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Diese wenigen' Male nur sind cs, wo wir über die Bezieh­ungen Bismarcks zu sremden Staatsoberhäuptern, Politikern oder sonstigen Berühmtheiten hören. Dagegen tritt uns Bismarcks Gestalt im Kreise seiner Familie und seiner Intimen desto deut­licher vor Augen. Einen seiner Besuche auf Schloß Friedrichsruh schildert Wolf in folgender Weise: In dem Speisesaal versammeln sich per Fürst, gefolgt von feilten zwei Hunden, die Fürstin, Gräfin EickstLdt, Baron und Baronin Merck, die Gutsnachbarn des Fürsten, und die rechte Hand Seiner Durchlaucht, Loihar Bucher, der in seiner kleinen, schmächtigen, fast gedrückten Erscheinung einen merkwürdigen Kontrast zu dem Misten bildet. Ein andermal seht.sich die Frü lMi cksg e s ellscha ft aus dem fürstlichen Paar, der Gräfin Rantzau, dem Grafen Herbert Bismarck und Geheimrat Von Rottenburg zusammen, von welch letzterem Eugen Wolf einen besonders günstigen Eindruck empfangen hat. Er schreibt, daß man in> der Unterhaltung mit ihm die Ueberzeuguna gewinne, es tnit einem selten vielseitigen Manne zu tun zu haben, den man bei näherer» Umgänge lieb gewinnen müff«. Bei anderen Gelegen­heiten treten uns Graf Wilhelm Bismarck und seine Gemahlin, Graf Palffh, Dr. Chrysander und Professor SKveninger entgegen.

marcks Beziehungen zu Leo XIII. werden zweimal in dem Buche berührt, .und die Aeuherungen des Papstes über den Kanzler sind Nicht minder interessant als die des Fürsten über den Greis im Vatikan. Im Dezember 1891 hatte Wolf eine Audienz bei Leo XIII., zu deren Schlüsse sich die folgende Szene abspielte. Der Papst stellt an seinen Besucher beim Abschied die Frage: Quel voyage allez vous faire maintenant? Jirai präsenter nies hommages au plus grand hemme d6tat.Ah, vous allez chez le Prince de Bismarck! Saluez le Prinee de ma part, nous avons eu de bons rapports. Ein paar Wochen darauf erwähnte Wolf bei einer Anwesenheit in Friedrichsruh diesen Besuch und überbrachte Bismarck die Grüße des Papstes. Der Fürst erkun­digte sich angelegentlichst nach Leos Befinden:Wie geht's dem' alten Herrn? Wir sind stets gut mit einander ausgekommen, und der Papst hat Mir seinen höchsten Orden mit Brillanten ver­liehen, aber mit der verflixten kleinen Exzellenz konnte ich nicht gut auskommen," lieber seinen eigenen Rücktritt vom Kanzler- Posten macht der Fürst nur ein einziges Mal eine Andeutung und zwar erst zwei Jahre vor seinem Tode, im Mai 1896, und auch da nur in Form einer leisen Anspielung. Der Fürst hatte in einer Zeitung eine Polemik Wolfs gegen einen jungen Leutnant ge- ~ ltsch-Ostafrika nicht mit Ruhm bedeckt hatte . ...... Ehrengericht gestellt worden war, vermöge

hoher Protektion es aber durchgesetzt hatte, daß ihm alles ver­ziehen wurde. Als Wolf die ganze Angelegenheit dem Fürsten ein wenig eingehender auseinandersetzte, bemerkte Bismarck:Wenn ich solch einflußreiche Freuiche gehabt hätte, wäre rch heute noch Reichskanzler." Diese kurze Zwischenbemerkung ist alles, was wir über des Fürsten Ausscheiden aus dem Staatsdienst hören, Die Ausbeute an Aussprüchen Bismarcks über bekannte Persönlich­keiten ist nicht sehr groß, einen Hübschen Ausspruch über Bismarck berichtet jedoch Wolf, als er im Jahre 1891 in Prätoria war und Paul Krüger bei dieser Gelegenheit besuchte. Der Präsi­dent erzählte mancherlei von seiner Europareise, und als die Rede auf Bismarck kam, sagte er:Bismarck und ich, wir konnten uns sehr gut verständlich machen; er hat plattdeutsche mit mir gesprochen, ich.die Sprache meines Landes, und so bedurfte es keines Dol­metschers."

