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Im Steuerfach ist's Satzung, Taß der Jurist befiehlt, Weil Steuern er und Schatzung- Ms Zahler nur gefühlt.
Es leitet das Kataster In Deutschland der Jurist Weil er des Wissens Laster Mit Vorsicht nur genießt.
So ist's in jedem Zweige Bis auf das Militär, Wenn das nichts taugt im Reiche, So kommt es davon her,
Daß an der Spitz' nicht stehet In Deutschland ein Jurist, Ter nichts davon verstehet Und der nicht Fachmann ist.
Willst du drum avancieren
Im deutschen Vaterland, Mußt Jura du studieren, Tas ist 'der schönste Stand.
Ter Fachmann hat zu denken, Zu leiten der Jurist, Ten Staat kann er nur lenken, Weil er nicht Fachmann ist.
Doch will ich dir noch raten: Darfst nicht zu fleißig sein. Sonst impfst du dir den Schaden Zu vielen Wissens ein.
Es gilt nur für gefcheidte In Deutschland der Jurist, Wenn er des Blickes Weite In vollem Maß genießt.
Tust du zu viel studieren,.
So wirst du Justitiar, Und mit dem Avanciere« Ist's damit völlig gar.
Es kann's zu was nur bringen In Teutschland der Jurist, Wenn in jurist'schen Dingen Er auch nicht Fachmann ist.
Obiges Spottgedicht entnehmen wir den „Liedern und Reimereien eines alten Grünrocks aus der Pfalz", die unter vieler Spreu auch mancherlei Wahrheiten enthalten.
vermischte».
* Neue Einbli cke in den inneren Menschen. Die Röntgenstrahlen haben der medizinischen Untersuchung, wenn auch nicht so viel wie optimistische Hitzköpfe in den ersten Tagen nach der Entdeckung vorausfehen wollten, so doch immerhin mehr gegeben, als die nüchtern prüfende Wissenschaft noch vor wenigen Jahren zu hoffen wagte. .Durch mühevolle, unablässige Arbeit sind auf diesem Gebiet Erfolge errungen worden, die hoch zu veranschlagen sind und auch die Aussicht auf noch größere Ergebnisse in der Zukunst in sich schließen. Die Ermittelung von massiven Fremdkörpern, beispielsweise von Geschossen im menschlichen Körper, war die nächstliegende Anwendung der Röntgenstrahlen, sodann das Studium des Knochengerüsts und seiner etwaigen Verunstaltungen durch Krankheit. Allmählich ist man aber noch wesentlich weiter gekommen. Äon besonderem Gehalt ist in dieser Beziehung ein Vortrag, den Professor Rieder in der Gesellschaft für Morphologie und Physiologie in München gehalten hat und jetzt in der Münchener medizinischen Wochenschrist veröffentlicht. Er handelt von Untersuchungen dev Magens und Darms beim lebenden Menschen, die dadurch ermöglicht werden, daß man durch das basisch salpetersaure Wismut ein Mittel hat, tze betreffenden Organe für die Röntgenstrahlen undurchlässig zu machen. Der Stoff wird einfach, den Speisen beigemischt, was ohne jeden Schaden für deren Bekömmlichkeit geschehen kann. Während des Aufenthaltes der Speisen im Magen und Darm und sogar noch, etwas länger werden diese Körperteile dann auf einer Röntgenphotographie sichtbar und man kann daher nicht nur ihre Lage und Form, sondern auch ihre Bewegungen während der Verdauung nachweisen. .Was den Magen bereifst, so hat Rieder zunächst festgestellt, daß er in gefülltem Zustand nicht wagerecht, sondern senkrecht oder nur wenig schräg gestellt ist. Gegen das Ende der Verdauung verschwinden natürlich die Speisereste aus dem Magen bis auf die Nachbarschaft des Magenausgangs. Während der Verdauung treten fast regelmäßig größere Gasansammlungen im Magen auf. Die Größe des Magens kann nicht ermittelt werden, wenn er leer und ganz in sich zusammengezogen ist/ wohl aber nach einer kräftigen Mahlzeit. Früher hatte man für diesen Zweck nur das nicht unbedenkliche Mittel, den Magen mit Gas künstlich aufzublähen. In der Gestalt des Magens machen sich auch gewisse Unterschiede bei den Geschlechtern bemerkbar, indem dieser Körperteil oft durch das Korsettragen gestreckt in die Länge gezogen
und nach unren gedrückt wird, wostlr die Merzte geradezu den Ausdruck „Schnürmagen" gebrauchen. In ähnlicher Weise kann die Lagerung .der Gedärme, nämlich der Dünndarmschlingen und des Blinddarms ermittelt werden. Die Schlingen des Dünndarms treten auf einer Röntgenphotographie geradezu plastisch hervor,, wenn sie mit einer wismuthaltigen Lösung gefüllt sind; auch beim Tickdarm kann man deutlich erkennen, wie weit die Flüssigkeit darin vorgedrungen ist und ob etwaige Verschiebungen deS Organs, stattgefunden haben. Noch wichtiger fast erscheint die Tatsache,, daß das Verfahren auch den Fortschritt der Verdauung jm Magen und Darm zu beobachten gestattet. Wir erfahren dadurch u, a., daß die Leerung des Magens nicht in einem fortgesetzten Fluß, sondern gleichsam stoßweise erfolgt; ferner daß diese Entleerung nach dem Genuß von Flüssigkeiten schneller vor srch geht als nach Zufuhr fester oder breiartiger Speisen; endlich, daß eine stärkere Füllung des Magens auch eine schnellere Geschwindigkeit der Entleerung bedingt. Es kann also die überaus bedeutsame Frage, wie lange verschiedene Speisen den Magen belasten, rasch und sicher entschieden werden. ,Ter Weg, den die Nahrungsveste bis in den Dickdarm zurücklegen, wird in drei bis vier Stunden durchmessen. Vielleicht könnte jetzt durch die Röntgenstrahlen auch manche Aufklärung über die Entstehung und den Verlauf der Blinddarmentzündung .ermittelt werden, die gerade in unserer Zeit so viele Opfer fordert. ______________
Literarisches.
