Ausgabe 
15.7.1904
 
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seinen lieben gestrigen Brief Mittwoch." Diese wenigen yi

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Redaktion: Auaust Götz. Notatiousdruck und Verlag der Vrülh'scheu UniversitätS-Buck- und Steindruckcrci. R. Lange, Gießen.

Stammtisch-Scherz.

(Nachdruck verboten.)

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Anagram,ns in vor. Nr.r Kreta, Karte, Kater.

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zwischen den Tausenden von L die dem Fürsten Blumen überreichten, schienen, .sodaß si Ab und zu streichelte.. die Blümchen entgegen.

deren Heim Wolf manche genußreiche Stunde verbracht hat, die schöne Frau Doktor Lindpaitner", die später bekanntlich Franz Stucks Gemahlin wurde, Graf. Moltke, Adjutant des Kaisers, dessen hinreißendes Klavierspiel Wolf besonders rühmt, und Anton Dreher, der bekannte Schauspieler, über den Bismarck sich mehrmals äußerst anerkennend ausspricht. Ein dreitägiger ÄuSflug in die Dolomiten, die das Graf Wilhelm Bismarcksche Baar mit Wolf unternimmt, ist besonders anziehend geschildert, und die Erzähl­ung, wie hoch droben in der Regensburger Hütte Graf Bill Knorrsche Erbstwürste rührt, Zwiebelnschält und Salami in Schei­ben schneidet, während dre Gräfin Teller und Löffel putzt und den Tisch säubert, ist recht geeignet, diese von der Gunst des Schicksals so hoch gestellten Menschen in ihrer liebenswürdigsten Schlicht- ' heit und Natürlichkeit kennen zu lernen.

Den Beschluß möge eine kurze Schilderung bilden, die Wolf von des Fürsten 79. Geburtstagsfeier am 1. April 1894 gibt. Am Abend vorher sollte eirt Fackelzug zu Ehren Bismarcks veranstaltet werden. Um Vz8 Uhr kommt der Fürst in Kürassieruniform aus dem Hause. Er nimmt, von seiner Familie umgeben, am Ein­gang desselben Stellung, um den Fackelzug der Hamburger Bürgerschaft an sich vorüberziehen zu lassen. Da ich ihm gerade gegenüberstand, konnte ich wahrnehmen, wie er kerzengerade und mit entblößtem Haupte volle dreiviertel Stunde an einer Stelle stand, .und das an einem kühlen Märzabend. Den Stuhl, den ihm Schweninger mehrmals hinschob, lehnte er ab. Auf die An­sprache von Karl Woermann aus Hamburg antwortete er mit weithin vernehmlicher Stimme. Rührend war es anzusehen, als Fackelträgern die kleinen Kinder, reichten, wie von Zauber gebannt sie buchstäblich weiter geschoben werden mußten. )elte der Fürst einem Kinde die Backe und nahm lieber den Geburtstag selber heißt es dann später: Draußen im Park wechseln die Klänge einer Militär­musik mit den Liedervorträgen verschiedener Sängergesellschaften ab. .Kopf kitt Jopf, dicht gedrängt, wogte im Park eine unab­sehbare Menschenmenge, die immer wieder von neuem Hoch! ruft, und die, wenn sich der Fürst auf der Terrasse zeigt, um sich zu bedankeit, in einen unbeschreiblichen Jubel ausbricht. Drinnen im Hause, in allen Räumen, .in den Korridors, auf den Treppen türm­ten sich Blumen auf Blumen; Topfgewächse, die immer noch in Mengen ankommen, füllen das ganze Parterre vor dem Eingang zum Hause; die Anzahl der Postpakete in allen Größen und For­men ist unbeschreiblich. Nie und nimmer hätte ich geglaubt, daß die begeisterte Liebe der Nation zu ihrem Helden einen so starken Ausdruck sind en würde. Dafür, daß Wolf zur weiteren Kenntnis diesesHelden der Nation" durch (sein Buch wesentlich beigetragen und manche wertvolle Erinnerung an Bismarck der Unbekannthett und dem Vergesseuwerden entrissen hat, gebührt ihm der Dank aller aufrichtigen Verehrer des großen Mannes.

