Montag den 16. Mai.
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(Nachdruck verboten.)
Im Malak der Aajah.
Roman von B. M. Croker.
Genehmigte Uebertragung von A. Vischer.
(Schluß statt Fortsetzung.)
19.
Für drei Wochen wenigstens war ich frei!
Das reizende, an die malerische Hügelkette sich an- schmiegende Kunur mit dem Blick auf die tief unten liegenden lieblichen Täler schien mich zu neuem Leben zu erwecken. Wenn ich auf die Veranda des entzückenden Landhauses hinaustrat, und mein Blick Mer die baumhohen Farnkräuter, die bunte Blumenpracht und die in blaue Ferne sich ausdehnende Ebene hinglitt, so war ich glücklich, nun im doppelten Sinne des Wortes eine andere Luft zu atmen.
Damals aber, als ich, ans meiner Tonga herauskrabbelnd, zum erstenmale diesen lieblichen Ort betrat, jagte ich meiner Freundin einen entsetzlichen Schrecken ein.
„Um Gott, Pamela!" schrie sie auf. „Wie sehen Sie denn aus? Wie Ihr Geist! Was ist Ihnen zugestoßen?" Dann schloß sie mich in ihre Arme. „Ist das die Wirkung Ihrer Verlobung mit Max?"
„Ich bin nicht mehr mit ihm verlobt."
„Ach was, Unsinn!" Und scherzend fügte sie hinzu: „Ei, ei, kaum verlobt und schon uneins! Da soll ich wohl Frieden zwischen Euch stiften!"
„Nein, nein", antwortete ich erregt, „das ist alles vorüber."
„Nun, lassen wir das vorläufig ruhen; ich will Sie jetzt nicht quälen, liebes Kind. Kommen Sie rasch herein und legen Sie M. Vor allem müssen Sie jetzt eine Tasse von unserem guten Neilgherrytee trinken und dann aus- ruhen. Sie sehen aus, als ob Sie eine ganze Woche nicht mehr ins Bett gekommen wären."
Als ich dann in Mrs. Dalrymples geschmackvollem, auf die Veranda hinaus gehendem Zimmer saß, die kühle, von den Bergen herüberwehende Luft spürte und die mir so wohl bekannten Nippsachen und Photographien, die zutraulichen Hunde und vor allem ihre eigene liebe Persönlichkeit wieder um mich sah — da hätte ich mir zu gern eingebildet, daß alles, was ich während der letzten Tage in Royapetta erlebt, ja mein ganzer Aufenthalt dort nur ein Traum, ein böser Traum gewesen, oder daß ich dort unten gestorben sei und mich nun im Himmel befinde. Mein Gehirn befand sich in einem seltsam überreizten Zustand, um meine Augen lagen blaue Ringe, die Pupillen hatten sich unheimlich erweitert, und meine einst so viel gerühmten gesunden Nerven gehörten einer vergangenen Zeit an.
Aber zwölf Stunden tiefen, ununterbrochenen Schlafes
verfehlten ihre gute Wirkung nicht, sodaß ich mich nach dem Erwachen doch schon wieder eher als mein eigenes Ich fühlte. Als ich darauf im entzückenden Garten saß und keine unberufenen Ohren zu befürchten hatte,, erzählte ich Mrs. Dalrymple ausführlich meine Erlebnisse. Als ich damit zu Ende war, stand sie rasch auf, beugte sich still- schweigend zu mir und küßte mich, herzlich.
„Sie denken natürlich, daß ich mich wieder recht dumm und ungeschickt benommen habe?" fragte ich.
„Ich denke, daß Sie zwar nicht immer gerade weise handeln, aber daß Sie eine Heldin sind und einen Mut haben, dessen ich niemals fähig wäre. Sie haben der Rani getrotzt und Max das Leben gerettet!"
„Ja, und mich verpflichtet, Ibrahim zu heiraten, einen Menschen, der die Laster beider Rassen, denen er entstammt, in sich vereinigt."
„Nein, Sie werden diesen Schurken nicht heiraten!" rief sie heftig. „Es war ein erpreßtes Versprechen. Und er hat ja Max gar nicht gerettet, sondern der englische Doktor! Nur ein armes, überreiztes Gehirn, wie das Ihrige, kann überhaupt aus einen solch schauerlichen Gedanken kommen."
„Aber er hat bei Max geprahlt und ihn: den Ring gezeigt, und Max verachtet mich nun."
„Ich kann gar nicht begreifen, warum Sie ihm nicht sogleich die ganze niederträchtige Geschichte erzählt haben, anstatt wie eine Schuldbeladene vor ihm zu stehen."
„Auch ich begreife es jetzt nicht. Allein alles kam so unvorbereitet, ich befand mich wie in einem Nebel, in einer Betäubung. Die Zunge war mir wie gelähmt. Dann fiel er plötzlich in Ohnmacht und Doktor Flemming schickte mich fort."
„Arme Pamela! Und vor seiner Erkrankung schrieb Max mir «inen solch glückseligen Brief, worin er mir seine Verlobung mitteilte, mir von seiner Pamela vorschwärmte und mir versprach. Sie sobald als möglich zu einem langen Besuche zu mir heraufzuschicken."
„Und nun bin ich, wie Sie sehen, auf eigene Faust zu Ihnen gekommen, um mich zu verstecken."
„Schadet nichts, meine Liebe, Sie werden Ihr Köpfchen bald wieder hoch tragen. Ich bitte Sie, überlassen Sie Ihre Angelegenheiten nur ganz mir."
Ungläubig schüttelte ich den Kopf. Was könnte sie tun? Wie könnte sie den Knoten lösen, den ich mit eigenen Händen geknüpft hatte?
„Daß ich es nicht vergesse: neulich bekam ich auch einen Brief von der hübschen Eurasierin, Ihrer Freundin Eulalie, worin sie sich voller Besorgnis nach Ihrem Ergehen erkundigt. Ich antwortete ihr sofort, daß Sie sich mit Mr. Thoröld verlobt hätten und ich auf Ihren baldigen Besuch hoffe."
„Die gute Eulalia! Sie ist so leidenschaftlich und an- hänglich. Ich schrieb ihr öfter, aber natürlich bekam sie meine Briefe nicht. Ich selbst weiß ja nächstens nicht mehr, wie ein Brief aussiebt."