— Die Werke Anton Tschechoffs', des dor kurzem gestorbenen „russischen Maupassant" .sind in dem bekannten Verlag von Eugen Diederichs in Leipzig in 5 Bänden, fein ausgestattet, erschienen. Die Uebersetzung von Wladimir Czumikvw wird den höchsten literarischen Ansprüchen gerecht und läßt den prächtigen Humor Tschechoffs aus seiner originellen Schreibweise ungeschwächt hervorgehen. Tschechofs ist in erster Linie Humorist, und sein Humor ist ein echt künstlerischer, denn der russische Dichter tritt als ein überaus feiner, scharfblickender und zugleich warm mitempfindender Psycholog den menschlichen Eigentümlichkeiten näher, die er mit beißendem Spott zu geißeln, aber auch mit der echten Anteilnahme eines tiefen Gemütes zu erfüllen weiß. Sein Humor — er ist u. a. ein großer Tierfreund — ist stets herzerwärmend und ohne eigentliche Schürfe der Tendenz. Mit Maupassant hat er das gemein, daß auch er die Fäden der Lrebes- händel bis ins Letzte verfolgt und in der äußerlichen Beurteilung seiner Menschen zu einem ziemlich pessimistischen Resultat kommt. Dagegen ist er keineswegs, wie der Franzose, Realist. Er schaut mit intensiver Subjektivität und verrät stets den warmherzigen Dichter und Humoristen. .Die Geschichten, die er erzählt, sind alle kurz; die Gabe, in weitem Rahmen ein größeres Werk zu schaffen, fehlt ihm gänzlich. .Dies hindert indessen nicht, daß er als Künstler mit an der Spitze des russischen Schrifttums steht. Von ausschließlich humoristischem Inhalt ist der 1. Band seiner Werke in der deutschen Ausgabe. Da ist vor allem „Kaschtanka", eine Hunde- gefchichte von ungewöhnlichem Retz. In der Tierseele, in der Seele des Hundes, der Katze, der Gans, des Schweines, weiß hier der lachende Psycholog die scharfsinnigsten Beobachtungen charak- teristischer Verschiedenheiten aufzudecken, die wir sofort erkennen und die uns herzlich amüsieren. Die Skizze „Die Verleumdung^ ist etwas anderer Art, ein Meisterstück spottenden Humors. Der 2. Band enthält zum Teil Proben eines ähnlichen Humors. Doch gibt es darin auch Erzählungen von ernstem Charakter, von bitter ironischen Beobachtungen, denen der flüchtige Humor nicht ihre beredte Sprache raubt. Tschechoff schaut da die Kleinlichkeiten und Erbärmlichkeiten des Philistertums Und legt mit der scheinbar harmlosen Wiedererzähtung dieser Dinge seinen Lesern wortlos ein besseres, wahres, menschliches Empfinden nahe. So bleibt er gleich interessant, fesselnd und voll tiefer Empfindung in allen seinen! Schriften. Seine Dramen, die in der deutschen Ausgabe, von Diederichs verlegt, einen Band füllen, sind dramatisch etwas unbehilflich. verdienen aber ebenfalls Interesse, r a auch des Dichters feinste und erfrischende Kunst der Novellistik an gehört.
Zahlenrätsel.
(Nachdruck verboten.)
123456789 10 Trieb.
2 6 6 8 2 Kampfplatz.
3 8 4 6 7 Mehlspeise.
4 2 3 10 5 Italienischer Dichte«.
5 4 8 2 6 4 Mannlicher Personenname.
6 2 4 7 5 6 Sportsmann.
7 5 1 2 7 4 Deutsche Dichterin.
8 7 9 10 5 6 Irländische Provinz.
9 5 4 2 8 Stadt in Frankreich.
10 6 8 9 10 Bezeichnung für einen bestimmten Zusammenschluß. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrätsels in vor. Nr.r Eingemachte Psirsische.
Redaktion: Auaust (BoeU. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R.Lange, Gießen.


