend, ein Zimmer ganz oder tcil- weise in Form, eines Frieses umziehen können. Jedes Blatt kostet 3 Mk. Tie gejchmackvolte künstlerische Einfachheit dieser bunten Bilder entzückt jedes farbenfrohe Auge. Künstlernamen wie v. Volkmann, Ubelohde, Luntzu. a. garantieren für die Gediegenheit dieser Kunstblätter, die Motive aus Natur und Leben poesievoll darstellen.

WwhnachLsbüHer.

Ter goldene Käfig. Von Hanns v. Zobeltitz. Illustriert von Ed. Cucuel. In farbigem Umschlag geheftet 3 Mk., eleg. geb. 4 Mk. Carl Krabbe Verlag Erich Gußmauu in Stuttgart. Dieser neueste Roman von Hanns von Zobeltitz erregt nach 'zwei Seiten hin ein aktuelles Interesse. Einmal schildert er nämlich, in den Kreisen der ersten Berliner Gesellschaft spielend, das Eindringen des amerikanischen Elements in diese;, auf Grund scharfer Beobachtungen zweier Ehen deut­scher Aristokraten mit Amerikanerinnen: Dann aber führt er ns eine Reihe von Offizierstypen vor, die im Gegensatz zu manchen neueren Aufsehen erregenden Darstellungen nicht grau in grau gemalt und doch sichtbar dem Leben nachgebildet sind. Gerade jetzt, wo die literarischen Verunglimpfungen unseres Offi­zierskorps, zur Freude und zum Spott des Auslandes, an der Tagesordnung zu sein scheinen, berührt dieser Roman, der wahr­lich ganz frei ist von jeder unkünstlerischen Schönfärberei, dop­pelt wohltuend.

Gräfin Langeweile. Ihr Bild. Bon Hanns v. Z o b c l t i tz. Illustriert von F. v. R e z n i c e ck. Preis geh. 2 Mk., elegant geb. 3 Mk. Carl Krabbe Verlag Erich Guß­mann, Stuttgart. Das eigenartig feine Parfüm der vor­nehmen Welt und der fesselnde, elegante Plauderton in Er- zühlung und Dialog sind typische Vorzüge der Hanns v. Zobel- trtzschen Muse. Von ihnen und von der novellistischen Meister­

hand des vollendeten Kavaliers und Frauenkenners zeugen auch wieder seine beiden nettester;, mit wirkungsvollen Illustrationen versehenen Novellen, bei denen besonders die spannende Handlung und der überaus anmutige Aufbau des schwierigeren Beiwerks, das leicht und effektvoll seine abschlnßgebeirden Ranken schlingt, angenehni ins Auge fällt. Der durch Veranlagung und Erzieh­ung ungewöhnlich apart entwickelte Frauencharakter derGräfin Langeweile", der äußerst geschickt und ansprechend verflochten, viel weibliches Rätsel und jugendtörichte Natürlichkeit vereint, hält sofort durch seine reizvollen Eigentümlichkeiten das leb­hafteste Interesse des Lesers gefangen und hebt sich 'von den beiden edlen Männergestalten ganz vortrefflich ab.

Das Weihnachtsheft derillustrierten Monats­zeitschrift für Dilettanten"K unstgewerbe r's Hau s" (Herausgegeben von C. von Sivers, Berlin W. 50, Geisbergstr. 16) enthält n. a.: FächerSchneebälle", KisseitStechpalme", Tee­brettHistletoo", DeckeHerbstblätter", zwei Kalender, ein Ther­mometer, zioei Untersetzer (Lederschnitt) für Lampen, einePuppen­stube" einett Photographierahnten in Metallätzung, einen Para­vent, BordüreEichenlaub",Tisch und Sitzbank für Kinder" und eine Truhe in Tiefbrand. Drei Mustrrbogen ergänzen das in jeder Hinsicht vorzüglich ausgestattete Heft der ZeitschriftKunst­gewerbe sür'S Haus", deren Quartal nur 4.50 Mk., Ausland 5.70 Mk. kostet.

