Ausgabe 
16.12.1904
 
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1804.

Arciiüg fcnt 16. Dezember

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WUKEL?!

Kriminalroman von A. M. Barbour.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sie sind Herr Richard Hodson?" fragte der Coroner.

Zu Ihren Diensten, Herr", antwortete der Mann mit gleißnerischem Lächeln und sanfter, einschmeichelnder Stimme.

Wenn mir recht berichtet wurde, sind Sie mit dem verstorbenen Herrn Hugh Mainwaring einigermaßen bekannt gewesen. Ist das so?"

Nun ja, so einigermaßen", wiederholte der Zeuge mit Betonung des von dem Coroner gebrauchten Wortes. Ich dürfte vielleicht sogar ohne Erhebung behaupten können, daß ich mit dem ehren werten Herrn besser bekannt gewesen bin wie iirgend jemand in diesem Lande."

Wie lange sahen Sie Herrn Mainwaring nicht mehr?"

Ich habe ihn volle dreiundzwanzig Jahre nicht mehr besucht."

Sie haben aber in dieser Zeit mit ihn: korrespon­diert?"

Ter Zeuge zeigte nicht die mindeste Ueberraschung. O ja. Wir wechselten einige Briefe, solange ich noch iit- England war. Seit ich aber hier lebe, schrieb ich ihm nicht mehr."

Sie sagten, Sie hätten Herrn Mainwaring dreiund­zwanzig Jahre nicht besucht, das soll wohl soviel heißen, daß Sie ihn in H'ieser Zeit nicht gesprochen, wohl aber inzwischen gesehen haben. Ich frage nun also: Wann sahen Sie ihn zuletzt?"

Soviel ich mich entsinne, innerhalb der letzten zwei oder drei Wochen einigemale auf der Straße.""

Hat Herr Mainwaring Sie auch gesehen?"

Wenn er das tat, so hat er mich wohl nicht erkannt."

Hier im Hause begegneten Sie ihm nicht?"

Nein."

Wollen Sie mir den Mann beschreiben, mit dein zu­sammen Sie vorgestern abend hier waren?"

Er ist von meiner Größe, aber stärker, und hat ein gutes Aussehen. Auf die Farbe des Haares, der Augen und so weiter habe ich nicht besonders geachtet."

Wie heißt er?"

Ter Zeuge lächelte verschmitzt.Ich kenne ihn unter dem Namen John Caroll, ob er aber wirklich so heißt, weiß ich nicht. Er ist ein exzentrischer Mensch und sehr Vielseitig; man weiß nie, wie man mit ihm daran ist."

Ist er denn nicht Ihr Schreiber?"

Tas wohl eigentlich nicht.Agent" denke ich, würde die richtige Bezeichnung sein. Er wird von mir beschäftigt, besorgt für mich gewisse Geschäfte, aber er tut das nach seinem Gefallen, und kommt und geht, wie es ihm paßt."

Wo befindet er sich jetzt?"

Der Zenge zuckte die Achseln.Ich habe keine Ahnung davon.

Wie lange verweilte er bei Ihnen im Hotel?"

Nur wenige Stunden. Gleich nach unserem gemein­schaftlichen Geschäft verließ er mich, und ich habe ihn seitdem nicht wiedergesehen."

Trug er eine dunkle Brille?"

Während unseres Zusammenseins nicht."

Begleitete er Sie vom Hotel aus hierher?"

Nein. Wir trafen uns auf Verabredung."

Wann erwarten Sie ihn wiederzusehen?"

Ein gemeines Grinsen verzerrte das Gesicht des Zeugew Vermutlich, sobald er mir eine geschäftliche Mitteilung zu machen haben wird. Wann öss aber sein wird, weiß ich nicht."

Sie sollen unter der Androhung der Enthüllung ge- ivisser Tinge mehrfach Geld von Herrn Mainwaring erpreßt haben. Wie steht das?"

Ich will zugeben, daß das jedem, dem Herrn Main- Warings Privatkorrespondenz zugänglich geworden ist, so erscheinen kann, im Sinne des Gesetzes kann aber mein Verfahren nicht als Erpressung bezeichnet werden. Ich nwllte nur erlangen, was mir rechtmäßig zukam. Herr Mainwaring hatte mir, ehe er England verließ, für mein Schweigen über einzelne von ihm verübte Handlungen freiwillig eine gewisse Summe zugesichert. Er hielt aber sein Wort nicht, und deshalb schrieb und drohte ich ihm, mir mein Recht ans gerichtlichem Wege zu verschaffen, !vas natürlich sehr unangenehme Eröffnungen für ihn zur Folge gehabt haben würde. Er hat mich niemals ganz bezahlt, trotzdem aber habe ich bis jetzt geschwiegen." Er hielt einen Augenblick inne und setzte dann langsam hinzur Ja, ich allein kenne das Geheimnis und kann es be­wahren oder verkanfen."

War Herr Mainwaring jemals verheiratet?"

Ich glaube, im allgemeinen galt er nicht für ver­heiratet."

Hat einst eine geheime Heirat stattgefunden?"

Ter Zeuge zeigte wieder sein widerwärtiges Lächeln. Hierüber haben Sie ja schon die Aussagen der Dame des Hauses, und Sie werden sich damit begnügen müssen, da ich mich nicht in der Lage befinde, Geheimnisse Herrn Mainwarings aufzudecken, wenn ich nicht gut dafür be­zahlt werde."

Hiermit ivurde die Verhandlung durch den Coroner geschlossen. Er zog sich mit den Mitgliedern der Gerichts- kommission zur Beratuirg in ein Nebenzimmer zurück.

Hören Sie", sagte Herr Sutherland lachend zu seinem Klienten,dieser Hobson ist ein geriebener Patron. Glatt, iöie ein Aal, hat er sich durch die Hauptfragen gewunden. Nichts haben wir von dem Kerl erfahren. Wenn Sie auf seine Aussagen allein angewiesen wären, dann stände Ihre Sache auf verdammt schwachen Füßen. Danken Sie Sott,.