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werde zum mindesten hundert Jahre alt. Ich kann es kaum glauben, daß sie tot sein soll. Welches Ereignis!"
„Mnftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus", bemerkte Mrs. Dalrymple bedeutungsvoll. „Ein solches Ereignis steht uns noch diesen Abend bevor! Es ist schon in Mettapollum angekommen und fährt jetzt mit Ertra- post den Berg herauf."
Fragend schaute ich sie an, sie aber sagte lächelnd nur das Wörtchen: „Max!"
„Woher erfuhr er, daß ich hier bin?" fragte ich leise.
„Aus höchst einfachem Wege: durch eine Drahtnachricht." „Warum aber kommt er?"
„Wieder eine äußerst leicht zu beantwortende Frage: um Sie zu sehen."
„Ach", sagte ich, und mein zwischen Furcht und Hoffnung schwankendes Herz klopfte stürmisch.
„Ja, dies ist ein ereignisreicher Tag für Sie: Ihre Briefe, die Nachricht vom Tode der Rani und der zu erwartende Gast!"
„Ich habe auch eine N em gleit, wenn sie auch nicht so wichtig ist, wie die anderen: einen Brief von Lady Elisabeth Tregar."
„Was?" rief sie, die Hände zusammenschlagend. ,/Erscheint die wieder auf der Bildfläche? Das ist ja köstlich! Rasch, zeigen Sie ihn mir."
Ich händigte ihr den Brief ein, und sie verschlang förmlich seinen Inhalt im Stehen.
„Lady Elisabeth ist wirklich ein gutes altes Mädchen!" riqf sie, nachdem sie gelesen. „Es tut mir jetzt fast leid, daß Ihr Vater sie seinerzeit im Stiche gelassen hat, aber da läßt sich nun nichts mehr machen. Nun werden Sie also doch einmal eine reiche Erbin werden, hilft alles nichts. Na", — sie schwang das Blatt Papier vergnügt in der Lust — „dies hier setzt dem heutigen glücklichen Tage vollends die Krone auf. Sie sehen wahrhaftig schon wieder ganz munter aus. Da kann man sehen, was Kunur und ich nicht alles zustande bringen! Wenn es Ihnen Spaß macht, so pflücken Sie jetzt einige Rosen und Heliotrop für den Speisetisch, und sobald Sie einen rechten Strauß beisammen haben, müssen Sie sich umkleiden."
„Wozu das alles?" fragte ich mich, während ich ein weißes Kleid anzog. und einige Rosen in den Gürtel steckte. Mas nützten mir die Briefe und Glückwünsche, wenn Max mich verabscheute?"
Lange Zeit verweilte ich, zwischen Furcht und Hoffnung kämpfend, in meinem Zimmer, und wie Zentnerlast legte es sich aus mein Denken. Endlich ging ich aber doch in den Salon hinüber, und — hier saß zu meiner großen Ueberraschung Max schon im Gespräch mit Mrs. Dalrymple. Er stand auf, ging auf mich zu und zog meine Hand an seine Lippen.
„Jetzt habe ich ihn noch vor Ihnen zu sehen bekommen", triumphierte Mrs. Dalrymple. „Drei volle Minuten ist er schon hier. Er ist im Glenview-Hotel abgestiegen und zu Fuß herübergekommen. Nun aber", fügte sie aufstehend hinzu, „soll er Ihnen nur selbst den Grund seines Besuches erklären." Lächelnd und mit einem freundlichen Nicken ging sie in den Garten hinaus.
„Vor allem, Pamela", begann er mit vor -Erregung heiserer Stimme, „laß Dir sagen: ich weiß, warum ich Dir allein mein Leben verdanke. Es hat Dir immer gehört und ist nun doppelt Dein eigen."
„So ... so weißt Du also?" Ich atmete schwer.
,^zch weiß, daß meine Krankheit es von neuem bestätigt hat, welch unschätzbares Kleinod Du bist. Nachdem Du aus Royapetta geflohen warst, ist alles ans Tageslicht gekommen: Dein mutiges Unternehmen und der entsetzliche Preis, den Du für die Rettung meines Lebens zu bezahlen bereit warst, obschon ich nachher Ibrahim keine Gelegenheit gab, seine Kunst zu versuchen. Wer an jenem schrecklichen Tage, als ich, durch die prahlerischen Reden des Persers halb wahnsinnig gemacht, in den Palast kam, um die volle Wahrheit aus Deinem eigenen Munde zu hören. . . o Pamela, warum sprachst Du da nicht? -Es kostete mich beinahe das Leben!"
„Es kam alles so überraschend. Ich war so verwirrt, daß ich die rechten Worte nicht gleich finden konnte. Ich wollte Dir alles sagen, aber ehe ich mich zu fassen vermochte, fielst Du in Ohnmacht. Wer sagte es Dir? Wer erklärte Dir den Sachverhalt?"