Noch vor wenigen Jahren gab es kein Land, das der Riviera den Rang als des beliebtesten und besuchtesten Winter- ausenthalts streitig machen konnte. Aber von Jahr zu Jahr vergrößert sich jetzt die Konkurrenz, die ihr von den Wunder­ländern des Orients, vor allem von Aegypten und von Ceylon gemacht tvird. Die ausgezeichnete Verbindung, welche durch unsere ostasiatischen und australischen Reichspostdampfer zwischen Europa und diesen Ländern gebildet wird, hat uns den Orient immer näher gerückt, so daß die Zahl seiner Besucher in fortwährender Steigerung begriffen ist. Leider fehlte es bisher, wie schon mancher Orientfahrer zu seinem Bedauern bemerken mußte, an einem brauchbaren deutschen Reiseführer. Deshalb tvird von allen, die Aegypten, Ceylon oder Indien besuchen oder ihre Verwandten oder Bekannte im Geiste dorthin begleiten wollen, das Erscheinen eines Büchleins, das als ein vorzüglicher Reiseführer gelten bars, mit Freuden begrüßt werden. Das von Felix Ortwein verlas c - Büchlein, das den Titel:Von den Tagenbaren zu den 9?:'; baren" trägt und bei Velhagen u. Klasing in Bielefeld erschie: ?: ist, schildert in flotter Sprache eine Reise von Bremen, der Star: der Tagenbaren, nach Ceylon; zuerst die Bahnfahrt bisbGenua, dann die Seereise über Neapel, Port Said, Suez und Aden nach Colombo und zuletzt einige Ausflüge auf der herrlichen In Ai Ceylon. Neben einer anschaulichen Schilderung der Fahrt vit- der Anlaushäfen, des Lebens und Treibens an Bord, gibt das Buch auch noch über alle möglichen nautischen und schiffstechnim Fragen in anregender und unterhaltender Weise Auskunft. 7 ie. Einflechtung einer Liebesgeschichte zweier Mitreisenden macht die Reiseschitderung zu einem spannenden Roman. Gelungene Ab­bildungen, zum Teil vom Berfaffer selbst bei der Reise phom - graphisch ausgenommen, erhöhen noch die Anschaulichkeit der Schilderung. _____

Kauswirtjchaft.

Mohn-Stollen oder Mohn-Striezel. Aus 500 Gramm Mehl, 150 Gr. Butter, 25 Gr. Hefe, 50 Gr. Zucker, Vs Liter lauwarmer Milch, einem Teelöffel voll Salz, 50 Gramm - süßen und 10 Gr. bitteren gestoßenen Mandelit bereitet man | einen Hefenteig, den man nach Item Aufgehen des Hefenstückes f nochmals eine Stunde lang gehen läßt, tüchtig dürehwirkt, zu i einem länglichen, daumendicken Kuchen ausrollt und w'.eo.w I Vt Stunde lang gehen läßt. Tie Mohnfülle bereitet man, indnn man 375 Gr. blauen Mohn einige Stunden lang wässert, brüht, trocktten läßt, im Reibnapf mit ein wenig zugegossener Sahne zerreibt, mit 100 Gr. Zucker, einigen Löffeln voll Rosenwasser, 1 Lösfel voll Zimmet, 60 Gr. süßen und 10 Gr. bitteren gestoßenen Mandeln und einer Prise Salz vermischt und auf den Kuchen streicht, wobei ein 2 Finger breiter Rand bleiben muß, dann rollt man den Kuchen von den schmalen Enden an zusammen, läßt ihn noch ein wenig gehen, bestreicht ihn mit Butter, bäckt ihn in einem mäßig heißen Ofen, bestreicht ihn dann nochmals mit Butter und bestreut ihn mit Zucker.

Auszählrätsel.

Rackdruck verboten.

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Obige Buchstaben sind ein zerlegtes Sprichwort. Um dieses zu finden, ist es nötig, die Buchstaben in einer bestimmten Reihen­folge auszuzählen. Mit dem wievielsten Buchstaben ist zu be­ginnen? Wie lautet das Sprichwort?

Auflösung in nächster Nummer,

Auflösung des Litterarischen Kapselrätsels in vor. Nr.:

1. Grün. 2. Kleist. 3. Ebers. 4. Herder 5. Lessing. 6. Hauff.

7. Hebel. 8. Groth.

Redaktion: August Goetz. Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'leben Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen-