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haben, tote sie mit aufgerissenen Augen, roten Gesichtern uitb fiebernden Pulsen einen Ringkampf zwischen irgend einem nrassig gebauten Russen und einem ihm an Fleisch nichts nachgebenden Franzosen verfolgen. Ist der Sieger im Streit gar ein Deutscher, so ist des frenetischen Jubels kein Ende. Auch eine Sorte von Patriotismus! Weshalb Reinhold Begas für solche Veranstaltungen allemal das Preisrichteramt übernimmt, ist mir unverständlich. Wie übrigens bei derartigen Wettkämpfen mitunter gemogelt wird, habe ich seinerzeit erleben können, als der Hamburger Athlet Abs, der nachher kümmerlich an der Schwindsucht gestorben ist, mit dem „furchtbaren Griechen" Pierri rang. Man hatte da eine ganze Reihe von Abenden entriert und kontraktlich festgesetzt, wer heute und wer morgen zu siegen hatte, resp. welche Kämpfe als unentschieden abgebrochen werden sollten, um die Spannung des lieben Publikums gehörig zu erhöhen. Als man schließlich halb und halb dahinter kam, waren die beiden intelligenten Kraftmeier ungefähr fertig und gingen mit ihren gefüllten Brieftaschen lachend davon. Da die Welt ja einem alten Sprichwort nach betrogen sein will, so haben ihr die beiden Ringer damals also nur den Willen getan. Und wer das in diesem Sinne versteht und wahrnimmt, kann noch immer reich dabei werden, auch an der Spree, womit ich nicht etwa gesagt haben will, daß es bei Busch Nicht nach allen Regeln ehrlich zuginge. Im Gegenteil, ich zweifle keinen Augenblick daran, schon um nicht von einem dieser Kolosse gelegentlich aus beide Schultern niedergelegt zu werden.
Vermischtes.
* (Sin In s ekten d u ell, einen Kampf zwischen einer Spinne und einer Wespe, beschreibt R. M. Bawington im „Irisch. Naturallist." tote folgt: Kaum hatte die Spinne die im Netze zappelte Wespe bemerkt, so machte sie erst einen Sprung seitwärts, sprang dann rasch hinter die Wespe und schoß aus ihrer Spinndrüse einen Jaden, der als eine Art Lasso ein Bein derselben fing. Sie zog sich dann beobachtend zurück, während die Wespe sich zu befreien suchte. Fast wäre ihr das gelungen, aber mit einem neuen Sprung warf jene ein neues Lasso über sie, das sie so stark traf, daß sie wieder in einen der Hauptsäden des Netzes fiel. Die Spinne beobachtete zuerst wieder mit aufgerichtetem Körper, dann lief sie um die Wpspe herum, und spann, ohne sie zu berühren, ihre Flügel ein. Als später die Wespe aus Müdigkeit für einen Augenblick mit ihrer Arbeit aufhörte, stürzte jene sich auf sie, um sie zu umwickeln. In weniger als 1 Minute war letztere wie eine Mumie eingehüllt, wobei die Spinne teils um sie herumging, meist aber mit ihren Beinen jene in eine drehende Bewegung versetzte. Sie hörte erst auf, als die Wespe aussah, wie eine grauweiße Schmetterlingspuppe und nichts mehr von ihr zu sehen war.
* Papageien, die sich bezechen. Auf Ceylon gibt es eine Art von Fledermauspapageien (Coryllis in- dicus), die Mittel und Wege gefunden hat, sich in Pflanzensaft zu betrinken. Tie dortigen Eingeborenen pflegen die Zuckerpalmen anzubohren; sie fangen den ausströmenden Saft in angebundenen Gefäßen auf, in denen er gärt und daun zu einem „Toddy" (Palmwein) genannten berauschenden Getränke wird. Ties haben nun jene Papageien aus- gekuudschaftet und nehmen von dem Toddy unter Umständen so viel zu sich, daß sie bewußtlos und in diesem Zustande von den Eingeborenen leicht eingefangen werden. So berichtet Prof. Tr. W. Marshall in der 27. Lieferung seines populären Prachtwerkes: „D ie Tiere derErde" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), mit der die Naturgeschichte der zweiten Wirbeltierklasse, der Vögel, beginnt. Diese vorzügliche geschriebene Tierkunde für jedermann steht illustrativ ganz einzig da, indem ihre Abbildungen (mehr als 1000, darunter 25 Farbendrucktaseln) ausnahmslos nach photographischen Aufnahmen lebender Tiere hergestellt worden sind. Ter der 27. Lieferung beigegebene prächtige Farbendruck stellt einen Kronenkranich dar. Tie Ausgabe der „Tiere der Erde" erfolgt zur Erleichterung der Anschaffung in 50 Lieferungen zu je 60 Pfennig.