Offizieren ein HuteS Beispiel geben: ztveitens tue ich es aus patriotischen Gründen", worauf ich entgegnete:Majestät, der Patriotismus geht bei mir nur bis an den Magen." Bei einer anderen Gelegenheit erging sich der Fürst in etwas ausführlicherer Weise über die Eigenschaften der deutschen und französischen Wche, hob dabei die französische Kochkunst hervor und erwähnte das poulet gros sel" und dasPoulet ä l'estragon".Auch in Ham­burg hat es von jeher gute Restaurants gegeben, so zum Beispiel 1842 das Theater-Restaurant; Franz Pfordtes Kochkunst ist eine Spezialität, namentlich in Braten und Wild. Das verstehen die Franzosen gar nicht. Talentierte Kochkünstler, wie Psordte, sind eine Seltenheit; die sterben in Deutschland aus."

In den letzten Lebensjahren Bismarcks ließ sein kräftiger Appetit bedeutend nach, was zum Teil mit den häufig bet ihm auftretenden Gesichtsschmerzen zusammenhing, die ihm das Kauen recht beschwerlich machten. Mit dem Ausdruck des Bedauerns kon­statiert Bismarck selber die eingetretene Abnahme seines sonst so trefflichen Appetits:Ja, früher, wenn ich nach Hause kam, so zwischen 14 und 18 Jahren, da machte mir die Verwalterin ein Dutzend Setzeier; das war gar nichts für mich; da verlangte ich meist noch ein Dutzend nach; jetzt muß ich mich mit vieren als Maximum begnügen." Von besonderem Interesse für Berlin ist eine Aeußerung über die Stadt Berlin, die einzige, die sich in dem Buche Wolfs findet. Als gesprächsweise der Name ejnes Herrn erwähnt wurde, dessen Wohnung sich am Kursürstendamm befand, bemerkte Bismarck:Wenn mir die Berliner ein Denk­mal setzen wollen, so wünsche ich es mir nur dahin. Von der Politik und der Geschichte als meinem eigenen Werk tvill ich nicht reden. Da waren andere Einflüsse im Spiel. Aber eins kann ich für mich in Anspruch nehmen, daß ich den Berlinern Luft verschafft habe. Den Kurfürstendamm und die Villenkolonie Grünewald, die damit zusammenhängt, habe ich ganz allein durch­gekämpft. Ich habe bei dem hochseligen König eine Kabmetts- ordre erwirkt, den Kurfürstendamm als Zufahrt nach dem Grüne­wald durchzuführen, trotzdem ich das Polizeipräsidium gegen mich hatte. das Jntriguen gegen mich spann. Denn einige der Herren, die ein anderes Projekt patronisierten, und in der Aussicht auf dessen Verwirklichung sich bereits in Terrainspekulationen ein­ließen, hatten Wind bekommen und versuchten, mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ich kann wohl fagen, daß mir in dieser Sache mehr Schwierigkeiten bereitet wurden, als es durch sämtliche Diplomaten je geschehen ist. Mer ich hatte das Ver­trauen meines hochseligen Herrn, und als ich ihm meinen Vor­trag gehalten hatte, sagte erMachen wir". Und fo wurde es gemacht."

