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Kn angenehmes Kke.
Humoristischer Roman.
Von Victor von ReiSner.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Einen Augenblick standen sich die beiden Herren stumm gegenüber, gleichsam gegenseitig auf den Angriff wartend, dann, nach kurzer Verneigung, fragte der Major fragenden Tones:
,Hch hoffe, daß Ihr Besuch nichts Uebles zu bedeuten hat."
„Das hängt ganz von Ihrer Auffassung ab", erwiderte Stepenaz zurückhaltend, „meine Absicht ist jedenfalls die allerbeste."
„Dies zu bezweifeln wäre unartig. Wollen Sie gefälligst Platz nehmen."
Man setzte sich, und nach einer Weile des Ueberlegens begann Stepenaz tastend:
„Sagen Sie mir, Herr Major, würden Sie es als eine Beeinträchtigung Ihres geschäftlichen Unternehmens empfinden, wenn auch ich dem Gedanken, eine Zuckerfabrik zu bauen, näherträte?"
Ueber Höchstfelds Gesicht huschte ein triumphierendüberlegenes Lächeln.
„Im Gegenteil", sagte er, „es würde mich sogar freuen, den Impuls zu einer rationellen Ausnutzung der vorhandenen Werte gegeben zu haben."
„Sie vergessen aber, daß Ihnen dadurch Konkurrenz erwächst."
„Davon kann ja gar keine Rede sein", widersprach ihm Herr von Höchstfeld lebhaft, „ich wollte, es würden hier sogar noch sehr viele Fabriken entstehen, dann erst könnten wir auf dem Markte ein Wörtchen mitsprechen, dann erst wäre an einen wirklichen Gewinn zu denken."
Stepenaz fühlte, wie ihm der Faden entglitt, und um nicht noch weiter vom Ziel abzulenken, bat er:
„Möchten Sie nicht die Freundlichkeit haben, Ihren Herrn Inspektor an unserer Unterhaltung teilnehmen zu lassen — es wäre mir sehr erwünscht, von ihm, der ja darin so viel Erfahrung zu haben scheint, über verschiedene Punkte Aufklärung zu erhalten."
„Mit größtem Vergnügen", sagte Herr von Höchstfeld zu, und Erich eilte, ohne erst eine Aufforderung abzuwarten, davon, Szabo persönlich herbeizuholen.
Kurz darauf betrat er mit diesem das Zimmer, und Herr von Höchstfeld unterrichtete den Erschienenen mit wenigen Worten von des Grafen Absicht.
„Wie mir der Herr Major mitteilte, wandte sich dieser im ruhigsten Gesprächston an Szabo, „haben Sie auch auf der gräflich Jülöpschen Herrschaft eine Zuckerfabrik ins Leven gerufen."
„Allerdings", bestätigte Szabo.
„Die Bodenverhältnisse sind doch im Baranger Komitat dieselben wie bei uns — nicht wahr — oder täusche ich mich darin?"
Szabo zögerte einen Moment mit der Antwort.
„Es sind dieselben", räumte er dann widerstrebend ein.
„Und wir haben demnach mit dem gleichen Zuckergehalt unserer Rüben zu rechnen", zog Stepenaz als Schlußfolgerung.
Auch das mußte Szabo zugeben.
„Run, was das betrifft", erllärte ihm hier Höchstfeld mit überlegenem Lächeln, „so können Sie ganz außer Sorge sein. Herr von Szabo hat mir die Dokumente über die stattgehabten Analysen vorgewiesen, die geradezu glänzend ausgefallen sind."
Graf Stepena' z schüttelte bei dieser Erklärung ein um das andere Mal den Köpf.
„Sonderbar, höchst sonderbar", murmelte er dazu.
„Was finden Sie so sonderbar?" fragte der Major pikiert.
„Daß die Leute trotz dieses nachgewiesenen Zuckergehaltes nicht aus die Kosten kamen, schon nach Jahr und Tag die Fabrik aufgabcn und die ganze Einrichtung als unbrauchbaren Krempel verschleudern mußten."
„Das ist. gar nicht sonderbar und liegt nur daran", fiel ihm Szabo erregt ins Wort, „weil mein Nachfolger von der Sache nichts verstand, außerdem ein Feind aller Neuerungen tpar und dem von mir eingesetzten Fabrik- direktor Knüppel zwischen die Füße warf."
Graf Stepenaz sah ihn durchbohrend an und zog einen umfangreichen Brief aus der Tasche.
,^Jch habe bei Graf Jülöp über die Gründe dieser ausfällig schnellen Preisgabe der mit so bedeutenden Kosten ins Werk gesetzten Anlage angefragt", sagte er dann ruhig, ,-und dieser teilt mir mit, daß die Analyse der unter seiner Aufsicht abgesandten Rüben ein geradezu niederschmetternd-ungünstiges Resultat ergeben habe. Wie wollen Sie mir das erllären?"
Szabo schnappte ein paarmal nach Luft.
„Das begreife ich nicht — das ist mir einfach rätselhaft", entgegnete er, und sich dann in die Brust werfend, protestierte er mit dem Pathos edelster Entrüstung, „will er vielleicht mir aus der Unzuverlässigkeit der staatlichen Untersuchungsanstalten einen Vorwurf machen?"
Stepenaz reagierte indes gar nicht darauf, sondern fuhr unbeirrt fort:
„Jülöp schreibt mir ferner, daß er es sich angelegen sein ließ, diesem Rätsel auf die Spur zu kommen, und dabei stellte es sich sonderbarer Weise heraus, daß Sie in der fraglichen Zeit eine lleine Sendung Rüben aus Böhmen, also aus dem Lande der anerkannt besten Zuckerrüben — erhalten haben. Er ist nun der Ueber^eugung, daß Sie diese und nicht die auf seinem Grund und Boden gewachsenen Mr Analyse eingesandt haben."