Fragen ihn wichtige zukünftige Ereignisse mit großer Sicherheit vorauszusehen befähigte, ist ein Ausspruch, den er im Januar 1896 bei Erwähnung des Telegramms Kaiser Wilhelms II. an den Präsidenten Krüger kurz nach dem Jameson-Einfall, tat. Der Streit Englands mit .Transvaal ist damit nicht erledigt", bemerkte Bismarck bei dieser Gelegenheit.England wird dar­auf nicht verzichten, eS wird seine Aktion nur vertagen." Betreffs Madagaskar, von dessen Besuch Wolf gerade zurückgekehrt war, äußert« Bismarck darauf, daß dessen Besitznahme durch Frankreich den Engländern stets ein Dorn im Äuge bleibe, nachdem sie Herren von Südafrika geworden wären, und daß Frankreich nicht nur für Befestigungen Millionen aufwenden, sondern daß es auch immer auf dem qui vive bleiben müsse. Ein starkes Miß­trauen gegen Englands Politik spricht sich überhaupt unverkenn­bar in den wenigen Aeußerungen aus, die Bismarck über deutsch­englische Beziehungen tut, und vor allem ist sein Urteil über Chamberlain fein günstiges:Chamberlain kommt mir immer so vor wie der Riese in einem englischen Bilderbuch, das ich besessen, der sich in seine Höhle zurückzieht, die Stiefel davor aufhängt und hineintritt und etwa so sagt:The man, who wants these boots to steal, must first to my strength appeal. Und diesen Worten fügte Bismarck noch die für ihn .besonders charakteristischen hinzu:Die Engländer trinken heute weniger als früher, deshalb ist auch ihre Politik schlechter geworden. Die Schweden trinken viel, die Norweger weniger." Im allgemeinen wird die Politik nicht allzu oft in der Unterhaltung mit Wolf gestreift. Zum Teil lagen andere Gesprächsstoffe näher, zum Teil mußte auch der Verfasser aus naheliegenden Gründen von einer Wiedergabe einzelner Aussprüche Bismarcks über politische Dinge Mehen, .besonders da, wo Personenfragen eine Rolle spielten. Wo überhaupt politische Themata berührt werden, geschieht es auf feiten Bismarcks meist in anekdotischer Art, und hier Leigte sichrer Fürst .von einer der einnehmendsten Seiten seines W Marcks Beziehungen zu Leo XIII. werden zweimal in

Daß Bismarck bis in sein höchstes Alter hinein ein Freund der Geselligkeit war, daß er es liebte, Gäste um sich zu versammeln, und im Freundeskreise bei einem guten Glase Wein und seinen geliebten, langen Pfeifen angeregt ju plaudern, geht aus allen Schilderungen Wolfs mit Deutlichkeit hervor. Bei diesen Ge­legenheiten war es ihm möglich, die erstaunlich vielseitigen und ausgedehnten Kenntnisse Bismarcks kennen und bewundern zu. lernen. Das charakteristische Merkmal wahrhaft großer Geister, die Universalität des Wissens und ihrer Interessen, ist auch Bis­marck in hohem Maße zu eigen gewesen. Äußer Politik und Kolonialfragen werden.häufig landwirtschaftliche und verwandte Themata mit Eifer und Sachkenntnis erörtert; Fürst Bismarck interessiert sich ebenso lebhaft für die Herstellung des Bananen-. Weins in.Uganda wie für die Flora in Madagaskar, er ist ebenso vertraut mit dctt Geheimnissen der französischen Küche toi« mit den Werken der deutschen Klassiker. Während eines Frühstücks im kleinen Kreise kam, wie Wolf an einer Stelle seines Buches erzählt, die Rede auf ein Zitat aus Shakespeare. Geheimrat Rottenburg sagte:Das ist aus demSturm". ,Mcht doch" erwiderte Bismarckaus dem Sturm wird es nicht sein, sondern ausKönig Richard III." Dabei nannte er Akt und Szene und meinte, es müsse in der deutschen Uebersetzung von Schlegel und Tieck auf der so Ünd so vielten Seite rechts, auf der siebenten oder neunten Zeile von unten stehen. Da auch Rottenburg im Recht zu sein glaubte, ließ .der Kanzler das betreffende Buch aus der Biblio­thek holen. Der Fürst hatte recht. Diese kleine Episode ist recht geeignet, das ungewöhnliche Gedächtnis Bismarcks, das ihn bis in sein höchstes Alter nicht verlassen hat, zu beleuchten. Ein andermal hätte die Fürstin Bismarck