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,* Ein Vermögen in der Tabakafche. Die englische Fachzeltschrist „Lancet" befaßt sich in ihrer jüngsten Nummer Mit dem Werte der Tabakasche. Die darin enthaltenen Mineralbestandtelle sollen nach dem Blatte den fünften Teil des Gewichts
Leute oder jugendliche Narren. Nur einer unter ihnen, ein lieblicher und schwärmerisch zarter Jüngling, das „Lamm", steht denl Messias nahe, und wird von den Frauen verehrt. Die Askese scheint nicht zu den Lehrern Pigotts zu gehören. Eine gewisse ästhetische Prachtentfaltung eint sich mit den glühend sinn- lichei. Bildern, die er von dem kommenden Reiche der Reinheit und Unschuld entwirft Die Frauen tragen kostbare Gewandung, und der Blick, den ein Berichterstatter des „Liebesheims" in die stillen und weiten Gärten warf, bot eine seltsam exotische Szene. Der Messias stand ausiecht im Mittelpunkt, von seinen schönen Verehrerinnen umgeben. Eine große, wundervoll gewachsene Person, in deren Goldhaar die Sonne leuchtete, trat gerade in einem weißen wallenden Spitzengewande auf ihn zu; sie war eben in den Kreis der Anbeter ausgenommen worden. Diese rätselvolle Gewalt über die Gemüter, die seiner dämonischen Persönlichkeit sich hingeben, hat ivohl den Wahn der Gottheit in dem Propheten noch bestärkt und befestigt. Die Männer, deren Frauen, Bräute und Töchter für die Welt und das Leben verloren, diesem schwärmerischen Ideen folgen, sind aufs höchste erbittert, ja bedrohen sogar das „£>etnt der Liebe". Der Messias setzt denen, die von ihm die Herausgabe der ihm verfallenen Seelen verlangen, eine große Ruhe und eine sichere Bibelkenntnis entgegen; er hindert niemanden, seine Anhängerinnen wieder von ihm abzubringen, und bittet nur, die Mädchen nicht zu verheiraten, da dadurch ihre Seelen in Verderbnis und Sünde gestürzt würden. In den letzten Tagen hat der Messias seine Burg und seine Anhängerinnen verlassen; vielleicht wollte er, der nichts so haßt wie Aussehen und Belästigungen, den Neugierigen und Wißbegierigen entgehen, die nun auch den einsamen Ort, .in den er sich mit seiner Gemeinde zurückgezogen, aufgespürt haben.
* „Einen Floh in festgedruckten Buchstaben in einem Katalog als P r ä ch t st ü ck bezeichnen, das kann nur ein deutscher Professor!" Freilich, so lesen wir in einer Weltausstellungsplauderei der „Köln. Ztg.", handelt es sich nicht um einen ordinären Betthüpferling im Jugendstil der Natur, dieser hochberühmte Floh hat vielmehr temae Jahrtausende vor .Abraham gelebt .und nie Menschenblut gesogen, da es noch keine Menschen gab. Jetzt liegt der ^ehrwürdige Ahnherr wie Schneewittchen in einem durchsichtigen Sarge gebettet, aber nicht aus gewöhnlichem Glas, sondern aus klaren: Bernstein, der einzige seiner Gattung und Art, .welcher der Nachwelt erhalten worden rst. .Nach St. Louis ist er als Krone einer ausgezeichneten Bernsteinsammlung gekommen, die einen Teil der vom preußischen Handelsministerium im Kunstgewerbepalast veranstalteten Kollektivausstellung der deutschen Bernsteinindustrie bildet. j$)ie Ausstellung .ist eingerichtet von Professor Klebs in Königsberg, der auch einen gart» vortrefflichen Führer dazu verfaßt hat. Die von Bruno Möhring entworfene Ausstattung .des Raumes ist sehr originell; die Wände sind mit Bernstemstücken hinter Glasscheiben getäfelt, auch die vorspringenden mit einem blanken Messinghelm abschließenden Glassäulen sind mit Bernstein gefüllt. Die Ausstellung enthält zunächst Musterbeispiele der verschiedenen Bernsteinsorten, darunter seltene Stücke grünen, dunkelblauen, braunen und rötlichen Bernsteins, dann eine große Anzahl von Bernsteinstücken mit Tier- und Pflanzeneinschlüssen, wohlversiegelte Briefe, die eine längst, im Meer versunkene Welt an uns gerichtet hat. Neben der naturwissenschaftlichen kommt auch die historische und ethnographische Bedeutung .des Berststeins zur Geltung; das gelbe, glänzende, geheimnisvolle Mineral lockte die alten Handelsvölker, Phönizier und Etrusker, an die nordischen Gestade und brachte dadurch .den fellumhüllten Hinterwäldlern jener Küste die Anfänge einer höheren .Kultur; Bernsteinperlen sanden sich in veu Königsgräbern von Mykene und stellen die sonderbare Jdeen- verbindung Ostpreußen und Agamemnon her. Ausgestellt sind Bernsteinarbeiten der Steinzeit aus dem Untergrund des Kuri- schen Haffs, Perlen aus einem Grabe der La Tene-Zeit, sechs Jahrhunderte v. Ehr., nebst den anderen Totenbeigaben, einem Bronzeschwert und Armringen, ferner Bernsteinschmuck aus der Zeit des römischen Eindringens in Ostpreußen. Ter ethnogra- phische Wert des Minerals kennzeichnen Bernsteinkorallen für die Neger in West- und Ostafrika, rote zylindrische Perlen für Japan, grüne, runde Perlen, .soenannte Mandarinenketten, für China, Amuletts für Marokko, .ein Königsschmuck aus Korea. Eme Reihe von Firmen bringt nicht nur die typischen Bernsteinartikel, Zigarrenspitzen, Kettenusw., sondern
volle Arbetten aus Bernstein in Verbindung mit anderen Stoffen, namentlich edeln Metallen, Schalen, .Tosen, Schmuckkasten, Uhrdeckeln und Gehäusen für Standuhren, Broschen, Schnallen und viele andere Tinge, ferner Fabrikate aus Bernstein, besonders Firnisse und Lacke. Wie wichtig die Bernsteineinfuhr nach Amerika ist, erhellt aus folgeichen Zahlen: Amerika gebrauchte im Jahre 1891 für 169 233 Mark, im Jahre 1903 für 885 332 Mark Rohbcrnstein."
