Ausgabe 
15.8.1904
 
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Montag den 15. August»

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Gin angenehmes Kröe.

Humoristischer Roman.

Von Victor von Reisner.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Schon am nächsten Tage wurde damit begonnen.

Anstatt des gewohnten Kaffees gab es zum Frühstück Tee und dazu Weiche Eier.

Herr von Höchstfeld schnitt ein verwundertes Gesicht.

Weißt Du, liebe Eveline", meinte er,im Winter lasse ich mir Tee gefallen, aber im Sommer bedanke ich mich dafür."

Es ist nur wegen der Eier, die aufgebraucht werden Müssen", belehrte sie ihn,denn zum Kaffee kann ich 'fie Euch doch unmöglich vorsetzen."

In der Hoffnung, daß diese Leidenszeit nicht zu lange währen würde, und um auch nicht den Kindern mit bösem Beispiel voranzugehen- gab er, sich zufrieden.

Zum zweiten Frühstück wurden Eierspeise und hart­gekochte Eier serviert.

Du willst uns wohl überhaupt nur mehr mit Eiern füttern?" fragte er da schon gereizter.

Aber erst beim Mittagstisch offenbarte sich ihre volle Eierstrategie.

Zuerst kam Suppe mit Eieretnlauf als Zwischeu- gericht fricassierte Eier dann Hühnerfricassee mit drcker Eiersauce und dazu Kopfsalat mit sehr vielen Eiern gar­niert, und zum Schluß Eieromelettes.

Das Abendbrot lieferte zum größten Teil auch der Hühnerhof.

Weiche Eier, harte Eier und Eier auf Butter machten den Anfang, Eierkuchen, Eier mit Speck und Rührei bildeten die liebliche Fortsetzung, und vorm Schlafengehen gab es, trotz der Hitze, zum allgemeinen Gruseln noch einen recht dicken Eierpunsch

Dies war der erste Etertag, und der nächste begann natürlich abermals mit Eiern.

Als Herr von Höchstfeld zum Frühstückstisch! trat und sein Blick gleich wieder auf Eier ftel, wurde ihm ganz übel.

Das halte ich nicht aus, liebe Eveline", klagte er, -,Mit Eiern geht man zu Bett, mit Eiern steht man wieder auf! Ich komme mir ja schon wie das Gelbe vom Ei vor! Wenn Du das so werter treibst, dann werde ich nächstens nicht mehr sprechen, sondern krähen."

Kikerikis kreischte Erna sofort in solch "hohem Dis­kant, daß sich alle vor Schmerz dre Ohren zuhalten mußten.

Hali den Schnabel!" schalt die Mutter.

Siehst Du, Papa", fing Erna das Wort auf,Mama bewegt sich schvn ganz rm Bilde. ich habe keinen Munde

mehr, sondern einen Schnabel. Jetzt fehlt nur noch- daß sie mich und Erich ihre Kücken nennt, sich die Henne und Dich den Gockelhahn!"

Und anstatt ins Bett gehen wir dann auf die Hühner­steige schlafen", gütig der Vater auf ihren Schmerz ein,

Frau von Höchstfeld sah ihn bitterböse an.

Wenn es Dir nicht paßt", sagte sie indigniert,bann bitte, besorge doch Du die Hauswirtschaft, ich weiß ohne­hin nicht mehr, was ich Euch vorsetzen soll. Einen Schläch­ter gibt es ja hier nicht und der in Mariance schlacktet auch nur alle vierzehn Tage einmal! Wenn Du übrigens glaubst, die Eter besser verwerten zu können, dann tu Dir reinen Zwang an, mir soll es nur lieb sein."

Aber, liebe Eveline, so nimm doch nicht gleich alles so furchtbar tragisch", bat er,ich habe Dir doch keineswegs einen Vorwurf machen wollen."

Ich könnte mich wälzen vor Lachen", schrie Erna ver­gnügt dazwischen.

Frau von Höchstseld war einfach starr.

-,Erna!" rief sie entsetzt,was ist das für ein Ausdruck V*

Pardon, ich wollte sagen: kugeln", entschuldigte sich diese.

Ein junges Mädchen hat sich weder zu wälzen, noch zu kugeln!" erklärte die Mama voller Empörung.Du verwilderst ja hier vollkommen! Woher hast Du denn nur diese neue Ungezogenheit?"

Das habe ich so vom Herrn Pfarrer gehört", erklärte diese mit harmloser Miene.

Natürlich- vom Pfarrer, das könnt' ich ntir ja denken", Brummte der Major,bei allem irgendwie Unangenehmen steckt doch er sicher dahinter!"

Erich, der sich absichtlich passiv verhielt und nur mehr bei völlig unverfänglichen Themas mitsprach, ging still­schweigend hinaus. Draußen erwartete er jedoch die Kleine und nahm sie bet ihrem Erscheinen sofort ins Gebet.Du solltest doch nun nachgerade selbst so gefeit sein, dem Vater nicht neuen Stoff zum Aerger zu geben", redete er auf sie ein.Hast Du denn wirklich, nicht so viel gesunden! Verstand, um Dir zu sagen, daß Du ihn durch, das fort­währende Erinnern an den Pfarrer nur unnötigerweis« reizest?"

Erna zog ein schiefes Mäulchen.

Sieh uur, sieh, auf einmal pochst Du auf meine Ge­scheitheit und auf meinen gesunden Verstand", warf sie ihm vor,sonst aber sekundretst Du der Mama und hetzt sie sogar gegen mich auf."

Dergleichen Beschuldigungen verbitte ich mir ganz ent­schieden", verwies er sie,wenn Du ungevechtfertigterwei.se einer Dummheit beschuldigt wurdest oder Mama einen un­überlegten, wenn auch übermütigen Streich, aufbauschte, habe ich noch stets Deine Partei ergriffen. Daß Du mir so selten dazu Gelegenheit gibst und mich meist zu einem strengen Urteil zwingst, tut mir selber leid, aber die Eltern gegen Dich aufzuhetzen, ist mir sicherlich Nie eingefallen.