Bon der Familie des Fürsten Bismarck sind es zwei Personen, die in dem Buche eine größere Rolle spielen, vor allem natürlich die Lebensgefährtin des Kanzlers, und neben ihr Graf Wilhelm Bismarck, der.jüngste Sohn des Fürstenpaares. Das Bild der Fürstin tritt dem Leser in den verhältnismäßig nicht sehr zahl­reichen Aufzeichnungen des Verfassers äußerst klar vor Augen, und man empfängt von ihr den Eindruck einer ungemein sym­pathischen Frau, deren Leben vor allem von dem Gedanken an ihren großen.Gatten ausgefüllt wird. Das Buch enthält eine Anzahl von Briefen der Fürstin an Wolf, die sie zum Teil auch im Namen Bismarcks geschrieben hat. Gerade diese Briefe tragen den Stempel einer liebenswürdigen und im höchsten Grade schlich­ten, bescheidenen Persönlichkeit, die für jeden Beweis der Treue und Anhänglichkeit an ihr Haus dankbar und empfänglich ist. Wenn sie z. B. ihren Dank für .eine Blumenspende in einer so warmen Weise ausdrückt:So will ich Ihnen" heißt es an einer Stelle eines solchen Briefesunfern herzlichen Dank senden für die zauberhaften Blumen, die wirklich überwältigend schön waren und noch immer neben meinem Schreibtisch wunder­voll duften. Es war so liebenswürdig von Ihnen, unser zu ge­denken in so köstlicher Weise, die uns sehr erfreut, und wir beide danken Ihnen recht von Herzen dafür. Schönhausen wird Ihnen gewiß gefallen, es ist solch eigentümliches Haus, wie ein Märchen aus alten Zeiten, und man merkt ihm die sechshundert Jahre, in denen es ehrwürdig dasteht, schwer an. Und wie behaglich und wohnlich hat mein Sohn sich es eingerichtet! Ich habe im Sommer große Freude daran gehabt, und wäre ich nicht gar so mmmerlich und schwerfällig, würde ich ihn gern oft dort besuchen. Grüßen Sie ihn viel, bitte, und sagen Sie ihm, ich ließe sehr für seinen lieben gestrigen Brief danken und freute mich Innig zum Mittwoch." Diese wenigen Zeilen sind charakteristisch für die ganze Smnesart und das Wesen der Fürstin Bismarck, deren sympa- sische Gestalt uns ja vor allem durch die kürzlich veröffentlichten Briefe ihres Gatten vertraut geworden ist. Recht viel inter­essantes Material bringt das Buch überBill", wie er im Eltern­hause genannt wurde, den Grafen Wilhelm v. Bismarck, späteren Regierungspräsidenten von.Hannover, in welcher Eigenschaft ihn Wolf tm Jahre 1894 dort besucht. Zuvor, im Jahre 1893, Ist Wolf mit der gräflichen Familie in München und Umgebung zu­sammen, und gerade diese Zeit ist in ihren Einzelheiten recht an- Muftch geschildert. Eine größere Anzahl namhafter Persön­lichkeiten tritt uns hier entgegen, neben dem Grasen Wilhelm seine anmutige Gemahlin Sibylle, von der Wolf ein besonders einnehmendes Bild entwirft,, ferner die Familie L erwachs, in

Kleine praktische Ratschläge.

* Eine Kräftigung kurzsichtiger Augen kann durch eine Schonung der Augen herbeigeführt werden. Gerade Kurzsichtige müssen sich davor hüten, zu angestrengt ohne Unter­brechung zu arbeiten. Für KurzsichAe macht sich ein öfteres Aus­ruhen, fei es auch nur für einige Minuten, dringend notwendig; sie müssen timt ihrer Arbeit wegsehen und das .Auge auf einen entfernten Punkt Erholung suchen lassen. Gut ist es, wenn das Auge mehrmals des Tages mit kühlem Wasser gewaschen wird, dem man etwas Borax zufetzen mag. Recht verbrettet ist der Irrtum, daß Has Tragen von Brillen kurzsichtige Augen schwäche; das Gegenteil ist der Fall. , ,

* Zur Reinigung tion O e l f a r b e n a n st r i ch e n stelle man sich eine Borax-Seifenlauge her, indem man 1 Liter Regen­wasser siedet und darin 35 Gramm Borax und 65 Gramm Kern­seife auflöst. Diese Lösung.wird auf einem Flanelllappen aus- gegossen und damit der .Gegenstand abgerieben; zuletzt wird fntt reinem weichen Wasser nachgewaschen. Diese Lösung wirkt in keiner Weise ätzend und wird vornehmlich 'für kostbare Oelfarben- anflriche zu 'verwenden sein. Für Fußböden z. B. kann schon eine scharfe Seife in Anwendung und der Borax in Wegfall kommen.

* Bei nächtlichem Herzklopfen' genieße man vor dem Schlafengehen Zitronenlimonade aus Zitronensaft und Zucker­wasser.