Ausgabe 
15.6.1904
 
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Nie zu erwartende Verkehrszunahme käme beiden Beteiligten zugute. Andere in Frage kommenden Linien sind größtenteils so stark belastet, daß ohnehin über kurz oder lang weitere Gleise gebaut werden müssen. Entlastet man diese Strecken durch be­sondere elektrische Schnellbahnen von dem durchgehenden Schnell- verkehr, so fallen damit die Züge fort, die den übrigen lang­sameren Verkehr der Personen- und Güterzüge am meisten be­schränken. Wird mit der Zugkraft sparsam umgegangen und ist der nötige Verkehr vorhanden, so wird sich der Betrieb der elek­trischen Schnellbahnen zweifellos lohnend gestalten.

Landwirtschaftliche Kaushattungsschrrle zu LindHeim.

Die zu Lindheim seit 1889 bestehende Haushaltungsschule des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen steht unter Oberleitung und Verwaltung des landw. Bezirksvereins Büdingen und eines Aufsichtsrats zu Lindheim und hat die Auf­gabe, Mädchen im Alter von etwa 1620 Jahren die Gelegen­heit zur Aneignung derjenigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu geben, welche zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bürgerlichen Haushaltung erforderlich sind, sie an Reinlichkeit, Piinktlichkeit und Fleiß, Ordnung und Unterordnung, sowie an Sparsamkeit im Haushalt zu gewöhnen, und auf Geist und Gemüt bildend einzuwirken.

In dieser Lehranstalt erhalten die Mädchen vorzugsweise Unterricht und praktische Anleitung im Kochen. Die Unter­weisung erfolgt hierin abteilungsweise an 2 Kochherden und ist ntif die Erlernung der Zubereitung einer schmackhaften und kräftigen sog. Hausmannskost gerichtet. Weiter wird unterrichtet im Konservieren von Nahrungsmitteln, wie Ein­machen von Gemüsen und Früchten, Einsalzen von Fleisch, Räu­chern von Fleisch und Wurstwaren, sodann im Backen, im Waschen, in der Behandlung der Wäsche und Kleidung, im Bügeln und Putzen. Hieran schließen sich an: Be­stellung und Ausnützung des Gemüsegartens, sowie Zucht und Pflege des Geflügels. Gründliche Unterweisung erfolgt ferner in der Fertigung weiblicher Handarbeiten (Stricken, Flicken, Stopfen und Weißnähen mit der Hand und der Ma­schine, Kleidermachen, wobei sich die Mädchen ftir den eigenen Bedarf und für denjenigen ihrer Familie beschäftigen dürfen.) Auch wird in den Fortbildungsfächern, nämlich im Rechnen, in der Abfassung von Aufsätzen und Briefen und in der Buchführ­ung Unterricht erteilt, wie auch Unterricht in den Anfangsgründen der Gesundheits- und Krankenpflege erfolgt. Es ist in der An­stalt für eine geist- und gemütsbildende Lektüre gesorgt, und wird der Gesang gepflegt. Ein Klavier ist der unentgeltlichen Benutzung der Mädchen überlassen.

Die unmittelbare Leitung der Anstalt ist einer Vorsteherin und einer Assistentin (Handarbeitslehrerin) übertragen, welche beide in dem Anstaltsgebäude wohnen. Außerdem erteilen in der Anstalt der Großh. Kreisarzt zu Büdingen, ein Landwirt­schaftslehrer, ein Volksschullehrer und der Kreisobstbautechniker Unterricht.

Es finden jährlich 2 Unterrichtskurse von je fünf Monaten statt. Jede Schülerin hat für den Kurs 20 Mark, eine Nichthessin 30 Mark, als Entgelt für Unterricht, Wäsche und Logis beim Eintritt und ferner 1 Mark täglich für Kost und Verpflegung am 1. jeden Monats vorauszahlungsweise zu entrichten. Außerdem sind noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.

In die Anstalt sind mitzubringen: 1 Bettdecke, 1 Unterbett, 1 Kissen, (Bettstelle und Matratze werden gestellt), 1 doppelte Ueberzug, 1 weißer Bettüberwurf, 3 Betttücher^ 2 ein­fache Druckzeugkleider, 6 Hemden, 4 Handtücher, 2 Bettjacken (Kleider und Wäsche gezeichnet), 1 Kleiderbürste, 1 Schuhbürste, 1 Zahnbürste, 1 Regenschirm, 1 Nähstein, Zeug und Leinwand zur Unterhaltung von Kleidern, Hemden, und Bettwäsche, Wolle und Garn zu Strümpfen und Socken rc. und 2 Vorhängschlößchen.

Vom Tage des Eintritts an, also während des Kursus, dürfen die Mädchen ohne Erlaubnis oder Auftrag der Vorsteherin außerhalb der Anstalt nicht verkehren und sie haben sich der eingeführten Hausordnung nnverweig- jich zu fügen. Insbesondere ist ihnen auch Ehrerbietung, Ge­horsam und Unterordnung gegen das Auffichts- und Lehrperso­nal, Freundlichkeit, Verträglichkeit und liebevoller Verkehr unter­einander und endlich Treue, Fleiß und Sorgfalt bei den Arbeiten zur strengsten Pflicht gemacht.

An Sonn- und Feiertagen werden die Mädchen ver­anlaßt, den Gottesdienst ihrer Konfession zu besuchen, wobei die Vorsteherin, bezw. die Assistentin, die Begleitung übernimmt. Morgens vor dem Frühstück, vor und nach dem Mittagefien und abends vor dem Schlafengehen findet gemeinsames Gebet statt.

