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Vermischtes.
* Der Kragenscho ner. Wir lesen int Kunstwort: Es ist ja so ungemein bequem; wenn man auf den Knopf drückt, schnappt er ein, und die Geschichte sitzt tadellos. Das Futter nach innen, den prachtvoll gemusterten Seidenstoff nach außen, sodaß er einen halben Zoll über den Mantelkragen hinausreicht und liebevoll den männlichen Nacken umschlingt — kann es Schöneres, kann es Vornehmeres geben? Schwerlich, denn die schönsten, die vornehmsten Leute tragen ihn, namentlich was so die „besseren Herren" sind. Ach vor Zeiten war auch ich ein besserer Herr, und ein besserer Mensch gewiß, da trug ich selbst einen Kragenschoner. Nunmehr aber nehme ich Aergernis an ihm. Für seine ältere Schwester dagegen, für das Halstuch, bin ich mit Gefühl, Bewußtsein und Logik. Das läßt mir den Oberbefehl, ich krnn's drehen und wenden, je nach der Witterung, kann mir's um die Ohren schlagen, wenn's not tut, und aufbügeln lassen, wenn ich „Eindruck" machen will. Der Kragenschoner — nun ja, er ist gefüttert und sein goldener Knopf glänzt in der Sonne. Aber er ist so langweilig, so schnurgerade, so ganz Vorschrift in jeder Linie, und erwärmt keines Menschen Hals recht, geschweige denn sein Herz. Er will ja nur den weißen Kragen schonen, obgleich der doch von Natur dazu bestimmt ist. Schaden zu nehmen im Staube dieses Lebens — und wieder gewaschen zu werden. Kurz: der Kragenschoner und ich, wir sind geschiedene Leute. Indes, da kommt Dr. Eisenbart und sprichst: Mein Herr, Halstücher trägt man nicht, wenn man gesund bleiben will. Worauf
das Wohl der dortigen Europäer keineswegs gleichgiltig feilt, denn durch sie laufen alle Fäden unserer Beziehungen, die wir mit dem Jnselreichss unterhalten. Direkter Verkehr mit Japanern ist schwierig, oft geradezu gefährlich, und so bilden denn die Fremden das einzige zuverlässige Mndeglied. . _ „ „ _ '
Warum nun japanischen Erfolgen zujubeln? Was haben wir denn von Japan zu hoffen? Ganz abgesehen von Rassen- und Religionsfragen ist auch vom nüchternen Nützlichkeitsstandpunkt aus ein Anwachsen' der ostasiatischen Macht nicht wüttschbar. Alle, welche den Japaner näher kennen lernten, haben sich von desseit glühendem Chauvinismus überzeugen können. Basil Chamberlain, Wohl einer der besten Kenner Japans, kennzeichnet diesen Zug schon im Jahre 1898 in seinem klassischen Werke „Things Japanese" mit folgenden Worten: „Seit dem chinesischen Feldzug wartet man sehnsächtig darauf, sich an einem größeren, einem europäischen Gegner, sei es nun England oder Rußland, zu messen", und führt dann weiter aus, Ivie das Volk sich für berufen halte, Kolonien zu gründen, die Philippinen und Australien zu annektieren und sich zum diplomatischen und militärischen Leiter Asiens aufzuwerfen. Es zeigt sich eine militärische Expausionslust, ein Größenwahn, die wirklich beunruhigend sind. Vor zehn Jahren wagte sogar der frühere Ministerpräsident Okuma den großen Ausspruch, die Zeit sei nahe, wo auf den sibirischen Steppen Japan mit dem Westen um die Weltherrschaft ringen werde. Vor dem spanischs-atnerikanischen Kriege unterhielt man lebhafte Beziehungen mit den Filipinos, und jetzt wird in'Siam agitiert. Bei der Annektion der Sandwichinfeln durch die Vereinigten Staaten schlug die japanische Presse einen kriegerischen Ton an und während der kretischen Wirren stellte sie sogar die tolle Forderung, ein Kriegsschiff nach dem Mittelmeer zu entsenden; dies sei Japan seiner Stell- uttg als Großmacht schuldig. Dieser agressiven Haltung, dieser Sucht, sich in alle Welthändel zu mischen, entsprachen die unaufhörlichen Rüstungen, welche eine gefunde innere Entwicklung des Landes unmöglich machen und seine Mittel erschöpfet:. Die Nation strebt nach neuen kriegerischen Lorbeeren.