in einer Zeitung .einen Artikel über das Schächten gelesen und wandte sich mit der Frage, was eigentlich das Schächten fei, an ihren Gatten, worauf er ihr nach Wolfs Urteil eine so fach- und fachgemäße Antwort er­teilte, wie ein Talmudgelehrter. Ganz besonders aufgeräumt und von seiner liebenswürdigsten Seite zeigt sich aber Bismarck danN, wenn das Tischgespräch sich mit Speise und Trank be- Stigt. Wie allgemein bekannt, teilte Bismarck mit manchem en Manne die Eigenschaft, ein starker Esser, vor allem aber auch. ein fester Trinker zu sein, und zur Charakterisierung dieser Seite seiner Natur liefert das Wolffche Buch manchen bemerkens-, werten Beitrag. .Die von Wolf' beschriebenen Mahlzeiten im Schloß .Friedrichsruh zeigen den Fürsten Bismarck als Freund einer, wenn auch nicht gerade luxuriösen, so doch sehr guten Küche und eines Kellers, der selbst die verwöhntesten Ansprüche zu be­friedigen im stände ist. Eigenartig muten die auf der fürstli^n Tafel üblichen Getränke in ihrer Zusammenstellung an, nämlich Münchener Spatenbier, .Sekt und Nordhäuser Korn. Ein großer Berehrer des Champagners ist Bismarck zeitlebens gewesen, und wie er sewer gesteht, hat er den Schaumwein auch stets in reich­lichen Mengen genossen. Als Wolf einmal nach einer bis zum frühen Morgen durchgeseierten Nacht mittags zu Gast auf Schloß Friedrichsruh ist, bemerkt Bismarck den bemitleidenswerten Zu­stand seines Freundes und will ihm Mut zusprechen:Ein sehr- gutes Mittel gegen Kater ist: eine ganze Flasche Champagner auf einmal austrinken. Zur Zeit, da rch 'noch Gesandter in Frank­furt a. M. war, habe ich die Probe aufs Exempel gemacht, indem ich bei dem Liebcsmahl eines Reiterregiments mit einem ganzen Humpen Sekt meinen Jammer wegspülte." Wolff erzählte die amüsante Szene dann m folgender Weise weiter: In meinem Zustande schien das Experiment gewagt; doch als die Fürsten beifügte:Und ich empfehle Ihnen einen salzigen Hering", durfte ich .nicht tieiit sagen. .Während die Fürstin aus der benachbarten Wirtschaft einen gesalzenen Hering beschaffen ließ und mir eigen­händig drei Kartoffeln schälte und vorlegte, hatte der Mrst durch Pinnow einen Humpen mit Champagner füllen lassen.Nun haben Sie meiner Frau Rat befolgt, jetzt befolgen (Sie auch meinen. . Wenn Sie den intus haben, ist Ihnen wieder wohl. Während ich sog und sog, nicht glaubend, daß der Humpen leer würde, und ich mir doch um keinen Preis eine Blöße geben wollte, sah ich über Pas Gefäß hinaus, wie der Fürst sich freute, daß es mir so schwer wurde. .Sie Tränen liefen ihm vor Lachen über die Backen; doch als ich den Rand des Kelches auf den Daumennagel setzte u.nd die Nagelprobe machte, rief der Fürst freudig:Hat's brav gemach:, hat's brav gemacht, drum wird er auch nicht ausgelacht." Wie wenig stimmen solch kleine, von liebenswürdigstem Humor zeugenden Züge mit dem Bilde überein, das man oft zu Unrecht von Bismarck entworfen hat, und, wie sehr sind sie dazu angetan, uns die Riesengestalt des Altreichs­kanzlers menschlich näher zu bringen. Sehr hübsch ist, auch die Erzählung Bismarcks über eine Unterhaltung mit Kaiser Wil­helm II., die sich um die Frage des deutschen oder französischen Schaumweins drehte. Bei einem Mittagessen in Friedrichsruh im März 1894 gab Bismarck die kleine Anekdote zum Betont Deutscher Champagner bekommt mir nicht. Da ist mir in Berlin folgendes passiert: Beim jetzigen Kaiser wurde einmal bei Tisch deutscher Champagner eingeschenkt, ich konnte das Etikett Nicht sehen, weil die Flasche mit einer Serviette umwickelt war, aber ich schmeckte cs sogleich unh stellte das Glas vor mich hin, worauf der Kaiser mich frug, warum ich nicht trinke. Auf meine Ant- >vort, daß ich deutschen Champagner nicht vertrage, sagte der Kaiser: Erstens trinke ich ihn aus Sparsamkeitsrücksichten, denn ich habe eine große Familie zu ernähren, auch will ich meinen