Ausgabe 
16.3.1904
 
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Witlrvoch den 16. März

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I. (Nachdruck verboten.)

3m Dalak der Aajah.

Roman von B. M. Croker.

Genehmigte Uebertragung von A. Bischer.

(Fortsetzung.)

Nach etwa zwanzig Minuten kehrte Mrs. Hassall zu­rück, um mich zu holen. Wogen von gelbem Seidenstoff umrauschteu sie. Ihre Absicht, ein Teekleid anzuziehen, hatte sie augenscheinlich aufgegeben, und das prachtvolle, offen­bar von einer europäischen Kleiderkünstlerin angefertigte Staatsgewand kleidete ihre schmächtige Erscheinung vor­trefflich. Den Hals umschloß eine Perlenschnur, ein Brillantstein funkelte im dunkeln Haar, und die kleinen Augen blitzten vor selbstgefälliger Zufriedenheit.

Nun kommen Sie rasche sie streckte mir ihren mageren, mit Goldreifen geschmückten Arm entgegen, es ist fast acht llhr, und mein Mann ist ein unruhiger Geist, der mich von einem Ort zum andern hetzt und doch stets behauptet, ich komme zu allem zu spät."

So plaudernd, führte sie mich in den Salon, wo sich zu meiner großen Erleichterung, außer einem untersetzten Hern: im Gesellschaftsanzug mit tief ausgeschnittener Weste noch niemand befand. Freundlich kam er auf mich zu und reichte mir die Hand.

Mein Mann, Oberst Hassall."

Sehr erfreut, Sie in unserem Hause begriißen zu dürfen." Und mit einem bedeutungsvollen Lächeln fügte er hinzu:Es tut mir uur lech, daß Ihr Besuch von so kurzer Dauer sein wird."

Mein lieber Horaz", unterbrach ihn seine Gattin, willst Du so freundlich sein und nachsehen, ob Ahmed auch den richtigen Bordeaux in Bereitschaft hat? Du erinnerst Dich des neulichen Mißverständnisses. . . Sie aber bitte ich, sich zu setzen und zu tun, als gehörten Sie mit zur Familie. Kommen Sie hierher aufs Sofa und sagen Sie mir, wie Ihnen mein Salon gefällt."

Ich schaute mich um. Es war ein ungewöhnlich großer Raum. Drei breite Glastüren führten auf die Veranda. In einer Msche stand ein Flügel, im Kamin gegenüber brannte, der kühlen Jahreszeit entsprechend, ein Holz­feuer. Der Boden war mit Matten bedeckt, auf denen ver­schiedene kostbare persische Teppiche lagen. Vorhänge und Möbelstoffe waren hellrosa, die Möbel selbst aus weißem Holz. Dazwischen standen in geschmackvoller Anordnung eine Menge großer Palmen, auch an Gemälden, Photogra­phien und reizenden Nippsachen war kein Mangel, und über dem ganzen lag der milde Schimmer rosig beschat­teter Lampen.

Es ist wohl der hübscheste Raum, den ich jemals gesehen habe'", bemerkte ich endlich aus voller Ueber- zeugung.

Ich freue mich, daß er Ihnen gefällt. Er gilt aber auch! als Muster für ganz Bareda und hat mich viel Arbeit und Kopfzerbrechen gekostet. Da wir indes fünf Jahre festsitzen, so lohnte die ganze Einrichtung wenigstens der Mühe. . . Ah, da sind sie wohl schon!" rief sie, als sich das Rollen von Wägen vernehmen ließ, welche die Rampe herauffuhren.

Bald darauf erschienen die Gäste. Zuerst Mrs. Met­calfe, eine kleine, lebhafte, elegant gekleidete Frau, mit Stumpfnäschen und hübschen Augen, begleitet von ihrem Gatten, dem Obersten, einem breitschulterigen Herrn, dem man den Militär wohl ansah. Ihnen folgte Miß Flasham, eine auffallend hübsche Blondine in schwarzem, silberge-. sticktem Kleide, ferner Hauptmann Maillard, ein heiterer, noch junger Offizier mit großer Nase und klugen, blauen Augen. Er war zu meinem Tischnachbar bestimmt und ließ es sich, als wir uns Arm in Arm ins Speisezimmer begaben, sofort angelegen sein, mich aufs liebenswürdigste zu unter­halten.

Ich konnte nicht umhin, den geschmackvoll mit Blumen und Silberzeug geschmückten Tisch, sowie die lautlos wal­tenden, schneeweiß gekleideten Diener zu bewundern, von denen für jeden Gast einer bestimmt war und die sich unter einander an Dienstfertigkeit überboten.

Cie kommen hoffentlich heute abend mit auf den Ball, Miß Ferrars?" fragte mein Tischnachbar.

Ich habe nicht die Absicht."

Finden Sie es nicht auch abscheulich von ihr,, daß sie das Aschenbrödel spielen will?" fiel Mrs. Hassall mit ihrer gellenden Stimme dazwischen.Mein Ruf als Mrtiw wird dadurch, für immer vernichtet."

O der kann durch nichts angefochten werden"', ent­gegnete mein Nachbar höflich.

Uebrigens muß ich Ihnen sagen, meine Liebe", ries sie über den Tisch herüber mir zu,daß wenn Sie erst mal nach Rutnagherry übergesiedelt sind, es vorbei ist mit Bällen und ähnlichen Vergnügungen! Das dürfen Sie mir glauben!"

O, das schadet nichts, mir liegt nicht viel am Tanzen", versicherte ich keck.

Dann kommen Sie doch wenigstens zum Zusehen; das ist. doch immerhin etwas."

Ich, möchte aber wirklich lieber zu Hause bleiben, wenn. Sie es erlauben", entgegnete ich hartnäckig.

Nun denn, so tun Sie, was Sie wollen. Uebrigens passen Sie in Ihrer Abneigung gegen den Tanz vortrefflich zu Watty, denn als Tänzer ist er wirklich! schrecklich", fuhr sie fort, sich nun der ganzen Gesellschaft zuwendend.Als habe er einen Kartoffelsack im Arm, so unbarmherzig zerrt er seine Tänzerin herum."

Ich fühlte, wie mir das Blut in die Wangen stieg. Mein Nachbar aber schien Mitleid mit mir zu haben; denn er lenkte das Gespräch sofort in andere Bahnen, indem er mich nach den neuesten englischen Büchern fragte. Allein