* Eine eigenartige Grabschrift ist auf einem Grabstein in der Kirche in Steinach im Kinzigtal (Baden)
eingemeißelt. Tie Verstorbene war vor rund 125 Jahren Wirtin zur „Flasche" — das Wirtshaus soll noch stehen — sie verfaßte, anscheinend von Gewissensbissen geplagt, die Grabschrift selbst, die wie folgt lautet:
Komme lieber Gast und lese da, Hier lieg ich tot, Rosalia, Nachdem ich 44 Jahr Eine gute Eh- und Wirtsfrau war.
Da nun mein Fleisch in Staub vergeht, Wie meinst, daß 's meine Seele steht? Wo ich kein Heller Zech' mehr lös, Als nur für das, was gut und bös, Ja, was ich auch nicht selbst getan. Rechnet man mirs aufs Genaueste an. Und muß bezahlen fremde Schuld, Wenn ich was Böses hab geduld.
Laßt dieses Euch zur Warnung sein Ihr Wirt und Alle insgemein. Sprecht bei meinem Wirtshaus zu, Sprecht: Gott geb ihr die ewige Ruh', Anno 1780, 19. August.
Literarisches.
— George Meredith: Richard Feverel. Eine Geschichte von Vater und Sohn. Autorisierte Uebertragung von Julie Sotteck. (S. Fischer, Verlag, Berlin). Geh: 4 Mk. George Meredith gilt in feiner Heimat als etn Klassiker des Romans. Wer er hat das patriarchalische Alter erreicht, ehe man auf dem Festlande auf ihn aufmerksam wurde. Diese Verspätung des Interesses wird indessen dem Verständnis des eigenartigen, ost etgensmntgen Mannes dienlich sein. Meredith ist eine so ausgeprägte Persönlichkeit, sein Blick in die Menschenseele und in dte soziale Welt ist so unbestochen und charaktervoll, daß dte Schätzung seiner Produktion mit der oberflächlichen Entwicklung nicht in gleichem Schritt kommen konnte. Erst jetzt, da die Arbeit der besten Männer des 19. Jahrhunderts beginnt, unsere Kultur und Geistesverfassung seelischer zu machen, wird auch Meredith das rechte Geuor bei uns finden. „Richard Feverel" ist sein erster größerer Roman: ein Werk, aufs reizvollste zusammengesetzt aus der Spannung äußerer Geschehnisse und der Verttefung der psychologischen Einsicht. Es ist eine Erziehungsgeschicy.e im doppelten Sinne. Ten Mchard Feverel will fern Barer nach seinem System erziehen, indes das Leben ihn nacg seiner Kraft bewegt und vorwärts treibt. Humor, Poesie und ein unverrückbares ethisches Grundgesühl, das an Kraft der Intuition demjenigen Tolstois nichts nachgtbt, nur daß es von aristokratischer Natur ist, machen diesen Roman zu einer der seltenen belletristischen Erscheinungen, die ein tieferes Lebensinteresse beanspruchen.
Königszug.
(Nachdruck verboten).
Die Silben sind so zu verbinden, wie der König aus dem Schachbrett zieht, nämlich von einem Feld auf em beliebiges Nach
barseld.
wirkst
klar
sen
und
ge
stern
dir
du
auf
kannst
liegt
auch
Heu
ein
kräs
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frei
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lich
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gen
tig
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glück
das
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Hof
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in vor. Nr: Bücherverzeichnis
Redaktion! August Götz. — Rotationsdruck und Vertag der Brühf fcheu vniversttäts-Bucb- und Cteindruckerei. R. Lange Gießen.