Besuche von Eltern und Schwestern sind gestattet, solche anderer Personen nur unter Begleitung eines Mitglieds des Auffichtsrats.

Am Schlüsse des Kursus findet eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten, die Uebergabe von Zeugnissen über

Betragen und Leistungen, sowie eine feierlicheEntlassung der Schülerinnen statt, wozu deren Eltern und Angehörige ein­geladen werden.

Der 2. Kursus pro 1904 beginnt Freitags 1. Juli und wird Mittwoch, 30. November g e->) schlossen werden.

Die Meldungen hierzu sind bei dem unterzeichneten Vorsitzenden des landw. Bezirksvereins Büdingen unter gleich­zeitiger Angabe des Vor- und Zunamens, des Tags, Monats und Jahres der Geburt und des Wohnorts der Schülerin und des Namens der Eltern oder des Vormundes schriftlich ein- zureichen.

Beim Eintritt in die Anstalt hat eine jede Schülerin ein ärztliches Zeugnis vorzulegen, das sich über ihren Gesund­heitszustand, sowie weiter darüber aussprechen muß, daß gegen- wärfig keine ansteckende Krankheit in ihrer Familie und bei deren Hausbewohnern bestehe.

Der nächste Kursus beginnt Dienstag, 3. Januar 1905.

Gesundheitspflege.

hr. Uebermäßiges Schwitzen. Die Fähigkeit, zu schwitzen, ist bei verschiedenen Menschen ungleichmäßig entwickelt, manche geraten sehr leicht in Schweiß, bei anderen gelingt dies nur durch Anwendung besonderer Mittel. An und für sich findet eine ununterbrochene Schweißsekretion statt, selbst wenn die Haut scheinbar trocken ist. Das ergibt sich aus der Funktion der Schweiß­drüsen, die das Wasser aus dem Körper auszuscheiden haben und die auch im Wärmehaushalt eine große Rolle spielen, denn durch seine Verdunstung von der Körperoberfläche übernimmt der Schweiß die wichtige Funftion eines Wärmeregulators und Wärmeent- ziehers. Manche Menschen schwitzen bekanntlich an besonderen Körperstellen sehr leicht: an den Handflächen, den Fußsohlen und der Achselhöhle. ,Das kommt daher, daß an diesen Stellen die Schweißdrüsen besonders zahlreich und besonders stark ent­wickelt sind. An und für sich ist der Schweiß färb- und geruchlose Der Geruch entwickelt sich erst nach seiner Ausscheidung infolge von Zersetzungen auf der Haut oder in den Kleidungsstücken. Schwäch-, liche, nervöse und leicht reizbare Menschen geraten leicht in Schweiße auch fette Personen schwitzen viel mehr als magere, bei ersteren ist es oft eine gemütliche Aufregung, bei letzteren eine etwas stärkere Körperbewegung, welche die Schweißabsonderung anregt. Bei allen Menschen ruft eine hohe Außentemperatur starkes Schwitzen hervor, schon Temperaturen, welche die der Haut, um 68 Gr. C. übertreffen, sind kräftige Erreger des Schweißes'. Wenn dem Schweiße nun auch eine hohe Bedeutung als wärme­entziehendes Mittel zukommt, so wird er doch vielen Menschen bei übermäßigem Auftreten lästig, ja große Schweißverluste wirken schwächend und erschöpfend auf den Körper. Ratschläge, wie man das übermäßige Schwitzen bekämpfen kann, dürsten daher gerade in der jetzigen Jahreszeit willkommen sein. Dazu ist vor allem peinlichste Reinlichkeit notwendig, häufiges Baden und Waschen des Körpers, Bepudern der in besonders hohem Maße schwitzenden Stellen mit Alaun und Gerbsäurepräparaten, Waschungen mit Essig, Franzbranntwein, Kölnisch Wasser nsw. Von besonderer Wichtigkeit ist die Beschaffenheit der Kleidung, da die Kleidungs­stoffe ein verschiedenes Verhalten zur Aufsaugung des Schweißes aufweisen. Seide nimmt weniger an Schweißbestandteilen auf als gestrickte Baumwolle und Leinen, noch weniger tut dies dick Reformbaumwolle und Leinen, am wenigsten gestrickte, gewirkte und Trikotwolle. Da Wolle und Reformbaumwolle den Schweiß auch viel weniger zersetzen, als Seide, Leinen und Baumwolle, so dürften diese Stoffe für stark schwitzende Menschen am ersten zu empfehlen sein.

Zifferbl attriitsel.

Nachdruck verboten.

i n in iv v vi vii vm ix x xi XII

Die Buchstaben AA, B, v, EEE, G, I, LL, N sind anstelle der Ziffern des Zifferblattes einer Uhr derart zu setzen, daß die Zeiger bei ihrem Rundgang Wörter folgender Bedeutung berühren

1 4 Farbe.

2 5 Fluß in Europa.

4 6 Verhältniswort.

4 7 Werkzeug.

5 6 Nahrungsmittel.

5 8 Gegensatz der Langsankeit.

710 Geliebte Jupiters.

911 Jüdischer Stammvater.

1011 Verhältniswort.

11 3 Besestigungsmittel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Umstellrätsels in vor. Nr.

Harm, Erich, Seil, Serie, Emil, Roten, Ragel, Anker, Sang, Siam, Arigen, Ulanen.

Hesse«-Rassan.

Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Verla« der Brühl'schen UniverütätS-Buch- und Cteindruckerci. R, Lange, Gießen.