„Die Rani Sundaram selbst. Mm Tage, nachdem Du
Royapetta verlassen hattest, wurde mir ein Brief von ihr überbracht. Hier ist er, lies ihn selbst."
Damit entfaltete er einen großen, wappengeschmückten Briefbogen. Und während er mir über die Schulter sah, las ich das folgende seltsame, mit zitternder Hand hingeworfene Schreiben:
Von der Rani Sundaram
an den englischen Regierungsbevollmächtigten Thorold.
Die Jasra-Perlen, die ich mir so sehnlichst wünschte, sind in die Hand des Rajah von Ulu, eines alten Feindes unserer Familie, übergegangen. Sein Name sei verflucht! Ibrahim, der Pariahund, hat sich als ein Verräter und ein Narr erwiesen. Mein Herz liegt in der Asche, meine Stunden sind gezählt. Ich will nicht leben, um es mit anzusehen, wie meine Feinde lachen, triumphieren und spotten. Wenn dieser Brief in Deine Hände gelangt, so ist seine Schreiberin tot. Das englische Mädchen verschaffte sich von Ibrahim ein Gegengift, wodurch Dein Leben gerettet wurde. Heimlich ging sie bei Nacht in die Stadt, um ihn aufzufuchen. Als Gegendienst für seine Gefälligkeit versprach sie ihm, seine Frau zu werden. Zwischen mir und Ibrahims Leben aber steht kein Retter.
Fragend sah ich zu Max auf, der mit ernster Miene meinen Blick aushielt.
„Es ist so, wie sie schreibt", sagte er leise. „Für ihn fand sich kein Retter."
„So ist er also tot?" flüsterte ich kaum hörbar.
„Ja, man sand ihn sterbend aus dem Dache seines Hauses. Gestern ist er verschieden." Erschüttert sank ich auf einen Stuhl und weinte.
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Ich hatte England verlassen, um Mrs. Thorold zu werden, und Mrs. Thorold wurde ich nun auch wirklich. Die Trauung fand in der Kirche von Kunur statt, und, wie die Zeitungen berichteten, war es eine überaus vornehme Hochzeit, mit vielen glänzenden Uniformen und nicht wenigen hübschen Mädchen.
Meiner von einem entsprechenden Scheck begleiteten Einladung folgend, wohnte auch Frau Rosario mit einer ansehnlichen Schar aus der Cruudallstraße bei. Die blendende Farbenpracht der Kleider der Mädchen verdunkelte fast die in ihrer Nähe befindlichen Uniformen, und Eulalie mit ihrer strahlenden, sieghaften Schönheit stellte unsere reizendsten Gebirgssterne in den Schatten.
Major Dalrymple machte den Brautvater mit großem Vergnügen. Auch Hochzeitsgeschenke erhielten wir in Menge, und manche darunter, besonders die von der Rani Gindw, waren sehr wertvoll. Die tveniger kostbaren wurden deshalb nicht geringer geachtet, nur waren einige derart, daß sie die Empfänger in eine gewisse Verlegenheit versetzten, wie zum Beispiel Frau Rosarios drei Monate altes Kalb.
Max nahm einen Erholungsurlaub nach England, und dort angelangt, schlugen wir unser Hauptquartier in Loudon, Grosvenor Square 415 auf. Lady Elisabeth ist so sehr entzückt von Max, daß ich fast glaube, sie hat ihn noch mehr in ihr Herz geschlossen, als mich, zumal sie durchaus kein Hehl daraus macht, daß sie die Männer im allgemeinen ihrem eigenen Geschlechte vorziehe. Nun ich mich ihrer Gunst erfreue, werde ich auch von allen übrigen vornehmen Ferrarsfchen Verwandten empfangen und mit Liebenswürdigkeiten überschüttet. Selbst meine Kousinen haben ihren Groll begraben, und Mrs. Thorold — Wattys Mutter — hat uns tatsächlich eingeladen, einige Tage in Beverley zuzubringen. Welchen Vorteil hofft sie wohl bei dieser Gelegenheit aus meiner Person zu ziehen?
Der Hof von Royapetta hat sich wohl oder übel nach einer anderen Erzieherin umfehen müssen, da die bisherige vom Palast ins Regierungsgebäude übergesiedelt ist. Lady Elisabeth trägt sich mit der Absicht, uns in Indien zu besuchen, und ich glaube auch, daß sie ihren Plan ausfuhren wird. Sie hat mir wundervolle Diamanten verehrt, die sie bei meiner hohen gesellschaftlichen Stellung für unentbehrlich hält. Max wollte mich durchaus mit einer echten Perlenkette beschenken, allein ich flehte chn an, es zu unterlassen, da sie mich ja doch nur cm jene anderen Perlen erinnert hätten, die nun den Stolz der Familie Ulu bilden, und so verehrte er mir statt dessen eine kostbare, mit Rubinen besetzte Halskette, die wohl dazu angetan wäre, in irgend einer indischen „Tvscha-Khana" zu glänzen.
Im Innern des Anhängsels steht eingraviert: „Roya»


