746

daß Sie die mir übergebenen Beweise erbangten. Damit sind wir auch ohne die Hilfe dieses Burschen stark."

Na, Ralph Mainwaring wird sich so leicht nicht über­zeugen lassen."

Ja; den Eindruck macht er mir auch. 9Tuf einen zähen Widerstand müssen wir uns jedenfalls gefaßt machen, tut aber nichts, wir können schweres Geschütz ins Feld führen und dürfen uns die beste Wirkung davon versprechen."

In einiger Entfernung von den beiden führte Herr Whitney mit den Engländern ein eifriges Gespräch.

Sie haben ganz recht", erwiderte er auf eine voran­gegangene Bemerkung,die Aussagen nahmen für ihn ein ganz bedenkliches Gesicht an, ich habe aber trotz allem nie ernstlich daran geglaubt, daß Skott zu der Sache in irgend welcher Beziehung stehen könnte. Welchen Beweg­grund sollte er auch dazu gehabt haben? Bon Anfang an war sein Verhältnis zu Herrn Mainwaring das denkbar beste; dieser schenkte ihm sein volles Vertrauen."

Na, ich für meinen Teil", stimmte Herr Thornton bei, freue mich herzlich über die eingetretene Wendung. Mir hat der junge Mann immer gefallen."

Und mir gar nicht", widersprach Ralph übellaunig. ,Mag auch im vorliegenden Falle alles seine Richtigkeit mit ihm haben, so sage ich doch, einem Toten derart die Ehre abzuschneiden, wie er es getan hat, ist einfach nieder­trächtig, und mag Mr nur einer sagen, was er will, ich behaupte, solch eine Nachrede entspringt nur persön­lichem Hasse."

Herr Thornton sah seinen Vetter mit einem zuge­kniffenen Auge von der Seite an.Na, na, Ralph, sei doch ehrlich; von Hughs Denkungsart haben wir wohl beide Nicht gerade viel gehalten. Er wird seinen wilden Hafer ebenso gesäet haben, wie wir anderen, und ohne triftigen Ornnd hat er England sicherlich nicht verlassen."

Ich begreife nicht, William, ivie Du so sprechen kannst", brauste Ralph auf.Da bin ich doch"

Tas Wiedererscheinen des Coroners mit der Gerichts­kommission unterbrach die Weiterrede. Ms Resultat der Untersuchung verkündete der Coroner:

Tie Gerichtskommission hat befunden, daß Herr Hugh Mainwaring durch eine Revolverkugel, von unbekannter Hand abgefeuert, vom Leben zum Tode befördert wurde." Hinter den Kulissen.

In lebhaftem Gespräch entfernten sich alle, die der Verhandlung beigewohnt hatten.

Nur der Sekretär blieb in tiefem Sinnen an einem Bogenfenster der großen Halle stehen. Ter aus ihn ge­worfene Verdacht war allerdings dank der Aussage von Fräulein Carleton in der Hauptsache hinfällig geivorden, er wußte aber gar wohl, daß dieser nach der Enthüllung seines bisher sorgfältig bewahrten Geheimnisses wie eine Futwoge, noch verstärkt durch persönlichen Haß, zurück- kehren würde. Viel Sorge machte ihm dieser Umstand zwar Xicht, immerhin mußte er aber damit rechnen.

Nahende Schritte iveckten ihn aus seinen Gedanken; er drehte sich um und sah Herrn Whitney vor sich.

Ah, Herr Skott, Sie suchte ich gerade. Ich fürchtete schon. Sie wären mit den anbent nach der Stadt zurück- gekehrt. Ich wollte Sie fragen, ob Sie nicht je nach­dem sich die Tinge hier gestalten die nächsten Tage oder Wochen noch hier bleiben würden. Herr Ralph Main- waring hat mich in der Erbschaftsangelegenheit zu seinem Anwalt bestellt, und da das Testament vernichtet ist, lassen sich Weiterungen Voraussehen, deren Beseitigung geraume Zeit erfordern dürfte. Sie toiffen mit den Privatpapieren des Verstorbenen am besten Bescheid, und ihre Sichtung wird hier am Orte die wenigsten Schwierigkeiten machen. Wenn Sie bleiben und uns Helsen wollen, werden Sie der Sache einen großen Dienst erweisen und uns sehr ver­pflichten."

Skott hatte schon nach einem Borwand gesucht, noch in Schöneiche bleiben zu können; das Anerbieten kam ihm deshalb sehr gelegen. Er ließ davon aber nichts merken und erwiderte gleichgiltig:

Gewiß, Herr Whitney, wenn ich Ihnen nützlich sein Dann, will ich noch einige Tage bleiben."

Sehr schön. Freilich die Zeit läßt sich nicht absehen; ich» fürchte, es wird einen harten Kampf geben."

Sie meinen mit Frau La Grange?"