Ueber Rußland mag man nun urteilen, wie man will, aber heute steht es, vor allem in den Augen der Asiaten, als Vorkämpfer Europas da. Mit ihm siegt oder fällt auch das europäische Prestige, denn für die Völkermassen Ost- asiens existiert kein Unterschied zwischen Russen, Deutschen oder Engländern. Was aber der Verlust unseres Prestiges bedeutet, könnten uns neue Kriege und eine Wiederholung der Morde und Aufstände in China lehren.
ich unerschrocken erwidere: aber Halsbinden, die muß der gebildete Mensch doch tragen! Zwar, wir tragen „Schlipse" oder auch „Krawatten", als welche man fix und fertige, auf Draht gezogene Halsbinden nennen könnte. Warum so fertig, warum gedrahtet, gedreht, genäht und geschnallt? Warum mit einer prangenden Nadel geschmückt, die sich am Zeuge hält, anstatt das. Zeug zu halten. Zu Großvaters Zeiten, antwortete der Widerpart, hatte man Zeit, sein eigener Bindemeister zu sein. Wir haben das nicht mehr nötig und haben wichtigeres zu tun. Es gibt Fabriken! — Aber während er noch spricht, habe ich bereits mein sanftes Halstuch, das fügsam lebendige, zur Halsbinde umgewandelt, eine eherne Nadel nach reiflicher Ueberlegung darein versenkt und ziehe stolz von dannen. Stolz, jawohl, denn nun kann ich, wenn ich's kann, nicht nur meinen eigenen Kopf aufsetzen, sondern auch meinen Hals so tragen, wie mir's gefällt und nicht, wie's Nachbar Schulze, der Posamentenschulze, der Drahtschulze, mir verordnen will.
* Ein erfolgreicher Vortrag. Als der unlängst verstorbene Mac O'Rell in den Vereinigten Staaten Vorträge hielt, kam eines Tages ein junger Mann zu ihm, der sich bei ihm für den Vortrag am Abend vorher lebhaft bedankte und sagte: „Ich habe mich nie in meinem Leben besser unterhalten." Der Redner griff erfreut nach der Hand seines Bewunderers und meinte: „Ich bin wirklich froh, daß meine bescheidenen Bemühungen Ihnen solche Freude gemacht haben." „Ja", lautete die Antwort, „mein Vergnügen war außerordentlich groß. Ich bin, nämlich verlobt, und die ganze Familie meiner Braut ging zu Ihrer Vorlesung, sodaß ich sie ganz für mich allein zu Hause hatte. Es war ein glücklicher Abend. Ich danke Ihnen sehr, Mr. O'Rell. Halten Sie, bitte, bald wieder einen Vortrag!"
Magisches Dreieck.
(Nachdruck verboten).
A
7 A B
E E E
G I K L
N R K Ü U
Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart einzu- tragen, daß die drei Außenreihen und die drei wagerechten Nitttel» reihen Wörter von folgender Bedeutung ergeben; 1. Tischgerät; 2. Küchengewächs; 3/Schlinggewächs; 4. Flur ; 6. Mann aus Afrika; 6. Held der Artussage.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Zahlenschrift in vor. Nr.:
Ter Siege göttlichster ist das Vergeben.
• Schmer.
(Schlüsselwörter : Abend, China, Gestirn, Rötel, vier.)
Auflösung des Preisrätsels in Nr. 55 der Fantilienblätter Gieße« Isar Ente Schantung Saloniki Ernte Netz Eben Riviera
Gießener Anzeiger.
1. Preis: Die kun st gemäße Garitierung von . S ch ü ss e l n, mit 25 iarbigen Tafeln, von Johanna Mackeldey i H. G r ü t t n e r in Braunfels.
2. Preis: „Die Mütter" Beitrag zur Erziehungssrage von Hedwig Dohm. R. u. O. H o m b e r g e r in Gießen, Plack- straße 4.
I 3. Preis: „ Rei je - St i p e n d ien", Erzählung von Julius Verne: Ernst Troß in Gießen, Rodheimerstraße 58.
Die Preise sind von den Gewinnern gegen Vorzeigung der Abonnementsquittung in der Geschäftsstelle des „Gießener Anzeigers" in Empfang zu nehmen.
Redaktion: August Götz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnivrrsitStS-Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen.