der Tabakpflanze .darstellen. .Eine Tonne Tabakblätter ergebe vier Zentner Asche. Die Mineralien, die gerade die Tabakstaude dem Boden entziehe, sollen kaum ersetzbar und sehr wichtig sein. Eine Tonne Tabak entzöge jedem Acker des Bodens Mrnerah- bestandteile im Gewichte von über einem Zentner. Im Jahre 1901 betrug der Tabakverbrauch im Bereinigten Königreich etwa zwei St® pro Kopf der Bevölkerung oder insgesamt 40 000 Tonnen, ß demnach etwa 8000 Tonnen Asche dem Winde übergeben worden seien. Diese Asche bestände aus 75 Prozent Calcium und Potasche, 15 Prozent Magnesia und Sodiumsalzen sowie 5 Proz. der für alle Pflanzen notwendigen Phosphorsäure. Jemand, dem es gelänge, die Asche in größeren Mengen zu sammeln, anzu- kaufen und zu vertreiben, würde in wenigen Jahren steinreich werden, und airßerdem sich ein Verdienst um die Wohlfahrt der künftigen Generationen erwerben.
„Siegfrieds Wlut."
Von Ern st v. Wildenbruch.
Wenn Du nun kommst an den Odenwald Eine Wolke da .wirst Du seh'n, Die wird regungslos und wie rotes Blut lieber den Bergen steh'n.
Denst im Odenwalde, das weißt Du ja, Schlugen den Siegfried sie tot —.
Die rote Wolke, das ist sein Blut, Das noch heute zum Himmel loht.
Denn Siegfried, das war der herrliche Held, Wie ihn Deutschland nur einmal gebar —!
Torheit und Niedertracht brachten ihn um1, Weil er ein Deutscher war.
Weil er ein Riese war von Leib, Und von Kopf und Herzen ein Kind, Tas nie wußte, daß Tücke und Neid Stärker als Helden sind.
Töricht in Liebe verriet ihn darum Chrimhilde, das deutsche Weib, Raufte ihr Haar, als zu spät es war, Üeber des Toten Leib.
Schmählich 'in Schwäche verriet ihn darum Gunther, der Königsmann, Weil ihm das fremde Weib es befahl, Gab er den Deutschen daran. —
Wenn Du kommst an den Odenwald, Acht' auf die Wolke gut:
Deutschlands Wange in brennender Scham Lodert von Siegfrieds Blut.
Denn Mas vor tausend Jahren geschah. Tut man in Deutschland noch jetzt, Daß man das 'treue Heldenblut Schmählich zu Tode hetzt.
Heut' noch über dem deutschen Land Waltet des Fremden Gebot.
Seine Kinder bewerfen noch heut' Die eigene Mutter mit Kot.
Deutschlands Seele, ein träumendes Kind, Das zur .Welt.nicht ärstarkt, Trägt ihre Heiligtümer noch heut' Jedem Mißbrauchet zu Markt.
Wolke von Siegfrieds, von Deutschlands Blut, Die keine Stürme verweh'n, Blutmal über dem Odenwald, Wirst Du niemals, niemals vergeh'n?
Heidelberg, Johannistag 1904.
Kapselrätsel.
(Nachdruck verboten.)
Hofraum, Plenarsitzung, Eigelb, Uebernahme, Gedanken, Ameisenhaufen, Grübelei.
In jedem der vorstehenden Wörter ist ein anderes Wort versteckt. Dieselben haben in anderer Reihenfolge folgende Bedeutung: Vorname, weibliches Wesen, Metall, Gesühlsausdruck, Fluß in Sibirien, kleines Tier, Naturgewächs. Sind die richtigen Wörter gesunden, bezeichnen die Ansangsbuchstaben eine Frühlingsblume.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Stammtisch-ScherzeS in vor. Nr.r
Reizende Dame.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Eerlag der Vrülh'scheuUniversitäts-Buch- und S teiudruckerei. R. Lange, Gießen.