Ja; denn wenn Sie auch nach meiner Ansicht gar tem gesetzliches Recht für ihre Ansprüche besitzt, werdenl

wir doch kein leichtes Spiel mit ihr haben, besonders da ihb dieser Rechtsverdreher Hobson zur Seite steht."

Sie hegen also die Erwartung, den Prozeß unbedingt zu gewinnen?"

Ganz zuversichtlich. Daran zweifle ich nicht. Ralph Mainwaring wird den Besitz entweder für sich oder seinen Sohn erlangen. Zunächst! müssen wir versuchen, das Ge­richt dazu zu bringen, die in dem vernichteten Testament enthaltenen Bestimmungen anzuerkennen. Gelingt das nicht, dann kommt die Erbschaft natürlich zwischen Ralph Mainwaring und seinem jüngeren unverheirateten Bruder zur Teilung, sodaß einst das Ganze schließlich doch noch an bett eigentlich durch das Testament bestimmten Erben, nämlich Hugh Mainwaring, fallen Mrd."

Sagen Sie, Herr Whitney, was halten Sie von der Geschichte, die Fran La Grange von ihrer heimlichen Heirat

Ter Anwalt schüttelte den Kopf.Gar nichts! Ist der reine Humbug. Sie war niemals mit Hugh Mainwaring legitim verheiratet aber freilich", setzte er zögernd hinzu, Ihnen kann ich es ja sagen, Walter ist in der Tat sein Sohn. Mainwaring hat mir das gelegentlich einmal so gut wie eingestanden. Indessen bin ich überzeugt, daß das nicht der einzige Grund war, der dem Weibe die gewaltige Macht gab, die sie über ihn hatte. Was das aber gewesen ist, dahinter bin ich nie gekommen. Nebenbei, Herr Skott, wissen Sie etwas näheres von der Sache, auf die in jenen Briefen, die Sie erwähnten, hingedeutet wird und auf die auch Hobson heute hinzielte?"

Sa."

Ter Anwalt sah den jungen Mann scharf an.Sie hatten schon Kenntnis davon, ehe Ihnen noch die bewußten Briefe zu Gesicht kamen?"

Ja."

Na, das dachte ich mir. Wissen Sie, Herr Skott, ich würde die ganze Geschichte für einen groben Schwindelt dieser Abenteurerin und ihres Helfershelfers Hobson halten, wenn ich nicht aus Ihrem. Verhalten die Ueberzeugung gewonnen hätte, daß Sie über das Vorleben Hugh Main- warings mehr wissen, als Sie bis jetzt gejagt haben."

Falls Herr Whitney gehofft hatte, mit dieser indirekten Frage etwas herauszulocken, sah er sich getäuscht. Tas gleichgiltige Wesen Skotts änderte sich nicht, er schien nur aufmerksam zuzuhören. Ter Anwalt fuhr daher fort:

Mögen Sie aber auch erfahren haben, was Sie wollen, ich glaube, daß es in Ihrem Interesse liegen wird, das, was Sie aus der Vergangenheit des Toten wissen, für sich zu behalten."

Skott, der bisher mit halb nach dem Fenster gewandten Gesicht tote träumerisch zugehört hatte, drehte sich jetzb plötzlich dem Anwalt voll zu. Eine auffadenbe Veränderung war mit ihm vorgegangen. Noch niemals hatte Herr Whitney einen ähnlichen Ausdruck auf diesem Gesicht ge­lesen, das ihm plötzlich sonderbar bekannt vorkam. Es schien ihm gar nicht mehr der Sekretär, der da vor ihm stand und mit kaltem Spott in den Aügen und in der Stimme zu ihm sprach:

Ich bin Ihnen für den freundlichen Rat, den Sie mir erteilen, sehr verbunden, doch glaube ich selbst zu toiffen, was ich meinem Interesse liegt. Mich- dünkt. Sie werden vollauf zu tun haben, Ihre ganze Aufmerksamkeit und Sorge den Interessen Herrn Ralph Main'warings zuzu- toenben."

Damit schritt er, ohne eine Antwort abzuwarten, in! stolzer Haltung durch die nach der Veranda führende Glastüp ins Freie.

Herr Whitney stand einen Augenblick wie versteinert. Tonn murmelte er, dem sich Entfernenden starr nach- blickend:Donnerwetter, das war unverschämt! Und dieser Blick! Wo in aller Welt habe ich den schon gesehen? Wahrhaftig, Ralph Mainwaring scheint am Ende doch eine ziemlich feine Nase zu haben und nicht mit Unrecht hinter dem Menschen etwas zu wittern."

Aehnlich dachte auch Herr Merrick. Er war gerade an die Tür der großen Halle gekommen, als Skott nach der Veranda schritt, und hatte unbemerkt dessen letzte Worte gehört. Tie Treppe zur Bibliothek hinauffteigend, sprach er zu sich:Ja, Whitney ist geMß ein Heller Kopf, aber dieser junge Mensch ist ihm doch über und wird noch allen- eine Nuß zu knacken geben; Mir ahnt, er Mrd mit denn